Parteitagsantrag CDU-Mittelstand wehrt sich gegen Mindestlohn

Der CDU-Vorstoß für verbindliche Lohnuntergrenzen stößt auf Widerstand bei den Vertretern des Mittelstandes in der Partei. Die Fraktionsführung versucht, Kritiker zu beruhigen.

Gebäudereiniger auf dem Dach des Dresdner World Trade Center

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Der Plan, auf dem kommenden CDU-Parteitag über einen allgemeinen Mindestlohn abzustimmen, stößt im Wirtschaftsflügel der Partei auf Widerstand. Die angestrebte Festlegung einer Lohnuntergrenze sei "ordnungspolitisch nicht vertretbar, damit können wir nicht leben", sagte der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung der Union, Hans Michelbach (CSU), dem Kölner Stadt-Anzeiger. Ein branchenübergreifender Mindestlohn widerspreche den Prinzipien der Marktwirtschaft.

Führende CDU-Vertreter fürchten eine Schwächung der Tarifautonomie und betonen deshalb deren Bedeutung. Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) sagte, über eine gemeinsame Lohnuntergrenze würden weiterhin Arbeitgeber und Gewerkschaften gemeinsam befinden: "Wir haben nicht umgedacht, wir vollziehen keine Wende", sagte er der Passauer Neuen Presse. Voraussetzung für einen Mindestlohn sei, dass dieser nach dem Prinzip der Tarifautonomie zustande komme. Ähnlich hatte sich Fraktionschef Volker Kauder geäußert.

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Beim CDU-Bundesparteitag im November soll über den Plan abgestimmt werden, eine Lohnuntergrenze für alle Branchen einzuführen, die bislang keine Tarifverträge haben. Bestimmen soll diese Untergrenze jeweils eine Kommission der Tarifpartner. Die Höhe soll sich am Lohnniveau der Zeitarbeit orientieren. Der Mindestlohn dieser Branche liegt bei 6,89 Euro pro Stunde im Osten und bei 7,79 Euro im Westen.

Entwickelt hat den Plan die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA). Ihr Vorsitzender Karl-Josef Laumann äußerte sich optimistisch: "Ich bin sicher, dass wir die Mehrheit der Delegierten dafür gewinnen" sagte er. Ein Ja zum Mindestlohn beschädige die Identität seiner Partei keineswegs: "Es war nie das Allerheiligste der CDU, dass alle für 4,50 Euro arbeiten sollen. Hier findet eine programmatische Erweiterung der CDU statt." Inzwischen habe sich bei vielen in der Union die Erkenntnis durchgesetzt, dass es nicht in Ordnung sei, "wenn Arbeitnehmer acht Stunden am Tag arbeiten und davon nicht leben können".

Unionsfraktionschef Kauder sagte, Arbeitgeber und Gewerkschaften müssten sich auf eine Lohnuntergrenze verständigen, die Politik könne dabei aber "durchaus einen Schritt machen". CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe ergänzte, es gehe "nicht um einen politischen Mindestlohn, es geht nicht um Lohnfindung im Parlament, sondern zwischen den Tarifparteien". Man müsse jedoch etwas für den Bereich der nicht tariflich gebundenen Arbeitsplätze tun: "Da greifen bisher die Regelungen nicht ausreichend."

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte im Deutschlandfunk, der Vorstoß stelle eine "logische Weiterentwicklung innerhalb der sozialen Marktwirtschaft" dar. Die Tarifbindung nehme ab, die Lohnentwicklung gehe auseinander: "Oben nehmen die Löhne zu, die unteren Lohngruppen stagnieren, zum Teil sind die Realeinkommen gesunken." Wenn Menschen mit Vollzeitbeschäftigung ihren Lebensunterhalt nicht sichern könnten, "dann entwertet das meines Erachtens Arbeit", sagte von der Leyen.

DGB erwartet baldigen "Durchbruch"

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hofft, dass noch in dieser Wahlperiode Mindestlöhne für alle Branchen gesetzlich geregelt werden können. "Ich habe das Gefühl, wir stehen kurz vor dem Durchbruch", sagte Verbandschef Michael Sommer. Er glaube, dass sich nach dem CDU-Parteitag sehr viel tun wird.

Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, sprach von einer "überlegenswerten" Idee. Die Tarifpartner dürften "nicht aus der Verantwortung entlassen werden", verlangte die CSU-Politikerin. FDP-Generalsekretär Christian Lindner warnte den Koalitionspartner vor einem "Linksschwenk", zeigte sich aber gesprächsbereit. Das Modell der CDU sei eine Diskussion wert, sagte er der ARD. Zugleich betonte Lindner: "Für die FDP ist klar: Politiker dürfen nicht über Löhne entscheiden."

