Junge Abgeordnete Mitleid mit der FDP, Sorge um Europa
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Im Politikerleben angekommen: Allgemeinplätze statt Klartext

 Agnieszka Malczak

Agnieszka Malczak

Auch Agnieszka Malczak wird am Donnerstag für den erweiterten Euro-Rettungsschirm stimmen. Die Grünen stünden schließlich "zu Europa", sagt die 26-jährige Abgeordnete. Malczak ist forscher als Kolbe. Kaum ein Satz zum Euro, der keine Spitze gegen Schwarz-Gelb enthält. Die Bundesregierung sei "schwer erträglich", "zu zaghaft", "nicht mutig". Ganz anders verhielten sich die Grünen: Die wollten Europa reformieren und setzten sich für Euro-Bonds ein. Malczak spricht diesen Begriff mal englisch aus, mal eher französisch (wie in Schokobon).

Ihre europäischen Leitlinien trägt Malczak routiniert und zügig vor. Fragen von Wählern und Journalisten zu Europa muss sie derzeit täglich beantworten. Sie hat noch viele Termine heute.

Dabei ist das eigentlich gar nicht ihr Fachbereich. Malczak ist Verteidigungspolitikerin. Aber sie hat sich eingelesen, wie alle Abgeordneten. Außerdem verlässt sie sich auf die Expertise der Parteikollegen aus dem Finanz- und Europaausschuss. Auch ohne die Euro-Diskussion wäre sie gut ausgelastet. Als abrüstungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion arbeitet sie gerade an einem Initiativantrag, der sich mit dem Verbot von Streubomben beschäftigt. Hinzu kommt die Alltagsarbeit im Wahlkreis und im baden-württembergischen Landesvorstand der Grünen.

Über viele interessante Erlebnisse und Schilderungen sagt Malczak, das sei jetzt "Hintergrund". Das heißt: Der Journalist darf darüber nicht schreiben, sie zumindest nicht zitieren. Anders als früher bleiben für die Öffentlichkeit dann Allgemeinplätze übrig. Ein Beispiel? Eine vorzeitige Neuwahl halte sie "nicht für ausgeschlossen". Die Grünen seien "gut aufgestellt". Über die bröckelnden Umfragewerte ihrer Partei sei sie nicht enttäuscht, die grünen Top-Werte habe man schon im Frühjahr "mit großer Bescheidenheit" zur Kenntnis genommen. Klingt ein bisschen wie ein junger Fußball-Nationalspieler, der mit seiner Wortwahl nichts falsch machen möchte.

Hat sie sich verändert als Abgeordnete? Sie sei sich als "Mensch treu geblieben", sagt Malczak. Natürlich habe sie viel gelernt und mehr Routine bekommen. Besser als früher wüsste sie nun, wie "man unter Stress in bestimmten Situationen umgeht". Die Uhr tickt im Hintergrund. Der nächste Termin wartet schon.

Niema Movassat

Niema Movassat

Ungeschminkter und dadurch kurzweiliger ist das Gespräch mit Niema Movassat. Der 27-jährige Linke-Abgeordnete räumt offen ein, dass er zu Beginn seiner Mandatszeit vor zwei Jahren von seinem heutigen Fachbereich, der Entwicklungspolitik, "nicht viel Ahnung" hatte. Eigentlich wollte er, der gelernte Jurist, in den Justizausschuss. Inzwischen hat er sich aber mit seiner neuen Rolle angefreundet. Jetzt könne er sich "mit Experten auf hohem Niveau unterhalten". Es gibt kaum einen Krisenherd auf der Welt, zu dem er noch keine Pressemitteilung herausgegeben hat.

Movassat hat ähnliche Erfahrungen wie die anderen Jung-Abgeordneten gemacht. Er weiß nun besser als am Anfang, wie er die Terminflut bewältigt, wie er sein Büro organisiert, wie die Hierarchien funktionieren, wie man im Bundestag sichere Reden hält. Er sei in den beiden Jahren "ein bisschen zynischer" und ein "stückweit ernster" geworden, sagt er. Tatsächlich kichert er nicht mehr so viel bei den ersten Treffen. Seinen Job als Abgeordneter bezeichnet er als "großes Privileg", er will ihn gern auch künftig weiter ausüben. 

