Rüstungsindustrie Opposition fordert Offenlegung des Panzer-Deals
Die Kritik an der Panzerlieferung nach Saudi-Arabien wächst – nicht nur in der Opposition. Doch die Bundesregierung schweigt zu dem umstrittenen Deal.
Die Regierung schweigt und die Opposition ist empört: Vertreter von SPD und Grünen fordern die Bundesregierung erneut auf, Informationen über einen möglichen Verkauf deutscher Panzer nach Saudi-Arabien vorzulegen.
Die angeblich geplante Lieferung nach Saudi-Arabien verstößt nach Ansicht des stellvertretenden Grünen-Fraktionschefs Jürgen Trittin gegen einen parteiübergreifenden Konsens. Bislang habe gegolten, keine Waffen in Krisengebiete zu liefern, um die Konflikte nicht anzuheizen, sagte Trittin. Das sei missachtet worden. "Saudi-Arabien war gerade daran beteiligt, die Demokratiebewegung in Bahrain niederzuwalzen", sagte Trittin. "Einem solchen Regime mit einer solchen Praxis solche Waffen zu liefern, das hat es bisher in den vergangenen Jahren weder von Regierungen der einen noch der anderen Couleur gegeben."
Die Grünen wollen das Thema am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde im Bundestag zur Sprache bringen. Das fordert auch der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Gernot Erler: "Hier haben wir eine aktuelle politische Situation mit einer starken Selbstbeschädigung der deutschen Politik. Da ist es das Recht des Parlaments, Auskunft zu verlangen von der Bundesregierung." Erler sagte an die Kanzlerin und an den Außenminister gerichtet: "Merkels und Westerwelles wortgewaltige Unterstützung für die Demokratiebewegungen im arabischen Raum werden damit als reine Lippenbekenntnisse entlarvt."
Auch in den eigenen Reihen stößt die Zustimmung der Bundesregierung zur Panzerlieferung auf Kritik: Die Mehrheit in der CDU/CSU-Fraktionsführung habe am Montagabend gegen eine Lieferung argumentiert, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Besonders der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz, Bundestagspräsident Norbert Lammert und die Menschenrechtsexpertin der Fraktion, Erika Steinbach, hätten Kritik geäußert. Sie argumentierten vor allem mit den Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien.
Auch Elke Hoff, die Verteidigungsexpertin der FDP, kritisierte das geplante Rüstungsgeschäft vorsichtig: "Dürfen tun sie es. Die Frage ist, ob es mit dem nötigen politischen Fingerspitzengefühl begleitet ist und wie dies in der Öffentlichkeit aufgenommen wird." Sie hoffe, es gebe genügend Argumente für den Handel.
Nach einem Bericht des Spiegel hatte der Bundessicherheitsrat den Export moderner Leopard-Kampfpanzer nach Saudi-Arabien vergangene Woche grundsätzlich gebilligt. Dies würde eine Abkehr von der bisherigen Politik bedeuten, keine schweren Waffen in das autoritär geführte Königreich zu exportieren. Saudi-Arabien hat nach Angaben aus Sicherheitskreisen bereits 44 Leopard-Panzer aus Deutschland gekauft. Insgesamt wolle das Königreich 200 Panzer in der Bundesrepublik erwerben, hieß es aus saudiarabischen Sicherheitskreisen. Zum konkreten Finanzvolumen des Geschäfts äußerten sich die Informanten nicht. Es habe aber einen Wert von mehreren Milliarden Euro. Die Leopard-Panzer werden von Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall gebaut.
Die Bundesregierung weigerte sich bislang mit Verweis auf die Geheimhaltung, zu dem Bericht Stellung zu nehmen. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies auf die "übliche und auch notwendige Geheimhaltung" bei Exportgenehmigungen durch den Bundessicherheitsrat. Sollte es tatsächlich zum "Exportfall" kommen, würde die Bundesregierung darüber in ihrem jährlichen Rüstungsexport informieren, sagte Seibert. "Alle weiteren Äußerungen dazu sind uns jetzt nicht möglich."
