Es ist vorbei, die rot-rote Koalition in Berlin ist Geschichte. Fast zehn Jahre hat sie die Geschicke der Hauptstadt gelenkt, länger war noch keine rot-rote Landesregierung in Deutschland an der Macht. Es war, im Rückblick, das richtige Bündnis zur richtigen Zeit. Rot-Rot hat Berlin geprägt und verändert – zum Besseren.

Diese Erkenntnis mag überraschen, schaut man auf die blanken Zahlen: Noch immer ist die Arbeitslosenquote in Berlin höher als in jedem anderen Bundesland, noch immer ist die finanzielle Lage der Hauptstadt katastrophal. Nur in Bremen ist die Verschuldung pro Einwohner noch höher als in der Hauptstadt.

SPD und Linke haben ihr erklärtes Ziel, den riesigen Schuldenberg wenigstens etwas abzubauen, klar verfehlt. Schlimmer noch: Die Schulden stiegen weiter. Als Klaus Wowereit Regierender Bürgermeister wurde, drückten Berlin Verbindlichkeiten von etwas mehr als 40 Milliarden Euro. Heute, zehn Jahre später, sind es 63 Milliarden Euro.

Diese Zahlen verschleiern jedoch, was Rot-Rot im vergangenen Jahrzehnt tatsächlich geleistet hat. "Sparen, bis es quietscht" werde man, so hatte es Wowereit zu seinem Amtsantritt angekündigt. Und genau das hat der rot-rote Senat getan. Er musste es tun, wollte er nicht ebenso gewissenlos mit Berlins Zukunft umgehen wie die Landesregierungen davor.

Zu spüren bekam das zuallererst der öffentliche Dienst. Nicht nur wurde die Anzahl der Stellen drastisch reduziert. 2003 trat Berlin zudem aus der Tarifgemeinschaft der öffentlichen Arbeitgeber aus, die Lohnrunden anderer Bundesländer wurden fortan nicht mehr mitgemacht. Auf bis zu zwölf Prozent ihres Gehaltes mussten die Beschäftigten verzichten.

Vor allem in der ersten Legislaturperiode war der Sparkurs brutal. Rot-Rot trennte sich von Landeseigentum und stoppte die Anschlussförderung im sozialen Wohnungsbau. Die Lehr- und Lernmittelfreiheit wurde abgeschafft, seither müssen sich Eltern an den Kosten für Schulbücher beteiligen. Jugendfreizeiteinrichtungen wurden geschlossen, die Zuschüsse an Bäderbetriebe und den Öffentlichen Nahverkehr wurden so knapp bemessen, dass diese nicht anders konnten, als Eintritts- und Fahrticketpreise mehrfach anzuheben.

Sozial war das nicht. Ja, bisweilen war kaum zu glauben, dass dieses Spardiktat ausgerechnet von einer sozialdemokratischen und einer sozialistischen Partei umgesetzt wurde.

Doch die Anstrengungen hatten Erfolg. Berlin bekam nach und nach seine hohen Ausgaben in den Griff. Gab die Stadt 2001 noch 5,25 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahm, verringerte sich dieses strukturelle Defizit auf mittlerweile nur noch 1,42 Milliarden Euro im Jahr 2010.