Berlin Forsch und unbeliebt – Künasts Wahlkampfproblem

In Berlin können die Grünen nicht gegen die SPD punkten. Das liegt auch an der herrischen Art ihrer Spitzenkandidatin Renate Künast.

Die grüne Spitzenkandidatin Renate Künast

Die grüne Spitzenkandidatin Renate Künast

"Renate kämpft". Der Satz prangt in weißen Versalien auf dem Großraumplakat der Berliner Grünen. Mit entschlossenem Lächeln schaut die Spitzenkandidatin auf die Passanten herab. Ihr Bild soll Tatkraft ausstrahlen, einen Gegensatz zum vermeintlich tatenlosen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) suggerieren. Renate Künast setzt sich ein, lautet die Botschaft, während Wowereit die Probleme verschläft.

Künast kämpft tatsächlich – doch es geht gerade ums politische Überleben. Fünf Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl wollen nur noch 22 Prozent der Hauptstädter die Grünen wählen. Künasts Partei streitet sich mit der bisher sonst eher schwachen CDU um Platz zwei in der Wählergunst. Und Wowereit ist der strahlende vorzeitige Sieger: Seine SPD liegt bei 31 Prozent.

Anzeige

Das war vor ein paar Monaten noch ganz anders. Damals galt Künast als potenzielle grüne Regierende Bürgermeisterin, die Grünen waren stärkste Partei. Doch inzwischen findet der Konkurrenzkampf zwischen Künast und Wowereit kaum noch auf Augenhöhe statt. Was ist passiert?

Zu erfolgsbesoffen

Auf diese Frage, das glauben auch führende Grüne, gibt es mehrere Antworten. Einmal hat die Parteiführung den Wahlkampf offenbar unterschätzt. "Wir sind da vielleicht zu erfolgsbesoffen reingegangen nach der gewonnenen Wahl in Baden-Württemberg", sagt einer aus der engeren Spitze der Bundespartei: "Renate glaubte am Anfang, der Landtagswahlkampf läuft locker neben der Bundespolitik. Da war sie vielleicht auch ein bisschen beratungsresistent."

Die Kandidatin ist nämlich – und das ist ein weiterer Grund für die Probleme – eine streitbare Persönlichkeit. Zwar loben alle in der Partei Künasts politisches Talent und Durchsetzungsvermögen. Stets wird an ihre Leistung als Bundesverbraucherschutzministerin erinnert. Doch nicht jeder Grüne kann mit der 55-Jährigen. Mancher sagt offen, er halte Künast für eine "Zicke". Die Unzufriedenheit in Teilen des Landesverbandes ist ein offenes Geheimnis, das auch die Wähler kennen.

Forsch und wenig bürgernah

Bei öffentlichen Auftritten wirkt die Kandidatin zudem oft sehr forsch. Künast, die aus Recklinghausen stammt, lebt seit fast einem Vierteljahrhundert in Berlin. Doch es fällt ihr schwer, ihre Liebe zur Stadt glaubhaft zu vermitteln.

Wenn es um Charisma geht, kann die Grünen-Frontfrau gegen "Omi-Knutscher" und Ur-Berliner Wowereit nur verlieren. Bei den Grünen fragt man sich inzwischen, ob es nicht ein Fehler war, diesen ganz auf das Image der SPD- und Grünen-Spitzenkandidaten zugeschnittenen Wahlkampf so zu forcieren. Sich als bürgernah zu verkaufen ist nicht Künasts Stärke. Schnell haftete ihr daher das Image der schlecht gelaunten Spitzenkandidatin an. Sie wird es nun nicht mehr wirklich los.

Leser-Kommentare
  1. scheint die richtige Selbsterkenntnis zu sein.
    Weiter so, auf dem Weg zur FDP ...

    16 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber es koennte auch heissen........ :und weiter so, AUS dem
    weg der FDP.

    aber es koennte auch heissen........ :und weiter so, AUS dem
    weg der FDP.

  2. Renate den Berlinern doch liegen.
    Oder finden die das Ruppige nur bei sich selbst gut?

    Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

    12 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    denn die haben Herz mit Schnauze.

    Schnauze ohne Herz und Witz braucht niemand!

    Berlin: Herz mit Schnauze.
    Renate: Schnauze ohne Herz.