Auch Movassat wird ständig auf den Euro angesprochen in diesen Tagen. Wie die anderen hat er sich reingekniet: Artikel gelesen, Begriffe gelernt, seinen "Info-Level" erhöht. "Alle Details" in dieser komplexen Währungsmaterie habe er immer noch nicht durchdrungen, räumt er ein. Aber immerhin kann er mittlerweile seine Entscheidung begründen.

Er wird den Rettungsschirm ablehnen, wie alle in der Linkspartei. Zwar sei seine Partei für "Solidarität mit Griechenland". Die Linken störe aber, dass die "Krisenverursacher" nicht stärker zur Kasse gebeten werden. "Reiche und Banken werden verschont", zitiert Movassat die Parteilinie. Er lästert über die "Staatsräson" von Sozialdemokraten und Grünen. Es sei doch gut, wenn die Politik "nicht alles zur Mitte kehre", sondern Gegensätze auch benenne und Position beziehe. Die Linke müsste sich von den anderen abgrenzen und unterscheiden, sonst werde sie überflüssig, findet der Abgeordnete.


 

 
Leser-Kommentare
    • Mesa
    • 28.09.2011 um 14:59 Uhr
    1. Sinn?

    Wie spannend, der Einblick in das Leben der Abgeordneten. Leider hat dieser Artikel ungefähr genausowenig Inhalt wie das Parteiprogramm von SPD, CDU, FDP und Grünen.

    • Kelhim
    • 28.09.2011 um 15:07 Uhr

    Interessant zu lesen, wie diese jungen Abgeordneten ihre Rolle erst noch suchen und hoffentlich finden. Bisher scheinen sie sich mit Themen zu beschäftigen, auf die sie zunächst nicht hingearbeitet haben, auf die sie aber vom Einbruch der Finanzkrise oder auf Bitten der Veteranen angesetzt werden. Bin mal gespannt, wie langweilig und geschliffen smart sie in ein paar Jahren auftreten werden - oder ob sie sich eher zu seriösen Fachpolitikern entwickeln.

    Eine Leser-Empfehlung
  1. Ein durchaus gelungenes Porträt der Abgeordneten. Liest man die alten Interviews von vor zwei Jahren, kann man deutlich eine Routinierung der MdBs erkennen.

    Die Abgeordneten klagen ebenso über Arbeitsbelastung wie andere auch, sie klagen über den Kampagnenjournalismus, sie haben sich dem Fraktionszwang untergeordnet. Sie wirken etwas ernüchtert, aber routinierter. Alle drei wirken allerdings nicht sehr souverän oder sachkundig, aber wahrscheinlich ist Fachkompetenz etwas, wofür man selten in den Bundestag einzieht und was man erlernen muss, wenn man im Bundestag arbeitet.

    Ganz gleich, wie man zu den Parteien steht: es ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, die Demut von den Kommentatoren verlangt.

    Und etwas Mitleid kann man mit der FDP in der Tat haben. Anstand und Maß kommen der journalistischen "Meute" zunehmend abhanden.

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    verliert Anstand und Maß so schnell wie unkündige und unfähige als Abgeordnete in den Bundestag einziehen.
    Denn es als positiv zu kommentieren, dass eine SPD Abgeordnete es nach zwei Jahren ihrer Tätigkeit schafft ihre Reden nicht mehr abzulesen, finde ich lächerlich. Schließlich muss jeder Realschüler ein Referat auch frei anhand von Handnotizen halten können und auf Rückfragen reagieren, um eine 2 zu kriegen.
    Wie weit sollen wir die Maßstäbe für die Abgeordnetetarbeit denn noch senken?

    verliert Anstand und Maß so schnell wie unkündige und unfähige als Abgeordnete in den Bundestag einziehen.
    Denn es als positiv zu kommentieren, dass eine SPD Abgeordnete es nach zwei Jahren ihrer Tätigkeit schafft ihre Reden nicht mehr abzulesen, finde ich lächerlich. Schließlich muss jeder Realschüler ein Referat auch frei anhand von Handnotizen halten können und auf Rückfragen reagieren, um eine 2 zu kriegen.
    Wie weit sollen wir die Maßstäbe für die Abgeordnetetarbeit denn noch senken?

