Abgeordnetenhaus-Wahl Die Berliner CDU ist wieder wer
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Ein ungewohntes Erfolgserlebnis auch für die Bundes-CDU

23 bis 25 Prozent machen Henkel nicht zum Shooting Star der Berliner Landespolitik. Aber sie verschaffen ihm Gewicht als Oppositionsführer. Seine CDU, profiliert für ein großstädtisches Publikum, versehen auch mit den Hoffnungen einer bürgerlichen Schicht, die der FDP nicht mehr vertraut hat, kann ihren Kurs der vergangenen drei Jahre bestätigt sehen.

In der Bundes-CDU sehen sie Henkels Performance übrigens mit einem ganz ungewohnten Gefühl: Befriedigung. "Es gibt drei gute Nachrichten", sagt Generalsekretär Hermann Gröhe im Konrad-Adenauer-Haus. Die beiden weniger wichtigen lauten, dass Rot-Rot abgewählt und dass die Grünen vom Höhen- in den Sinkflug übergegangen seien. An erster Stelle aber kommt für Angela Merkels General: "Die CDU hat ihr Ergebnis verbessert." Das hat Gröhe lange nicht mehr sagen dürfen, bundesweit und in Berlin speziell. Über Jahre galt der Landesverband "Bundeshauptstadt" als relativ hoffnungsloser Fall.

Was die CDU auch andernorts als Großstadtpartei untauglich erscheinen ließ von einer leicht miefigen Anmutung bis zu einer Funktionärsriege, die ihre Hauptaufgabe im internen Kleinkrieg zu sehen schien , trat in Berlin bilderbuchmäßig auf. Die lokalen Helden von Frank Steffel bis Friedbert Pflüger haben diese pessimistische Sicht nie widerlegen können. Auch Henkel galt in der CDU-Spitze anfangs als eine Steffel-Light-Version. Doch das hat sich als falsch erwiesen. "Ich muss ihm Abbitte leisten", sagt einer aus der CDU-Führung heute.

Henkel habe offenkundig eine Strategie der inneren Befriedung gefunden, die mit dem komplizierten Gefüge der Partei zwischen Kiez und Hauptstadtanspruch zurechtgekommen sei. Dass das ansehnliche Wahlergebnis die Perspektive zerstört hat, gemeinsam mit Renate Künast den Senat zu kapern, gilt als "Pech". Aber für die Bundes-CDU ist Berlin ab jetzt ein Ort, mit dem sich wieder eine Perspektive verbindet.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Dieser Artikel kann doch nur ironisch gemeint sein. Oder zählt einfaches Prozentrechnen nicht mehr zur journalistischen Grundausbildung?

    • sinu
    • 19.09.2011 um 11:15 Uhr

    Die Berliner CDU hat mit 23,4 % das zweitschlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren. Das kann man doch nicht ernsthaft als "Erfolgserlebnis" werten.

    Die Zugewinne von 2,1 Prozentpunkten kommen hauptsächlich von enttäuschten FDP-Wählern und sind wohl auch nur dann erfreulich, wenn man ausblendet, dass das Ergebnis von 2006 der absolute Tiefpunkt für die Berliner CDU war.

  2. Da schreiben Leute gegen den gesunden Menschenverstand an, offenbar nicht aus Berlin. Wunschdenken!

    Meine beiden Vor-Schreiber haben Recht...

  3. Mal abgesehen davon, dass den Vorkommentatoren eigentlich nicht wirklich viel hinzuzufügen ist - hat Frank Henkel nun auch eine Vorstellung, was er denn nun zu gestalten willens ist? Klar, er kann eine "Große Koalition" eingehen, sofern Klaus Wowereit ihn denn überhaupt ernsthaft als Koalitionspartner in Betracht zieht.
    Ich würde mir mehr Fantasie wünschen (als Nicht-Berliner kann ich natürlich auch meinen Mund weit aufreißen, ohne dafür in größere Haftung genommen zu werden, als man das als bundesdeutscher Steuerzahler im Hinblick auf Berlin eh wird): Hat Herr Henkel mal in Betracht gezogen, den Grünen und den Piraten eine Zusammenarbeit anzubieten? Es wird so getan, als ob Wowereits Wiederwahl beschlossene Sache sei; das geht aber auch nur, wenn die Grünen richtig mitziehen - ob das aber so mir nichts dir nichts gemacht wird, dürfte angesichts der sozialdemokratischen Arroganz gegenüber dem vermeintlichen Wunschpartner zumindest in Zweifel gezogen werden können. Theoretisch sind aber auch andere Verbindungen denkbar, in denen Herrn Wowereit nur bleibt, sich die ihm gezogene lange Nase anzuschauen.

