Der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hält die Umstrukturierung der Bundeswehr zur Berufsarmee für falsch. "Mit mir hätte es die Abschaffung der Wehrpflicht nicht gegeben", sagte der CDU-Politiker der ZEIT-Beilage Christ & Welt.

Jung sorgt sich um die Einsatzfähigkeit der Truppe. "Es wird künftig sehr viel schwerer werden, junge Menschen für die Bundeswehr zu gewinnen", sagte er. Bis jetzt hätten sich erst 3.600 freiwillig zum Wehrdienst gemeldet. Man habe aber anfangs mit etwa 15.000 Freiwilligen pro Jahr gerechnet. "Es bleibt also noch viel zu tun, um die Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber zu erhöhen", urteilte Jung.

Die Wehrpflicht war im Zuge der Bundeswehr-Reform am 1. Juli nach mehr als 50 Jahren ausgesetzt worden. Der jetzige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hofft, in den kommenden Jahren 5.000 bis 15.000 Freiwillige als Ersatz für die Wehrpflichtigen anzuwerben.

Jung lehnt Kriegsbegriff für Afghanistan ab

In Afghanistan sieht Jung die Aufgabe der Bundeswehr weiterhin darin, "zu helfen, Gutes zu tun". Er betrachtet die Mission weiterhin als "Stabilisierungseinsatz". Jung widersprach der Ansicht, dass Deutschland in Afghanistan Krieg führe: "Der Einsatz als solcher ist kein Krieg, das muss man deutlich machen", sagte er. Krieg beschreibe einseitig die militärische Komponente.

Jung verteidigte zudem sein Vorgehen in der Affäre um den Angriff auf zwei Tanklaster in Kundus, bei dem im September 2009 mehr als 140 Menschen starben, darunter viele Zivilisten. Weil der Minister damals zunächst bestritten hatte, dass es zivile Opfer bei dem Angriff gab, obwohl er offenbar darüber informiert war, musste er abtreten.

Dazu sagte Jung: "Rückblickend bin ich mit mir und meinem Verhalten in dieser Sache im Reinen." Er habe sich immer an die Seite von Oberst Georg Klein gestellt, und werde dies auch weiterhin tun. Der Kommandeur habe die Entscheidung zum Luftangriff auf die Tanklaster getroffen, um die Sicherheit seiner Soldaten zu gewährleisten. "Das war richtig", sagte Jung.