Reaktionen aus Deutschland Widerstand gegen Griechenland-Hilfen
Das neue Rettungspaket für Griechenland stößt in Opposition und auch in Teilen der Regierung auf Ablehnung. Der Steuerzahlerbund nennt die Hilfen "fahrlässig".
Die Beschlüsse des EU-Sondergipfels zur Griechenland-Rettung stoßen bei Opposition und Interessenverbänden auf Kritik. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß zeigte sich im SWR zwar grundsätzlich einverstanden mit den Beschlüssen. Es bleibe aber unklar, ob die Maßnahmen konsequent genug seien. "Da kann man Zweifel haben." Skeptisch zeigte sich Poß vor allem gegenüber der Frage, ob sich private Gläubiger an den Hilfen beteiligen werden. Es sei erfreulich, dass es ein Rettungspaket gebe. Doch noch sei nicht klar, ob Banken und Versicherer am Ende tatsächlich Geld beisteuerten.
Während FDP-Chef Philipp Rösler die Beschlüsse des Gipfels als Beweis der "Handlungsfähigkeit" der Euro-Staaten bewertete, kam auch aus Röslers eigener Partei Ablehnung. Dass der Euro-Rettungsschirm EFSF nun auf dem Sekundärmarkt Staatsanleihen kaufen können soll, widerspreche "der Beschlusslage des Deutschen Bundestages vom Februar", sagte der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler.
Schäffler kündigte an, er werde den für eine solche Erweiterung der EFSF-Aufgaben notwendigen Gesetzesänderungen nicht zustimmen. Die Märkte würden die Beschlüsse für neue Hilfen an Griechenland und neue Instrumente nicht als dauerhafte Lösung betrachten: "Man wird das wieder nur als Zeitgewinn interpretieren." Schäffler forderte eine Sondersitzung des Bundestages zu den Ergebnissen des Brüsseler Gipfels noch vor der Sommerpause. Dies lehnte SPD-Fraktionsvize Poß hingegen ab, er sehe nicht die Notwendigkeit "einer solchen Sondersitzung".
Die Euro-Länder hatten am Donnerstagabend ein zweites Rettungspaket für Griechenland beschlossen. Das Paket mit einer Laufzeit bis 2014 sieht Hilfen durch den Eurorettungsfonds EFSF und den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 109 Milliarden Euro vor.
- Transferunion
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Bereits heute finanzieren die reichen Länder den größten Teil des EU-Haushalts, und hohe Summen fließen als Subventionen in die ärmeren Staaten (wenngleich die Reichen auch Geld aus Brüssel erhalten). Doch das ist in der aktuellen Debatte darüber, ob die Europäische Union eine "Transferunion" werden solle, nicht gemeint. Es geht darum, dass EU-Mitgliedstaaten mit noch relativ soliden öffentlichen Finanzen grundsätzlich für die Schulden jener einstehen, die schlechter gewirtschaftet haben – dass also etwa Deutschland die griechischen Schulden zurückzahlt, wenn Griechenland selbst dazu nicht mehr in der Lage ist.
Ein Schritt in diese Richtung wäre die Ausgabe gemeinsamer Anleihen, sogenannter Euro-Bonds. Denkbar wären aber auch direkte Ausgleichszahlungen oder die Vergemeinschaftung der Schulden. In einer Transferunion wären solche Geldflüsse fest institutionalisiert. Das muss nicht bedeuten, dass sie ständig und auf ewig flössen. Dennoch wäre die Transferunion ein Schritt hin zu einer tieferen wirtschaftlichen Integration Europas.
- Pro-Argumente
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Die EU sei doch schon längst eine Transferunion, argumentieren Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel (alle SPD). Schließlich stehe Deutschland jetzt schon für die Schulden Griechenlands ein. Das stimmt nur halb, denn die politischen Gegner verstehen unter "Transferunion" eben mehr als nur akute Nothilfe.
Je mehr sich die Krise zuspitzt, desto lauter werden die Rufe nach einer wirklichen Transferunion. Selbst führende CDU-Mitglieder sollen sich inzwischen dafür aussprechen. Die Krise sei so tief, dass nur ein entschlossenes Handeln die Wende bringen könne, argumentieren die Befürworter. Eine Transferunion werde zwar teuer für Deutschland, doch die Kosten einer weiteren Verschärfung der Krise seien weit höher. Gestalte man die institutionelle Basis richtig aus, würden die überschuldeten Länder trotz der Hilfszusage künftig zum Sparen gezwungen – und hätten die Chance auf einen wirtschaftlichen Neuanfang.
- Contra-Argumente
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Kritiker befürchten immense Kosten für Deutschland. Würden beispielsweise Euro-Bonds ausgegeben, müsste Deutschland künftig am Kapitalmarkt höhere Zinsen zahlen als bisher. Auch argumentieren sie, dass eine Transferunion falsche Anreize setze, weil sie die Fiskalpolitik der Krisenländer im Nachhinein belohne und nicht zum Sparen anhalte. Eine Konsolidierung der Staatsfinanzen werde so nicht erreicht. Auch würde die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der möglichen Geberländer dauerhaft überstrapaziert. Europas Wohlstand sänke.
Derzeit fehlt die institutionelle Grundlage für eine Transferunion. Der Lissaboner Vertrag verbietet es der EU und einzelnen Ländern, Schulden von Mitgliedsstaaten zu übernehmen. Um das zu ändern, müssten die Europäischen Verträge umgeschrieben werden.
