Mecklenburg-Vorpommern Doppelte Zitterpartie für die NPD
In Mecklenburg-Vorpommern bangt die NPD um den Wiedereinzug in den Landtag. Und um ihre Finanzen: Angeblich soll die rechtsextreme Partei Steuergelder missbraucht haben.
Das Tremolo ist schon von Weitem zu hören. "Die NPD ist die einzige Friedenspartei in Europa", dröhnt Holger Apfel durch die Altstadt von Schwerin. Der Chef der sächsischen NPD-Fraktion ist nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen, um die "Kameraden" im Wahlkampf zu unterstützen. Nun steht der Mann im schwarzen Anzug vor einem Lautsprecherwagen und ruft Passanten zu, "sorgen Sie dafür, dass die NPD am 4. September mit einer starken Mannschaft in den Landtag einziehen wird". Einige Leute bleiben stehen. Niemand klatscht, aber es buht auch keiner. Die Stimmung ist diffus, daran kann auch Apfel, der umtriebigste Wahlkämpfer der NPD, nichts ändern.
Die rechtsextreme Partei muss befürchten, dass sie aus dem Schweriner Landtag fliegt, in den sie 2006 mit 7,3 Prozent einziehen konnte. In den Umfragen kommt die NPD seit Monaten nicht über vier Prozent hinaus. Der Wahltag wird eine Zitterpartie. Sollte die Partei in Mecklenburg-Vorpommern scheitern, wäre ihr Ost-Nimbus gebrochen. Und die Konflikte in der Partei würden eskalieren.
Möglicher Missbrauch von Steuergeldern
Ärger von außen zeichnet sich schon jetzt ab. Nach Informationen des Tagesspiegels prüft die Präsidentin des Landtags, Sylvia Bretschneider (SPD), ob im Wahlkampf der Rechtsextremisten Steuergelder missbraucht werden. Auf Anfrage teilte Bretschneider am Dienstag mit, sie habe darüber schriftlich den Präsidenten des Bundestages und den Landesrechnungshof informiert. Bretschneider hält der NPD vor, sie verteile im Wahlkampf landesweit massenhaft die Fraktionszeitung "Der Ordnungsruf" sowie eine Sondernummer des Blattes. Damit könnte die Grenze zulässiger Öffentlichkeitsarbeit überschritten sein. Außerdem sei ein Fahrzeug der Fraktion, von den NPD-Abgeordneten "Flaggschiff Waterkant" genannt, zur Wahlwerbung eingesetzt worden.
Bretschneiders Vorwürfe sind für die notorisch finanzklamme NPD gefährlich. Die Fraktion in Schwerin erhält zwar jährlich vom Staat bis zu 1,4 Millionen Euro, unter anderem für Personal- und Sachkosten, doch die Partei insgesamt steht am Rande der Pleite. Im Mai bestätigte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einen Sanktionsbescheid der Bundestagsverwaltung, wonach die NPD wegen eines fehlerhaften Rechenschaftsberichts 2,5 Millionen Euro zahlen muss. Käme jetzt noch eine saftige Strafe wegen unerlaubter Wahlwerbung der Schweriner Fraktion hinzu, würden sich die Finanzprobleme der NPD weiter auftürmen. Der Bundesgeschäftsführer der Partei, Klaus Beier, beteuerte am Dienstag, er schließe "kategorisch" aus, dass Bretschneiders Vorwürfe zutreffen.
Verfassungsschutz aufmerksam
Die Landtagspräsidentin ist den Rechtsextremen verhasst. Bretschneider und die Vizepräsidenten des Landtags haben der NPD-Fraktion 486 Ordnungsrufe verpasst. Bei SPD, CDU, Linkspartei und FDP waren es zusammen nur 71. Vor allem die Konfrontation mit dem hitzigen Fraktionschef Udo Pastörs empfand Bretschneider als Zumutung: "Der baut sich vor einem auf, dass man denkt, gleich kommt der körperliche Angriff". Aber auch die Inhalte der mehr als 1400 Anfragen und Anträge der NPD-Fraktion hält Bretschneider für unsäglich. Im November 2008, der 70. Jahrestag der Reichspogromnacht stand bevor, forderten die Rechtsextremen von der Landesregierung, "Maßnahmen zu ergreifen, um dem aufkeimenden Antigermanismus entgegenzuwirken". Bretschneider ist mit CDU-Innenminister Lorenz Caffier einig, ein zweites Verbotsverfahren gegen die NPD sei dringend notwendig.
