Parteienforscher Lothar Probst "Die Grünen werden dem schwarz-gelben Atomausstieg zustimmen"
Ein Nein beim Atom-Sondertreffen würde die neuen Wähler der Partei vergraulen, sagt Parteienforscher Probst im Interview. Aber bei Stuttgart 21 drohe die Zerreißprobe.
© Fredrik von Erichsen / dpa

Das mit Aufklebern bedeckte Notebook einer Delegierten von Bündnis90/Die Grünen, aufgenommen auf dem Landesparteitag der Grünen in Mainz Hechtsheim.
ZEIT ONLINE: Herr Probst, wird die Parteibasis der Grünen auf ihrem Sonderparteitag am Samstag beschließen, den schwarz-gelben Atomausstieg mitzutragen?
Lothar Probst: Ich denke schon, dass die Basis sich da nach den Empfehlungen ihrer Parteispitze richten wird. Aber die Grünen-Führung will ja auch im Bundestag nur dem Laufzeitende im Jahr 2022 zustimmen. Alle anderen Gesetze mit Details zur Förderung der erneuerbaren Energien und zur umstrittenen Endlagersuche gehen ihnen nicht weit genug und werden abgelehnt.

ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bremen. Er leitet den Arbeitsbereich Wahl-, Parteien- und Partizipationsforschung. Probst arbeitet zudem als Vertrauensdozent bei der grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung.
ZEIT ONLINE: Der Parteitag wird mit Spannung erwartet. Schließlich ist der Kampf gegen die Atomkraft identitätsstiftend für die Grünen. Es geht bei der Entscheidung auch um Glaubwürdigkeit. Und ein Ausstieg im Jahr 2022 kommt fünf Jahre später als das, was die Partei eigentlich will. Riskieren die Grünen nicht, ihre Prinzipien aufzugeben?
Probst: Für die Grünen ist das eine schwierige Situation. Aber vor allem die neueren, pragmatischeren Wählerschichten der Partei würden es nicht verstehen, wenn die Gelegenheit zum endgültigen Atomausstieg nicht genutzt wird. Ich lese den Antrag der Parteiführung als klassischen Kompromissvorschlag an die Basis. Deshalb glaube ich auch, dass er auf dem Parteitag mit klarer Mehrheit durchkommt.
ZEIT ONLINE: Sie sprachen die neuen, bürgerlicheren Wählerschichten der Partei an. Aber was ist mit den langjährigen Mitgliedern, die fest in den Anti-AKW-Initiativen verankert sind? Die sind bekanntlich wenig begeistert.
Probst: Man darf nicht vergessen, dass das Enddatum des jetzigen Atomausstiegs 2022 über den einstigen rot-grünen Atomkonsens von 2001 hinausgeht. Damals hatten wir übertragbare Restlaufzeiten, jetzt wird es höchstwahrscheinlich ein festes Enddatum geben. Die Anti-AKW-Bewegung hat auch schon bei diesem ersten Ausstiegsbeschluss der Grünen heftig protestiert. Aber trotz aller Kritik werden am Ende nur wenige Atomkraftgegner der Partei ganz den Rücken zudrehen. Wen sollen sie denn sonst wählen? Die grüne Parteispitze kann solche Drohungen wegstecken.
ZEIT ONLINE: Es wird also kein emotionaler Parteitag, bei dem die Fetzen fliegen?
Probst: Es wird kontrovers diskutiert werden, das ja. Aber seit einigen Jahren laufen die Parteitage der Grünen sehr, sehr diszipliniert ab. In die aktuellen Wahlkämpfe ist die Partei unglaublich geschlossen gegangen. Flügelstreitigkeiten sind kaum noch auszumachen. Und die Parteiführung versteht es inzwischen, schwelende Konflikte im Vorfeld auszuräumen und Parteitagstreffen minutiös vorzubereiten. In der AKW-Frage weiß die Parteispitze genau, was auf dem Spiel steht. Es geht um das Außenbild der Grünen. Sie wollen schließlich Wahlen gewinnen. Aber: Die Grünen-Basis ist immer ein Stück weit unberechenbar – und damit sind es auch ihre Parteitage.
ZEIT ONLINE: Böse Zungen sagen, die Grünen hätten nur Angst, dass man ihnen mit dem Atomausstieg ihr Lieblingsthema wegnimmt.
Probst: Das glaube ich eher nicht. Wir stehen vor dem kompletten Umbau der Industriestruktur der Bundesrepublik hin zu energieeffizienten Technologien und Produkten. Das ist eine Jahrhundertaufgabe, bei der die Grünen bereits gut eingearbeitet sind. Sie werden noch genug zu tun haben.
ZEIT ONLINE: Sie glauben also, der Umfragehöheflug für die Grünen geht weiter?
Probst: Die Umfragewerte der Grünen steigen schon seit einigen Jahren kontinuierlich– unabhängig von der Atomfrage. Die Partei hat schon in der Vergangenheit bei jüngeren und gebildeten Wählern sowie Frauen hohe Stimmanteile gewinnen können - jetzt sind sie in neue bürgerliche Wählerschichten vorgestoßen, zum Beispiel in die Gruppe der Selbstständigen. Es handelt sich also um ein langfristiges Wachstum. Dennoch werden die Grünen auch wieder ein wenig an Zustimmung einbüßen. Es kommt jetzt vor allem auf die Situation in Baden-Württemberg an.
