Silvana Koch-MehrinDoktor verloren, Posten gewonnen

Silvana Koch-Mehrin plagiierte bei der Promotion. Nun rückt sie in den Forschungsausschuss des EU-Parlaments auf. Kein Problem, findet sie. Die Parteispitze ist entsetzt. von  und

Silvana Koch-Mehrin in Berlin

Silvana Koch-Mehrin in Berlin  |  © Pawel Kopczynski / Reuters

Es klingt unglaublich: Gerade wurde der FDP-Europaabgeordneten Silvana Koch-Mehrin von der Universität Heidelberg wegen Plagiats ihr Doktortitel aberkannt . Bereits zuvor war sie von allen Führungsämtern im EU-Parlament und in der Bundespartei zurückgetreten, wohl um Schaden vom damals herannahenden FDP-Parteitag abzuwenden. Ihr Abgeordnetenmandat behielt sie aber eisern – trotz Kritik, auch aus den eigenen Reihen. Wirkliche Reue zeigte sie nicht, kündigte an, vielleicht gegen den Beschluss aus Heidelberg vorgehen zu wollen.

Und jetzt? Jetzt hat die liberale Fraktion im Europaparlament sie zum Vollmitglied eines der wichtigsten Ausschüsse gemacht: den für Industrie, Energie – und Forschung . Was zunächst Spiegel Online berichtete, bestätigte Koch-Mehrin am Donnerstag auf ihrer Homepage .

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Die Opposition reagierte zuerst und gab sich amüsiert: "Vielleicht lernt sie da ja wissenschaftliches Arbeiten", sagte der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold, "dann kann sie bei der Übernahme von Änderungsvorschlägen von Lobbyisten in Zukunft Quellenangaben machen." Und Koch-Mehrins EU-Ausschusskollege Reinhard Bütikofer (Grüne) sagte: "Wer so einen Kalauer produziert, der muss auch mit Gelächter rechnen." Das dürfte keine gute Grundlage für eine ernsthafte Zusammenarbeit sein.

Gar nicht lustig hingegen findet Parteichef Philipp Rösler die Anwandlungen der einstigen FDP-Hoffnungsträgerin. Die Parteiführung könne über diese Nachricht aus Straßburg nur den Kopf schütteln, hieß es aus seiner Umgebung. So langsam ist man richtig wütend auf die beratungsresistente Silvana.

Koch-Mehrins Sprecher hingegen wiegelt ab. Die 40-Jährige werde im Ausschuss doch nicht als Forschungspolitikerin tätig. Sie werde sich weiterhin um ihre Themen Telekommunikation und Internet kümmern, wie sie es auch bisher als stellvertretendes Mitglied getan habe.

Koch-Mehrin übernimmt den Posten ihres Kollegen Jorgo Chatzimarkakis, der von nun an Stellvertreter ist. Dass die Parteikollegen ihre Positionen tauschen sollten, sei schon 2009 vereinbart worden, sagt auch Chatzimarkakis. Lange vor Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe gegen die beiden Politiker also. Auch die Promotion des saarländischen Europa-Abgeordneten wird derzeit von der Universität Bonn untersucht .

Leserkommentare
  1. Mir hallen noch die Worte "Spätrömische Dekadenz" in den Ohren.

    Westerwelle hatte das richtig erkannt, nur den falschen untergeschoben.

  2. bezeichnen, enttarnen Sie sich damit selber. Herzlichen Dank für diese Offenheit!

  3. enttarnen Sie sich damit selber. Herzlichen Dank für diese Offenheit!

  4. 316. [...]

    Frau Mehrin ist nicht nur nicht an ihrer Partei interessiert, sondern auch nicht an ihrer Familie. Wenn sie stolz darauf ist eine Rabenmutter zu sein, dann sind wir in Zukunft auch Rabenwähler für sie.

    Gekürzt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

  5. In dieser ach so wunderbaren Republik, die so stolz auf ihre "demokratschen Werte" ist, betrügt jeder jeden, wird gelogen daß sich die Balken biegen. Wie soll das weitergehen?
    Demokratie schützt nicht gegen Unrecht, Willkür, Betrug, Ausbeutung. Diese Parteiendemokratie ist scheinbar der falsche Weg.
    Mehrin ist nur ein ganz kleines, fast unbedeutendes Beispiel für dieses mediengesteuerte, charakterlose Monstrum, das wir westliches Wertesystem nennen.

  6. Wie sähe es wohl im wirklichen Leben aus? Wenn ich bei einer Firma arbeite und es sich herausstellt, dass ich mein Abitur und/oder mein Diplom erschwindelt habe: Würde man mich dann möglicherweise nicht entlassen? Würde ich nicht möglicherweise sogar ein Strafverfahren wegen Betrugs an den Hals bekommen? Und womit? Mit Recht!

    Solange für die Politikerkaste nicht die gleichen Regeln gelten wie für alle, wird sie keine Akzeptanz finden (bei mir jedenfalls). Es Frau Koch-Merin offensichtlich um eigenes finanzielles Wohl und natürlich um den Machterhalt. Um das Volk geht es ihr nicht. Steht zu befürchten, dass das für viele Politker gilt, aber dermaßen offensichtlich unter Beweis stellt es nicht jeder.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    was sollen also solche Vergleiche?

  7. was sollen also solche Vergleiche?

    Antwort auf "Im wirklichen Leben?"
  8. wenn man bedenkt, wie viele MitbürgerInnen dem Blender Guttenberg verziehen haben und ihn weiter in der Politik haben wollten, muss man sich doch nicht wundern, dass der Großteil unserer Politiker auf unterster Niveaustufe steht und trotzdem "erfolgreich" ist. Ein konsequentes Volk hätte solche Figuren doch schon längst zum Teufel gejagt. Aber auch unzählige Moderatorinnen und Moderatoren fassen diese Figuren mit Samthandschuhen an. Die gehören blossgestellt.

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