Die Opposition hatte den Plan der CDU begrüßt. SPD-Bundestagsfraktionsvize Hubertus Heil zog aber die Ernsthaftigkeit des Kurswechsels in Zweifel. "Es ist ja schön, wenn die CDU sich auch in dieser Frage sozialdemokratischen Positionen nähert, aber ich sehe nicht, wie sie sich in dieser Koalition damit durchsetzen könnte", sagte Heil.

 
Leser-Kommentare
  1. [...]
    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    19 Leser-Empfehlungen
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    Zur Zeit ist es so, dass einige "Unternehmen" massiv vom Staat indirekte Lohnsubventionen kassieren. Die erwirtschafteten Gewinne werden dann aber nicht an den Staat abgeführt, der die Arbeit bezahlt, sondern in die eigene Tasche gesteckt.

    Jeder, der Leistungen nach SGB II beziehen muss, muss sich vor den zuständigen Behörden nackt ausziehen - bei Unternehmen, die Hungerlöhne zahlen, die dann bei Vollzeitarbeit selbst 1-Personen-Haushalte dazu zwingen, ergänzendes ALG II zu beziehen, wird nicht nachgeschaut, WARUM dies so ist.

    Fakt ist: es gibt hier einen massiven Missbrauch, der zu Lasten des Sozialhaushaltes geht. Diesen unternehmerseitigen Missbrauch gilt es genauso zu bekämpfen, wie jeden anderen auch. Insofern ist der Ansatz von Angela Merkel hier absolut korrekt. Ebenso korrekt ist es, die Lohnuntergrenze von den Tarifparteien - hier: Bundesverband der Arbeitgeber und DGB-Gewerkschaften - aushandeln zu lassen.

    Die Gefahr, dass eine bundesweite Lohnuntergrenze Arbeitsplätze dauerhaft zerstört, sehe ich nicht, denn ein ehrlicher Wettbewerb definiert sich über die QUALITÄT eines Produktes - nicht über Mini-Löhne.

    Zur Zeit ist es so, dass einige "Unternehmen" massiv vom Staat indirekte Lohnsubventionen kassieren. Die erwirtschafteten Gewinne werden dann aber nicht an den Staat abgeführt, der die Arbeit bezahlt, sondern in die eigene Tasche gesteckt.

    Jeder, der Leistungen nach SGB II beziehen muss, muss sich vor den zuständigen Behörden nackt ausziehen - bei Unternehmen, die Hungerlöhne zahlen, die dann bei Vollzeitarbeit selbst 1-Personen-Haushalte dazu zwingen, ergänzendes ALG II zu beziehen, wird nicht nachgeschaut, WARUM dies so ist.

    Fakt ist: es gibt hier einen massiven Missbrauch, der zu Lasten des Sozialhaushaltes geht. Diesen unternehmerseitigen Missbrauch gilt es genauso zu bekämpfen, wie jeden anderen auch. Insofern ist der Ansatz von Angela Merkel hier absolut korrekt. Ebenso korrekt ist es, die Lohnuntergrenze von den Tarifparteien - hier: Bundesverband der Arbeitgeber und DGB-Gewerkschaften - aushandeln zu lassen.

    Die Gefahr, dass eine bundesweite Lohnuntergrenze Arbeitsplätze dauerhaft zerstört, sehe ich nicht, denn ein ehrlicher Wettbewerb definiert sich über die QUALITÄT eines Produktes - nicht über Mini-Löhne.

    • 1_2_3
    • 31.10.2011 um 7:53 Uhr

    "Ein branchenübergreifender Mindestlohn widerspreche den Prinzipien der Marktwirtschaft"

    Mir fallen ganz spontan noch weitere Prinzipien der Marktwirtschaft ein, dagegen hat man sich bei der Einführung aber nicht so vehement gewehrt.

    28 Leser-Empfehlungen
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    • Chali
    • 31.10.2011 um 8:16 Uhr

    Hier ist die Neue Soziale Markwirtschaft gemeint.

    Sie wissen schon: Verluste sozialisieren.
    "Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt", nicht wahr.

    • Derika
    • 31.10.2011 um 8:50 Uhr

    ...der Freiheit des Menschen.

    Sollten wir auch mal abschaffen. Schließlich regelt sich doch alles von selbst...

    • Chali
    • 31.10.2011 um 8:16 Uhr

    Hier ist die Neue Soziale Markwirtschaft gemeint.

    Sie wissen schon: Verluste sozialisieren.
    "Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt", nicht wahr.

    • Derika
    • 31.10.2011 um 8:50 Uhr

    ...der Freiheit des Menschen.

    Sollten wir auch mal abschaffen. Schließlich regelt sich doch alles von selbst...

  2. Der CDU-Mittelstand fürchtet, dass der Status Billiglohnland in der DDR 2.0 verloren geht. CDU = Corrupted Desecrate Union.

