Berliner Wahlkampf Künast und Gysi Seit' an Seit'
Seit Wochen wird in Berlins Südosten gegen die Flugrouten für den neuen Flughafen demonstriert. Doch erst jetzt entdeckt die Politprominenz den Protest als Wahlkampfthema.
Es könnte sich in diesem bislang recht lauen Berliner Wahlkampf zu einem Ost-West-Konflikt auswachsen: Seit die Deutsche Flugsicherung (DFS) Anfang Juli ihre neuen, geplanten Flugrouten für den künftigen Großflughafen Berlin-Brandenburg vorgestellt hat, ist man zwar im Südwesten der Stadt, dort wo monatelang gegen die ursprünglichen Routen protestiert worden war, recht zufrieden. Gleichzeitig aber begannen die Proteste im Südosten der Stadt. Denn nun soll statt des Wannsees im Westen der Müggelsee im Osten in niedriger Höhe überflogen werden.
"Wir sind praktisch über Nacht zu Fluglärmopfern geworden", sagte ein Betroffener damals. Seither wird jeden Montag im Stadtteil Friedrichshagen am Müggelsee demonstriert, weitgehend ignoriert von der Berliner Politik. Knapp sechs Wochen vor der Wahl hat sich das plötzlich geändert. Nun reißt sich die Politprominenz auf dem Friedrichshagener Marktplatz um das Mikrofon.
Zur fünften Montagsdemonstration sprachen am Montagabend neben mehreren Betroffenen die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast und der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, zu den rund 3.000 Teilnehmern. Nun fehlt nur noch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. "Er hat bisher auf alle Einladungen mit Terminschwierigkeiten reagiert", sagte Ralf Müller von der Friedrichshagener Bürgerinitiative. "Aber wenigstens will er eine Abordnung von uns am Dienstag im Roten Rathaus empfangen." Einen Tag später ist ein Treffen mit dem CDU-Spitzenkandidaten Frank Henkel vorgesehen.
Sowohl Künast als auch Gysi sicherten den Demonstranten Unterstützung im Kampf gegen ein Überfliegen des Müggelsees in niedriger Höhe von Maschinen aus dem rund 12 Kilometer entfernten Schönefeld zu.
Beide bemängelten die falsche Standortwahl des Großflughafens, wobei Künast einem starken Flugverkehr ohnehin skeptisch gegenübersteht. "Wir Grünen haben ein anderes Verkehrskonzept und lehnen Flüge bis zu einer Entfernung von 500 Kilometer ab. Dafür sollten die Bahnverbindungen verbessert werden", sagte sie. Den Betroffenen riet sie, allen Druck jetzt auf das Bundesumweltamt auszuüben. "Das ist das entscheidende Gremium zur Prüfung der Umweltbelastungen der Flugrouten". Sie könne beim Herstellen von Kontakten helfen, versicherte sie.
Mit konkreten Vorschlägen hatte Gregor Gysi schnell die Sympathien der Demonstranten auf seiner Seite. "Wir Linken werden einen versierten Anwalt beauftragen, um alle Entscheidungen für die vorgeschlagenen Flugrouten zu checken. Möglicherweise müssen wir vor ein Europäisches Gericht ziehen, um mögliche Gefahren für Menschen und Natur abzuwehren", kündigte der Linken-Politiker an, der im Bezirk Treptow-Köpenick und damit auch in Friedrichshagen seinen Bundestagswahlkreis hat.
Auf jeden Fall solle der Lärm- und Gesundheitsschutz Vorrang vor den wirtschaftlichen Interessen der Fluggesellschaften haben. "Da müssen die Maschinen eben einen Umweg fliegen, um sensible Bereiche wie den Müggelsee zu auszusparen." Das letzte und entscheidende Wort habe jedoch immer die Bundeskanzlerin. "Deshalb habe ich an Frau Merkel einen Brief geschrieben und um die Gleichberechtigung von Wannsee und Müggelsee gebeten", sagte Gysi. Es sei doch ein Unding, dass Herr Wowereit sich im Februar den Protesten in West-Berliner Lichtenrade angeschlossen habe, sich aber in Friedrichshagen im Osten nicht blicken lasse.
Am 28. August ist nun eine Menschenkette um den Müggelsee geplant. Dann sollen sich Tausende Anrainer und Unterstützer aus anderen Gegenden auf einer Länge von 10,7 Kilometern versammeln.