Ohne näher auf das mögliche Geschäft mit Saudi-Arabien einzugehen, versicherte Seibert, dass die Bundesregierung bei ihren Entscheidungen auch die Interessen Israels im Blick habe. In der Vergangenheit hatte Israel mehrfach scharfe Kritik an Waffenverkäufen etwa der USA an Saudi-Arabien geübt. Seibert sagte, bei Gesprächen der Bundesregierung mit israelischen Vertretern gehe es "immer auch um die Frage der Bedrohung Israels". Es sei sicher, "dass die Bundesregierung nicht gegen die Interessen und das Existenzrecht und die Existenzmöglichkeiten Israels handelt". Schon Anfang der 1980er Jahre hatte Saudi-Arabien Leopard-Panzer erwerben wollen. Die Regierung von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hatte damals jedoch einen entsprechenden Vertrag unter Hinweis auf eine Gefährdung Israels abgelehnt.
Saudi-Arabien gehört zu den wichtigsten Zielländer deutscher Rüstungsexporte. Bereits 2009 genehmigte die Regierung nach dem Rüstungsexportbericht sieben Geschäfte in Höhe von etwa 168 Millionen Euro mit Saudi-Arabien.
- Datum 05.07.2011 - 10:17 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
- Kommentare 51
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







"....versicherte Seibert, dass die Bundesregierung bei ihren Entscheidungen auch die Interessen Israels im Blick habe."
Wie bitte?
Die Bundesregierung sollte doch die Interessenvertretung des deutschen Volkes darstellen und ist dafür gewählt worden, oder?
Laut Süddeutscher Zeitung wurde der Verkauf der Panzer an die Saudis von Israel und den USA genehmigt, weil für Israel seit den demokratischen Umwälzungen in Ägypten und Tunesien sowie den Aufständen in Syrien und Lybien Saudi-Arabien der letzte Garant für Stabilität ist.
Quell: http://de.nachrichten.yah...
Wie groß muss die Not der Familie Saud sein, dass sie nach Israel gehen muss, um um Waffen zu betteln? Und wie groß muss die Panik der Falken in Jerusalem sein, zu sehen, wie ein arabischer Despot nach dem anderen aus seinem Land gejagt wird?
Laut Süddeutscher Zeitung wurde der Verkauf der Panzer an die Saudis von Israel und den USA genehmigt, weil für Israel seit den demokratischen Umwälzungen in Ägypten und Tunesien sowie den Aufständen in Syrien und Lybien Saudi-Arabien der letzte Garant für Stabilität ist.
Quell: http://de.nachrichten.yah...
Wie groß muss die Not der Familie Saud sein, dass sie nach Israel gehen muss, um um Waffen zu betteln? Und wie groß muss die Panik der Falken in Jerusalem sein, zu sehen, wie ein arabischer Despot nach dem anderen aus seinem Land gejagt wird?
erhalten ihre Waffen die sie demnächst vermutlich auch brauchen werden ohnehin. Hier ist nicht der Verkäufer D der "böse" sondern jene die in den Abnehmerländer Situationen schaffen die den Gebrauch von Waffen auslösen.
Demnach ist auch ein Drogendealer unschuldig!? Der Abhängige erhält seine Drogen ja ohnehin...
Dieses "wenn wir es nicht tun, machen es eben andere" Argument ist ungültig. Nur weil es andere Staaten / Rüstungskonzerne nicht stört das Blut von pro-Demokratie-Demonstranten in Saudiarabien ( oder wo die Panzer auch immer eingesetzt werden ) an Ihren Händen ( und Banknoten ) kleben zu haben, darf man nicht dafür sein, dass die Bundesrepublik sich mitschuldig macht am Tod Unschuldiger.
Waffenexporte sollten sowieso die absolute Ausnahme, statt der Regelfall sein, mMn...
...mit der Moral der anderen argumentiert, der hat keine eigene!
Demnach ist auch ein Drogendealer unschuldig!? Der Abhängige erhält seine Drogen ja ohnehin...
Dieses "wenn wir es nicht tun, machen es eben andere" Argument ist ungültig. Nur weil es andere Staaten / Rüstungskonzerne nicht stört das Blut von pro-Demokratie-Demonstranten in Saudiarabien ( oder wo die Panzer auch immer eingesetzt werden ) an Ihren Händen ( und Banknoten ) kleben zu haben, darf man nicht dafür sein, dass die Bundesrepublik sich mitschuldig macht am Tod Unschuldiger.
