Der Fakultätsrat habe einstimmig beschlossen, Chatzimarkakis die Doktorwürde abzuerkennen. Dies teilte der Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Bonn, Günther Schulz, mit. Die Hochschule hatte die Dissertation des Europaabgeordneten mehrere Wochen lang geprüft.

In der Dissertation hätten die Prüfer in zahlreichen Fällen aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten entlehnte Passagen gefunden, die nicht als wörtliche Übernahmen gekennzeichnet waren. Lediglich am Ende der Passagen habe er in einer Fußnote die Belegstelle genannt.

Chatzimarkakis habe Texte anderer Autoren eingefügt, deren Anfang und Ende jedoch nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Dies reiche jedoch nicht aus und verletze die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens, befand die Universität. "Eine solche Praxis vermittelt den Eindruck, dass hier Herr Chatzimarkakis spricht, während in Wirklichkeit Texte anderer Autoren reproduziert werden", erklärte Schulz. Nach Angaben der Kommission stamme mehr als die Hälfte des Textes aus fremden Texten. Das genüge nicht den Anforderungen an eine Doktorarbeit, sagte Schulz.

Chatzimarkakis hatte die Philosophische Fakultät der Universität Bonn selbst Anfang Mai gebeten, seine Doktorarbeit zu prüfen, nachdem im Internetforum VroniPlag Plagiatsvorwürfe gegen ihn aufgetaucht waren. Der Politiker hatte seine Dissertation im Jahr 2000 vorgelegt. Sie trägt den Titel "Informationeller Globalismus: Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des elektronischen Geschäftsverkehrs".

Bereits vor der Bekanntgabe der Entscheidung der Universität hatte Chatzimarkakis angekündigt, um seinen Doktortitel zu kämpfen. Wird ihm der Titel entzogen, dann werde er eine zweite Dissertation schreiben, so sagte Chatzimarkakis der Saarbrücker Zeitung.

Wegen Plagiaten in ihren Dissertationen waren zuletzt dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin ihre Doktortitel entzogen worden.