Hungersnot Bürokratie bestimmt die Nothilfe

Die Zelte kommen vom Außenministerium, Nahrungsmittel vom Entwicklungsministerium: Die deutsche Hilfe für die Hungernden in Ostafrika ist so komplex wie die Krise.

Hilfskräfte teilen in einem Camp in Mogadischu Nahrungsrationen ein.

Hilfskräfte teilen in einem Camp in Mogadischu Nahrungsrationen ein.

Sie sind tagelang durch die Wüste gelaufen, oft barfuß und ohne Wasser oder Nahrung. Wenn die somalischen Flüchtlinge im nordkenianischen Lager Dadaab ankommen, heißt es erst einmal warten. Tausend Neuankömmlinge können kenianische Behörden und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Tag registrieren. Es kommen aber zwischen 1300 und 1400 Menschen am Tag an. Bis die somalischen Flüchtlinge dann verstanden haben, wie diese Großstadt des Elends funktioniert, die von insgesamt 20 nationalen und internationalen Hilfsorganisationen gemanagt wird, können Wochen vergehen.

Die deutsche Hilfe für diese Flüchtlinge und die Millionen anderen von der Hungersnot in Ostafrika bedrohten Menschen ist nicht weniger komplex. Für die staatliche Hilfe sind in Deutschland gleich zwei Ministerien verantwortlich: das Außenministerium für die "Sofort- und Nothilfe" und das Entwicklungsministerium (BMZ) für die "entwicklungsorientierte Übergangshilfe". Hinter diesen Wortungetümen verbirgt sich die Arbeitsteilung zwischen den beiden Häusern. Das Auswärtige Amt, zuständig für humanitäre Krisenlagen, finanziert über UN-Organisationen wie das UNHCR oder das Kinderhilfswerk Unicef und über Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) wie Ärzte ohne Grenzen, die Diakonie-Katastrophenhilfe, die Welthungerhilfe, das Deutsche Rote Kreuz oder die Johanniter-Hilfe in den Flüchtlingslagern Dadaab und Dollo Ado in Äthiopien. Dabei geht es um medizinische Hilfe, Zelte, logistische Hilfe, um das Herbeischaffen von Nahrungsmitteln, nicht aber die Nahrungsmittelhilfe selbst. Für die ist das BMZ zuständig.

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Wie das BMZ plant, die nach eigenen Angaben 30 Millionen Euro Nothilfe für Ostafrika auszugeben – neu zugesagt sind davon rund 15 Millionen Euro –, will Staatssekretärin Gudrun Kopp (FDP) an diesem Mittwoch den Obleuten des Entwicklungsausschusses erklären. Ein Sprecher des Ministeriums sagte dem Tagesspiegel, dass zehn der 15 Millionen Euro über das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen und fünf Millionen Euro über NGOs bei den Hungernden in Ostafrika ankommen sollen. Ein Teil der fünf Millionen könnte auch über die staatliche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) verteilt werden, die auch nach dem Erdbeben in Haiti schon Nahrungsmittel verteilt hat.

Hungersnot in Ostafrika

Die Vereinten Nationen haben für Teile Somalias eine akute Hungersnot ausgerufen. Auch Äthiopien und Kenia leiden unter der Dürre. Im Folgenden finden Sie eine Liste mit Hilfsorganisationen, die Ihre Spende entgegennehmen.

Hier können Sie spenden

Aktion Deutschland Hilft e.V. (Bündnis deutscher Hilfsorganisationen) 

Stichwort: Hunger Ostafrika

Spendenkonto: 10 20 30

Bank für Sozialwirtschaft, Köln

BLZ 370 205 00

"Bündnis Entwicklung hilft" (Bündnis deutscher Hilfsorganisationen)

Stichwort: Ostafrika

Spendenkonto:  51 51

Bank für Sozialwirtschaft

BLZ 370 205 00

Deutscher Caritasverband / Caritas international

Stichwort: Hungersnot Ostafrika

Spendenkonto 202

Bank für Sozialwirtschaft

BLZ 660 205 00

Deutsches Rotes Kreuz

Stichwort: Ostafrika

Spendenkonto 41 41 41

Bank für Sozialwirtschaft

BLZ 370 205 00

Diakonie Katastrophenhilfe

Stichwort: Somalia

Spendenkonto 502 707

Postbank Stuttgart

BLZ 600 100 70

Welthungerhilfe (Mitglied "Bündnis Entwicklung hilft")

Stichwort: Dürre Ostafrika

Spendenkonto 1115

Sparkasse Köln Bonn

BLZ 370 501 98

Kindernothilfe 

Stichwort: Dürrekatastrophe "Horn von Afrika"

Spendenkonto 45 45 40

Bank für Kirche und Diakonie eG - KD-Bank

BLZ 350 601 90

Medico international

Stichwort: Ostafrika

Kontonummer 1800

Sparkasse Frankfurt

BLZ 500 502 01

Plan International Deutschland e.V.

