Sahra Wagenknecht Antikapitalistisches Harmoniebedürfnis

Die Linken-Führung will die Streits der letzten Monate vergessen machen. Dabei helfen könnte der heimliche Star des Parteitags - Sahra Wagenknecht. Von L. Caspari, Erfurt

Gesine Lötzsch will heute kämpfen. Feierlich in Schwarz gekleidet steht die so umstrittene Linken-Chefin auf der Parteitagsbühne – hinter ihr ein knallroter Banner mit den weißen Linke-Lettern: "Freiheit. Würde. Solidarität." "Wir haben uns zusammengefunden, um Geschichte zu schreiben", ruft Lötzsch ins Mikrofon, ihre Worte dröhnen ziemlich laut und übersteuert durch die Messehalle: "Unser Erfurter Programm wird dieses Land verändern." Das ist eine große Ankündigung, doch wirklich frenetisch klatschen die 568 Delegierten nicht.

Von "Wegen zum Kommunismus" spricht Lötzsch diesmal nicht, aber sie sagt: "Für uns ist der Kapitalismus nicht das Ende der Geschichte." Dafür bekommt sie etwas mehr Applaus. Für die Parteichefin ist es kein einfacher Auftritt, sie wirkt nervös. Ein wenig hektisch spricht sie sich durch ihr Redemanuskript. Solidarität statt Kapitalismus, so lautet die Devise der Parteichefin. Kohl, Schröder, Merkel, die seien doch alle dem "neoliberalen" Mantra gefolgt. Die Bundesregierung sei doch nicht solidarisch mit den Griechen, sondern nur mit den Gläubigern, den deutschen und französischen Banken.

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Partei bekommt ihr erstes Grundsatzprogramm

Die Linke ist in Erfurt zusammengekommen, um über ihr allererstes Grundsatzprogramm abzustimmen. Die Partei will darin Wege zum "demokratischen Sozialismus" aufzeigen: Öffentlich-rechtliche Banken, ein solidarisches Gesundheitssystem, eine "dramatische Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit", ein Nein zu Kampfeinsätzen der Bundeswehr. Dass die junge Partei sich nun vier Jahre nach Gründung endlich ein inhaltliches Gerüst geben wird, ist eigentlich eine gute Nachricht für die Genossen.

Doch nicht nur der Programmentwurf war lange umstritten: Die Linke steckt seit Monaten in der Krise. Es gab Negativschlagzeilen durch internen Streit, seltsame Mauerbau-Diskussionen und unkritische Glückwunschschreiben an Kubas Diktator Fidel Castro. Das alles verschreckte die Wähler: Während in Deutschland Zehntausende gegen "die Banken" und zügellose Finanzmärkte demonstrieren, sprich in diesen für eine antikapitalistische Partei eigentlich goldenen Zeiten, erreicht die Linkspartei aktuell nur sechs Prozent Zustimmung in der Bevölkerung.

Viele glauben, dass die schwache Führung von Lötzsch und ihrem Co-Vorsitzenden Klaus Ernst den Schlamassel noch verstärkt hat. Lötzsch kennt diese Diskussionen. Direkt spricht sie nicht darüber in ihrer Rede, auch Selbstkritik fehlt. Doch dann ruft sie folgenden Satz ins Mikrofon: "Die Empörung über andere Genossen sollte in unserer Partei nie größer sein als die Empörung über die sozialen Verhältnisse." Die Delegierten lachen.

"Dieser Satz hat mir gefallen", sagt Parteivize Halina Wawzyniak im Anschluss an Lötzschs Rede ZEIT ONLINE: "Wir sollten alles daran setzen, geschlossen aus diesem Parteitag hervorzugehen." Wawzyniak hat daher ihren Gegenentwurf zum Parteiprogramm zurückgezogen. Sie hatte diesen eigentlich erarbeitet, weil sie das Gefühl hatte, dass sich die Partei mit ihrem geplanten Programm in die Schmollecke zurückziehe und etwaige Regierungsbeteiligungen erschwere. Jetzt sagt Wawzyniak, der überarbeitete Entwurf des Parteivorstandes komme ihr schon eher entgegen. Vor allem wolle sie die Debatte nicht weiter anfeuern.