Der Bund der Steuerzahler (BdSt) kritisierte: "Es ist fahrlässig, dass die EU-Regierungschefs den Steuerzahlern weitere Haftungsrisiken für Griechenland im Umfang von 109 Milliarden Euro unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds aufgebürdet haben."
Die Währungsunion könne sich in Richtung einer vom Verband abgelehnten kompletten Transferunion bewegen, befürchtet der Steuerzahlerbund. "Allein der EU-Beschluss, dass der Rettungsfonds (EFSF) künftig Anleihen kriselnder Staaten aufkaufen darf, besiegelt die Haftungsunion", sagte Holznagel.
Dennoch kamen aus der Opposition positive Reaktionen, die Grünen begrüßten die gefassten Beschlüsse. "Wir sind der Auffassung, dass dieser Euro gerettet werden muss", sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin der ARD. Sollte die anvisierte Verringerung der griechischen Schuldenlast auf den Weg gebracht werden, würden die Grünen "nicht im Wege stehen". Bundeskanzlerin Merkel habe auf dem Gipfel Positionen zugestimmt, die die Grünen seit langem vertreten hätten, sagte Trittin.
Erleichtert reagierte auch die deutsche Exportwirtschaft. "Die Wirtschaft hat damit grünes Licht auf ihrem weiteren Wachstumspfad", sagte Außenhandelspräsident Anton Börner. Auf europäischer Ebene sei eine akzeptable, tragfähige Lösung gefunden worden. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, sagte: "Die unerwartet umfangreichen Beschlüsse senken das von der europäischen Schuldenkrise ausgehende Konjunkturrisiko."
Über die Parteigrenzen hinweg blieben jedoch Zweifel, ob die Griechenland-Krise mit den Brüsseler Beschlüssen dauerhaft gelöst ist. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe rief Athen zu "Eigenanstrengungen" auf, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber sagte, der "Reformdruck" auf Griechenland müsse aufrecht gehalten werden.
- Datum 22.07.2011 - 18:48 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, afp, Reuters
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...wäre also das Abnicken der in Brüssel gefassten Beschlüsse im September. Nach dem Einrichten der unbegrenzten Haftungs- und Transferunion und der damit verbundenen Aufgabe der Budgethoheit macht der Bundestag sich überflüssig und sollte umgehend die Selbstauflösung beschließen.
Als arbeitsmarktpolitisch motivierte Beschäftigungsgesellschaft , die nur Politik und politische Entscheidungen simuliert ist die Veranstaltung zu teuer, das Geld kann man besser nach GR transferieren.
Die EU-Kommission als Machthaber des großeuropäischen Reiches ernennt einen Präfekten, der die EU-Provinz D verwaltet, geht lt. Hr Juncker doch in GR auch, wie seine jüngsten Äußerungen zeigen
Grüße
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Werbepostings. Die Redaktion/ag
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Der Euro kostet uns Deutsche laut Prof. Spethmann im Interview in der FAZ allein 250 Milliarden Euro Wohlstand jährlich, eine Summe, die keine Volkswirtschaft dauerhaft verkraftet.
Der Euro ist jedoch auch für die Schuldenkrise u.a.in Griechenland mitverantwortlich, der Ausstieg aus dem Euro ist gemäß Art. 50, Aussatzklausel D des Lissabon-Vertrages für jedes Land möglich.
Die "Hilfen" brechen im übrigen geltendes Recht, die "No-Bail-Out-Klausel" war vom Bundesverfassungsgericht (VOR der undemokratischen Euro-Zwangseinführung) noch als konstitutive Vorraussetzung für die Währungsunion bezeichnet worden.
Die Politik regiert in Allianz mit der Finanzindustrie gegen das Volk und dessen Wohl.
Es wird Zeit, die Idee des geeinten Europa nicht mehr länger einer undemokratischen Finanzmafia aus Politik und Finanzindustrie zu überlassen. Denn so kann Europa nie zusammenwachsen.
nächsten Bundestagswahl 2013 auftreten werden.
Und die tatsächliche Übernahme dieser Schulden wird erst nach mehr als 30 (dreißig) Jahren offenbar, Dann hat Frau Merkel ihre Pension schon lange verfrühstückt.
>>Dann hat Frau Merkel ihre Pension schon lange verfrühstückt.<<
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Ich auch, dann ist doch alles gut!
>>Dann hat Frau Merkel ihre Pension schon lange verfrühstückt.<<
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Ich auch, dann ist doch alles gut!
schenkt sich der Beitrag einfach pauschal (wieder nur Bedenken). Das könnte doch nur das deutsche Stimmvieh verunsichern, und das will die Kanzlerin im Moment doch nicht ! Journalismus der ärmlichen Art, streng ausgewogen, schon fast wie im Staatsfernsehen oder den Idiotensendungen von MDR oder BR, wo es neuerdings immer heißt, "hören wie es wirklich ist".
Ich zitiere zunächst ein Einschätzung von OpenEurope vom Juni diesen Jahres:
"In order for Greece to get its debt down to sustainable levels, we estimate that the country needs to impose a haircut of 50% to the majority of its debt, in which case the government bonds the
ECB has purchased and the collateral it is holding from Greek banks will take big hits."
Ich warte nun auf eine seriöse Schätzung, auf wieviel Schuldenerlaß die Beschlüsse vom Donnerstag hinauslaufen.
Meine Meinung sollte bekannt sein: Eine einmaliger großer Abschiedsscheck von Deutschen Steuerzahler und dann Tschüss liebe Griechen, macht was ihr wollt.
Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag
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