BundeswehrreformDe Maizière will bei Rüstungsprojekten kürzen

Verteidigungsminister de Maizière wird konkret: Er will die Truppe um 36.000 Soldaten reduzieren und kündigt Kürzungen bei laufenden und geplanten Projekten an.

Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr plant Verteidigungsminister Thomas de Maizière Milliardenkürzungen bei wichtigen Rüstungsprojekten. Es gehe darum, "planerischen Freiraum" zurückzugewinnen, heißt es in dem Schreiben an den Verteidigungsausschuss. De Maizière hatte zuletzt beklagt, dass ein großer Teil des Rüstungsetats durch alte Großprojekte blockiert werde, die teils noch im Kalten Krieg unter völlig veränderten sicherheitspolitischen Bedingungen beschlossen worden waren. Er kündigte im Dialog mit der Industrie Einschnitte bei laufenden Vorhaben an, um mit den frei werdenden Geldern aktuell nötigere Beschaffungen bezahlen zu können.

So soll die Bundeswehr nur noch 140 statt der ursprünglich geplanten 177 Kampfjets des Typs Eurofighter erhalten, der vom europäischen Rüstungskonzern EADS gebaut wird. Damit fiele die letzte Teillieferung von 37 Flugzeugen weg, die mit der Industrie noch nicht vertraglich vereinbart war. Die Jets könnte nun möglicherweise Indien abnehmen, das einen Auftrag für 126 Kampfjets ausgeschrieben hat. Möglicherweise wird die Bundeswehr aber auch ältere Eurofighter weiterverkaufen und dafür die letzte Teiltranche mit modernen Jets abnehmen, die anders als die alten Maschinen unterschiedliche Aufgaben übernehmen können.

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Vom Schützenpanzer Puma, der von den deutschen Rüstungsschmieden Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) gebaut wird, will de Maizière 350 statt 410 kaufen. Im Gegenzug sollen möglicherweise mehr als die bisher geplanten 272 Radpanzer des Typs Boxer bestellt werden, an dessen Fertigung die beiden Unternehmen ebenfalls beteiligt sind. An der Börse fiel der Kurs von Rheinmetall nach der Nachricht um fast einen Euro, erholte sich später aber wieder. "Das hat schon einen negativen Effekt auf die Rheinmetall-Aktie gehabt. Erwartet wurden Kürzungen im Wehretat ohnehin schon länger, aber nun liegt zum ersten Mal eine konkrete Zahl auf dem Tisch", sagte ein Händler.

Besonders betroffen ist das Unternehmen EADS

Auch die Stückzahlen für zwei besonders problematische Hubschrauber-Projekte sollen deutlich sinken: Der Minister plant nur noch mit 40 statt 80 Tiger-Kampfhubschraubern sowie 80 statt 122 NH-90-Transporthubschraubern. Beide Vorhaben sind bereits vertraglich besiegelt, hinken aber Jahre hinter dem Zeitplan her. Ob und wie der Hersteller, die EADS-Tochter Eurocopter, für die entgangenen Projekte entschädigt werden soll, ist bisher unklar.

Die Suche nach einem Abnehmer für die Tiger gilt als schwierig, da Deutschland eine Version des Kampfhubschraubers bestellt hat, die auf die Panzerjagd spezialisiert und wegen der teuren Bewaffnung wenig geeignet für den Einsatz etwa in Afghanistan ist. Eurocopter könnte allerdings den Auftrag zum Bau der 30 neuen Hubschrauber bekommen, die die Marine erhalten soll und über deren Hersteller noch nicht entschieden ist.

Am Mittwoch will sich de Maizière mit Vertretern der Rüstungsindustrie treffen, um über die Kürzung der Vorhaben zu beraten. "Ich bin zuversichtlich, dass unter Berücksichtigung der Belange aller Beteiligten eine unseren Interessen dienende Lösung möglich sein wird", schrieb der Minister an die Verteidigungsexperten im Bundestag. Besonders betroffen von den Kürzungen ist der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, der bei allen drei Projekten Auftragnehmer ist. Ihm drohen Einbußen in Höhe von etlichen Milliarden Euro.

