Koalitionsverhandlungen in Berlin "Die Wähler sind beeindruckt von Wowereits hartem Auftreten"
Das Aus von Rot-Grün in Berlin habe keine Auswirkungen auf den Bund, sagt Forsa-Geschäftsführer Joachim Koschnicke im Interview. Allerdings seien die Grünen geschwächt.
ZEIT ONLINE: Herr Koschnicke, Rot-Grün in Berlin ist gescheitert. Renate Künast sagt, das werden die Grünen der SPD nicht vergessen. Ist nun ein rot-grünes Bündnis auch auf Bundesebene in Gefahr?
Joachim Koschnicke: Das glaube ich nicht. Eine Koalition hängt immer von den beteiligten Personen und möglichen inhaltlichen Streitpunkten ab. Aber es tut den Grünen natürlich nicht gut, dass ihre Spitzenkandidatin Künast, die ja auch Bundestagsfraktionschefin ist, so beschädigt aus dem Wahlkampf herauskommt.

geboren 1972, ist seit 2011 einer von drei Geschäftsführern des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Zuvor war er Büroleiter des CDU-Generalsekretärs und Bereichsleiter der Strategischen Planung der Bundespartei.
ZEIT ONLINE: Die Grünen betonen in letzter Zeit gerne ihre Eigenständigkeit, sie wollen das Koch-Kellner-Spiel in Koalitionen nicht mehr mitmachen. Doch sind sie vielleicht nicht gerade daran in Berlin gescheitert, dass sie dem stärkeren Koalitionspartner gegenüber zu kompromisslos, zu selbstbewusst auftraten?
Koschnicke: Die Grünen wären meiner Meinung nach generell gut beraten, ihre Positionierung nochmals zu überdenken. Gerade im Berlin-Wahlkampf sieht man ja, dass sie mit ihrem Anspruch gescheitert sind, jetzt selbst eine Regierende Bürgermeisterin – also eine Köchin – zu stellen. Hinzu kommt, dass die Grünen damit kämpfen, dass sie zunehmend etabliert auftreten und so linke Wähler an freche Alternativen wie die Piratenpartei verlieren. Viele Wähler verstehen außerdem nicht, wie eine Koalition an drei Kilometern Stadtautobahn scheitern kann. Das erschüttert die Beliebtheit der Partei. Ich denke, die Grünen werden sich für die Zukunft sehr genau überlegen, welche Fragen sie mit welcher Vehemenz in den Vordergrund rücken.
ZEIT ONLINE: Die Grünen erklären ihre harte Haltung zur A 100 mit dem hohen Gut der Glaubwürdigkeit: Sie haben dagegen Wahlkampf gemacht, also konnten sie die A 100 keinesfalls zulassen. Doch wie wird das beim Wähler honoriert, wenn am Ende eine Regierungsbeteiligung platzt und Schwarz-Rot auf jeden Fall die Autobahn baut? Hätten die Grünen aus Sicht der Bürger da nicht kompromissbereiter sein müssen?
Koschnicke: Ich glaube, dass die Wähler klar unterscheiden zwischen echten Haltungsfragen und ein paar Kilometern Autobahn. In echten Haltungsfragen sollte eine Partei nicht einknicken.
ZEIT ONLINE: Mit Rot-Grün ist ein vermeintliches Traumbündnis in Berlin an inhaltlichen Differenzen gescheitert. Inwiefern würde es helfen, wenn sich künftig nur noch Koalitionsbündnisse zur Wahl stellen, die ihr Programm vorab schon ausgearbeitet haben – inklusive aller Konflikte?
Koschnicke: In Deutschland würde ein Wahlkampf ohne eigenständiges Auftreten der Parteien wohl eher das Vertrauen in die politischen Akteure noch weiter verringern. Das würde zu einer geringen Wahlbeteiligung führen. Diesen zunehmenden Vertrauensverlust der Menschen in Parteien kann man nicht auflösen, indem man sich noch mehr inhaltlich annähert und Konturen verschwinden lässt.
ZEIT ONLINE: Ist Klaus Wowereit in der Wählergunst jetzt eigentlich beschädigt? Viele in Berlin haben schließlich SPD gewählt, um ein rot-grünes Bündnis zu bekommen. Und die Skepsis gegenüber den Christdemokraten ist gerade im linken Wählermilieu der Hauptstadt enorm...
Koschnicke: Da muss ich widersprechen. Die Bürger haben in erster Linie Klaus Wowereit gewählt. Auch die Wahlkampagne war ausschließlich auf ihn zugeschnitten, sozialdemokratische Inhalte sind völlig in den Hintergrund getreten. Wir wissen auch aus der Sozialforschung, dass Wowereit und nicht ein mögliches rot-grünes Bündnis das beherrschende Wahlargument für die Wähler der SPD gewesen ist. Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass die Berliner eher beeindruckt vom harten Auftreten des Bürgermeisters sind.
- Datum 06.10.2011 - 19:01 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich verstehe nicht, warum selbst so hintergründige Blätter wie ZEIT nicht auf den Trichter kommen (bzw. es in der Öffentlichkeit verschweigen), dass die ganze Berliner Inszenierung nur dazu dient, dass Wowereit Kanzlerkandidat werden möchte.
Mit einer großen Koalition im Rücken sind die Chancen einfach besser - mit einer streitsüchtigen 1-Stimmen-rot-grünen-Mehrheit in Berlin hätte sich "Wowi" den Gedanken, Kanzler zu werden, abschminken können.
aber hoffen wir das das Volk für aberwitzig genug hält. Das einzige "Beeindruckende" an Wowereit ist das Ausmaß seiner Hybris.
