Es ist ein unscheinbares Haus mit hellgelbem Anstrich im Zentrum von Köln, in dem sich Andrea Hasselbach ihre neue Existenz aufgebaut hat. Stolz schreitet sie über den Laminatboden des großen, hellen Raumes im Erdgeschoss, barfuß, damit auch ja nichts schmutzig wird. An zwei Wänden gibt es breite Spiegelfronten, halbhohe Raumtrenner teilen eine Ecke zu einer kleinen Umkleide ab, die Musikanlage ist bereit für den nächsten Kurs. Hasselbach dreht sich einmal um sich selbst und begutachtet, was sie sich aufgebaut hat: "Das ist wirklich das, was ich immer wollte", sagt sie. Die 45-jährige ist Gründerin, Besitzerin und Geschäftsführerin einer Gymnastikschule für Frauen.

Bis hierher war es allerdings ein langer Weg für sie. Und ein harter. 2009 verlor Hasselbach nach zehn Jahren unerwartet ihren Job als Sekretärin in einem Architekturbüro und wurde arbeitslos. Doch sie begriff ihre Notlage als Chance: Schon lange hatte sie neben ihrem eigentlichen Job Gymnastikkurse gegeben – und immer davon geträumt, ihre eigene Schule zu eröffnen. Jetzt oder nie, dachte Hasselbach, und nahm an einem sechswöchigen Existenzgründerseminar teil. Sie lernte, wie man einen Businessplan erstellt, seine Zielgruppe findet, Preise konzipiert.

Doch trotz ihres Willens, ohne Hilfe vom Staat hätte sie ihre Pläne wohl nicht umsetzen können. Erst der Gründungszuschuss, mit dem die Bundesregierung Arbeitslosen den Start in die Selbstständigkeit erleichtert , habe ihr dazu den nötigen Mut gegeben, sagt sie heute. Neun Monate lang bekam sie jeweils 300 Euro plus ihren letzten Arbeitslosengeldsatz. Der Zuschuss gab ihr die Sicherheit, über die Runden zu kommen. "Das Geld reicht für die Miete und für Aldi, und das ist schon sehr beruhigend", sagt sie.

Säße Hasselbach erst heute an ihrem Businessplan, sie könnte ihre Idee vielleicht nie umsetzen. Denn Arbeitsministerin Ursula von der Leyen will den Gründungszuschuss kürzen. 1,8 Milliarden Euro hat die Bundesregierung 2010 noch dafür ausgegeben, schon 2012 will sie eine Milliarde Euro einsparen, ab 2013 sogar gut 1,3 Milliarden Euro jährlich. Dann sollen die Mitarbeiter in den Arbeitsagenturen darüber entscheiden, wer die Förderung bekommt und wer nicht. So steht es in einem Gesetzesentwurf des Bundesarbeitsministeriums, der am 1. Juli im Bundestag eingebracht werden soll. Bislang hatten Antragsteller einen Rechtsanspruch auf den Gründungszuschuss, wenn sie für ihre Idee ein positives Gutachten etwa einer Industrie- und Handelskammer vorweisen konnten.

Die Argumente für die Reform: Nach Ansicht der Ministerin gründen viele Arbeitslose nur aus der Not heraus ihr eigenes Unternehmen – und kommen später nur mit Mühe über die Runden. Außerdem seien die Mitnahmeeffekte sehr hoch: Viele Gründer hätten sich auch ohne den staatlichen Zuschuss selbstständig gemacht. Experten aus der Wissenschaft widersprechen dem jedoch. Über mögliche Mitnahmeeffekte beim Gründungszuschuss gebe es bis heute keine verlässlichen Zahlen, sagt etwa Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Er hält die Reformpläne für falsch. "Die Einsparungen werden dazu führen, dass künftig viele gute Geschäftsideen einfach deshalb nicht mehr gefördert werden, weil das Geld fehlt."

Auch Marco Caliendo vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) glaubt, dass die Bundesregierung an der falschen Stelle spart. Der Gründungszuschuss sei ein sehr effektives Instrument, und ein dringend benötigtes: "Die ersten Monate sind die kritischsten, in denen viele Gründungen scheitern." Aktuelle Befragungen des Forschers zeigen, dass 80 Prozent der Gründer ohne den Zuschuss die Anfangsphase nicht überstanden hätten.