Auch die Truppenstärke der Bundeswehr wird reduziert. De Maizière will die Zahl der Berufs- und Zeitsoldaten von derzeit 186.000 auf 170.000 verringern. Die Zahl der Zivilbeschäftigten soll gleichzeitig von 76.000 auf 55.000 sinken. Die Streichungen sollen durch ein milliardenschweres Maßnahmenpaket mit großzügigen Vorruhestandsregelungen und Hilfen für den Jobwechsel abgefedert werden. Als letzter großer Baustein wird in der kommenden Woche die Entscheidung über die Schließung von Standorten folgen. Das Programm muss noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt werden und soll im ersten Quartal 2012 in Kraft treten.

 
Leserkommentare
    • LP
    • 18.10.2011 um 19:49 Uhr

    Absolut Sinnvoll.

    Die Militärausgaben machen bislang (nach den Sozialausgaben und dem Schuldendiest) den dritt größten Posten im Haushalt aus. Brauchen wir wirklich soviel Verteidigung?

    Auch wenn ich seine Partei noch nie gewählt habe, so sage ich: Der Minister schlägt den richtigen Weg ein und das verdient Anerkennung.

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    Inzwischen (20.10.2011) hat de Maiziere seine Pläne verdeutlicht. Von Kürzungen ist keine Rede mehr. Für das Geld sollen nur andere Waffensysteme gekauft werden. Und als kleine Zugabe will die Bundesregierung den Waffenexport noch stärker fördern.

    Stellt sich nur die Frage wie und wohin der Export noch gefördert werden soll. Wir verkaufen doch bereits jetzt überall hin? (und wundern uns wenn dann NATO-Soldaten durch NATO-Waffen sterben...)

    Auch Griechenland konnte erst deutsche Finanzhilfe erhalten, nachdem die griechische Regierung ihre Pläne zur Stornierung deutscher Kriegsschiffe aufgegeben hatte. Nein leider haben sinnvolle Kürzungen gegen die Rüstungslobby wohl keine Chance.

    Inzwischen (20.10.2011) hat de Maiziere seine Pläne verdeutlicht. Von Kürzungen ist keine Rede mehr. Für das Geld sollen nur andere Waffensysteme gekauft werden. Und als kleine Zugabe will die Bundesregierung den Waffenexport noch stärker fördern.

    Stellt sich nur die Frage wie und wohin der Export noch gefördert werden soll. Wir verkaufen doch bereits jetzt überall hin? (und wundern uns wenn dann NATO-Soldaten durch NATO-Waffen sterben...)

    Auch Griechenland konnte erst deutsche Finanzhilfe erhalten, nachdem die griechische Regierung ihre Pläne zur Stornierung deutscher Kriegsschiffe aufgegeben hatte. Nein leider haben sinnvolle Kürzungen gegen die Rüstungslobby wohl keine Chance.

  1. Wenn es etwas gibt, was die Truppe in Afghanistan und auch sonst braucht, sind es Transporthubschrauber.

    Eine Leserempfehlung
  2. ja kürzt diesen Millitäretat.
    So spart man!

    2 Leserempfehlungen
    • B_ernd
    • 19.10.2011 um 0:45 Uhr

    ... man muss glaubhaft wehrfähig sein! Mit der angedachten Aufstellung ist das Deutschland nicht. 140 Eurofigther plus ein paar alte Tornado. 170.000 Soldaten! 250 Kampfpanzer. Lächerlich, Konzeptlos.

    Was soll die Bundeswehr im V-Fall machen? Warten bis eine Armee kommt? Mit der Aufstellung läßt sich vielleicht ein Feuerwehrfest befrieden - aber sonst?

    Da sollte man die Bundeswehr lieber konsequent in einer europäischen Verteidigung aufgehen lassen.

