In der Euro-Krise gibt es nur sehr wenige Sätze, die unumstritten sind. Einer davon lautet: Griechenland geht es schlecht . Doch was soll passieren, falls es dem Land bald noch schlechter geht? Wenn es die zugesagten Sparmaßnahmen nicht einhalten kann und immer mehr Hilfen braucht? An diesen Fragen scheiden sich die Geister.

Bald wird die Troika aus Vertretern von Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds verkünden, ob Griechenland eine weitere Hilfszahlung verdient hat. Vielleicht wird sie diesmal sagen, dass die Situation dafür zu hoffnungslos ist. Das ist Spekulation.

Doch führende Koalitionspolitiker malten sich am Wochenende schon einmal aus , welche Optionen es im schlimmsten Fall geben könnte. Philipp Rösler und seine FDP könnten sich eine "geordnete Insolvenz" Griechenlands vorstellen. CSU-Chef Horst Seehofer gar, dass Griechenland einfach aus der Euro-Zone ausgeschlossen wird.

Hat die Koalition Griechenland schon aufgegeben?

Angela Merkel und ihre CDU reagierten entsetzt. Suggerieren die Äußerungen doch, dass die schwarz-gelbe Koalition Griechenland bereits aufgegeben hat. Spekulationen über Insolvenz oder Ausschluss seien "hoch gefährlich", erregte sich Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier.

Es gibt nämlich in der EU keine rechtliche Grundlage für ein Insolvenzverfahren. Als die Euro-Zone gestrickt wurde, war so etwas schlicht nicht bedacht worden. Und als 2010 die ersten Griechenland-Hilfen beschlossen wurden und sich manch führender Politiker für ein Insolvenzrecht aussprach , wurde die Chance vertan. Klar ist nur, dass die Gläubiger – unter anderem französische und deutsche Banken – bei einer Staatspleite Griechenlands massive Verluste beklagen müssten. Das könnte weitere Finanzhilfen erforderlich machen. Rösler gefährde mit seiner "Dampfplauderei" über eine mögliche Pleite Griechenlands die Stabilität im gesamten Euro-Raum, heißt es daher erbost in der CDU. Statt "staatspolitischer Verantwortung" regiere bei der FDP inzwischen offensichtlich der "pure Populismus".

Optimisten gegen Populisten

Doch auch in der Union mangelt es nicht an Populismus, wie das Beispiel Horst Seehofer zeigt: Seine Forderung nach einem Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone könnte Spekulanten gegen andere angeschlagene Euro-Länder aktiv werden lassen. Doch Seehofers Vorstoß wird selbst in der FDP nicht ernst genommen, sondern als "völliger Bullshit" bezeichnet. Der CSU-Chef hatte schließlich selbst zugegeben, dass es rechtlich im Moment gar nicht möglich sei, ein Land aus dem Euro-Raum auszuschließen. Er wolle dennoch "politisch darüber nachdenken", sagte der Bayer trotzig.

In der CDU versucht man all diese Szenarien mit Optimismus zu kontern: "Bisher hat die Troika den Hilfstranchen immer zugestimmt, jetzt warten wir einmal ab", sagt beispielsweise der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Meister ZEIT ONLINE. Gleichzeitig mahnt er: "Wir müssen unsere innenpolitischen Aufgaben lösen, ohne Europa infrage zu stellen."