Buchvorstellung : Röslers Leben, Merkels Interpretation

Angela Merkel präsentiert Philipp Röslers Biografie. Die Botschaft dieses Auftritts: Kanzlerin und Vize haben sich lieb. Alles andere ist Interpretationssache.

Es menschelt in der Bundesregierung: Erst erklärte eine mütterlich gestimmte Kanzlerin am Sonntagabend die Euro-Krise zur besten Sendezeit. Ihre Botschaft an all die verunsicherten Steuerzahler da draußen: Wir machen das schon. Vertraut mir!

Seelen streichelt nun auch die erste Biografie von Philipp Rösler. Es ist die Geschichte des vietnamesischen Waisenkindes, das im Alter von neun Monaten abgemagert nach Deutschland kam, dort ein liebendes Zuhause fand und schon mit 38 Jahren deutscher Vizekanzler wurde.

Die Botschaft des Buches: Alles ist machbar in unserem schönen Land. Und: Es gibt auch ordentliche Politiker. Solche, die ihr Herz am rechten Fleck tragen.

"Rösler hat ziemlich oft recht"

Entsprechend leicht gerührt wohnte der Vizekanzler am Dienstag der Präsentation des Buches über sein noch recht kurzes Leben bei. Das 152 Seiten dicke Werk wurde in der Katholischen Akademie Berlin und von der Kanzlerin höchstpersönlich vorgestellt. Merkel hatte nur Lobendes über ihren Stellvertreter zu sagen. An Rösler schätze sie dessen "extrem schnelle Auffassungsgabe". Außerdem habe er "ziemlich oft recht", könne unglaublich gut frei reden. Er sei heimatverbunden, gläubiger Katholik und ein Familienmensch. Sie habe daher großes Vertrauen in ihren Stellvertreter, sagte Merkel mit ihrem Mädchenlächeln.

Auch das war eine Botschaft, eine wohl unvermeidliche. Die Kanzlerin wusste ja nur allzu gut, dass die anwesenden Journalisten jedes Wort, jedes Wimpernzucken der beiden Protagonisten interpretieren würden. Was für ein Termin schließlich, nach Wochen der Insolvenz-Streitigkeiten zwischen eben jenen beiden wichtigsten Vertretern der deutschen Regierung.

Gar nicht gut war der Wirtschaftsminister mit seinen öffentlichen Überlegungen zu einer Griechenland-Pleite angekommen. Börsenwerte waren abgestürzt, EU-Partner hatten irritiert reagiert. Die Kanzlerin hatte ihren Vize öffentlich gerügt . Doch der hatte gar nicht daran gedacht, sich den Mund verbieten zu lassen.

Ein O-Ton Röslers aus dem Berliner Landtagswahlkampf, gerade einmal zehn Tage her: "Die Frau hat Nerven. Aber die habe ich auch." Es dürfe "keine Denkverbote" geben, hatte der FDP-Chef außerdem tagelang in jedes Mikrofon gesagt: "Die Menschen erwarten von ihrer Regierung Ehrlichkeit." Keine Worte, die für eine vertrauensvolle und loyale Beziehung zur eigenen Chefin sprechen. 

"Denkverbote gab's noch nicht mal in der DDR"

Nun war die Buchpräsentation schon länger geplant als Merkels hastiger Sonntagsauftritt im Fernsehen. Und doch kam der Kanzlerin der erneute Auftritt abseits der Politik gelegen. Sie konnte – öffentlich – Gnade walten lassen und ein bisschen Emotionen zeigen. Das Wort Insolvenz, "das kann man ja sagen", beschied Merkel also auf Nachfrage eines Journalisten. Nicht gefallen habe ihr allerdings Röslers Unterstellung mit den Denkverboten. So etwas habe es schließlich selbst in der unfreien DDR nicht gegeben.

Merkel lächelte. Die Frage, ob sie denn überlegt habe, wegen des Streits den gemeinsamen Buchvorstellungstermin abzusagen, verneinte sie mit betont irritiertem Blick. "Ich auch nicht", rief Rösler in die entstandene Stille hinein. Er lachte über sich selbst. Merkel verzog keine Miene.

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Kommentare

64 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren

Soll DAS ein WITZ sein?