    Darum passt das nicht.

    Nein, Renate Künast ist kein Berliner.

    Berliner ist das hier:

    http://www.youtube.com/wa...

    Schnauze und Humor

    denn die haben Herz mit Schnauze.

    Schnauze ohne Herz und Witz braucht niemand!

    Berlin: Herz mit Schnauze.
    Renate: Schnauze ohne Herz.

    Darum passt das nicht.

    Nein, Renate Künast ist kein Berliner.

    Berliner ist das hier:

    http://www.youtube.com/wa...

    Schnauze und Humor

  3. wer da gewinnt? Es könnten schlechtere Kandiaten sein. Aber so richtig interessant ist das auch nicht. Die Frage ist eher warum die Partei der Kanzlerin in unserer Hauptstadt Mittelpunkt der Region halb west halb ost absolut keine Chance hat die Wahl zu gewinnnen.

    Erfolgsbesoffen ist doch witzig formuliert aber etwas zu harsch. Die Grünen haben nicht unbedingt die Bodenhaftung verloren zumindest nicht als Partei.

    Aber bei den aktuellen Problemen sollte man vielleicht froh sein das es einer von den Beiden wird und nicht Thilo der Wei(s)se angetreten ist.

  4. Ich finde es etwas komisch das die CDU hier so gut wie gar nicht erwähnt wird. Sie droht zur dritten Kraft zu werden und die Grünen liebäugeln mit Grün-Schwarz. Als Grün-Rot möglich schien, war das doch deutlich stärker in der Presse vertreten...

    Aber der Tenor ist doch richtig - Künast zieht in Berlin nicht wirklich.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Traum von Frau Künast regierende Bürgermeisterin zu werden ist nach Lage der Dinge nur in einer schwarzgrünen Regierung denkbar. Aber wer will denn das? Selbst wenn es ein solche Mehrheit gäbe, ist es noch unklar, ob die CDU das will. Als Juniorpartner könnte sie rechnerisch auch mit der SPD unter Wowereit mitregieren. Immer noch besser als unter Künast, würde ich mal sagen.

    Inhaltlich ist schwarzgrün Quatsch. Die Schnittmenge mit der SPD ist größer, sagt Frau Künast selbst. Die Mehrheit von grünrot steht auch außer Frage. Aber die machtgierigen GRÜNEN würden alles tun, um an die Macht zu kommen. Wer grün wählt und Wowereit will, könnte sich am Ende also schwarz ärgern.

    Zu Künast:Auf der GRÜNEN WOCHE war seinerzeit von vielen Landwirten zu hören, dass ihre Arbeit große Wertschätzung erfuhr, die der Macht-Profi Seehofer dann allerdings in kürzester Zeit wieder umgehend an die Wand zu fahren wusste.
    Aufgrund ihrer bundespolitischen Feuerprobe nach der BSE-Krise und ihrer Durchsetzungsfähigkeit, glaubte auch ich, Renate könnte dem Wowi locker das Wasser reichen.
    Aber inzwischen hat sie sich leider als geeignete Regierende für Berlin durch ihre schrillen, ideologischen Obertöne selbst disqualifiziert.
    Was sie uns da alles an absurden Programmpunkten serviert hat, ist realpolitisch für Berlin total neben der Spur. Deshalb steht ihr das Spreewasser nun bis zum Hals - Verpasste Chance
    Die Berliner werden wohl weiterhin ihren Partymeister weiterwurschteln lassen.

    Ach so, die CDU, wo die bleibt?

    DAS haben wir uns bereits die gesamte vergangene Legislatur-Periode gefragt - bei so viel Steilvorlagen des Rot-roten Senats.
    Nicht mal "Opposition" können die !!!
    Jetzt krauchen die bekannten ehem. Westberliner Filzokraten aus der "feinen Jejend" (Zehlendorf etc.) mal wieder aus der Versenkung und mimen lächerliche "Bürgernähe" vor den Supermärkten.
    Von deren Spitzenkandidaten, dem CDU-Henkel, erfährt der Wahlbürger plakativ so viel:
    Er hat ein freundliches, rundliches bebrilltes Gesicht und will einfach "alles ändern"...

    Eine "Gelbe Gefahr" scheint ziemlich sicher ausgeschlossen.
    Das zumindest können die Berliner "liefern"...

