Familienpolitik : Ministerin Schröder will mehr Zeit für Familien

Familien haben dem neuen Familienbericht zufolge zu wenig Zeit für ihre Kinder. Familienministerin Schröder will das ändern und verwirft Zweifel zur Lage der Kita-Plätze.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder will sich dafür einsetzen, dass Familien mehr Zeit füreinander haben. "Zeit ist die Leitwährung unserer Familienpolitik", sagte die CDU-Politikerin anlässlich der Veröffentlichung des achten Familienberichts. "Eltern brauchen Zeit, um ihre Kinder ins Leben zu begleiten, und sie brauchen Zeit, wenn Angehörige Unterstützung benötigen oder pflegebedürftig werden." 

Weiter sagte Schröder, Gesellschaftsstrukturen und Arbeitswelt seien mit den Bedürfnissen von Familien oft nicht vereinbar. Hier liege eine große Herausforderung, denn bei Müttern und Vätern rangiere der Wunsch nach mehr Zeit für die Familie vor dem Wunsch nach mehr Geld oder besserer Betreuung. Der Bericht der unabhängigen Sachverständigenkommission markiere den Einstieg in eine "Zeitpolitik für Familien".

63 Prozent der Väter und 37 Prozent der Mütter mit minderjährigen Kindern können sich nach eigenen Angaben aus Zeitgründen zu wenig um ihren Nachwuchs kümmern. Danach stehen 40 Prozent der Familien mit Kindern "oft oder immer" unter Zeitdruck. Bei alleinerziehenden Müttern steht sogar jede zweite unter einem solchen Dauerstress. Auch aus Sicht der Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren haben zwei Drittel ihrer Väter und ein Drittel der Mütter zu wenig Zeit für sie.

Frauen wünschen sich mehr Teilzeitstellen

Dem Bericht zufolge übernehmen immer noch Frauen den Großteil der Familien- und Erziehungsarbeit. Über zwei Drittel der Frauen (67 Prozent) geben an, sie seien für den überwiegenden Teil dieser Aufgaben verantwortlich. 28 Prozent der Frauen mit einer Teilzeitstelle würden gern mehr arbeiten, wenn dies besser mit der eigenen Familie vereinbar wäre. Dagegen arbeiten Väter oft mehr als ihren Wünschen entspricht. So machen 67 Prozent der Männer mit minderjährigen Kindern zumindest gelegentlich Überstunden.

Überstunden und eine Kultur der Dauerpräsenz bestimmen den Alltag der Beschäftigten
Vizechefin des Deutsche Gewerkschaftsbund Ingrid Sehrbrock

Die Ministerin verwies darauf, dass die Mehrheit der Mütter nach der Geburt schnell zurück in den Beruf wolle. Dieser Wunsch stimme aber mit den Öffnungszeiten der Kindertagesstätten nicht überein. Zudem gebe es einen großen Wunsch von Frauen nach Teilzeitstellen mit 30 bis 35 Stunden. Darüber hinaus müssten Zeitressourcen besser verteilt werden, indem etwa die ältere Generation stärker eingebunden werde. Möglichkeiten hierzu biete der neue Bundesfreiwilligendienst, bei dem sich auch Ältere engagieren könnten.

Der Chef des Sachverständigenrats, Gregor Thüsing, appellierte an Gewerkschaften und Arbeitgeber, Modelle zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiterzuentwicklen. "Familien-Zeit-Politik" müsse bei jedem Gesetz, jeder Tarifvereinbarung und anderen Regelungen ins Blickfeld rücken. Der Deutsche Gewerkschaftsbund sagte, der Schlüssel zu einer familienfreundlichen Arbeitswelt sei die Organisation der Arbeitszeit. "Überstunden und eine Kultur der Dauerpräsenz bestimmen den Alltag der Beschäftigten", beklagte Vizechefin Ingrid Sehrbrock.

Der Politik schlägt dem Sachverständigenrat vor, durch den Ausbau von Betreuungseinrichtungen und die Gestaltung der Arbeitszeit den Eltern mehr Zeitsouveränität zu geben. Arbeits- und Öffnungszeiten müssten aufeinander abgestimmt werden. Auch müsse das Potenzial älterer Menschen genutzt werden. Notwendig seien zudem "familienunterstützende Dienstleistungen". Schröder kündigte an, die Regierung werde Anfang 2012 eine Stellungnahme vorlegen.

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Symbolpolitik.

Was nützt ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, wenn tatsächlich nur für 57% der Kinder Plätze bestehen?

Wir brauchen einen quantitativen Ausbau der Betreuungseinrichtungen und einen qualitativen Ausbau (keine Verwahranstalten). Und wir brauchen entsprechende Öffnungszeiten, die überhaupt eine Vollzeittätigkeit ermöglichen.

Dieser Ausbau sollte endlich forciert werden, d.h. aber auch, dass den klammen Kommunen die erforderlichen Mittel bereitgestellt werden.

Stattdessen beschert uns die Politik "symbolische Rechtsansprüche" zur Wählertäuschung.