Mit Sorge beobachten Verfassungsschützer, dass die NPD regionale Schwerpunkte etablieren konnte, unter anderem an der Grenze zu Polen. Außerdem sei der etwa 400 Mitglieder zählende Landesverband mit der Neonazi-Szene und den Skinhead-Milieus "intensiv verschränkt". Die NPD hat sich auch nicht von den rechtsextremen Angriffen auf Büros der demokratischen Parteien distanziert. Allein in diesem Jahr registrierte die Polizei 38 Steinwürfe und andere Attacken. Verfassungsschützern fällt zudem auf, dass die Serie Ende Juli abbrach – da begann die heiße Phase des Wahlkampfs, in dem sich die NPD als bürgerlich präsentiert.
Schon seit Jahren versuchen zivilgesellschaftliche Initiativen, darunter das von Bretschneider initiierte Bündnis "WIR. Erfolg braucht Vielfalt", dem Rechtsextremismus entgegenzuwirken, auch in kleinen Orten. Doch Udo Pastörs verkündet, der Wiedereinzug in den Landtag sei sicher. Seine Prognose lautet "acht Prozent für die NPD am Wahlabend".
- Datum 24.08.2011 - 17:57 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
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Die Partei zittert um den Einzug, Skandal um Veruntreuung "zufällig" enthüllt. :-)
Ja dann, fühle ich mich wie immer gut informiert, und auch medial angeheizt, zudem nicht befleißigt mich politisch in der falschen Ecke zu orientieren.
Die etablierten Kräfte haben nun erstmal genug, eine "neue" Partei (Die Grünen) mußte ersteinmal systemzweckdienlich eingebunden werden (Aufsichtsratsposten, Teilnahme an exlusiven Treffen etc.). Das Schmiermittel ist verbraucht.
Parteien wie die LINKE und die NPD, welche um einiges mehr an Bürgernähe (z.B.: Teilhabe am Wohlstand) repräsentieren als die etablierten Parteien, werden medial völlig "unaufällig" turnusmäßig verheizt, vor Wahlen auch wahlweise öfters.
Eigentlich reichlich egal, sollte eine dieser Parteien wirklich die Möglichkeit haben zu Gestalten, würde diese genauso Neutralisiert wie die FDP, UNION, SPD, oder die GRÜNEN.
So, so, die NPD wird also von den Medien am "gestalten" gehindert.
Interessante Ansicht.
Entfernt. Auch wenn Sie zynisch antworten, bitten wir Sie sachlich auf andere Beiträge einzugehen. Danke, die Redaktion/se
So, so, die NPD wird also von den Medien am "gestalten" gehindert.
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So, so, die NPD wird also von den Medien am "gestalten" gehindert.
Interessante Ansicht.
Wenn man mich fragte, müsste jede rechtsradikale Gruppe oder Partei, auch die NPD auf der Stelle gesetzlich verboten werden. Was ist daran eigentlich so schwierig?
Wenn man mich fragte, müsste jede rechtsradikale Gruppe oder Partei, auch die NPD auf der Stelle gesetzlich verboten werden. Was ist daran eigentlich so schwierig?
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk
aber das ist ja nun wirklich grober Unfug
aber das ist ja nun wirklich grober Unfug
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk
Diese Partei bekommt dann wieder so viele Stimmen wie eine solche Partei bekommen sollte und der Spuk ist vorbei. Der Artikel tut ja so als sei 7.3 Prozent ein normales Ergebnis, nein, es ist eine Katastrophe, die aber immer schön nach einer Legislaturperiode vorbei ist, wobei sich die Funktionäre schon zwischendrin alle verzankt haben. Das kennen wir ja schon von Rechtsparteien, das die immer schwache Mannschaften haben, ganz ihrer Ideologie entsprechend.
