Die Grafik war unmissverständlich: Sie zeigte ein mit einem Davidstern verwobenes Hakenkreuz. Monatelang konnte sie über die Website des Linken-Kreisverbands Duisburg abgerufen werden. Das Machwerk war kein Produkt rechtsextremistischer Hacker. Verantwortlich für die Verlinkung des antisemitischen Flugblattes war der Kreisverband als Seitenbetreiber. Nur will dort keiner gewusst haben, wie es dazu kam.

Seither wird mit und in der Linkspartei heftig über deren Umgang mit Israel gestritten. Energisch distanzieren sich die Realpolitiker der Partei  von den Umtrieben ihrer dunkelroten Fundamentalisten. Von Grenzüberschreitungen war die Rede, von Kräften, die man "aus der Partei hinausweisen muss". Sie beobachten "sektenmäßiges Verhalten" einzelner Parteigruppen, die "einseitige Parteinahme betreiben", zugunsten der Palästinenser. "Wer das tut, muss sich die Frage gefallen lassen, wie er die Abgrenzung zum Antisemitismus hinbekommt", sagt Berlins Linksparteichef Klaus Lederer.

Dass es sich bei den antisemitischen Auswüchsen nicht um Einzelfälle handelt, zeigte kürzlich eine umfangreiche Studie auf: Unter dem Logo der Linkspartei warben Duisburger und Bremer Sozialisten geschichtsvergessen für den Boykott israelischer Waren. Als der Bundestag den israelischen Präsidenten Schimon Peres zum Holocaust-Gedenken begrüßte, blieben einige Linken-Abgeordnete demonstrativ sitzen. Als die Fraktion Anfang Juni eine Resolution gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen verabschieden wollte, verließen einige Abgeordnete den Saal. Vor einem Jahr begleiteten Linkspolitiker symbolträchtig ein Schiff mit Hilfsgütern für den Gaza-Streifen über das Mittelmeer, bis israelisches Militär den Konvoi gewaltsam stoppte. An Bord war auch der Linken-Völkerrechter Norman Paech , dem Kritiker ein besonders tolerantes Verhältnis zur Hamas vorhalten.

Die Akteure eint, dass sie eine israelfeindliche und antisemitische Wirkung ihrer Taten billigend in Kauf nahmen, wenn nicht sogar beabsichtigten. Teils berechtigte Kritik an Israels Politik schürt so in der öffentlichen Wahrnehmung Ressentiments.

Der Zentralrat der Juden erinnerte die Linken nun wieder einmal an ihren ungelösten Nahost-Konflikt. Präsident Dieter Graumann warf ihr "blindwütigen Israel-Hass" vor. Zunächst setzten Abwehrreflexe ein: "Leichtfertig und inflationär" werde der Vorwurf erhoben, klagt der Thüringer Linksfraktionschef Bodo Ramelow und besteht auf differenzierter Betrachtung. "Ein ungeklärtes Verhältnis zu Israel ist noch kein Antisemitismus." Auch wenn die radikalislamische Hamas-Bewegung Israel vernichten wolle, müsse man zumindest mit ihren Vertretern sprechen dürfen. Er verweist darauf, dass neben den Linken auch eine kirchennahe Gruppe den Bremer Boykott-Aufruf unterstützte.