- Datum 24.06.2011 - 10:22 Uhr
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- Serie Grüne Republik Deutschland
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warum sollten sie denn eigentlich zustimmen?
Die GRÜNEN sollten sich mit SPD und LInKEN gemeinsam enthalten, damit Schwarz/Gelb demonstrieren kann, dass wirklich alle ihre Abgebordneten den Atomausstieg wollen!!
Es geht doch nicht darum, ob Grün zustimmt, sondern ob Schwarz/Gelb zustimmt!!
Es ist vollkommen egal wer da zustimmt. Hauptsache es ergibt sich eine zustimmende Mehrheit. Die Farbe der Krawatte ist dabei sowas von egal!
Es ist vollkommen egal wer da zustimmt. Hauptsache es ergibt sich eine zustimmende Mehrheit. Die Farbe der Krawatte ist dabei sowas von egal!
Es ist vollkommen egal wer da zustimmt. Hauptsache es ergibt sich eine zustimmende Mehrheit. Die Farbe der Krawatte ist dabei sowas von egal!
Herr sudek,
ES geht jetzt nicht um Partei Präferenzen.
Es geht schlicht um die Energiewende.
Alle, die von Ihnen genannten Parteien, wollen diese Energiewende.
Es muß doch in einer Demokratie möglich sein, das der Ausstieg aus der Atomkraft - also - ein wahrhaftiger neuer Anfang, im Konsens stattfindet. Das ist ein starkes Zeichen, an die Weltbevölkerung.
Über die Detaile ksnn man dann über 10000 Jahre trefflich Diskutieren, Streiten... Über diese lange Zeit hat es natürlich auch Technologisch, einige Evolutionen gegeben.
Die Energiewende ist, und bleibt, nie eine statische Veranstaltung.
Es ist eben auch Fantasie gefragt.
Man muss kein Prophet sein um zu wissen, dass die Grünen auf
dem Parteitag hart in der Realität aufschlagen werden. Es geht nur noch um Schadensbegrenzung: Verprellen die Grünen die Anti-Atom-"Bewegung" oder die Stuttgart 21-Protestler? Bei Kernkraft und Tiefbahnhof kann die Partei nur noch verlieren. Bei beiden Themen sind SPD und CDU inzwischen dem Volk näher. Vor Fukushima und Stuttgart 21 waren die
Grünen bei 14% mit nachgebender Tendenz.
Man oh man! Die Medjen widder! Da wird alles skndalisiert was stink normaler langweiliger Politikalltag ist. Da ist man mal kritisch gegen ein Gesetz, dass aber im Prinzip in die richtige Richtung geht und schon wird einem entweder Verrat oder chronisches Dagegensein angelastete. Da ist man mal etwas differenzierter und Realpolitischer was einen Bahnhof angeht und schon wird einem das Zerreißen prognostiziert.
Liebe Medjen! Wenn ihr nicht ständig den Zerriss sehen würdet, würde man eure Warnungen vermutlich ernster nehmen.
wer ist das volk? bei der letzten bundestagswahl wurde die regierung unter anderem auch deshalb gewählt, weil sie die energiesicherheit durch laufzeitverlängerung sicherstellen wollte. nachdem im fernen JAPAN unter anderen wegen unvorsichtigkeit ein atomares unglück passiert ist, welches so bei uns weder vorkommen kann noch irgendetwas mit uns zu tun hat, haben die grünen besserverdiener und ihre fußtruppen die erdbebenkatastrophe schamlos ausgenutzt und auf der strasse die meinungsführerschaft übernommen. gleichzeitig hat die grüne party in ermangelung anderer zugkräftiger themen ihr präferenz für den schienenverkehr aufgekündigt und das vorhandene protest- und gewaltpotential einiger schienengegner und selbsternannter waldschützer genutzt um die regierungsmacht in BW an sich zu bringen. dazu war ihnen jedes mittel recht. unsere bundeskanzlerin hat ohne das volk überhaupt zu fragen, eine kehrtwende in der energiepolitik eingeleitet, die nach aussagen ernsthafter wissenschaftler und wirtschaftsfachleuten extreme risiken birgt. anscheinend hat sich unsere regierung dem druck der militantan atomkraftgegner und der einschlägigen presse gebeugt. solch schwerwiegende entscheidungen müssen gut abgewogen und nicht im schnellverfahren durchgepeitscht werden. fakt ist nun, das wir aus FRANKREICH und TSCHECHEI den bei uns ausgefallenen atomstrom bekommen. besonders makaber ist, das CHINA als größter produzent von solarmodulen deshalb neue AKWs bauen muß.
Die jungen Grünen werden eher zustimmen als die alten.Wer Versicherungsverträge kennt und sie mit Sachkundigen begutachtet hat
weiß mehr über das Kleingedruckte.Das Gesetzeswerk lässt bis 2022
alle Türen offen.Bis 2022 sind noch ein paar Wahlen und es ist nichts fest geschrieben.Die Grünen sollten nicht zustimmen.Es ist auch egal ob sie zustimmen oder nicht,die Mehrheit hängt nicht davon ab.
Die GRÜNEN werden nicht gegen Ihre eigenen Anträge stimmen.
Wie bekannt, hatte die Koalition, die Anträge der GRÜNEN übernommen.
http://www.3sat.de/page/?...
Leider eine miese Mediathek , bei 3sat.
Man versucht eben, auf Teufel komm raus, einen Konsens der Politik, und mit der Bevölkerung zu Verhindern.
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