"Berlin solidarisch mit Oslo: Hauptstadt der Angst? Nicht mit
 uns!" Unter diesem Motto sind am Montag knapp 20 Mitglieder der ultrarechten Gruppierung Pro Deutschland vor der norwegischen Botschaft in Berlin aufmarschiert. Bei  Anders Behring Breivik handele es sich lediglich um einen "fanatisierten Einzeltäter", der weder "konservativ" noch "christlich" sei, behaupten die Rechtspopulisten.

Die Demonstration ist ein Beleg dafür, wie sehr sich Deutschlands Rechtspopulisten nach den Anschlägen in Norwegen um ihr Image sorgen. Kein Wunder, stehen sie dem Attentäter ideologisch sehr nah. Die norwegische rechtspopulistische Fortschrittspartei , in der Breivik früher Mitglied war, weist in ihrem Programm zahllose inhaltliche Parallelen zu den rassistischen Thesen von Pro Deutschland und anderen islamfeindlichen und rechtspopulistischen Gruppen auf. Das vorläufige Fazit der Szene hierzulande fällt zwiespältig aus: Die Ideologie des Mörders ist richtig, nur die Wahl der Mittel war falsch.

Derzeit prüft der Verfassungsschutz, ob Breivik Kontakte zur rechten Szene in Deutschland hatte. Sein 1.500-Seiten-Manifest, auf das er mit seinen Taten die mediale Aufmerksamkeit lenken wollte, hatte er kurz vor dem Anschlag per E-Mail an bekannte Rechtspopulisten in ganz Europa geschickt. Entsprechend groß ist jetzt die Sorge in den Netzwerken der Islamhasser, dass die Sicherheitsbehörden sie in Zukunft verstärkt überwachen könnten.

Auf der Website der rechts-konservativen Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) schreibt ein besorgter Nutzer , dass sich jetzt "Zeitungen wie die JF über eine verschärfte Beobachtung freuen" dürften. Tatsächlich wurde die Zeitung bis 2004 vom Verfassungsschutz beobachtet, bis sie erfolgreich dagegen klagte. In der medialen Berichterstattung zu den politischen Hintergründen der Anschläge vermuten auf der JF-Website viele Kommentatoren eine "linksideologisch betriebene Hetze", die rechtspopulistische Diskurse in Verruf bringen soll. "Die ganze Diskussion ist geradezu lächerlich und folgt der schamlosen Instrumentalisierung der Tat durch die Linken", meint ein User.

Auf dem bekanntesten deutschen Anti-Islam-Blog Politically Incorrect (PI-News) sprachen die Autoren schon kurz nach dem Anschlag von einem islamistischen Hintergrund. Seit bekannt wurde, dass der Täter ein Rechtsextremist ist, dessen Ideologie kaum von der vieler PI-News-Kommentatoren abweicht, bemüht man sich um Schadenbegrenzung. Als " eine konservative Katastrophe " wird der Täter in der Überschrift eines Artikels bezeichnet, in dem auch Postings von Breivik in rechten norwegischen Foren untersucht werden. "Was er schreibt sind großenteils Dinge, die auch in diesem Forum stehen könnten", gesteht der PI-News-Autor ein. Die Anschläge von Breivik werden im selben Text ganz nüchtern als "verheerende Katastrophe", die "über Norwegen hereingebrochen ist" bezeichnet. In den Kommentaren versuchen die Nutzer Breivik als psychisch kranken Einzeltäter ohne gefestigte politische Einstellung darzustellen.