UN-Sozialbericht : Jeder vierte Schüler ohne Frühstück

Deutschlands Wirtschaft ist stark, sein Sozialsystem international hoch angesehen. Doch ein Bericht der Vereinten Nationen legt daran schwere Mängel offen.
Ausbildung in Deutschland (am Bildungswerk Berlin-Kreuzberg) © Sean Gallup/Getty Images

Die Vereinten Nationen haben in einem neuen Staatenbericht die soziale Lage in Deutschland bemängelt. Migranten würden diskriminiert und es fehle an einem umfassenden Armutsbekämpfungsprogramm, heißt es in der zehnseitigen Analyse, die dem Berliner Tagesspiegel vorliegt. "Tief besorgt" äußere sich der zuständige Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte dazu, dass viele seiner früheren Empfehlungen nicht umgesetzt würden.

Einer der schwersten Vorwürfe ist demnach, dass jeder vierte Schüler ohne Frühstück zur Schule gehe. Nachdrücklich forderten die Ausschussmitglieder "konkrete Maßnahmen", damit "Kinder, besonders aus armen Familien, richtige Mahlzeiten erhalten". Mit Besorgnis vermerken die Fachleute, dass Angaben der Bundesregierung zufolge 13 Prozent der Deutschen unter der Armutsgrenze leben.

Die Autoren kritisieren Ungerechtigkeiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt und im Gesundheits- und Sozialwesen. Migranten etwa sähen sich nach wie vor großen Hindernissen beim Genuss ihrer Rechte auf Bildung und Beschäftigung gegenüber, heißt es. Asylsuchenden blieben ausreichende Sozialleistungen versagt, dabei müssten sie "im Einklang mit internationalen Normen" den gleichberechtigten Zugang zu beitragsunabhängigen sozialen Sicherungssystemen, zur Gesundheitsversorgung und zum Arbeitsmarkt bekommen.

Für zivile Staatsbedienstete, sofern sie keine unentbehrlichen Aufgaben erbringen, fordert der Ausschuss ein Streikrecht. Beim Zugang zu Jobs sieht er Frauen wegen "klischeehafter Vorstellungen der Geschlechterrollen" benachteiligt.

Besorgt ist das UN-Gremium auch darüber, dass "ungeachtet der Maßnahmen zur Verringerung dieser Kluft" die Arbeitslosigkeit im Osten Deutschlands immer noch doppelt so hoch sei wie im Westen. Positiv hervorgehoben werde jedoch, dass die Arbeitsmarktreformen den niedrigsten Stand der Arbeitslosen in den vergangenen 20 Jahren ermöglicht hätten.

Weiterer Kritikpunkt ist die Grundsicherung von Hartz-IV-Empfängern. Sie gewähre "keinen angemessenen Lebensstandard", heißt es. Erheblich ausgebaut werden müssten in Deutschland Angebote für Kinder, Behinderte, Ältere und Kranke. Zu den deutschen Pflegeheimen schreiben die Ausschussmitglieder, dort würden viele Bewohner "in menschenunwürdigen Bedingungen leben".

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Kommentare

95 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

treffender Bericht

und absolut vernichtendes Ergebnis. Deutschland ist im internationalen Vergleich eben doch nur eine Bananenrepublik, in der die Rechte der Menschen mit Füßen getreten werden und gilt, nach unten treten und nach oben buckeln. Hartz-IV-Empfänger sind ja schon lange auf einer Achtungs- und Würdestufe mit Kakerlaken in den Köpfen vieler Menschen und Asylbewerber - an deren Gründen zur Flucht Deutschland oftmals nicht unwesentlichen Anteil hat - sind meist noch darunter.

Die sind nicht wackelig. Die sind ein einziger Witz...

und wenn man sieht, wer an der Schaffung der Daten beteiligt war, ist die Verbreitung dieser Dinge, wie sie seit drei Wochen über den UN-Server läuft, der eigentliche Skandal.