Der "Jungspund" hat kaum Lebenserfahrung, seine Partei gerade beim Volk (seinen Wählern zumindest) voll an die "Wand gefahren, die Wahlergebnisse sind im Keller und was er von sich gibt, das lässt einem nur den kalten Schauer über den Rücken laufen und nun kommt er mit einer Biografie?

Schröder hat wenigstens auf "Erdgas" und GAZPROM gesetzt - na ja, der hatte auch mehr Lebenserfahrung.

Nun gut, dann reiht er sich eben die Reihen eines Lahm und Hambüchen ein - wenn es Geld bringt, dann ist halt auch ein Buch zu schreiben, die beste Alternative.

[...]

Übrigens:
In meinem Alter ein Buch zu schreiben, das werde ich vielleicht auch mal tun - vielleicht brauche ich dann wenigstens danach keine H-IV-Anträge mehr ausfüllen und brauche nicht mit 63 in Rente - aber bis dahin habe ich noch 11 Jahre Zeit!

Teil entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

Vergleich mit Schröder hinkt

Der Hinweis auf Gerhard Schröder ist so nicht ganz richtig: als niedersächsischer Ministerpräsident gehörte der Altkanzler zu den erfolgreichen Länderchefs. Dies ist umso bemerkenswerter, wenn man berücksichtigt, welchen Scherbenhaufen und welchen Sauladen sein Vorgänger der Von-der-Leyen-Vater Ernst Albrecht von der CDU in Niedersachsen hinterlassen hat - ich erinnere hier nur an das Celler Loch oder die CDU-Spielbanken-Affäre in den 1970er und 1980er Jahren.

Zudem: Schröder hat sich als Kanzler an Reformen herangetraut, die Union und FDP - aus purer Angst vor ihren Kernklientels - niemals auch nur ansatzweise umgesetzt hätten. Seit Jahrzehnten schwafeln beide Parteien nur etwas von der "Ganz Großen Steuerreform" oder der "Radikalen Steuersenkung". Auch an die Arbeitsmarktreform hätten sich Union und FDP niemals heran getraut.

Gerhard Schröder mag in seinen Entscheidungen einer der umstrittensten Kanzler in der bundesdeutschen Geschichte sein - mangelnden Mut kann man ihm aber nicht absprechen. Das ist ein Attribut, das den selbsternannten "Bürgerlichen Parteien" zugeschrieben werden muss.

Pos 37 Vielleicht sollten Sie sich auch mal Fragen,

wer Sie dazu authorisiert hat, ungefragt an Erwachsene zu appellieren...; wer nun mehr oder weniger 'sein Leben auf die Reihe' kriegt,das soll nicht Ihr Problem sein, dieses Bamby der politischen Vernunft soll maßgeblich dazu beitragen, daß das Land auf die Reihe kommt, zumindestens nicht abstürzt..., Sie verwechseln hier Wirkung und Ursache..., wenn es SOWEIT dann ist mit der Fiskalischen Apokalypse, dann können Sie nur aus einem parasitären Zirkel heraus wirken, um ungeschoren davon zu kommen.

Kübelböck war gestern

Heute erinnert das mehr an die Veröffentlichungen von Hannah Montana und Justin Bieber, die beide derzeit so um die 18-20 Jahre alt sein dürften.

Ich hab ein paar alternative Vorschläge für dieses "Werk":
"Philipp Rösler - der Mann, der mit 40 in Rente wollte"
oder
"Philipp Rösler - das Missverständnis meines Lebens: 1(,)8%"

Um was substanzielles zu sagen, scheint es mir sehr logisch dass Leute, die heute Biografien veröffentlichen, das in so jungen Jahren tun.
Das ist doch Teil dieser veränderten Beziehung zwischen Individuum und Öffentlichkeit. Immerhin ist heutzutage doch jeder dank Facebook, Myspace usw. ein Selbstdarsteller geworden, der mein sich aufs gnadenloseste selbst vermarkten zu müssen.
Erkennt man auch daran, wie sehr jetzt manche schockiert über die grausigen Zukunftspläne von Facebook tun. Wenn man noch nicht zu süchtig danach ist, dann gibt es eine phänomenal einfache Vermeidungsstrategie: Ausloggen und Pc ausschalten!

Abschließen: Jetzt, wo Rösler uns wach gerüttelt hat, sollten wir den Lindner gut im Auge behalten...