Für eine neue Organspende-Regelung zeichnet sich im Bundestag ein parteiübergreifender Konsens ab. "Die Chancen sind sehr gut. Bis Ende des Jahres, so meine Prognose, wird der Bundestag das Transplantationsgesetz neu gefasst haben", sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU).

Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach äußerte sich in diese Richtung: "Ich glaube, dass jetzt die kritische Masse von Abgeordneten da ist, die sagen: So geht es nicht weiter."

Vor allem für die sogenannte Entscheidungslösung zeichne sich eine Mehrheit ab. Dabei wird jeder Bürger mindestens einmal gefragt, ob er nach seinem Tod Organe spenden möchte. Die Widerspruchslösung, bei der zunächst jeder als Spender gilt, solange er dies nicht ausgeschlossen hat, sei nicht mehrheitsfähig. "In der Bevölkerung könnte sie unnötig Vorbehalte schüren", sagte Lauterbach.

Kauder betonte: "Der Staat darf die Bürger nicht durch Gesetze zunächst auf eine Organspende festlegen, von der sie sich nur aktiv durch einen Widerspruch lösen können."

Experten halten neues Transplantationsgesetz für unnötig

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation sieht keine Notwendigkeit für ein neues Transplantationsgesetz. Das Problem liege nicht in der Regelung wie gespendet wird, sondern in der Organisation, sagt ihr Vorstand Günter Kirste. "Wir haben zwar die gesetzliche Verpflichtung, dass Organspender gemeldet werden müssen, aber das wird in keiner Weise verfolgt oder kontrolliert", sagte er. "Wir brauchen mehr Verbindlichkeiten im System."

Weder die Entscheidungs- noch die Widerspruchslösung sei ein Allheilmittel.

Kirste kritisierte, dass die Bundesländer ihrer Aufsichtspflicht nicht genügend nachkämen. Nur acht von ihnen hätten ein Ausführungsgesetz zum aktuellen Transplantationsgesetz erlassen. Danach müssen Krankenhäuser jeden möglichen Organspender melden. "Nachhaltig kontrolliert wird aber nirgendwo", so Kirste.