    Wo bleibt eigentlich die ganze Kohle, die in Ost und West (zusammen glaube ich waren das alleine 6000 Kampfpanzer) seit der Wiedervereinigung am Militär eingespart werden.

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    Mit der Wehrfähigkeit ist es in Deutschland damit nicht mehr so wunderbar bestellt. Schaut man aber nach GB und FR, die historisch schon immer mehr Geld fürs Militär ausgegeben haben als Deutschland - selbst vor dem 1. Weltkrieg (dennoch haben wir die Briten und Franzosen bis die USA kamen vernichtend geschlagen :-) )- sind diese auch kräftig am Streichen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein deutscher Nachbarland angreifen könnte. Auch wenn der Kazwinski gegen Deutschland hetzt, so würde es gegen Polen noch immer reichen.

    In Sachen Russland sehe ich keine Gefahr, viel mehr einen zukünftigen Partner Deutschlands, einen zuverlässigeren Partner als die USA - auch in Sicherheitsfragen.

    Sorgen bereitet mir hauptsächlich Israel, denn das Land könnte uns mit Atomraketen in Folge von Sanktionen gegen das Regime angreifen.

    Die USA, weil sie so übergerüstet sind.

    Die Chinesen, natürlich.

    Trotzdem, wir brauchen keine 180 Eurofighter ec.

    Es handelt sich hier um konventionelle Kampfgeräte.

    Rheinmetall hat beispielsweise ein Laserabwehrsystem geschaffen, gegen das kein Flugkörper bestehen kann.
    Gut, wenn man nur gegen Entwicklungsländer kämpft, muss man vor denen keine Angst haben.

    Anderes Beispiel:
    Unsere U-Boote sich nicht ortbar, können Flugzeugträger problemlos versenken. Also wieso noch Flugzeugträger?

    Dennoch sollte man Gerät einmotten,
    ich versteh nicht, warum derzeit 1000 Marder demontiert anstatt eingemottet werden.

    Man weiß ja nie!

    Mit der Wehrfähigkeit ist es in Deutschland damit nicht mehr so wunderbar bestellt. Schaut man aber nach GB und FR, die historisch schon immer mehr Geld fürs Militär ausgegeben haben als Deutschland - selbst vor dem 1. Weltkrieg (dennoch haben wir die Briten und Franzosen bis die USA kamen vernichtend geschlagen :-) )- sind diese auch kräftig am Streichen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein deutscher Nachbarland angreifen könnte. Auch wenn der Kazwinski gegen Deutschland hetzt, so würde es gegen Polen noch immer reichen.

    In Sachen Russland sehe ich keine Gefahr, viel mehr einen zukünftigen Partner Deutschlands, einen zuverlässigeren Partner als die USA - auch in Sicherheitsfragen.

    Sorgen bereitet mir hauptsächlich Israel, denn das Land könnte uns mit Atomraketen in Folge von Sanktionen gegen das Regime angreifen.

    Die USA, weil sie so übergerüstet sind.

    Die Chinesen, natürlich.

    Trotzdem, wir brauchen keine 180 Eurofighter ec.

    Es handelt sich hier um konventionelle Kampfgeräte.

    Rheinmetall hat beispielsweise ein Laserabwehrsystem geschaffen, gegen das kein Flugkörper bestehen kann.
    Gut, wenn man nur gegen Entwicklungsländer kämpft, muss man vor denen keine Angst haben.

    Anderes Beispiel:
    Unsere U-Boote sich nicht ortbar, können Flugzeugträger problemlos versenken. Also wieso noch Flugzeugträger?

    Dennoch sollte man Gerät einmotten,
    ich versteh nicht, warum derzeit 1000 Marder demontiert anstatt eingemottet werden.

    Man weiß ja nie!

  3. Endlich, endlich werden auch die größten Arbeitsplatzvernichter angegangen. Die Staatsmilliarden die Jahr für Jahr zur Finanzierung einiger weniger Rüstungskonzerne ausgegeben wurden und werden haben einen großen Anteil an den heute beklagten Staatsschulden und den daraus resultierenden Problemen für die deutsche und europäische Wirtschaft. Vielleicht darf dann demnächst auch Griechenland vom Kauf deutscher Kriegsschiffe zurücktreten. Bisher hat die Bundesregierung ihre Zustimmung zu Hilfspaketen noch immer von der Einhaltung der Kaufverträge abhängig gemacht. ...
    Es wird Zeit für eine Friedensdividende.

    Angesichts der Steigerung des Verteidigungshaushaltes in nur 10 Jahren von 24 Milliarden (2001) um über 7 Milliarden jährlich auf 31,5 Milliarden für 2011 (plus der Kosten des Afghanistankrieges!) ist es allerdings Augenwischerei angesichts der bis 2015 anvisierten jährlichen Kürzung des Verteidigungshaushaltes um etwa je eine Milliarde Euro wirklich von Einschnitten zu sprechen.

    Angesichts des Scheiterns aller größeren militärischen Interventionen der letzten Jahre wäre es höchste Zeit kostengünstigere und erfolgversprechendere zivile Alternativen zu entwickeln. Bisher investiert der Bund hierfür (bei großzügiger Einrechnung aller Mittel für Entwicklungshilfe und Vereinte Nationen) knapp 3% der Verteidigungshaushaltes. ( http://www.soziale-vertei... )

    Eine Leserempfehlung
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    dem demografischen Wandel oder bürokratischen Auswüchse haben sie noch nie etwas gehört oder?

    nein es ist die im weltweiten Vergleich sehr niedrige deutsche Quote für Rüstungsausgaben - denn diese steigt ja auch extremst seit Jahrzehnten, ach nein das ist immer noch Arbeit und Soziales...

    p.s. Inflation ist auch ne tolle Sache, die man beachten sollte ;)

    dem demografischen Wandel oder bürokratischen Auswüchse haben sie noch nie etwas gehört oder?

    nein es ist die im weltweiten Vergleich sehr niedrige deutsche Quote für Rüstungsausgaben - denn diese steigt ja auch extremst seit Jahrzehnten, ach nein das ist immer noch Arbeit und Soziales...

    p.s. Inflation ist auch ne tolle Sache, die man beachten sollte ;)

    • B_ernd
    • 19.10.2011 um 0:51 Uhr

    Mit der IT ist doch einiges möglich. Wir sollten wöchentliche, persönliche Berichtshefte für Politiker zur Pflicht machen. Vielleicht kann man dann besser nachvollziehen wie jemand wie unser Verteidigungsminister denkt - und ob er es überhaupt tut.

  4. Welche großzügigen Vorruhestandsregelungen?

    Der Berufssoldat (Stabsfeldwebel) verliert dadurch, wenn er mit 50 statt 54 in Ruhestand geht, mindestens 30.000 Euro an Einkommen. Die jüngeren Berufssoldaten werden mit einer lächerlichen Abfindungssumme abgespeist ohne Pensionsanspruch. Die 40 bis 50 jährigen bekommen eine geringe Abfindung, aber gleichzeitig Pensionskürzung auf ca. 61% weil ihnen die Mindestdienstjahre fehlen. Ganz schön dreist dieses "Maßnahmepaket".

  5. 8. .....

    Völlig plan und konzeptlos, die deutsche Bundeswehr ist in keinsterweise für einen Verteidigungsfall gerüstet, eine europäische Armee ist weit und breit nicht in Sicht und dennoch wird weiter abgerüstet.

    Die Europäer werdens erst lernen wenn die Chinesen mal den ersten grossen Sprung machen und mal irgendwas militärisch regeln, momentan verweigert man schlicht die Realität das es rundum auf der welt sonst von krieg und gefahr nur wimmelt.

    Nicht Abrüstung, sondern gemeinsame koordinierte Auf - und Ausrüstung einer europäischen Armee wäre das zeichen der Stunde.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Kommentare 21
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  • Schlagworte Bundesregierung | EADS | Puma | Rheinmetall | Bundestag | Bundeswehr
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