Waffenexporte sollten sowieso die absolute Ausnahme, statt der Regelfall sein, mMn...
...mit der Moral der anderen argumentiert, der hat keine eigene!
als würden sich die feudale Herrscherfamilie Saudi-Arabiens den arabischen Frühling auch ihrem Hoheitsgebiet nahen sehen und sich entsprechend vorbereiten, um dem Volk ggf. zu waffenstarrend zeigen, wo der allein herrschende König den Hammer hängen hat!
Irgendwie klar, dass unsere kriegsfreudige Regierung derartige Aktionen des Säbelrasselns tatkräftig mit der Lieferungen von Kriegswaffen noch unterstützt.
Was gibt es dafür? Billigeres Öl?
http://de.wikipedia.org/wiki/Fuchs_(Panzer)
der Böses dabei denkt!
Wer macht den Pfahls, wen den Schreiber?
Warum die ganze Aufregung. Nach der Enthaltung zu Libyen, den Abzug von Überwachungsschiffen etc. gegen Gaddafi, jetzt ein Deal mit einem autoritären Land. Das passt doch gut zusammen.
und mal ehrlich, man muss doch den Saudis helfen, nachdem sie ihrerseits dem Despoten in Bahrein gegen dessen böses Volk ausgeholfen haben. Die saudischen Despoten stehen doch jetzt schutzlos dar. Da muss man doch fürs despotische Gleichgewicht in Nahost sorgen. Gaddafi ist out, die Despoten in Saudiland weiter in.
So geht verantwortliche demokratisch legitimierte Politik a´la schwatzkopfgeldsumpf, die derzeitige Regierungsorganisation.
Wer Waffen kauft , will töten, und wer Waffen verkauft, nimmt es hin, das damit getötet wird, beides ist unmenschlich, das sich eine Regierung die von Christdemokraten geführt wird, dafür hergibt , zeigt doch, wie sie in Wirklichkeit denkt, und ihr oberster Gott ist das Geld, und dann sind sie auch noch zu feige , um zu ihrem Tun sich zu bekennen.
Sie meinen vermutlich eher moralisch verwerflich, denn menschlich ist das Töten leider allzusehr, wie die gesamte Menschheitsgeschichte eindrucksvoll zeigt.
Sie meinen vermutlich eher moralisch verwerflich, denn menschlich ist das Töten leider allzusehr, wie die gesamte Menschheitsgeschichte eindrucksvoll zeigt.
Sollen jetzt also auch noch Facebook-Partys im Ausland verboten werden...
unsere Regierung daran zu hindern diesen Waffendeal umzusetzen!
Das Parlament hat die nötigen Machtmittel dazu und sollte sie auch nutzen, es wird langsam mal Zeit das die Damen und Herren Abgeordneten sich an Ihre Aufgabe erinnern: Kontrolle der Regierung!
Das Parlament kann sehr wohl diesen Waffendeal unterbinden indem es wenn es denn sein muß ein Mißtrauensvotum ausspricht!
Tun Sie dies nicht machen Sie sich der Duldung schuldig!
LG
Klaus
Der eigentliche Skandal ist eben, dass normalerweise keine Kontrolle erfolgen kann!
Nur durch eine Indiskretion ist die Information im Vorfeld überhaupt nach draußen gedrungen, im Normalfall hätte man das erst im Nachhinein im "Jahresbericht Rüstungsexport" nachlesen können.
Man muss sich allerdings schon fragen, welche Personen genau in solch einem Gremium namens "Bundessicherheitsrat" sitzen, die diesem Deal zugestimmt haben könnten. War das Dummheit oder Zynismus?
Der eigentliche Skandal ist eben, dass normalerweise keine Kontrolle erfolgen kann!
Nur durch eine Indiskretion ist die Information im Vorfeld überhaupt nach draußen gedrungen, im Normalfall hätte man das erst im Nachhinein im "Jahresbericht Rüstungsexport" nachlesen können.
Man muss sich allerdings schon fragen, welche Personen genau in solch einem Gremium namens "Bundessicherheitsrat" sitzen, die diesem Deal zugestimmt haben könnten. War das Dummheit oder Zynismus?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren