Fachkräftemangel Von der Leyen erleichtert Anwerbung von ausländischen Ingenieuren und Ärzten
Die deutsche Wirtschaft klagt über einen Mangel an Fachkräften. Ein Konzept der Bundesregierung soll es Firmen nun erleichtern, Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben.
Angesichts des Fachkräftemangels erleichtert die Bundesregierung der Wirtschaft die Anwerbung von ausländischen Ingenieuren und Ärzten. Deutsche Firmen dürfen ab sofort diese Fachkräfte aus Staaten außerhalb der Europäischen Union (EU) einstellen, ohne dass sie vorher nachweisen müssen, dass im Inland kein geeigneter Bewerber zu finden war.
Der Arbeitsmarkt für Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure, Elektroingenieure und Ärzte sei leer gefegt, sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). "Wir werden deshalb die Vorrangprüfung aussetzen." Dies sei Teil des Fachkräftekonzepts, das kommenden Mittwoch vom Kabinett beschlossen werde.
Mindesteinkommen für Einwanderer soll gesenkt werden
Noch keine Einigung gibt es demnach in der Regierung auf eine weitere, seit langem diskutierte Lockerung der Zuwanderungsregeln. Von der Leyen und die FDP wollen auch das Mindesteinkommen senken, das Hochqualifizierte aus Nicht-EU-Staaten erzielen müssen, um von Beginn an für sich und ihre Familien ein Daueraufenthaltsrecht zu bekommen. Sie müssen derzeit mindestens 66.000 Euro im Jahr verdienen. Im vergangenen Jahr kamen weniger als 700 Hochqualifizierte auf diesem Weg.
Die Gehaltsschwelle dürfe nicht so hoch bleiben, forderte von der Leyen: "Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden werden." In Koalitionskreisen wurde erwartet, dass dies ein Thema der Koalitionsklausur vor der Sommerpause sein wird. Im Gespräch ist ein Jahreseinkommen von etwa 40.000 Euro – das wäre das Eineinhalbfache eines durchschnittlichen Bruttoverdienstes.
Bisher hatten sich vor allem Unionspolitiker gegen jede Lockerung der Vorrangprüfung für inländische Job-Bewerber und der Zuwanderungsregeln gesperrt. Sie überschätzen nach Einschätzung der Ministerin die Attraktivität Deutschlands für ausländische Fachkräfte. "Es werden nicht viele kommen", sagt die CDU-Politikerin voraus. "Deutschland hat lange signalisiert, dass wir niemanden brauchen." Regierung, Gewerkschaften und Wirtschaft müssten gemeinsam im Ausland werben, "dass Menschen zu uns kommen und den Wohlstand hier voranbringen".
Fachkräftemangel stärkste Bedrohung für Wohlstand
Vorrang vor der Anwerbung ausländischer Fachkräfte habe die Qualifizierung von inländischen Arbeitskräften. "Die Sicherung der Fachkräfte muss auf zwei festen Beinen stehen", sagte von der Leyen. "Diejenigen, die hier leben, brauchen mehr und bessere Chancen." Im Fachkräftekonzept beschreibt die Regierung den Handlungsbedarf, damit trotz Bevölkerungsrückgangs hierzulande die Arbeitskräfte nicht ausgehen.
"Der Fachkräftemangel ist die stärkste Bedrohung für Wohlstand und Wirtschaft auf mittlerer Sicht", sagte von der Leyen. "Uns geht nicht die Arbeit aus, uns gehen die Menschen aus, die gute und qualifizierte Arbeit machen können." Das Fachkräftekonzept setzt auf eine Ausweitung der Erwerbstätigkeit von Frauen und Älteren sowie höhere Bildungsanstrengungen für Jüngere, um etwa die Zahl der Schulabbrecher zu halbieren.
Nach dem Kabinettsbeschluss wollen Kanzlerin Angela Merkel und Teile ihres Kabinetts am Mittwochnachmittag mit den Spitzen der Wirtschaftsverbände und der Gewerkschaften zusammenkommen. Im Gästehaus der Bundesregierung in Meseberg steht dann auch die Sicherung des Fachkräftenachwuchses auf der Tagesordnung.
- Datum 21.06.2011 - 15:55 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
- Kommentare 86
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Wir haben ja nicht genug Studenten, die trotz guten Leistungen im Abitur keinen Studienplatz bekommen. Wenn der Bedarf so groß ist, sollen die Unternehmen halt Leute ausbilden und es dürfte kein Student dieser Studienrichtungen mehr in einem Wartesemester sein und jeder müsste einen Masterplatz direkt bekommen.