Die Missbrauchsfälle sind Kleinkram. Das vergiftet nur die Demokratie wenn dann Spiessigkeit einsetzt über die Verwendung von Fraktionsmitteln, das machen nämlich alle Parteien, anders geht es auch gar nicht.
dass sie in diesem beitrag die rechten parteien nicht verteidigen. ich hätte sie politisch genau in dieselbe ecke gestellt. aber wer in einem anderen beitrag unverfänglich von "volksdeutschen" fabuliert, und den amerikanischen neoliberalismus damit geißelt, dass man durch die von diesem verursachten "hirnwäsche" seine "identität und solidarität mit [s]einem volk abstreif[t]", von dem kann man wohl auch nicht erwarten, sich politisch eindeutig positionieren zu können, oder? sehe ich das richtig?
dass sie in diesem beitrag die rechten parteien nicht verteidigen. ich hätte sie politisch genau in dieselbe ecke gestellt. aber wer in einem anderen beitrag unverfänglich von "volksdeutschen" fabuliert, und den amerikanischen neoliberalismus damit geißelt, dass man durch die von diesem verursachten "hirnwäsche" seine "identität und solidarität mit [s]einem volk abstreif[t]", von dem kann man wohl auch nicht erwarten, sich politisch eindeutig positionieren zu können, oder? sehe ich das richtig?
gehören Parteien aller Richtungen, also auch die NPD. Ob das nun Jedermanns Sache ist, ist ein anderes Thema. Und mir soll keiner erzählen wollen, die Etablierten halten sich haargenau an die Ordnung bezüglich des Umganges mit den Steuergeldern.
Zu einem demokratischen Rechtsstaat gehören alle Parteien, die auf dem Boden des GG stehen. Die NPD gehört nicht dazu. Null Toleranz mit denen, die Intolerant sind, null Toleranz mit den Parteien und Bürgerinitativen, die im Namen der Meinungsfreiheit die Meinungsfreiheit abschaffen wollen. Null Toleranz mit den Parteien und Bürgerinitiativen, die im Namen der Demokratie die Demokratie abschaffen wollen.
Grundlage des Toleranzgedankens ist u.a., dass alles relativ ist. Wenn Verfechter der Toleranz die Intoleranten unterdrücken wollen, machen sie damit die Toleranz zu einem Absolutum und führen sich selbst ad adsurdum. Insoferm hat freiheit05 folgerichtig argumentiert.
Zu einem demokratischen Rechtsstaat gehören alle Parteien, die auf dem Boden des GG stehen. Die NPD gehört nicht dazu. Null Toleranz mit denen, die Intolerant sind, null Toleranz mit den Parteien und Bürgerinitativen, die im Namen der Meinungsfreiheit die Meinungsfreiheit abschaffen wollen. Null Toleranz mit den Parteien und Bürgerinitiativen, die im Namen der Demokratie die Demokratie abschaffen wollen.
Grundlage des Toleranzgedankens ist u.a., dass alles relativ ist. Wenn Verfechter der Toleranz die Intoleranten unterdrücken wollen, machen sie damit die Toleranz zu einem Absolutum und führen sich selbst ad adsurdum. Insoferm hat freiheit05 folgerichtig argumentiert.
- die Gewalttäter für sich auftreten lassen bzw. sie nicht bremst, sondern toleriert und einbindet, ist unwählbar.
- die sich über Gewaltsprache definiert ist unwählbar.
- die für sich "Bürgernähe" reklamiert und durch ihre Aussagen (s.o.) das gemeine Volk als Randalierer und Gewalttäter hinstellt ist unwählbar.
Anscheinend funktionieren einige demikratischen Spielregeln doch noch.
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nächstes Mal werde ich Achtung *Ironie on/off* beifügen ;)
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