- Datum 09.08.2011 - 12:26 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
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Wie hoch fliegen die denn über betroffene Grundstücke. Es war mal die Rede von 2,4 km. Es wäre also nicht schlecht, wenn die wahren Verhältnisse dargestellt würden, im Sinen der Aufklärung. Ich wohne auch im Ab- und Anflugbereich, höre auch werde aber trotz fehlender Schallschutzfenster nicht wach. Das muss reichen.
zum Teil wird der Müggelsee nur in ca. 1000 - 1.200 m überfolgen, also rund der halben von Ihnen genannten Höhe. Da sind Fluggeräusche durchaus vernehmbar, zumal es um die Startrouten geht, wo die Flugzeuge im Regelfall mit Maximalschub (bzw. nur wenig drunter) schnell versuchen, an Höhe zu gewinnen. Die Triebwerke sind daher recht laut. Ein Anflug in dieser Höhe wäre deutlich leiser, dieser geht aber nicht über den Müggelsee, da für den Anflug eine Kurvenstrecke nicht erlaubt ist, sondern 10 nautische Meilen (ca. 18.5 km) gerade angefolgen werden muss.
Die von Ihnen genannten ca. 2.4 km Überflughöhe waren im Konzept vom letzten Herbst für den Bereich Wannsee vorgesehen und gelten zum Teil auch im neuen Vorschlag der DFS. Hier geht es in der Tat mehr um ein Luxusproblem, konkrete echte Lärmbelastungen sind bei einer solchen Flughöhe nicht mehr zu erwarten, zumal bei Erreichen dieser Höhen z.T. schon etwas vom Schub herausgenommen wird, um langsamer zu steigen, aber auch um Kerosin zu sparen.
CHILLY
Danke für diese sachliche Antwort.
zum Teil wird der Müggelsee nur in ca. 1000 - 1.200 m überfolgen, also rund der halben von Ihnen genannten Höhe. Da sind Fluggeräusche durchaus vernehmbar, zumal es um die Startrouten geht, wo die Flugzeuge im Regelfall mit Maximalschub (bzw. nur wenig drunter) schnell versuchen, an Höhe zu gewinnen. Die Triebwerke sind daher recht laut. Ein Anflug in dieser Höhe wäre deutlich leiser, dieser geht aber nicht über den Müggelsee, da für den Anflug eine Kurvenstrecke nicht erlaubt ist, sondern 10 nautische Meilen (ca. 18.5 km) gerade angefolgen werden muss.
Die von Ihnen genannten ca. 2.4 km Überflughöhe waren im Konzept vom letzten Herbst für den Bereich Wannsee vorgesehen und gelten zum Teil auch im neuen Vorschlag der DFS. Hier geht es in der Tat mehr um ein Luxusproblem, konkrete echte Lärmbelastungen sind bei einer solchen Flughöhe nicht mehr zu erwarten, zumal bei Erreichen dieser Höhen z.T. schon etwas vom Schub herausgenommen wird, um langsamer zu steigen, aber auch um Kerosin zu sparen.
CHILLY
Danke für diese sachliche Antwort.
die den Flughafen so dicht an Berlin haben wollte. Die ursprüngliche Idee den Flughafen weiter südlich in Richtung Jüterbog anzusiedeln wollten beide nicht.
Dort hätte er, wegen der geringen Besiedelung in diesem Gebiet, wesentlich weniger Menschen gestört.
Berlin, damit "sein" Land auch etwas von dem zu erwartenden Wachstumsschub abbekommt. Der ursprünglich und von Stolpe favorisierte Standort Sperenberg war recht weit von Berlin entfernt und hätte vermutlich im Wesentlichen nur für Brandenburg zu wesentlichen Arbeitsplatzeffekten geführt. Darum ging es.
Das Interesse von Kohl war es, eine Flughafen möglichst dicht am Kanzleramt zu bekommen. Auch das sprach für Schönefeld.
CHILLY
Berlin, damit "sein" Land auch etwas von dem zu erwartenden Wachstumsschub abbekommt. Der ursprünglich und von Stolpe favorisierte Standort Sperenberg war recht weit von Berlin entfernt und hätte vermutlich im Wesentlichen nur für Brandenburg zu wesentlichen Arbeitsplatzeffekten geführt. Darum ging es.
Das Interesse von Kohl war es, eine Flughafen möglichst dicht am Kanzleramt zu bekommen. Auch das sprach für Schönefeld.
CHILLY
Kann es sein, daß es die Besserverdienenden sind, z. B. Jauch und Joop?
mithin nicht mehr in Berlin, aber grundsätzlich schon im Südwesten.
CHILLY
mithin nicht mehr in Berlin, aber grundsätzlich schon im Südwesten.
