Nun soll es also wirklich fix sein: Die FDP bekommt die von ihr lang herbeigesehnten Steuererleichterungen . Am Wochenende telefonierten CDU-Chefin Angela Merkel, FDP-Chef Philipp Rösler und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer, um das für den Koalitionsfrieden gefährliche Streitthema aus dem Weg zu räumen. Heraus kam ein Positionspapier. "Kleinere und mittlere Einkommen werden zum 1. Januar 2013 steuerlich entlastet", heißt es darin. Im Herbst werde die Koalition "vorhandene Spielräume" dafür nutzen.

Die FDP fühlt sich seitdem als Sieger – oder versucht wenigstens, sich so zu verkaufen. Aber hat sie wirklich den mächtigen Steuersenkungsskeptiker Wolfgang Schäuble in die Knie zwingen können? Hat sie bei ihrem zentralen Wahlversprechen endlich "geliefert", wie es Rösler auf dem Parteitag der angeschlagenen Liberalen angekündigt hat?

Die Antwort muss vorerst nein lauten. Das grundsätzliche Vorhaben, noch in dieser Legislaturperiode Steuern zu senken, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert bereits vergangene Woche bestätigt. Auch die Jahreszahl 2013 war längst im Gespräch – eine Steuersenkung kurz vor einer Bundestagswahl hat schließlich den schönen Nebeneffekt, dass sie die kritischen Wähler milde stimmt.

Am Ende haben die drei Parteichefs also nur das festgezurrt, was man als ihren größtmöglichen gemeinsamen Nenner ansehen kann. Nur dass sie es noch vor der Sommerpause getan haben, kann man der Hartnäckigkeit der Liberalen zuschreiben. Ein kleiner Erfolg für Philipp Rösler. Dass es notwendig war, die Koalitionsvereinbarung von 2009 schriftlich zu erneuern, ist schließlich auch ein bisschen peinlich. Und die Bürger wissen immer noch nicht, wo sie entlastet werden sollen und wie viel mehr Netto vom Brutto sie in anderthalb Jahren im Geldbeutel haben werden.

Die CDU hatte sich vergangene Woche geweigert, sich auf eine konkrete Steuersenkungssumme festzulegen. Daran hat sich nichts geändert: Es sei "klar", dass über das Volumen erst im Herbst entschieden werden könne, sagte ihr Generalsekretär Hermann Gröhe am Montag. Erst dann lägen belastbare Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung vor, erst dann könne man sich die "Spielräume" genau anschauen.

Diese Sätze hat man schon oft gehört. Sie besagen auch: Mal sehen, wie viel wir angesichts der Griechenland-Krise und von Sparzwängen am Ende abzwacken können. Womöglich wird die Steuersenkung so klein ausfallen, dass sie der Bürger kaum merkt.