Es geht um die Bedarfsquote

Nein, es wollen doch nicht 100% der Eltern für ihre Kinder zwischen 0-3 Jahre einen Kita-Platz. Im Gegenteil, der Großteil kümmert sich noch immer selbst um die Kinder (Zumindest zwischen 0-2). Relevant wird es zwischen 2-3 Jahren, hier fehlen noch einige Plätze.

SPD-Ude macht hier Wahlkampf. Es sollen 750.000 Plätze geschaffen werden, das reicht im Bundesdurchschnitt für rund 38% der Kinder (Zwischen 0 und 3!). Gemessen wurde ein Bedarf (zwischen 0-3) von rund 39%, da ist man slo nah dran. Dass man dabei zwischen 2-3 Jahren z.B. in München 80% braucht ist berücksichtigt, weil man dafür zwischen 0-1 in Regen nur 1 Prozent braucht. Diese ganzen Zahlenspielereien sind deshalb völliger Blödsinn, da werden Birnen (Bedarf für 2-Jährige in München) mit Äpfeln verglichen (Durschnittswert bundesweit)

Ja, aber...

Das sehe ich im Prinzip auch so, der Bedarf steigt mit dem Alter des Kindes. Viele Eltern wollen ihre Kinder unter einem Jahgr selbst betreuen. Dies darf bitte jeder selbst entscheiden. Man müsste den Bedarf also für jedes Lebensjahr genau ermitteln.

Als in einer westdeutschen Großstadt Lebender kann ich Ihnen aber aus eigener Anschauung versichern, dass es nicht genug Plätze ab 2 Jahren gibt, obwohl es einen Rechtsanspruch darauf gibt, ein echter Witz. Selbst die kirchlichen Einrichtungen sind "dicht". Die Alternative sind zum Teil sehr teure private Einrichtungen.

Dieses Problem haben nicht nur wir, sondern auch viele unserer Bekannten.

Wenn der Krippenplatz die einzige Möglichkeit ist

um die staatliche Subvention abzugreifen und alle anderen Möglichkeiten wie die Selbstbetreuung der Kinder bis zum 3. Lebensjahr oder Tagesmütter weder finanziell noch ideell unterstützt werden, dann wird natürlich diese Art von Freibier auch genutzt werden. Wenn Alkohol die einzige Freizeitbeschäftigung wäre, um dem tristen Alltag zu entkommen, würde Alkoholismus wie einst in der SU ein großes Problem sein, und natürlich gibt es Workoholiker ebenso wie Hedonisten, allesamt Menschen, die verlernt haben wirklich Mensch im positiven Sinne zu sein. Was daran so toll sein soll, den ganzen Tag außer Haus irgendeinen Job auszuüben, vielfach ist dessen Sinn ja zumindest aus ökologischer Sicht durchaus zu hinterfragen, erschließt sich mir nicht unbedingt. Warum soll es zudem eine gesellschaftlich nützliche Tätigkeit sein, wenn ich die Kinder anderer Leute recht und schlecht verwahre, aber nicht, wenn ich meine eigenen Kinder gut und mit viel Liebe wenigstens die ersten 3 Jahre betreue, obwohl gerade die moderne Wissenschaft Krippen als schädlich fürs Kind brandmarkt.

Fein gesagt, liebe Ministerin und wenn ich lese:

"Eltern brauchen Zeit,....." für Kindererziehung und Angehörigenpflege, fällt mir als voll erwerbstätige Mutter die Frage ein 'und woher kommt dann das Geld?'

Wenn ich teilzeit erwerbstätig bin, habe ich weniger Geld, weniger Rente, weniger Ersatzleistung bei Arbeitslosigkeit und das wird bei dieser netten Zeit-Idee ausser Acht gelassen.

Zeit ist Geld!

Als Mutter und Freiberuflerin kann ich ehrlich gesagt dieses ganze Geschwätz nicht mehr hören.

"Die Frauen wollen lieber Zeit als Geld" ist doch das, was uns die liebe kleine Ministerin da wieder unterschieben will.

Eigentlich ist doch der Mini- oder Teilzeit-Job die Falle, die Alleinerziehende an Hartz IV und Verheiratete in dieses unsägliche III/V-Splitting schiebt.

Eben weil es so ist, dass die Kinderbetreuung nur lückenhaft(8-12 oder 8-16.30 und Freitags nur bis 12 Uhr) gewährleistet werden kann.

Natürlich wünschen sich alle Eltern ZEIT für Spiel und Spass mit ihren Kindern. Aber wie wünschen sich auch das nötige Geld dazu.
Denn Zeit ist nunmal Geld.
Und zwar gerade, wenn es um Kinder geht, nicht zu knapp.

Leider ist es immer noch so, dass vor allem die Frauen die Kompromisse machen und ihren guten Ausbildungsjob an den Nagel hängen, um Teilzeit Kinder zu betreuen und nen unqualifizierten Minijob zu machen.
Mit "Zeit für Kinder" hat das in der Regel wenig zu tun, eher mit der Resignation vor den Stolpersteinen.