CHILLY
Berlin, damit "sein" Land auch etwas von dem zu erwartenden Wachstumsschub abbekommt. Der ursprünglich und von Stolpe favorisierte Standort Sperenberg war recht weit von Berlin entfernt und hätte vermutlich im Wesentlichen nur für Brandenburg zu wesentlichen Arbeitsplatzeffekten geführt. Darum ging es.
Das Interesse von Kohl war es, eine Flughafen möglichst dicht am Kanzleramt zu bekommen. Auch das sprach für Schönefeld.
CHILLY
mithin nicht mehr in Berlin, aber grundsätzlich schon im Südwesten.
CHILLY
zum Teil wird der Müggelsee nur in ca. 1000 - 1.200 m überfolgen, also rund der halben von Ihnen genannten Höhe. Da sind Fluggeräusche durchaus vernehmbar, zumal es um die Startrouten geht, wo die Flugzeuge im Regelfall mit Maximalschub (bzw. nur wenig drunter) schnell versuchen, an Höhe zu gewinnen. Die Triebwerke sind daher recht laut. Ein Anflug in dieser Höhe wäre deutlich leiser, dieser geht aber nicht über den Müggelsee, da für den Anflug eine Kurvenstrecke nicht erlaubt ist, sondern 10 nautische Meilen (ca. 18.5 km) gerade angefolgen werden muss.
Die von Ihnen genannten ca. 2.4 km Überflughöhe waren im Konzept vom letzten Herbst für den Bereich Wannsee vorgesehen und gelten zum Teil auch im neuen Vorschlag der DFS. Hier geht es in der Tat mehr um ein Luxusproblem, konkrete echte Lärmbelastungen sind bei einer solchen Flughöhe nicht mehr zu erwarten, zumal bei Erreichen dieser Höhen z.T. schon etwas vom Schub herausgenommen wird, um langsamer zu steigen, aber auch um Kerosin zu sparen.
CHILLY
bzw. am Müggelsee wohnen nur so arme Schlucker wie Leander Hausmann, wie ja sei kurzem öffentlich ist. Deshalb ist der Müggelsee auch ein so "sensibler Bereich", wie Gysi meint, der vor einem Europäischen Gericht "Gefahren für Mensch und Natur" abwenden möchte, denen der gesamte unsensible Norden Berlins schon seit 50 Jahren trotzt.
Die gesamte Flugroutendiskussion würde nur halb so sehr nerven, wenn die "Flugroutengegner" nicht ständig so maßlos übertreiben würden um den Eindruck zu erwecken, die Welt würde untergehen, wenn an Tagen mit Ostwind in über 1000m Höhe ein paar Flugzeuge über sie hinwegfliegen.
In Wahrheit geht es nicht um Gesundheit oder Umweltschutz, sondern um Immobilienpreise.
Und daß mit diesem Thema nun auch noch Wahlkampf betrieben wird war von der Linkspartei zu erwarten, aber von den Grünen bin ich hierrüber enttäuscht.
Richtig, es geht um Immobilinepreise. An fallenden Preisen ist zum Beispiel zu erkennen, dass dort deutlich weniger Menschen mit Lärm wohnen wollen als ohne Lärm.
Also ist es unattraktiv, wenn die Flugzeuge dort lang fliegen für die Anwohner und Immobilienbesitzer. Und vor allem wenn man sich vorher informiert hat, ob man davon betroffen sein könnte, ein "nein" bekommen hat und jetzt in relativ kurzer Zeit sich plötzlich mit diesen Dingern auseinander setzen darf: Das würde mir den Glauben in die Gesellschaft abfallen lassen.
Gut, dass ich da nicht wohne. Solidarisiere aber hoch mit den Anwohner: Vorher denjenigen, die betroffen waren genauso wie mit denjenigen, die jetzt betroffen sind.
Gruß, matths
Richtig, es geht um Immobilinepreise. An fallenden Preisen ist zum Beispiel zu erkennen, dass dort deutlich weniger Menschen mit Lärm wohnen wollen als ohne Lärm.
Also ist es unattraktiv, wenn die Flugzeuge dort lang fliegen für die Anwohner und Immobilienbesitzer. Und vor allem wenn man sich vorher informiert hat, ob man davon betroffen sein könnte, ein "nein" bekommen hat und jetzt in relativ kurzer Zeit sich plötzlich mit diesen Dingern auseinander setzen darf: Das würde mir den Glauben in die Gesellschaft abfallen lassen.
Gut, dass ich da nicht wohne. Solidarisiere aber hoch mit den Anwohner: Vorher denjenigen, die betroffen waren genauso wie mit denjenigen, die jetzt betroffen sind.
Gruß, matths
Danke für diese sachliche Antwort.
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