Stichwort: Dürre Ostafrika

Spendenkonto 0001623207

Postbank

BLZ 200 100 20

Save the Children

Stichwort: Horn von Afrika

Spendenkonto 929

Bank für Sozialwirtschaft

BLZ 100 205 00

Das WFP hatte vor der Erhöhung der deutschen Nothilfe eine feste Zusage über eine Million Euro für Ostafrika. Die Welthungerhilfe habe bisher keine Zusage, könne aber über eigene Mitarbeiter oder Partnerorganisationen sofort in Kenia, Äthiopien und Somalia selbst tätig werden, sagt Sprecherin Marion Aberle. Die Diakonie-Katastrophenhilfe hat gerade 550.000 Euro für die Hilfe in Somalia bewilligt bekommen. Gemeinsam mit Caritas International unterstützt die Diakonie eine somalische NGO, deren Name übersetzt "Hilfe für alle" bedeutet. In Äthiopien dagegen müssen das BMZ und das Auswärtige Amt die Hilfe über die Regierung auszahlen. Dort gib es seit ein paar Jahren ein Sicherheitsnetz zur Ernährungssicherung, über das dauerhaft mehrere Millionen unterernährte Menschen unterstützt werden.

Seit Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) die Parole ausgegeben hat, dass zwei Drittel der Hilfe möglichst bilateral und nur noch etwa ein Drittel multilateral verteilt werden sollen, tut sich sein Haus schwer mit den Entscheidungen, wie Hilfsmittel kanalisiert werden sollen. Denn ein beträchtlicher Teil des BMZ-Etats ist festgelegt und teilweise – wie beispielsweise über die Beiträge zur EU-Entwicklungshilfe – auch rechtlich vorgegeben. Um auf eine höhere bilaterale Quote zu kommen, vergibt das BMZ deshalb nach Beobachtung einiger NGOs mehr Geld über die GIZ. Die GIZ hat immer mal wieder auch klassische Nothilfe wie beispielsweise die Verteilung von Lebensmitteln selbst organisiert. Auf diese Weise soll offenbar die bilaterale Quote erhöht werden. So ist wohl auch der Hinweis aus dem BMZ zu verstehen, dass auch die GIZ womöglich wieder Lebensmittel verteilen wird.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Wäre es das 1. Mal. daß Hilfe in diesem
    Ausmaß organisiert wird, könnte ich diesen
    unsäglichen Hickhack um Zuständigkeiten
    vielleicht verstehen.
    Aber leider ist das der ich-weiß-nicht-wievielte
    Hilfseinsatz und es wird leider nicht der letzte sein.
    Und während in EU und USA um Kompetenzen und die
    richtige Logistik gestritten wird,
    sterben (richtig: verrecken) die Menschen.
    Erbärmlich

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    ... der entweder einfach nur zu blöde oder aber zu korrupt ist, die Lage zu begreifen und entsprechend unbürokratisch und flott vorzugehen.

    ... der entweder einfach nur zu blöde oder aber zu korrupt ist, die Lage zu begreifen und entsprechend unbürokratisch und flott vorzugehen.

  2. ... der entweder einfach nur zu blöde oder aber zu korrupt ist, die Lage zu begreifen und entsprechend unbürokratisch und flott vorzugehen.

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    Antwort auf "Das 1. Mal"
  3. sind Parteikollegen. Niebel hat ein funktionstüchtiges Ministerium vorgefunden und zerteilt, aber offensichtlich keine funktionsfähigen anderen Wege geknüpft, weil nicht gewollt. Er hat erst noch vor kurzem eine Unterstützung abgelehnt, weil er nicht zahlen wollte für's "Nichtstun". - Also gehen wir gerne davon aus, daß der FDP die Menschen und auch die eventuell noch vorhandene Reputation Deutschlands im Ausland auch aus der vorherigen Arbeit des BME egal ist, zumal Niebel dieses Ministerium doch abschaffen wollte.

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    Deshalb wollte er es auch abschaffen oder umfunktionieren und ausbauen.

    Deshalb wollte er es auch abschaffen oder umfunktionieren und ausbauen.

  4. Wenn es mehr Menschen gibt als das Land/Wirtschaft...ernähren kann passiert so was eben.

    Geburtenkontrolle wäre wichtiger.

    Gestern im TV waren Familien mit 10 Kindern und mehr zu sehen wo die Eltern sich nicht mal selbst ernähren können.

