Die Linke will künftig den Konsum aller Drogen erlauben. Auf dem Erfurter Parteitag beschlossen die Delegierten im Rahmen der Beratungen über das neue Parteiprogramm einen Antrag, in dem "langfristig eine Legalisierung aller Drogen" verlangt wird. Dies sei im Zuge einer "rationalen und humanen Drogenpolitik" erforderlich.

Im Vorstandsentwurf für das Parteiprogramm war nur von der Legalisierung weicher Drogen wie beispielsweise Cannabis die Rede gewesen. Dies revidierten die Delegierten. Der Änderungsantrag kam vom Bundestagsabgeordneten Frank Tempel, dem drogenpolitischen Sprecher der Linken und Martina Bunge, der gesundheitspolitischen Sprecherin.

Frank Tempel sagte gegenüber ZEIT ONLINE: "Die Unterteilung in harte und weiche Drogen wird auch von Wissenschaftlern angezweifelt. Schließlich können auch Alkohol und Cannabis weitreichende gesundheitliche Folgen haben". Jedoch bedeute die Forderung nach der Legalisierung aller Drogen "keinesfalls", dass Kokain und Heroin nach dem Willen der Linken künftig in Supermärkten verkauft werden soll.

"Die Drogen sollen nur von Stellen mit der entsprechenden fachlichen Qualifikation ausgegeben werden, denkbar sind zum Beispiel Apotheken". Es gebe strenge Verbraucherschutzregeln in Deutschland, die würden natürlich auch bei der Abgabe harter Drogen gelten. Zudem könne man über eine Beratungspflicht für Verkäufer und Käufer diskutieren.

Tempel geht es eigenen Angaben zufolge vor allem darum, den illegalen Markt für Drogen aller Art abzuschaffen. Dort würden oft unreine Mittel angeboten, die gesundheitsgefährdend seien. Auf die Frage, warum er diese Überlegungen nicht ins Parteiprogramm aufgenommmen habe, sagte Tempel: "Die Details können wir später regeln, es ging um ein grundsätzliches Bekenntnis zu einer neuen Drogenpolitik."

Bei anderen Linken stieß die Entscheidung auf Unverständnis. "Das ist ein sehr komplexes Thema und nicht nur in einem Satz abhandelbar", sagte beispielsweise Berlins Innensenator Harald Wolf gegenüber ZEIT ONLINE. Auch andere Delegierte äußerten sich ähnlich. "Nun ist ja klar, dass wir erstmal nicht an die Regierung kommen", sagte eine Linke aus Berlin: "Vielleicht ist das an diesem Punkt auch gut so."

Der Beschluss ist Teil des ersten Grundsatzprogramms der Linken, das vier Jahre lang vorbereitet wurde. Am Nachmittag sollen die Delegierten über das Programm abstimmen. Partei- und Fraktionsführung haben eine Zielmarke von 90 Prozent Zustimmung gesetzt.