Auf der Wahlparty der Piratenpartei © John Macdougall/AFP/Getty Images

Für Menschen mit Platzangst ist sie nichts, die Wahlparty der Piraten im Club "Ritter Butzke" in Kreuzberg. Die Stimmung erinnert eher an ein Konzert als an eine Polit-Veranstaltung. Mehr als 1.000 Leute drängen drin zusammen, draußen stehen eine Stunde nach der ersten Hochrechnung weitere 200 in der Warteschlange. Aus Schweden, dem Geburtsland der Bewegung, sind sie gekommen, aus Tschechien, aus Österreich. Und aus allen Teilen Deutschlands. Als das ZDF irgendwann durchsagt, dass bei der CDU 200 Menschen feiern, müssen die Piraten im "Ritter Butzke" lachen.

Richtig laut wird es um 18.01 Uhr, als die erste Prognose zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin gezeigt wird. Doch nicht das gute Ergebnis der Piraten löst den ersten frenetischen Jubel aus, sondern das schlechte der FDP. Einige Sekunden später wird das Geschrei ohrenbetäubend, eine Applauswelle rollt durch den Saal: Der Balken über dem Wort "Piraten" wächst und wächst. Erst bei 8,5 Prozent bleibt er stehen, die Leute im "Ritter Butzke" können es nicht fassen. "Das ist der Hammer!" ruft eine Frau mit Captain-Hook-Haken und Piratenhut. Mehr als fünf Prozent, das war das anfangs mutige Ziel – aber mehr als acht? Neben dem Captain-Hook-Haken bekommt ein Parteifreund feuchte Augen.

 "Ich bin baff und überrascht", sagt der Spitzenkandidat Andreas Baum über die beiden Leinwände, von denen eine lange nicht funktioniert hat. Fernsehen ohne Bild, ausgerechnet bei der technikaffinen Internetpartei. Den Wahlkämpfern ist das egal. Als Baum "erstmal einen schönen Gruß ins Ritter Butzke" schickt, bricht schon wieder Jubel aus.

Ein Parteimitglied, das aus Dresden für die Feier angereist ist, hat eine Erklärung für den Menschenauflauf: Alle wollen dabei sein, wenn in der Hauptstadt ein historisches Ereignis zelebriert wird. Und historisch ist es. Erstmals ziehen die Piraten in Deutschland in ein Landesparlament ein. Und das nicht knapp, sondern mit einem komfortablen Abstand zur Fünfprozenthürde. Bei 9 Prozent sehen sie die Hochrechnungen am späten Abend.15 Sitze bekommen die Piraten im Abgeordnetenhaus voraussichtlich. Mehr geht auch nicht: Die Partei hat nur 15 Kandidaten auf ihrer Liste.