Die Vizevorsitzende fügt sich damit dem Wunsch aller Führungspersönlichkeiten. Klaus Ernst, Gregor Gysi, Oskar Lafontaine, alle hatten vor dem Parteitag zur Geschlossenheit gemahnt. Die Linke, so formulierte es Ernst, solle nun endlich durch Inhalte und nicht durch Querelen punkten.

Leser-Kommentare
  1. ...deutlich mehr Einfluss in ihrer Partei. Von Herzen.

    20 Leser-Empfehlungen
    • anyweb
    • 21.10.2011 um 19:35 Uhr

    Meiner Meinung nach ist Frau Wagenknecht eine der wenigen im deutschen Politikbetrieb, die finanzpolitischen etwas von der Materie verstehet. Mit ihr an der Spitze der Linken, können die weit kommen. Es wird Zeit, dass die alten Roten (Lötzsch, Ernst, Gysi und auch Lafontaine) endlich Platz für eine neue linke Struktur machen.

    14 Leser-Empfehlungen
  2. das die Linke nun endlich den Freiheitsbegriff für sich entdeckt hat. Dazu zählt ja nicht nur die geistige Freiheit..sondern auch ein sachliches Abwägen von Argumenten..- so das man tatsächlich bessere "Systeme" entwickeln kann..

    Und mal ganz ehrlich...das Poker- oder Monopolyspiel..,in welchen der gewinnt, der am Ende das gesamte Kapital auf sich vereinigt, sollte doch schnellstmöglichstins Land der Märchen und Mythen oder eben in ein Spiel zurück....,
    Denn so ein Golom, sich über seinen Schatz "freut" ist nun wirklich nicht soooo nachahmenswert.
    Und eine Dagobert Duck, der seine Verwandten "darben" läßt ist mir persönlich auch eher suspekt als sympathisch.

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    • Derika
    • 21.10.2011 um 22:55 Uhr

    Aber wahrscheinlich lesen viele zum ersten Mal davon in den Medien, die berichten da eher ungern drüber.

    Wenn sich wirklich etwas in der Gesellschaft ändern soll, dann braucht es weniger bestimmte Parteien in der Regierung als viel mehr viele Menschen in Bewegung. Das gilt für den Atomausstieg nicht weniger wie für die Bürger/Grundrechte und die sozialen Rechte jedes Einzelnen.

    Wenn sich wirklich in der Gesellschaft etwas ändern soll, dann braucht es mehr, als wohlwollendes Applaudieren von Medien und Politik. Es braucht die Überzeugungsarbeit in sich in die öffentlichen Debatten einbringen zu können.

    Wer sich allerdings auf diese Parteien verlässt, wird von diesen weder ernst noch wahrgenommen. In diesem Sinne empfinde ich es als ein gutes Zeichen, wenn sich die aktuellen politischen Bewegung vor keiner Partei Karren spannen lassen, sondern die Parteien vor sich her treiben.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/wg

    • Derika
    • 21.10.2011 um 22:55 Uhr

    Aber wahrscheinlich lesen viele zum ersten Mal davon in den Medien, die berichten da eher ungern drüber.

    Wenn sich wirklich etwas in der Gesellschaft ändern soll, dann braucht es weniger bestimmte Parteien in der Regierung als viel mehr viele Menschen in Bewegung. Das gilt für den Atomausstieg nicht weniger wie für die Bürger/Grundrechte und die sozialen Rechte jedes Einzelnen.

    Wenn sich wirklich in der Gesellschaft etwas ändern soll, dann braucht es mehr, als wohlwollendes Applaudieren von Medien und Politik. Es braucht die Überzeugungsarbeit in sich in die öffentlichen Debatten einbringen zu können.

    Wer sich allerdings auf diese Parteien verlässt, wird von diesen weder ernst noch wahrgenommen. In diesem Sinne empfinde ich es als ein gutes Zeichen, wenn sich die aktuellen politischen Bewegung vor keiner Partei Karren spannen lassen, sondern die Parteien vor sich her treiben.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/wg

    • Harzer
    • 21.10.2011 um 19:40 Uhr

    ... Einheitsparteienfront FDPCSDUSPDGRÜN brechen gerade den letzten Werkzeuge aus ihren Werkzeugkästen an der Krise die Zähne aus ... .