Dass seit heute früh alle die Sache verbreiten, als gäbe es eine Neuigkeit, ist eher tragisch als witzig und zeigt, dass wir uns gute Recherche statt schneller Zeilenfüller wünschen sollten...

Aber die Zeiten, als wünschen noch half, sind wohl um.

Über 90% der Mitglieder der UN hängen am D Tropf

und ein Bericht der Vereinten Nationen legt daran schwere Mängel in D offen.
Ist das nun zum Lachen oder zum Weinen?
Ein realistischer Bericht über die Zustände in den Ländern der UN Mitglieder findet natürlich keine Mehrheit in den zuständigen Ausschüssen, ist doch klar.
Also knöpft man sich die Geberländer vor, in der Hoffnung noch mehr Bares abzweigen zu können.

ZUsammenahng

Und wie bekommen "die" mehr Geld indem Sie Deutschland aufzeigen, dass die Kinderarmut zu hoch ist und generell der soziale Standart mangelhaft?

Da basteln Sie sich aber in gewagtes Konstrukt zusammen.

Dass Deutschland Geld gibt, darf nicht bedeuten, dass Deutschland bezüglich seiner Politik im Innern nicht kritisiert werden darf. Zudem tut das Deutschland sicher nicht ohne Eigennutz. Also auf dem Teppich bleiben und Fakten betrachten.

Die Sache mit dem Schulfruehstueck sollte aufgegriffen werden

Ich finde, wir koennen es uns leisten allen Schuelern ein
kostenloses und vor allem gesundes Fruehstueck anzubieten.
Ansonsten sollten wir den UN Beschaeftigten klarmachen, dass
es fuer den deutschen Staat nicht moeglich ist, den Buergern
insgesamt einen Lebensstandard aehnlich der UN Beschaeftigten zu sichern. Vielleicht koennen wir einiges
verbessern, wenn wir unsere Beitraege zur UN reduzieren. Dort werden Gehaelter gezahlt und Spesen gemacht, die
unverhaeltnismaessig sind.

Sie haben natuerlich recht mit der Verantwortung der Eltern

aber es gibt leider manche Familien, die dieser Verantwortung nicht gerecht werden. Wir koennen das nicht
kontrollieren. Ein gemeinsames Fruehstueck der Schueler
koennte das loesen, den Teamgeist in der Klasse staerken und garantieren, dass die Kinder nicht gleich am morgen
Junkfood bekommen. Ich finde, es wuerde sich lohnen, wenigstens in Problemzonen Pilotprojekte durchzufuehren und
bei Erfolg auszudehnen.

Für mich ist diese Übernahme durch den Staat undenkbar....

wir haben Frühstück und Abendessen als Fixpunkte im Alltag mit den Kindern und ich würde der Schule sehr widersprechen, wenn sie von der wenigen Unterrichtszeit nun auch noch täglich eine Schulstunde für etwas abknappst, das meiner Meinung nach nicht in die Schule gehört.

Zum Glück gibt es auf unseren Gymnasien wie auch auf den Grundschulen, die mir bekannt sind, solche Ideen nicht und der Teamgeist kann anders gestärkt werden.

Bei uns war es genauso wie bei Ihnen solange wir schulpflichtige

Kinder hatten. Aber leider ist es nicht ueberall so und
es gibt auch viele Faelle wo die Eltern (oder bei Allein-
erziehenden meist die Mutter) beruflich das Haus frueher
verlassen muss. Und dann gibt es natuerlich auch Vernach-
laessigung. Koennten Sie sich nicht vorstellen, dass
die Schule z. B. um 10 Uhr einen Imbiss bereitstellt -
15 Minuten reichen durchaus, da muss keine Schulstunde
versaeumt werden.

Ich halte den Staat als Erzieher für ungeeignet und überbewertet

Ich finde es großartig, wenn es Infrastruktur gibt, die Leben in einem Staat ermöglicht in allen gesellschaftlich relevanten Formen. Allerdings halte ich mittlerweile die Aufgabenfülle, die manche Menschen oder Organisationen in diesem Land dem Staat zuschustern möchten für zu hoch angesetzt.