Wozu das alles dient?!:
Zur Reduktion der Löhne. So sind wahnsinnige 40.000 Euro im Gespräch. D.h. die Deutschen Arbeitnehmer werden sich bald an solchen Summen messen lassen müssen, denn wenn sie mehr wollen, dann wird gesagt: "die Zeiten haben sich geändert - wir können genauso gut auch einen Ingenieur aus dem Ausland holen, also bleiben sie mit Ihren Gehaltsvorstellungen mal besser bei diesen 40.000 Euro!"
Nebenbei haben wir in Deutschland nicht mal die Migranten, die hier sind, zum großen Teil in die Gesellschaft integriert. Wer da direkt neue Zuwanderung vorschlägt, handelt völlig unüberlegt.
Hallo schongewusst,
.
ich teile Ihre Sorge. Allerdings sind die Politiker nicht alleine schuld. Die Unternehmen drohen natürlich damit, ihren Betrieb ganz ins Ausland zu verlegen, wenn die Regierung nicht bei Drei auf die Bäume springt.
.
Und dann ist hier im Land ganz tote Hose.
Was Medizin betrifft, das ist der volle Wahnsinn:
Es sind in Deutschland zur Zeit mindestens 7000 Arztstellen in Krankenhäusern frei, die kaum zu besetzen sind! Trotzdem haben wir immer noch einen dermaßen strengen Numerus Clausus (Zulassungsbeschränkung), dass nur 1er-Abiturienten eine Chance auf einen Studienplatz in Medizin haben. 1-er-Abiturienten sind aber fast ausschließlich weiblich, sodass mittlerweile über 70 Prozent der Jungärzte Frauen sind!
Frauen wollen fast ausschließlich in den großen Städten arbeiten, wo auch ihre Partner einen Job finden. In ländlichen Gebieten Nordrhein-Westfalens fehlen zur Zeit fast 2000 Ärzte, diese Tatsache lässt die Regierung aber keineswegs die Alarmglocken klingeln. Stattdessen erklingt wieder der Ruf nach Zuwanderung, also ob sich ausländische Ärzte, die überall in der Welt einen Job finden, die schlimmen Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern und die schlechte Bezahlung antun wollen.
Ingenieure hören, daß in Deutschland der Mindestlohn auf 40.000 Euro gesenkt werden soll, werden sie gleich woanders hingehen - man kann nämlich in anderen Ländern mehr verdienen.
Hallo schongewusst,
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ich teile Ihre Sorge. Allerdings sind die Politiker nicht alleine schuld. Die Unternehmen drohen natürlich damit, ihren Betrieb ganz ins Ausland zu verlegen, wenn die Regierung nicht bei Drei auf die Bäume springt.
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Und dann ist hier im Land ganz tote Hose.
Was Medizin betrifft, das ist der volle Wahnsinn:
Es sind in Deutschland zur Zeit mindestens 7000 Arztstellen in Krankenhäusern frei, die kaum zu besetzen sind! Trotzdem haben wir immer noch einen dermaßen strengen Numerus Clausus (Zulassungsbeschränkung), dass nur 1er-Abiturienten eine Chance auf einen Studienplatz in Medizin haben. 1-er-Abiturienten sind aber fast ausschließlich weiblich, sodass mittlerweile über 70 Prozent der Jungärzte Frauen sind!
Frauen wollen fast ausschließlich in den großen Städten arbeiten, wo auch ihre Partner einen Job finden. In ländlichen Gebieten Nordrhein-Westfalens fehlen zur Zeit fast 2000 Ärzte, diese Tatsache lässt die Regierung aber keineswegs die Alarmglocken klingeln. Stattdessen erklingt wieder der Ruf nach Zuwanderung, also ob sich ausländische Ärzte, die überall in der Welt einen Job finden, die schlimmen Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern und die schlechte Bezahlung antun wollen.
Ingenieure hören, daß in Deutschland der Mindestlohn auf 40.000 Euro gesenkt werden soll, werden sie gleich woanders hingehen - man kann nämlich in anderen Ländern mehr verdienen.
Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und konstruktiv. Danke. Die Redaktion/ag
Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und konstruktiv. Danke. Die Redaktion/ag
Entschuldigung, dass ich (und andere wahrscheinlich auch) langsam sauer werde. Aber die wievielte Panik mache zum Fachkräftemangel und der wievielte blinde Aktionismus von Von der Leyen ist das denn eigentlich. Zum Hundert tausendsten mal. Die Unternehmen sollen sich gefälligst selbst mal was einfallen lassen und ein bisschen kreativer werden. Das ist ja langsam der Running-Gack der Regierung für diese Legislaturperiode!
sondern kalkulierter Entwertung von Fachkräften am Arbeitsmarkt. Nachdem man Handwerker, Pflegeberufe und dergleichen ins Niedrigstlohnniveau abgedrängt hat, wird nun auch bei den höher Qualifizierten die Schraube angezogen, freilich mit perfideren Mitteln.
Aufstand oder Ausbeutung: Wir haben die Wahl.
Unsere Miteuropäer in Spanien und Griechenland machen uns vor, was zu tun ist.
sondern kalkulierter Entwertung von Fachkräften am Arbeitsmarkt. Nachdem man Handwerker, Pflegeberufe und dergleichen ins Niedrigstlohnniveau abgedrängt hat, wird nun auch bei den höher Qualifizierten die Schraube angezogen, freilich mit perfideren Mitteln.
Aufstand oder Ausbeutung: Wir haben die Wahl.
Unsere Miteuropäer in Spanien und Griechenland machen uns vor, was zu tun ist.
... es gibt in diesem Land so viele arbeitslose deutsche Ärzte und Ingenieure, da braucht es doch keine Ausländer, und wenn die nicht reichen, dann sollte man Langzeitlose zu Ärzten, Altenpfleger und Ingenieuren umqualifizieren.
Um auch nicht den Anschein eines Misverständnisses zu liefern: "Das ist Ironie".
Alle, die im medizinischen und pflegerischen Bereich tätig sind, wissen, dass qualifizierte Fachkräfte dringend benötigt werden. Das Gleiche gilt für den technischen Bereich. Hier im Süd-Westen werden dringend Ingenieure und Facharbeiter aller Fachrichtungen gesucht. Trotz eine bereits starken Zuzugs aus den östlicheren Bundesländern und täglich ca. 40 000 Einpendler aus Frankreich.
die Zuwanderung osteuropäischer Ärzte keine Lösung für das Problem ist.
1. In der Regel ist deren Qualifikation nicht so, wie es hier gebraucht wird. Auch die Kollegen, die in ihrer Heimat gute Arbeit geleistet haben, zeigen hier Defizite, da die Anforderungen einfach anders sind: es fehlt nicht nur am theoretischen Wissen, sondern auch am praktischen know how, an der Sprache, an Übung im Umgang mit den hiesigen Patienten und nicht zuletzt an der Kenntnis des ganzen Drumherum mit Krankenkassen, Rentenversicherungen, DRGs etc, was - leider - hier die ärztliche Tätigkeit zum guten Teil ausmacht.
2. ist es höchst unsozial und moralisch fragwürdig, den deutlich ärmeren osteuropäischen Ländern die dort teuer ausgebildeten Ärzte und Pflegekräfte abzuwerben, nur weil man hier zu knausrig ist, die Zahl der Studien- und Ausbildungsplätze zu erhöhen und den hiesigen Arbeitskräften ein ordentliches Gehalt zu zahlen.
Und was Ihre ironische Bemerkung zur Ausbildung von Arbeitslosen angeht: arbeitslose Ingenieure, die fortgebildet werden könnten, gibt es sicherlich. Da ist nur die Industrie zu geizig dazu, die Kosten für diese Weiterbildung zu übernehmen und spekuliert lieber auf billige Ausländer.
die Zuwanderung osteuropäischer Ärzte keine Lösung für das Problem ist.
1. In der Regel ist deren Qualifikation nicht so, wie es hier gebraucht wird. Auch die Kollegen, die in ihrer Heimat gute Arbeit geleistet haben, zeigen hier Defizite, da die Anforderungen einfach anders sind: es fehlt nicht nur am theoretischen Wissen, sondern auch am praktischen know how, an der Sprache, an Übung im Umgang mit den hiesigen Patienten und nicht zuletzt an der Kenntnis des ganzen Drumherum mit Krankenkassen, Rentenversicherungen, DRGs etc, was - leider - hier die ärztliche Tätigkeit zum guten Teil ausmacht.
