Was wurde die FDP gescholten , als Parteichef Rösler vor einigen Wochen laut über eine Insolvenz Griechenlands nachdachte. Wie wurde über das populistische Aufbäumen der Liberalen so kurz vor der Landtagswahl in Berlin gelästert und darüber, dass sich die FDP nun als Partei des euroskeptischen Steuerzahlers profilieren wolle.

Es stimmt: Die FDP-Führung ist kein Freund von bedingungslosen EU-Hilfen, auch nicht von mehr nationalstaatlichen Kompetenzen für Europa. Das an sich ist keine Schande. Aber die Liberalen haben sich verrannt, als sie zuließen, dass der Berliner Landesverband die Abgeordnetenhauswahl für einen plumpen, euroskeptischen Wahlkampf missbrauchte. Das war falsch und ging gründlich daneben. Inzwischen betreibt die Parteiführung durch betont europafreundliche Interviews Wiedergutmachung. Rainer Brüderle sagt im Moment gerne, Europa sei "Staatsraison". Die Einsicht kommt spät. Gut dennoch, dass sie jetzt da ist.

Die CSU aber, sie macht das Gegenteil. Kurz vor dem Wahl-Parteitag am kommenden Wochenende überbieten sich führende Christsoziale in blankem Anti-Euro-Populismus. Dabei scheint es gar nicht so sehr um die Gemeinschaftswährung, sondern eher um die zur Wahl stehenden Stellvertreterposten von Parteichef Horst Seehofer zu gehen: Der notorische Euro-Nörgler Peter Gauweiler hat seine Kandidatur angekündigt, er wird wohl gegen Verkehrsminister Peter Ramsauer antreten, der seinen Posten behalten will. Gauweiler ist an der Basis beliebt, daher bemüht sich Ramsauer nun auch besonders eurokritische Töne anzuschlagen. Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer ist sich für Populismus sowieso nie zu schade.

Zurück zur Drachme, Problem erledigt

Schon als die Öffentlichkeit noch den FDP-Kollegen Rösler für seine Insolvenz-Ideen kritisierte, war Seehofer einen Schritt weitergegangen. Er sprach sich für eine Möglichkeit zum Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone aus. Athen solle im Notfall die Währungszone verlassen müssen und dann einfach wieder die Drachme einführen. Problem erledigt – zumindest aus Sicht der Bayern. So weit gingen die Liberalen nicht.

Seehofer hatte bei seinen Überlegungen übrigens übersehen, dass ein Ausschluss aus der Euro-Zone rechtlich gar nicht möglich ist. Doch da war der CSU-Chef schon beim nächsten Thema: Er ließ mitteilen, dass er die Ansicht der Kanzlerin nicht teile , dass wenn der Euro scheitere auch Europa scheitere. Politik könne auf regionaler und nationaler Ebene oft besser als in Brüssel gemacht werden, stellte Sonntagnacht außerdem Parteivize Ramsauer klar. Die CSU, stets kein Freund einer zu weit gehenden europäischen Integration, findet scheinbar immer mehr einen Gefallen darin, die Rückkehr zum Nationalstaat zu propagieren.

"Meine Linie ist fast noch roter"

Besonders populistisch mutet die Basta-Politik an, mit der CSU-Granden dieser Tage von sich reden machen. Am Donnerstag , noch bevor der erweiterte Euro-Rettungsschirm mit einem deutschen Garantierahmen von 211 Milliarden Euro beschlossen war, teilte Seehofer via Zeitungsinterview mit , weiter als bis hierhin dürfte die finanzielle Unterstützung der Bundesrepublik nicht mehr gehen. "Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass wir einem Land in jedem Fall und bedingungslos helfen, es muss rote Linien geben", wiederholte er an diesem Wochenende in der Welt .

Dann wurde es richtig albern: "Meine Linie ist fast noch roter", beeilte sich Vize Ramsauer nachzulegen. Zum Tag der Einheit philosophierte der Minister im öffentlich-rechtlichen Fernsehen über die "bürgerliche Pflicht" der CSU, "dass wir mit dem Geld unserer Steuerzahler nicht dauerhaft andere Länder retten, die nicht willens und in der Lage sind, ihre eigenen Problem beim Schopf zu packen".