    Gut möglich, daß die Linke bald die einzige ist, die überhaupt noch über funktionsfähiges Werkzeug verfügt ... ... .

    11 Leser-Empfehlungen
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    eigentlich benutzen die - von Ihnen sehr nett genannten - "Einheitsparteien" mit ihren Bankenverstaatlichungen und (Verlust)Sozialisierungen die Werkzeuge von der Linken, wohingegen Die Linke derzeitig eigentlich die einzige "neoliberale" Partei ist und immer von Bankenpleiten (somit auch von Selbstregulation) spricht...

    Ganz seltsamer Politikzirkus der da abläuft, und zwar im ganzen Spektrum!

    eigentlich benutzen die - von Ihnen sehr nett genannten - "Einheitsparteien" mit ihren Bankenverstaatlichungen und (Verlust)Sozialisierungen die Werkzeuge von der Linken, wohingegen Die Linke derzeitig eigentlich die einzige "neoliberale" Partei ist und immer von Bankenpleiten (somit auch von Selbstregulation) spricht...

    Ganz seltsamer Politikzirkus der da abläuft, und zwar im ganzen Spektrum!

  3. An ihrer Vergangenheit bemessen, ist es klar. Mauer, 1953,..., im Osten war nichts gut. Vor allem konnte man für falsche Worte in Haft kommen. Aber dies haftet auch vielen CDU Mitgliedern aus dem Osten an. Das schlimme ist, dass die Linken die einzige Partei mit klarer Position sind, denen man auch zutraut diese Positionen auch nach den Wahlen nicht vergessen zu haben. Zu denken ist da an die schmierigen Steinmeier, Gabriel, Merkel, Westerwelle,.... Aber was die Sache eigentlich richtig zum Dilemma macht, ist die Tatsache, dass über eine langfristige Richtung für die BRD gar nicht diskutiert wird, in gar keiner Partei. Nur Geschwafel. Dabei weiß jeder Bürger, dass Schulden nicht weiter möglich sind, es also stark gespart werden müsste und in der EU muss eine starke Position für die BRD geschaffen werden sollte. Stärker als die von Frankreich. Deutschland muss endlich seine Standpunkte und Argumente stark vertreten und nicht immer nur zurücktreten hinter die Interessen anderer Staaten.

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    Was verbindet man denn mit der CDU CSU FDP? Braune Mitglieder bis in die 70iger, der Spiegelherausgeber in Haft wegen "falscher Worte". Hart wieder aufgebaute staatliche Einrichtungen ausverkauft fuer ein Apfel und ein Ei. Und als i Punkt die Phrase "Es war nichts gut". Zum Glueck tut ein reifes Gehirn sowas sofort in den mentalen Papierkorb. Bei Worten wie IMMER NICHTS oder NUR bekomme ich Gaensehaut...

    Zeit das Sie aus der Blockade seit Datum X wieder ins lernen kommen und somit nicht so wirken als seien Sie der allmaechtige Denker

    Was verbindet man denn mit der CDU CSU FDP? Braune Mitglieder bis in die 70iger, der Spiegelherausgeber in Haft wegen "falscher Worte". Hart wieder aufgebaute staatliche Einrichtungen ausverkauft fuer ein Apfel und ein Ei. Und als i Punkt die Phrase "Es war nichts gut". Zum Glueck tut ein reifes Gehirn sowas sofort in den mentalen Papierkorb. Bei Worten wie IMMER NICHTS oder NUR bekomme ich Gaensehaut...

    Zeit das Sie aus der Blockade seit Datum X wieder ins lernen kommen und somit nicht so wirken als seien Sie der allmaechtige Denker

  4. eigentlich benutzen die - von Ihnen sehr nett genannten - "Einheitsparteien" mit ihren Bankenverstaatlichungen und (Verlust)Sozialisierungen die Werkzeuge von der Linken, wohingegen Die Linke derzeitig eigentlich die einzige "neoliberale" Partei ist und immer von Bankenpleiten (somit auch von Selbstregulation) spricht...