Warum sollte der Herr Wowereit die Verhandlungen mit den Grünen platzen, wenn er Bundeskanzler werden will? Wo ist da die Logik. Und bisher kann in der SPD kein Wowereit selbst bestimmen, ob er BK wird oder nicht. Die Bundes-SPD ist ja wohl über diese Entscheidung nicht gerade frohgestimmt. Aber - wie sagten Sie - auf den richtigen Trichter kommen wohl nur Sie.
Wenn der Kanzler wird. Oh je mi ne. Was soll Deutschland denn noch ertragen? Bitte nicht. Eher würde ich eine türkische Putzfrau/Reinmachefrau wählen.
aber hoffen wir das das Volk für aberwitzig genug hält. Das einzige "Beeindruckende" an Wowereit ist das Ausmaß seiner Hybris.
Warum sollte der Herr Wowereit die Verhandlungen mit den Grünen platzen, wenn er Bundeskanzler werden will? Wo ist da die Logik. Und bisher kann in der SPD kein Wowereit selbst bestimmen, ob er BK wird oder nicht. Die Bundes-SPD ist ja wohl über diese Entscheidung nicht gerade frohgestimmt. Aber - wie sagten Sie - auf den richtigen Trichter kommen wohl nur Sie.
Wenn der Kanzler wird. Oh je mi ne. Was soll Deutschland denn noch ertragen? Bitte nicht. Eher würde ich eine türkische Putzfrau/Reinmachefrau wählen.
Obwohl Herr Koschnicke nur von einer Vorstellung spricht, wird daraus dann in der Headline eine (Sinn entstellende) Feststellung. Und der flüchtige Leser nimmts für bar.
Vermutlich muss man schon sehr selektiv schauen, um Zustimmung zu Wowereits "Basta"-Haltung zu vernehmen. Meine eigene Wahrnehmung ist jedenfalls eine andere.
Der Mann sieht, hört, noch agiert er in irgend einer Hinsicht, ein paar Sprüche, ein paar laute, banale und nichts-aussagende Worte, die dazu sowieso ohne Resonanz verhallen - das kann doch wohl kaum einen gewissen Anspruch genügen.
Der "Partyboy" von Berlin klebt an seinem erfolglosen Sessel - schaut doch mal nach Berlin....!
was war ich beeindruckt, ich als berliner. von soviel kurzsichtigkeit. es waren offenbar nicht nur die wahlkampfplakate allzumenschlich. was als gründe aufgetragen wird, also 'atmosphärische störungen' riecht alles mächtig nach egotrip. genau wie die erklärung, dass wowereit angst vor einem zweiten wahlgang bei der bürgermeisterwahl hatte. noch tiefer in der kristallkugel schimmern wowereits kanzlerambitionen, denen zu liebe er als oberpriester von schwarz-rot seinen linken stallgeruch veredeln will. so sagt das radio, nicht ich.
wie man bei einer so offensichtlichen stukturellen linken mehrheit die verhandlungen wegen einer solchen nebensächlichkeit vergeigen kann ist mir vollkommen unbegreiflich. könnte mir in die faust beissen. die linke. und dafür stehen jetzt landowskys erben in der tür.
wo das ganze hinführt ist, dass wowi seinen kredit links der mitte in der kommenden koalition verheizt und dann bei den nächsten wahlen die union der spd die entscheidenden stimmen abnimmt. wer von rechts wowi aus machtkalkül gewählt hat, kann dann auch gleich wieder das bürgerliche original wählen. über die bürgerlichen fassade der landesbankbauruinen wird dann ja wohl auch wieder ausreichend gras gewachsen sein. und von links gesehen sind alternativen zu einer kompromittierten spd ja mittlerweile reichlich zu haben.
was uns dann ins haus steht: cdu stärkste kraft und die spd gerne bereit zur verlängerung der vertrauensvollen arbeit.
ich sehe auf jahre schwarz. und das hier.
Was von Forsa kommt ist nicht Ernst zu nehmen.
Forsa macht rechte Poltik.
Ürbigens deshalb werden auch die immer danben gegenüber andere MFI oft in den Medien benutzt.
Er kann sich doch nicht von der, nennen wir es mal frustrierten Künast erpressen lassen, nur um eine eine hauchdünne Mehrheit für rot-grün zu erreichen.
Woher wissen Sie jetzt, dass Frau Künast frustriert sei? Aus welcher seriösen Quelle speisen Sie diese Aussage? Oder ist es eher so ein "Bauchgefühl????"
Woher wissen Sie jetzt, dass Frau Künast frustriert sei? Aus welcher seriösen Quelle speisen Sie diese Aussage? Oder ist es eher so ein "Bauchgefühl????"
und dass muss nun mit allen Folgen akzeptiert werden. Und ja, die Frage der Hartnäckigkeit seiner Entscheidung hat nichts mit der Qualität seiner Politik zu tun. Das hat die Berliner aber doch noch nie gestört - oder ?
Wenn er sich damit für den Bundeskanzler bewerben wollte,muss sich der potentielle Koalitionspartner gut überlegen, mit welchen conditio-sine-qua-non-Forderungen die in Ihren Wahlkampf gehen.
aber hoffen wir das das Volk für aberwitzig genug hält. Das einzige "Beeindruckende" an Wowereit ist das Ausmaß seiner Hybris.
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