    Der Traum von Frau Künast regierende Bürgermeisterin zu werden ist nach Lage der Dinge nur in einer schwarzgrünen Regierung denkbar. Aber wer will denn das? Selbst wenn es ein solche Mehrheit gäbe, ist es noch unklar, ob die CDU das will. Als Juniorpartner könnte sie rechnerisch auch mit der SPD unter Wowereit mitregieren. Immer noch besser als unter Künast, würde ich mal sagen.

    Inhaltlich ist schwarzgrün Quatsch. Die Schnittmenge mit der SPD ist größer, sagt Frau Künast selbst. Die Mehrheit von grünrot steht auch außer Frage. Aber die machtgierigen GRÜNEN würden alles tun, um an die Macht zu kommen. Wer grün wählt und Wowereit will, könnte sich am Ende also schwarz ärgern.

    Zu Künast:Auf der GRÜNEN WOCHE war seinerzeit von vielen Landwirten zu hören, dass ihre Arbeit große Wertschätzung erfuhr, die der Macht-Profi Seehofer dann allerdings in kürzester Zeit wieder umgehend an die Wand zu fahren wusste.
    Aufgrund ihrer bundespolitischen Feuerprobe nach der BSE-Krise und ihrer Durchsetzungsfähigkeit, glaubte auch ich, Renate könnte dem Wowi locker das Wasser reichen.
    Aber inzwischen hat sie sich leider als geeignete Regierende für Berlin durch ihre schrillen, ideologischen Obertöne selbst disqualifiziert.
    Was sie uns da alles an absurden Programmpunkten serviert hat, ist realpolitisch für Berlin total neben der Spur. Deshalb steht ihr das Spreewasser nun bis zum Hals - Verpasste Chance
    Die Berliner werden wohl weiterhin ihren Partymeister weiterwurschteln lassen.

    Ach so, die CDU, wo die bleibt?

    DAS haben wir uns bereits die gesamte vergangene Legislatur-Periode gefragt - bei so viel Steilvorlagen des Rot-roten Senats.
    Nicht mal "Opposition" können die !!!
    Jetzt krauchen die bekannten ehem. Westberliner Filzokraten aus der "feinen Jejend" (Zehlendorf etc.) mal wieder aus der Versenkung und mimen lächerliche "Bürgernähe" vor den Supermärkten.
    Von deren Spitzenkandidaten, dem CDU-Henkel, erfährt der Wahlbürger plakativ so viel:
    Er hat ein freundliches, rundliches bebrilltes Gesicht und will einfach "alles ändern"...

    Eine "Gelbe Gefahr" scheint ziemlich sicher ausgeschlossen.
    Das zumindest können die Berliner "liefern"...

    • NATOT
    • 12.08.2011 um 13:30 Uhr

    Also ich habe jetzt des öfteren mit dem Gedanken gespielt diesmal Grüne zu wählen. Aber solange Frau Künast ein Bündnis mit der Union nicht ausschliesst, gehe ich das Risiko nicht ein. Dann doch lieber die Piraten.

    17 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wie wäre es denn mit der Lektüre von Parteiprogrammen, lieber NA(H)TOT?

    Wie wäre es mit dem Betrachten von politischen Handlungen dieses verantwortungslosen, für Machtbeteiligung in jeder gewünschten Farbnouance umlackierbaren Polit...(hier dürfen Sie diesen Wortansatz mit Hülsen ihrer eigenen Wahl fortführen)?

    Aber, wie "en vogue" ist doch ihre Alternative - schlagen Sie doch 'mal die wahre Bedeutung diese Begriffes nach.

    Manchmal wünschte ich wirklich, ich hätte noch Haare auf dem Kopf; nicht aus Eitelkeit (...na gut; ein Bisschen schon), sondern um sie, ob ihrer Naivität, zu raufen!

    ff

    • jenda
    • 13.08.2011 um 10:50 Uhr

    Was bitte schön bietet die Piratenpartei an? Ihre Plakate verraten genauso wenig wie die von den anderen Parteien. Ich finde generell alle Kampagnen schlecht gemacht - keine von ihnen sagt etwas Genaues über das Wahlprogramm der jeweiligen Partei aus. Die Grünen, bedauerlicherweise, können mit ihren aussagelosen Plakaten auch keine neuen Wähler gewinnen. Somit enttäuschen sie mich sehr, obwohl es für mich weiter die beste Partei bleibt, die ich wählen möchte.

