Dass der Einzug ins Parlament klappen würde, da war sich schon vor 18 Uhr jeder Piratenanhänger im "Ritter Butzke" sicher. Gustav, ein junger Pirat aus Schweden sagt: " Men det funkar i alla fall " – das läuft schon. Bevor die ersten Prognosen bekannt werden, lassen die Piraten auf einer Tombola Prozentzahlen ziehen. Steffen Ostehr, der Direktkandidat für Marzahn-Hellersdorf zieht eine 9,9 – und ist skeptisch. Zu diesem Zeitpunkt ist er lieber noch vorsichtig, genauso wie Volker Schröder, der Kandidat für den Wahlkreis Treptow-Köpenick. Eine Stunde später umarmt Schröder mit dem breitesten Lachen einen Parteifreund. "Ist das nicht geil?"

Wenig später tritt der Berliner Landesvorsitzende Gerhard Anger auf. "Die letzten zwei Monate waren krass", sagt er. Wieder Jubel. "Heute ist Party – und morgen geht die Arbeit weiter." Der stellvertretende Bundesvorsitzende Bernd Schlömer geht ein weiteres Mal auf die Niederlage des Piratenfeindes Nummer Eins ein: "Wir sind die stärkste liberale Partei in Berlin", ruft er. Im Publikum sagt einer lachend zum anderen: "Komm, lass uns zur FDP gehen, dann können wir nochmal bei Null anfangen."

Mit Anger und Schlömer auf der Bühne steht der Gründer der Piratenbewegung, der Schwede Rick Falkvinge. "Ihr Kerle seid großartig", ruft er der grölenden Menge zu. Das sei der Erfolg des grandiosen Wahlkampfes, sagt Falkvinge. Und fügt hinzu: "Wir stellen die Fragen, von denen andere nicht mal wissen, dass sie existieren."

Später, im Pressebereich, sagt Falkvinge: "Das ist das größte Resultat, das die Piraten jemals bekommen haben." Vergleichbar mit dem Berliner Erfolg sei nur der schwedische Einzug ins EU-Parlament 2009 gewesen. In seinem Kopf rast es, wie es scheint. "Ich fange an zu weinen", sagt er plötzlich – und weint wirklich.