    Ganz seltsamer Politikzirkus der da abläuft, und zwar im ganzen Spektrum!

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  5. Bleibt zu hoffen, dass die Ramelows, Wawzyniaks und Bartschs der Partei Die Linke jetzt auf Dauer etwas begriffen und gelernt haben und nicht bei der nächsten Gelegenheit umfallen oder gar wieder stänkern oder spalten. Dann wählen die Bürger nämlich lieber die Piraten.

    Jetzt müssen die Linken beweisen, dass sie wirklich etwas drauf haben. Sonst braucht sie niemand. Was die Linke braucht, sind mehr Menschen vom Format der Frau Wagenknecht.

  6. 8. Zitat

    "Privates Kapital tendiert dazu, in wenigen Händen konzentriert zu werden - teils aufgrund der Konkurrenz zwischen den Kapitalisten und teils, weil die technologische Entwicklung und die wachsende Arbeitsteilung die Entstehung von größeren Einheiten auf Kosten der kleineren vorantreiben. Das Ergebnis dieser Entwicklungen ist eine Oligarchie von privatem Kapital, dessen enorme Kraft nicht einmal von einer demokratisch organisierten politischen Gesellschaft überprüft werden kann. Dies ist so, da die Mitglieder der gesetzgebenden Organe von politischen Parteien ausgewählt sind, die im Wesentlichen von Privatkapitalisten finanziert oder anderweitig beeinflusst werden und in der Praxis die Wähler von der Legislative trennen. Die Folge ist, dass die ,,Volksvertreter" die Interessen der unterprivilegierten Schicht der Bevölkerung nicht ausreichend schützen. Außerdem kontrollieren unter den vorhandenen Bedingungen die Privatkapitalisten zwangsläufig direkt oder indirekt die Hauptinformationsquellen (Presse, Radio, Bildung). Es ist deshalb äußerst schwierig und, für den einzelnen Bürger in den meisten Fällen fast unmöglich, objektive Schlüsse zu ziehen und in intelligenter Weise Gebrauch von seinen politischen Rechten zu machen. "

    Albert Einstein

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    nichts mehr hinzufügen.
    Also wurde offensichtlich alles bereits erklärt und offengelegt.

    Vielen Dank für dieses Zitat

    Beste Grüße

    P.S. ich hoffe mein Eindruck, dieser Frau sehr viel zu zu trauen zu können, wird nicht bitter enttäuscht ..

    "Außerdem kontrollieren unter den vorhandenen Bedingungen die Privatkapitalisten zwangsläufig direkt oder indirekt die Hauptinformationsquellen (Presse, Radio, Bildung)"

    In den sozialistischen/kommunistischen Staaten gab es bis jetzt immer die freieste Presse überhaupt. Davon könnten sich die anderen ruhig mal eine Scheibe von abschneiden.

    Ich hoffe man konnte den Sarkasmus erkennen...

    Einstein-Zitat bedarf keines Kommentars.Es ist die prophetische Beschreibung der katastrophalen Situation, in der wir uns befinden.

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    Also wurde offensichtlich alles bereits erklärt und offengelegt.

    Vielen Dank für dieses Zitat

    Beste Grüße

    P.S. ich hoffe mein Eindruck, dieser Frau sehr viel zu zu trauen zu können, wird nicht bitter enttäuscht ..

    "Außerdem kontrollieren unter den vorhandenen Bedingungen die Privatkapitalisten zwangsläufig direkt oder indirekt die Hauptinformationsquellen (Presse, Radio, Bildung)"

    In den sozialistischen/kommunistischen Staaten gab es bis jetzt immer die freieste Presse überhaupt. Davon könnten sich die anderen ruhig mal eine Scheibe von abschneiden.

    Ich hoffe man konnte den Sarkasmus erkennen...

    Einstein-Zitat bedarf keines Kommentars.Es ist die prophetische Beschreibung der katastrophalen Situation, in der wir uns befinden.

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