Ich möchte nicht, dass der Staat sich in Familienleben einmischt von Fällen natürlich abgesehen, in denen Leib und Leben in Gefahr sind. Frühstück in verschiedener Form gehört meines Erachtens nicht dazu.

Noch dazu haben wir keine Zahlen, denn die von Attak in diesen Bericht eingebrachten entbehren jeder Grundlage. Die Untersuchung, aus der sie stammen, wurde zurück gezogen, da fehlerhaft und nicht abbildend, was sie versuchte.

Ich bin sehr fuer die Familie und habe dies auch praktiziert

aber die Schule hat natuerlich auch eine Erziehungsfunktion.
Leider erfuellen nicht alle Eltern (aus welchen Gruenden
auch immer) ihre Aufgaben in der notwendigen Weise. Ich
halte daher integrierende Massnahmen fuer sinnvoll und
notwendig, natuerlich auf freiwilliger Basis, es sei denn
es muss bei schweren Faellen zum Wohl der Kinder durchge-
griffen werden. Der Miterzieher ist nicht "der Staat"
sondern die Lehrer, die auch fuer diese Aufgabe vorbereitet
und motiviert sein muessen.
Ich wurde im April 1949 eingeschult und damals gab es die
"Schulspeisung" an die ich mich gerne erinnere, und die
unserem Familienzusammenhalt keinen Abbruch getan hat.

Ich halte diese Zuweisung von Aufgaben, die der Einzelne...

in seinem privaten Umfeld zu erfüllen hat, an den Staat für nicht ungefährlich und möchte gern, dass der Staat Straßen baut, schaut, dass Gesetzesinitiativen in Gang kommen und geltendes Recht eingehalten wird.

Ansonsten würde ich mich freuen, weniger Staat im Privatleben zu haben als mehr und mehr.

Der Staat kann nicht für jedes Versagen als Ersatz herangezogen werden und das nicht zuletzt, weil die Ressourcen begrenzt sind und Schulen in anderer Weise bereits zur Gemeinschaft erziehen, wobei auch bei anderen Erziehungsfragen die Schule meines Erachtens der falsche Ort ist.

Wer hat denn diesen Stuss verfasst?

Nicht, dass manche Dinge nicht stimmen würden. Aber es klingt für mich wie eine Einzelmeinung eines ausländischen Beobachters. Die kritisierten Themen sind teilweise seltsam:

-Streikrecht für Beamte? Das würde gehörig am deutschen System rütteln, wieso sollten sie das erhalten?
-Arbeitslosigkeit im Osten? Ich denke dass diese Jobs von niemanden hergezaubert werden können.
-"Positiv hervorgehoben werde jedoch, dass die Arbeitsmarktreformen den niedrigsten Stand der Arbeitslosen in den vergangenen 20 Jahren ermöglicht hätten." - Verständnisprobleme, UN-Gremium? Jeder weiß doch dass die Regierung und die Arbeitsagentur die Zahlen kleinrechnen. Hinzu kommt: Die Agenda 2010 ist eine brisante politische Debatte, es ist eine frechheit, dass die UN meint, siech hier einmischen zu können, wo sofort offensichtlich ist, dass sie nicht mal die Fakten kennt.
-Hartz IV, kein angemessenere Lebensstandard? Tja, hier zeigt das Gremium erneut seine Unwissenheit. Das ist sicherlich große Meinungssache. Hartz IV-Empfänger leben z.B. immer noch weit besser als Studenten
-"Zu den deutschen Pflegeheimen schreiben die Ausschussmitglieder, dort würden viele Bewohner in menschenunwürdigen Bedingungen leben" - Dass ich nicht lache. Als Zivi hab ich anderes gesehen.

Mit welchem Recht kann das Gremium solche Forderungen stellen? Einige der angeprangerten Dinge stimmen meiner Meinung nach, aber weil eben so viel Unsinn dabei ist, sehe ich den ganzen Bericht schon diskreditiert.

Wir würden uns über sachlich formulierte Kritik von Ihnen freuen. Danke. Die Redaktion/er