2. ist es höchst unsozial und moralisch fragwürdig, den deutlich ärmeren osteuropäischen Ländern die dort teuer ausgebildeten Ärzte und Pflegekräfte abzuwerben, nur weil man hier zu knausrig ist, die Zahl der Studien- und Ausbildungsplätze zu erhöhen und den hiesigen Arbeitskräften ein ordentliches Gehalt zu zahlen.
Und was Ihre ironische Bemerkung zur Ausbildung von Arbeitslosen angeht: arbeitslose Ingenieure, die fortgebildet werden könnten, gibt es sicherlich. Da ist nur die Industrie zu geizig dazu, die Kosten für diese Weiterbildung zu übernehmen und spekuliert lieber auf billige Ausländer.
Hätte sich Frau von der Leyen mal mit der düsteren Zukunftsprognose des Bestseller-Autors Mark Steyn auseinander gesetzt, sie würde sicher andere Schwerpunkte setzen.
Hier ein Interviewmitschnitt mit Mark Steyn:
http://www.youtube.com/wa...
Soll die Regierung nur die Beschränkungen für ausländische Fachkräfte lockern. Das wird nichts ändern - Deutschland ist einfach nicht attraktiv genug für Fachkräfte. Wenn die Unternehmen wirklich mehr ausländische Fachkräfte brauchen, dann müssen sie auch gleichzeitig die Gehälter für Fachkräfte stark erhöhen - sonnst kommt da keiner...
...die Bedingungen für die eigenen Ingenieure und Ärzte verbessern. Ich kenne das Theater der Wirtschaft und des Gesundheitswesens seit 40 Jahren - hereinfallen braucht man darauf nicht. Wer seine Leute schlecht behandelt, dem laufen sie halt davon.
...die Bedingungen für die eigenen Ingenieure und Ärzte verbessern. Ich kenne das Theater der Wirtschaft und des Gesundheitswesens seit 40 Jahren - hereinfallen braucht man darauf nicht. Wer seine Leute schlecht behandelt, dem laufen sie halt davon.
"Der deutschen Wirtschaft fehlen Fachkräfte."
Das ist falsch. Das sagen die bloß. Es fehlt den deutschen Vorständen solche Fachkräften, die billig arbeiten und flexibel kündbar sind.
Schade dass Zensursula schon wieder einen Fehler macht. Man könnte richtig meinen, es sei Vorsatz. Oder einfach Dummheit. Ich unterstelle da nichts böses, und schließe einfach auf zweiteres.
"Schade dass Zensursula schon wieder einen Fehler macht. Man könnte richtig meinen, es sei Vorsatz. Oder einfach Dummheit. Ich unterstelle da nichts böses, und schließe einfach auf zweiteres."
Ich weiß es auch nicht - aber seitdem die gute Frau die Mittel für Gründerzuschüsse radikal gekürzt und damit dem Innovationsstandort Deutschland einen Bärendienst erwiesen hat, überrascht mich nichts mehr, was von ihr kommt...
Der einzige Bereich in Deutschland mit wirklich eindeutigem und eklatantem Fachkräftemangel ist ja wohl unzweifelhaft die Politik!
Wir sollten also schnellstmöglich fähige Jungpolitiker aus dem Ausland anwerben (die dann wohl auch noch für die - dann immer noch üppige - Hälfte der derzeit üblichen "Gage" arbeiten...) und unsere eigenen "Spezialisten" dann in den "Leistungslosen Harz-4-Bezug" entlassen...
@Redaktion: nein, das ist keine Polemik sondern leider die bittere Realität...
"Schade dass Zensursula schon wieder einen Fehler macht. Man könnte richtig meinen, es sei Vorsatz. Oder einfach Dummheit. Ich unterstelle da nichts böses, und schließe einfach auf zweiteres."
Ich weiß es auch nicht - aber seitdem die gute Frau die Mittel für Gründerzuschüsse radikal gekürzt und damit dem Innovationsstandort Deutschland einen Bärendienst erwiesen hat, überrascht mich nichts mehr, was von ihr kommt...
Der einzige Bereich in Deutschland mit wirklich eindeutigem und eklatantem Fachkräftemangel ist ja wohl unzweifelhaft die Politik!
Wir sollten also schnellstmöglich fähige Jungpolitiker aus dem Ausland anwerben (die dann wohl auch noch für die - dann immer noch üppige - Hälfte der derzeit üblichen "Gage" arbeiten...) und unsere eigenen "Spezialisten" dann in den "Leistungslosen Harz-4-Bezug" entlassen...
@Redaktion: nein, das ist keine Polemik sondern leider die bittere Realität...
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