Ich selbst habe einen 10jährigen Sohn und während Schwangerschaft und ab 5 Tage nach der Geburt "durchgearbeitet" - in Vollzeit, als Selbständige mit dem dicken Zeh in der Kinderwiege, um beim Tippen das Kind zu schaukeln.

Deshalb weiß ich, wie hart das ist und wie oft man am Rand seiner Kräfte und Nerven ist.
Die wenigsten Frauen sind da "scharf drauf".

Also wählen sie das kleinere Übel: Weniger Arbeit, weniger Zeit, weniger Geld. Traurig.

Ich will natürlich niemanden bekehren,

aber der Satz:
"Eigentlich ist doch der Mini- oder Teilzeit-Job die Falle, die Alleinerziehende in Hartz IV und Verheiratete in dieses unsägliche III/V-Splitting schiebt."
stößt mir schon etwas auf!

Für viele Familien, meine eigene eingeschlossen, ist es gerade dieses "unsägliche III/V-Splitting" dass beides ermöglicht, nämlich einerseits Geld und andererseits Zeit für die Kinder.

Der "Trick" dabei: Innerhalb der Familie gibt es eine weitgehende aber nicht ausschließliche Arbeitsteilung: Einer ist für das Geld heranholen zuständig und einer für die Betreuung der Kinder. Bei meinen Eltern, meinen Großeltern, meinen Urgroßeltern und vermutlich auch schon bei meinen Ururgroßeltern gab es auch schon diese Arbeitsteilung.

In unserer "modernen" Zeit scheint das Wissen darüber, dass Familie so funktionieren kann, leider weitgehend verloren gegangen zu sein.
Heutzutage arbeiten lieber beide Eltern voll durch und sind deshalb schon mit einem Kind oft "am Rand ihrer Kräfte und Nerven".

Aber wie gesagt: Ich will niemanden bekehren. Jede/r wie er/sie will!

Mein lieber Herr Wendtland...

... warum bitte aber ist es so, dass ich als Vollzeit arbeitende Mutter (die ja auch genauso die Kindererziehung und den Haushalt machen muss, nur SCHNELLER) mit IV/IV bestraft werde, was faktisch der Besteuerung von Kinderlosen - bis auf das Kindergeld - entspricht?

Was macht Ihre Frau denn "wertvoller" als mich?

Oder was macht meinen Mann weniger wert als Sie?

Auch der engagiert sich übrigens vorbildlich in Haushalt und Familie, was Ihnen - zumindest zeitweilig - ja erspart bleibt.

III/V ist ein Schlag ins Gesicht aller fleißigen Doppelverdiener mit Kindern. Denn es zeigt, dass arbeitende Frauen "bestraft" werden sollen.

Übrigens arbeite ich nicht, weil ich mich selbst verwirkliche oder vor der Hausarbeit "drücke", ich arbeite, weil ich zum einen eine große Familie mit finanziere und zum anderen einen Job mache, den nicht viele können und wo ich "gebraucht" werde - übrigens auch im karitativen Bereich zum Nutzen einer ganzen Menge armer Familien, die nicht so arbeitskräftig sind, wie meine eigene Familie.

@gustav:

"Bei meinen Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und bei meinen Ururgroßeltern gab es auch schon diese Arbeitsteilung. In unserer "modernen" Zeit scheint das Wissen darüber, dass Familie so funktionieren kann, leider weitgehend verloren gegangen zu sein."
Das Wissen ist sicher nicht verloren gegangen. Es war früher üblich, dass Frauen zu Hause geblieben sind. Früher mussten die Frauen ihre Ehemänner um Erlaubnis bitten, um arbeiten gehen zu dürfen! Die Zeiten haben sich geändert. Frauen wollen nicht nur aufs Mutterdasein reduziert werden, so wie Väter auch nicht aufs Vaterdasein. Frauen wollen arbeiten, weil sie mit ihrem Verstand mehr anfangen können, als den ganzen Tag nur mit dem Kind zu spielen. Nicht, dass das was Schlechtes ist - im Gegenteil und für eine Zeitlang (Erziehungsjahr) auch eine super Sache, die sicher viele Frauen genießen! Aber in dieser Zeit merken viele Frauen auch, dass sie nicht mehr richtig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Sie haben nichts anderes mehr zu berichten, wenn der Mann nach Hause kommt, als vom Tagesablauf mit Kind. Das erfüllt viele Frauen nicht. Genauso wie es viele Männer nicht erfüllen würde, nicht mehr arbeiten zu gehen um Kinder zu betreuen. Die Mischung macht’s - deswegen möchten viele Frauen Teilzeit arbeiten. Man bekommt von beruflicher Seite Bestätigung UND hat genug Zeit fürs Kind! Und bei Vielen kommt natürlich der finanzielle Aspekt hinzu. Nicht jede Familie kann es sich leisten, dass ein Partner zu Hause bleibt...