  2. Viel mehr würde mich intressieren was diese drei gelernt haben, Abgeschlossen natürlich. Oder sind das auch nur wieder ABBA,s (hat mit Musik nichts zutun) Abitur, Bafög, Bundestag, Altersversorgung. Denn von solchen Leuten haben Wir schon mehr als genug in der Politik.

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    Wenn sie das alles erst in den letzten zwei Jahren im Bundestag gelernt haben, was sollen sie denn in der außerparlamentarischen schon geschafft haben.

    Wenn sie das alles erst in den letzten zwei Jahren im Bundestag gelernt haben, was sollen sie denn in der außerparlamentarischen schon geschafft haben.

    • possi
    • 28.09.2011 um 15:50 Uhr

    die drei jungen Abgeordneten kommen reichlich unbedarft rüber. Da wird mir angst und bange, daß solche Leute Entscheidungen zum Rettungsschirm zu treffen haben. Was
    qualifiziert die dafür?

  3. Die Linke stimmt nicht zu, weil Kanzlerin Merkel keine Garantie für Löhne, Renten und Sozialleistungen geben möchte.
    D.h Deutschland haftet im Extremfall für ca. 400 Mill. Euro und es ist jetzt schon klar wer die Zeche zahlt.

    [...] Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf, von Ihnen, Frau Bundeskanzlerin, zu erfahren, wer für diese Kosten aufkommen soll.

    Wir fordern Sie auf, im Namen der Bundesregierung noch vor der Bundestagsabstimmung über die Aufstockung des EFSF eine verbindliche Garantieerklärung dahingehend abzugeben, dass im Haftungsfall des Euro-Rettungsschirms Löhne, Renten und Sozialleistungen nicht gekürzt, Massensteuern nicht erhöht werden und das Geld der Sparerinnen und Sparer sicher ist.

    Zur Finanzierung der Krisenkosten sollten stattdessen die Verursacher und Nutznießer der Krise, d.h. die Banken und Vermögenden herangezogen werden. Schon mit einer Vermögensteuer für Reiche und Superreiche könnten die finanziellen Mittel zur Bewältigung der Krise sozial gerecht aufgebracht werden.

    Lehnten Sie die geforderte Garantieerklärung ab, verletzten Sie Ihren Amtseid, übernähmen Sie eine Mitverantwortung für eine in der Bevölkerung entstehende antieuropäische Stimmung, die rechten Parteien Aufwind gäbe, was die Demokratie beschädigte.

    http://www.die-linke.de/n...

  4. doch diese hat sich regelrecht in ihren "Thron" verbissen.
    Mit der FDP könnte ich auch fast ein bißchen Mitleid haben.

    ...aber nur fast.

    Die "Gockel", die sich nen "Sch.." um die soziale Gerechtigkeit, Miteinander, Ökologie usw. schert, hat es nicht mal verdient, auf den warmen Oppositonsbänken zu sitzen...

  5. Ich steh zu Europa, die Bundesregierung ist aber nicht ganz mutig, ich selber versteh nicht so viel von Finanzwirtschaft und es ist mir eigentlich auch egal aber ich hab' trotzdem mein Info-Level erhöht, ich weiss dass ich die Kanzlerin unterstützen muss, sonst glaube ich, geht Europa kaputt, und ich möchte mit Griechenland solidarisch sein, dies ist mir gaaaanz wichtig.
    Ja ich glaub, das war's,
    nun brauche ich n'en Joint, dann kann ich Ihnen noch weitere pers. Input's, Flyers, und Interessante pers. Infos geben, wie man unter Stress seine Terminflut erfolgreich bewältigt.....

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