Wegen des Streits um den Euro-Rettungsfonds erwägt der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach einen Rückzug aus der Politik. Der Druck auf ihn aus den eigenen Reihen sei wegen seiner Ablehnung gegen eine Ausweitung der Euro-Hilfen sehr hoch gewesen, sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses dem Kölner Stadt-Anzeiger.

"Wenn Sie mich vor vier Wochen gefragt hätten, ob ich 2013 wieder für den Bundestag kandidiere, dann hätte ich gesagt: Gern", sagte er. "Aber nach der Erfahrung der letzten Wochen bin ich nicht mehr so sicher." Er werde nur dann kandidieren, wenn er wisse, dass die Politik nicht bloß Arbeit, sondern auch Freude macht.

Der Unions-Fraktionsvize ist einer der schärfsten und prominentesten Kritiker der Ausweitung des Rettungsschirmes EFSF, den der Bundestag am Donnerstag billigte. Bosbach hatte mit Nein gestimmt. Der Rheinländer wurde zum Symbol für den koalitionsinternen Widerstand an dem Vorhaben, gegen das eine Gruppe kritischer FDP-Finanzpolitiker eine Mitgliederbefragung in ihrer Partei organisiert.

"Wenn ich das Gefühl habe, ich bin mit meiner Haltung nicht mehr willkommen, dann muss ich mir das noch einmal überlegen", sagte Bosbach weiter. Denn die Themen, um die es jetzt gehe, blieben weiterhin aktuell. Der CDU-Politiker ergänzte, er sei sich darüber klar gewesen, "dass es Ärger gibt, wenn man sich entscheidet, nicht für die Regierungsvorlage zu stimmen: "Ich bin ja nicht naiv."

Die Ausweitung des Rettungsschirmes EFSF war im Bundestag mit den Stimmen der Koalition durchgekommen. Aber auch viele SPD- und Grünen-Abgeordnete stimmten zu. Ärger gab es im Nachhinein über Parlamentspräsident Norbert Lammert, weil er in der Debatte entgegen dem Willen der Fraktionsführungen einigen Fonds-Kritikern aus der Koalition das Wort erteilt hatte. Am Rande der Sitzung wurde bekannt, dass Kritiker aus den Regierungsfraktionen zum Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einbestellt werden sollten, damit er sie im Gespräch überzeuge. Dies ließ offenbar einige der Widerständler umdenken.

"Vorwürfe gingen ins tief Persönliche"

Bosbach sagte, was er in den letzten Wochen erlebt habe, das habe er sich so nicht vorgestellt. "Das gilt insbesondere für Vorwürfe, die tief ins Persönliche gehen", sagte er. So habe man ihm unterstellt, "dass ich noch eine Rechnung offen hätte, weil meine Karriereerwartungen enttäuscht wurden. Das ist Blödsinn", sagte Bosbach.

Auch habe man ihn zum Anti-Europäer abgestempelt, der zu dumm sei, die politische Bedeutung der europäischen Einigung zu erkennen, und ihm nahe gelegt, in der Öffentlichkeit zu schweigen. Das sei zu viel gewesen.