    Wenn sich die deutschen politischen Parteien erhoffen, dass sich Wähler über ihr Programm explizit im Internet informieren werden, täuschen sie sich gewaltig. Und wenn es so gewesen wäre, hätten sie gleich auf diese unnötig riesigen Plakaten verzichten und statt dessen nur kleine Flugblätter drucken können. Es reicht, sich die Twitter-Meldungen von Berliner Grünen anzuschauen. Dort wird es erklärt, was sie alles machen möchten. Wer aber bitte schön wird es außer den schon treuen Verfolgern lesen? Schon hier findet die Diskrepanz von der Realität statt.

    Berlin hat genug Probleme, die man so schnell wie möglich lösen muss - Mieterhöhung, die dem Lohnniveau nicht entspricht; unglaubliche Ausbeutung durch Praktiker und Probezeitjobs, etc. Berlin hat einen der schlechtesten Arbeitsmärkten Deutschlands. Das muss sich ändern, sonst werden hier weiter nur Wenige der Absolventen, denen man hier Ausbildung gibt, bleiben.

    Wie wäre es denn mit der Lektüre von Parteiprogrammen, lieber NA(H)TOT?

    Wie wäre es mit dem Betrachten von politischen Handlungen dieses verantwortungslosen, für Machtbeteiligung in jeder gewünschten Farbnouance umlackierbaren Polit...(hier dürfen Sie diesen Wortansatz mit Hülsen ihrer eigenen Wahl fortführen)?

    Aber, wie "en vogue" ist doch ihre Alternative - schlagen Sie doch 'mal die wahre Bedeutung diese Begriffes nach.

    Manchmal wünschte ich wirklich, ich hätte noch Haare auf dem Kopf; nicht aus Eitelkeit (...na gut; ein Bisschen schon), sondern um sie, ob ihrer Naivität, zu raufen!

    ff

    • jenda
    • 13.08.2011 um 10:50 Uhr

    Was bitte schön bietet die Piratenpartei an? Ihre Plakate verraten genauso wenig wie die von den anderen Parteien. Ich finde generell alle Kampagnen schlecht gemacht - keine von ihnen sagt etwas Genaues über das Wahlprogramm der jeweiligen Partei aus. Die Grünen, bedauerlicherweise, können mit ihren aussagelosen Plakaten auch keine neuen Wähler gewinnen. Somit enttäuschen sie mich sehr, obwohl es für mich weiter die beste Partei bleibt, die ich wählen möchte.

    Wenn sich die deutschen politischen Parteien erhoffen, dass sich Wähler über ihr Programm explizit im Internet informieren werden, täuschen sie sich gewaltig. Und wenn es so gewesen wäre, hätten sie gleich auf diese unnötig riesigen Plakaten verzichten und statt dessen nur kleine Flugblätter drucken können. Es reicht, sich die Twitter-Meldungen von Berliner Grünen anzuschauen. Dort wird es erklärt, was sie alles machen möchten. Wer aber bitte schön wird es außer den schon treuen Verfolgern lesen? Schon hier findet die Diskrepanz von der Realität statt.

    Berlin hat genug Probleme, die man so schnell wie möglich lösen muss - Mieterhöhung, die dem Lohnniveau nicht entspricht; unglaubliche Ausbeutung durch Praktiker und Probezeitjobs, etc. Berlin hat einen der schlechtesten Arbeitsmärkten Deutschlands. Das muss sich ändern, sonst werden hier weiter nur Wenige der Absolventen, denen man hier Ausbildung gibt, bleiben.

  5. an die Grünen.

    Wie dilettantisch ist es, eine Renate Künast gegen Wowereit antreten zu lassen...?!?!

    [...]

    Dass der Bock zum Gärtner gemacht wird ist allerdings beleibe kein Alleinstellungsmerkmal der Grünen.

    Teil entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

  6. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/wg

    • eeee
    • 12.08.2011 um 13:43 Uhr

    Das will doch kein Mensch. Der Mensch will geknutscht werden.

    Eine Leser-Empfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service