    Unabhängig von der Realisierbarkeit eines solch kühnen Vorhabens - aus ferner Sicht auf Berlin sehe ich persönlich Frank Henkel (und seine CDU) auf dem absteigenden Ast, da er noch nicht mal in der Lage ist, die FDP-Verluste ganz zu kompensieren.

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    Wohl kaum, weil die Grünen sich schon vor der Wahl auf die SPD festgelegt hatten und die Piraten sich mit dem CDU-Programm kaum anfreunden könnten.
    Höchstens Wowi hätte noch die weitere Option SPD-Linke-Piraten. Die wäre auf jeden Fall wahrscheinlicher als Schwarz-Grün-Pirat.

    Wohl kaum, weil die Grünen sich schon vor der Wahl auf die SPD festgelegt hatten und die Piraten sich mit dem CDU-Programm kaum anfreunden könnten.
    Höchstens Wowi hätte noch die weitere Option SPD-Linke-Piraten. Die wäre auf jeden Fall wahrscheinlicher als Schwarz-Grün-Pirat.

  4. auf den CDU-"Erfolg" passt ja ganz zu dem "Kanzlerkandidat-Wowereit"-Artikel - beide irgendwie abgehoben. Zumindest erscheinen diese Diskussionen um 2% + bzw. - reichlich aufgeblasen.

    Angesichts des 9%-Zugewinns für die Piraten und die 4,5% mehr für die Grünen (trotz der vorab übersteigerten Erwartungen ein Erfolg) müsste man die Ergebnisse von SPD und CDU mal eher unter dem Aspekt "Auslaufmodell Volksparteien?" o. ä. betrachten.

    • bibibi
    • 19.09.2011 um 13:43 Uhr

    Die Zeit macht Stimmung für einen CDU Erfolg, obwohl diese Partei das zweitschlechteste Ergebnis eingefahren hat.
    Wie unkritisch für dieses Blatt.

  5. Wohl kaum, weil die Grünen sich schon vor der Wahl auf die SPD festgelegt hatten und die Piraten sich mit dem CDU-Programm kaum anfreunden könnten.
    Höchstens Wowi hätte noch die weitere Option SPD-Linke-Piraten. Die wäre auf jeden Fall wahrscheinlicher als Schwarz-Grün-Pirat.

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    ...Spitzenkandidat mit Anspruch,die Geschicke einer Stadt oder eines Landes gestalten zu wollen, sollte doch auszuloten versuchen, was nach der Wahl nun tatsächlich gehen könnte. Diese Gottergebenheit, mit der alles Weitere dem relativen Wahlgewinner (von echtem "Sieger" mag man ja gar nicht sprechen) überlassen wird, ist doch kennzeichnend für eine Verwaltermentalität. Und so einer wird noch hochgeschrieben.

    ...Spitzenkandidat mit Anspruch,die Geschicke einer Stadt oder eines Landes gestalten zu wollen, sollte doch auszuloten versuchen, was nach der Wahl nun tatsächlich gehen könnte. Diese Gottergebenheit, mit der alles Weitere dem relativen Wahlgewinner (von echtem "Sieger" mag man ja gar nicht sprechen) überlassen wird, ist doch kennzeichnend für eine Verwaltermentalität. Und so einer wird noch hochgeschrieben.

  6. ...Spitzenkandidat mit Anspruch,die Geschicke einer Stadt oder eines Landes gestalten zu wollen, sollte doch auszuloten versuchen, was nach der Wahl nun tatsächlich gehen könnte. Diese Gottergebenheit, mit der alles Weitere dem relativen Wahlgewinner (von echtem "Sieger" mag man ja gar nicht sprechen) überlassen wird, ist doch kennzeichnend für eine Verwaltermentalität. Und so einer wird noch hochgeschrieben.

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