    11 Leser-Empfehlungen
    • R.B.
    • 31.10.2011 um 8:03 Uhr

    Die Diskussion ist uralt und dreht sich im Kreise. Selbstverständlich kann es nicht einen flächendeckenden Mindeslohn geben, wohl aber einen nach Branche und ggfs. Region (vgl. z.B. Ortszuschläge) bedifferenzierten. Gibt es ja alles schon in vielen Branchen.

    Es ist ja nicht so, dass ein branchenbezogener Mindeslohn nur schädlich für die Unternehmen ist. Er schützt Mitarbeiter u n d redliche Unternehmer vor dem Lohndumping der schwarzen Schafe einer Branche.

    Außerdem könnte man Geschäfte, Unternehmen, die sich an solche gesetztlichen Regelungen halten mit einem sichtbaren Logo "Fairer Lohn" ausstatten. Beim nächsten Einkauf würde ich darauf achten.

    Und nun macht einfach mal. Packt es an.

    16 Leser-Empfehlungen
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    Sicher kann es einen flächendeckenden Mindestlohn geben. Dies ist aus Volkswirtschaftlicher Sicht das einzig richtige und auch aus Betriebswirtschaftlicher Sicht macht eine allgemeine flächendeckende Lohnuntergrenze Sinn. Unternehmen die mit billig Löhnen kalkulieren und die Aufstockung einkalkulieren, gehöhren vom Markt entfernt. Das wäre soziale Marktwirtschaft.

    Damit immer wieder mit Geringverdienerbereichen innerhalb Deutschlands gezockt werden darf? - Wir hatten einmal eine soziale Marktwirtschaft, aber für deren Prinzipien mußte sich schon Ehrhardt gegen Adenauer innerhalb der CDU durchsetzen. Dann hat der Neoliberalismus dieses alles zerstört (diese Liebesehe CDU/CSU/FDP machte das noch einmal so richtig klar); und jetzt kommt zögerlich wieder ein bißchen die Idee eines Sozialen durch. - Das ist wenigstens ein Anfang, aber noch lange nicht das Ende für eine wieder soziale Marktwirtschaft.

    Sicher kann es einen flächendeckenden Mindestlohn geben. Dies ist aus Volkswirtschaftlicher Sicht das einzig richtige und auch aus Betriebswirtschaftlicher Sicht macht eine allgemeine flächendeckende Lohnuntergrenze Sinn. Unternehmen die mit billig Löhnen kalkulieren und die Aufstockung einkalkulieren, gehöhren vom Markt entfernt. Das wäre soziale Marktwirtschaft.

    Damit immer wieder mit Geringverdienerbereichen innerhalb Deutschlands gezockt werden darf? - Wir hatten einmal eine soziale Marktwirtschaft, aber für deren Prinzipien mußte sich schon Ehrhardt gegen Adenauer innerhalb der CDU durchsetzen. Dann hat der Neoliberalismus dieses alles zerstört (diese Liebesehe CDU/CSU/FDP machte das noch einmal so richtig klar); und jetzt kommt zögerlich wieder ein bißchen die Idee eines Sozialen durch. - Das ist wenigstens ein Anfang, aber noch lange nicht das Ende für eine wieder soziale Marktwirtschaft.

  3. @1: "Demokratie ist die Mischung von Lüge und Religion zur Ausbeutung und Vergewaltigung der Arbeitenden."

    Ganz so schlimm sehe ich es nicht. Natürlich ist viel Wasser den Fluss heruntergelaufen, und der tägliche Kleinkrieg stumpft ab. Ich hoffe aber, dass eine vernünftige Idee wie der Mindestlohn (in vielen Ländern erfolgreich eingesetzt) sich jetzt durchsetzt! Es könnte ein Schritt in die richtige Richtung werden.

  4. 6. ......

    [Ein branchenübergreifender Mindestlohn widerspreche den Prinzipien der Marktwirtschaft.]

    Als ob die Hartz-Gesetz, welcher aussagt das jeder Job angenommen werden muss, den Prinzipien der Marktwirtschaft nicht folgt.

    Imho müssen da auch Jobs angenommen werden, die die Lebenserhaltungskosten nicht decken (was nichts anderes heißt, dass die Menschen aufstocken müssen).

    Wer hat hier wohl wieder letztendlich den Druck? Doch nur der Arbeitnehmer.

    Eine ziemlich einseitige Regelung. Wo hier Marktwirtschaft anzutreffen ist.......

    • Chali
    • 31.10.2011 um 8:11 Uhr

    Das ist ja auch sehr verständlich.

    Schliesslich ist die Subventionierung der Arbeitslöhne Aufgabe der Abhängig Beschäftigten! Wfür zahlen die denn sonst ihre Sozaialabgaben?

    • Chali
    • 31.10.2011 um 8:16 Uhr

    Hier ist die Neue Soziale Markwirtschaft gemeint.

    Sie wissen schon: Verluste sozialisieren.
    "Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt", nicht wahr.

    11 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Marktwirtschaft"

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