    Sorry aber das kann nicht unsere Schuld sein!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    zu 4

    Hallo Robert56

    Das würde ich nicht so ohne weiteres glauben, denn fast alle Fernsehsender machen derzeit mehr PR als ehrliche Berichterstattung.

    So las ich gestern in einer aufgeführten Zeitung von den www.nachdenkseiten de. einen Hinweis von Jean Ziegler - UN - Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, dass seit der Finanzkrise europäische und amerikanische Großbanken mehr als 8 Billionen Euro erhalten.

    Im gleichen Zeitraum hat das World Food Programme die Hälfte seines Budgets verloren. Es schrumpfte auf die Hälfte von 6 auf 2,8 Milliarden.

    Ich will damit sagen, dass wahrscheinlich ganz andere Dinge hinter dieser "Hungerkatastrophe" stecken, denn Somalia wird seit Jahren-Jahrzehnten(?) von Clan-Kriegen hin und her gerissen.

    Zu den PR-Täuschungen der Fernsehstationen können sie auch in irgendeiner Zeitung, die die nachdenkseiten angegeben haben, nachlesen. Ich habe vergessen, mir den Link aufzuschreiben.
    Ich jedenfalls war entsetzt, was ich auf youtube hörte.

    zu 4

    Hallo Robert56

    Das würde ich nicht so ohne weiteres glauben, denn fast alle Fernsehsender machen derzeit mehr PR als ehrliche Berichterstattung.

    So las ich gestern in einer aufgeführten Zeitung von den www.nachdenkseiten de. einen Hinweis von Jean Ziegler - UN - Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, dass seit der Finanzkrise europäische und amerikanische Großbanken mehr als 8 Billionen Euro erhalten.

    Im gleichen Zeitraum hat das World Food Programme die Hälfte seines Budgets verloren. Es schrumpfte auf die Hälfte von 6 auf 2,8 Milliarden.

    Ich will damit sagen, dass wahrscheinlich ganz andere Dinge hinter dieser "Hungerkatastrophe" stecken, denn Somalia wird seit Jahren-Jahrzehnten(?) von Clan-Kriegen hin und her gerissen.

    Zu den PR-Täuschungen der Fernsehstationen können sie auch in irgendeiner Zeitung, die die nachdenkseiten angegeben haben, nachlesen. Ich habe vergessen, mir den Link aufzuschreiben.
    Ich jedenfalls war entsetzt, was ich auf youtube hörte.

    • cogshy
    • 27.07.2011 um 13:33 Uhr

    Es ist zwar nicht unsere Schuld, wenn es in Afrika Familien mti 10 Kindern gibt, die sich nicht ernähren können.
    Aber wenn wir auf unseren Fahnen schreiben, dass wir ihnen helfen wollen, da es uns ja besser geht, ist es schon richtig peinlich, dass wir das nicht geschissen bekommen. Wir rühmen uns, dass es uns in Deutschland so gut geht und unsere Demokratie so toll ist und dann schreitert es an der eigenen Bürokratie, dass wie Hilfseinsätze richtig hin bekommen. Da kann man doch nur peinlich berührt weg gucken und sich schämen Deutscher zu sein.

  5. Mich würde das Konzept interessieren, wie diese Stadt , nach Beendigung der Hungersnot, wieder aufgelöst wird oder kommt es wie so oft dazu, dass wir eine neue Stadt gründen, die die nächsten 10 Jahre weiter auf Hilfe angewiesen ist.
    Wenn wir über unsere Bürokratie schimpfen, nun, es ist manchmal auch gerechtfertigt, man nenne mir aber ein Land, das eine´´ bessere`` Bürokratie hat.
    Wir müssen leider sicherstellen, dass die Hilfe nicht in dunklen Kanälen verschwindet. Dass wir nicht unsinnige Projekte bezuschussen ( Afghanistan )
    Ps : in Nordkenia kann man nur mit bewaffneter Eskorte reisen, und dies nicht erst seit der Hungersnot.
    Ich erinnere auch an die Hungersnot neulich in Nordkenia bei gleichzeitigen Überschüssen im Süden, wo es der Regierung nicht möglich war, Nahrung vom Süden in den Norden zu transportieren. Das Ausland musste helfen.

  6. Schröder aufgelöst und dem Auswärtigen Amt übertragen werden. Da er einen Ministerposten für eine spezielle Spezi brauchte hat er es nicht gemacht. Zum Schaden des Bundeshaushalts und zum Schaden unzähliger Projekte in Drittländern.

    Wenn etwas Sinn hat dann macht man es nicht. Unsinn ist lukrativer!!!

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  7. ...wurde quasi über Nacht durchgedrückt durchs Parlament, von Steinbrück, Merkel und Ackermann. Dabei drohte niemandem der Hungertod.

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