CDU-StreitVon der Leyen widerspricht Merkel beim Mindestlohn

Die Arbeitsministerin beharrt auf dem bisherigen CDU-Entwurf zu Lohnuntergrenzen. Damit stellt sie sich gegen Kanzlerin Merkel, die nun für regionale Modelle plädiert.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen setzt sich für einen allgemein-verbindlichen Mindestlohn und stellt sich damit gegen Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU). Ein unabhängiges Gremium mit Vertreter von Gewerkschaften und Arbeitgebern solle eine Lohnuntergrenze vereinbaren, danach müsse der Gesetzgeber den Rahmen für den Geltungsbereich schaffen, sagte von der Leyen der Berliner tageszeitung. "Wichtig ist jetzt, dass die CDU grundsätzlich Ja zu einer allgemeinen, verbindlichen Lohnuntergrenze sagt."

Merkel hatte im CDU-Streit um Lohnuntergrenzen eine Anbindung an die Bezüge in der Zeitarbeitsbranche von gut sieben Euro pro Stunde abgelehnt und für eine regional- und branchenspezifische Festlegung plädiert. Dazu sagte von der Leyen: "Wir dürfen die Tariflandschaft nicht zersplittern in unzählige Mindestlöhne, das führt in der Praxis zu schwierigen Abgrenzungsfragen und schwächt so den gewollten Schutz der Arbeitnehmer." Auf der anderen Seite solle man aber auch nicht "von vornherein die Tür zuschlagen für wenige begründete Unterschiede", sagte die Ministerin.

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Unklar blieb bei den Aussagen von der Leyens, ob sie nur eine regionale Festlegung von Mindestlöhnen ablehnt oder ob sie sich auch gegen eine branchenspezifische Aufteilung ist. Der von der Antragskommission vorgelegte Antrag für den am Montag beginnenden CDU-Parteitag schlägt vor, "eine allgemeine verbindliche Lohnuntergrenze in den Bereichen einzuführen, in denen ein tarifvertraglich festgelegter Lohn nicht existiert".

Die Lohnuntergrenze solle durch eine Kommission der Tarifpartner festgelegt werden und soll sich am Tarifabschluss für Zeitarbeitnehmer orientieren. Diese Position wird vom CDU-Arbeitnehmerflügel und dem nordrein-westfälischen Landesverband der Partei unterstützt. In Leipzig wird nun mit heftigen Kontroversen gerechnet.

Nahles bezeichnet Merkel als Wackeldackel

Die Opposition warf der CDU vor, kurz vor ihrem Parteitag einzuknicken. Merkel sei als "Wackeldackel dieser Bundesregierung mal wieder umgefallen", sagte SPD-Generalseketärin Andrea Nahles in einer Aktuellen Stunde des Bundestages. Zunächst habe sie sich über die Pläne der CDU gefreut, nun aber gerate dies zur "Farce".

Es sei nicht möglich, eine Lohnuntergrenze einzuführen, und diese zugleich regional- und branchenspezifisch zu gestalten. Genau dies hatte Merkel vorgeschlagen, und zugleich eine Orientierung an der Zeitarbeit abgelehnt – wie sie innerhalb der CDU befürwortet wird. "Die ganze Diskussion hat sich in den letzten Tagen zerbröselt", sagte auch SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil.

Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Karl-Josef Laumann, kündigte an, auf dem Parteitag in Leipzig für einen Mindestlohn zu kämpfen. "Wir wollen eine allgemeine und verbindliche Lohnuntergrenze, die von einer paritätisch aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzten Kommission festgelegt wird, und die soll sich am Tarifvertrag der Zeitarbeit orientieren." Eine ähnliche Formulierung enthält ein von der Antragskommission des CDU-Parteitages vorgelegter Antrag.

 
Leserkommentare
  1. was es da überhaupt zu diskutieren gibt. Wir haben doch als Grundlage Hartz IV und jeder arbeitende Mensch muß mit seinem Netto-Mindest-Lohn in Vollzeit wenigstens 500,-- Euro darüber liegen, damit Arbeit -egal welche- sich auch lohnt. Ich bin sicher, dass ein entsprechendes Computer-Programm das in ein paar Tagen errechnet und unsere Politiker können sich für ihr dickes Gehalt mit wichtigen Dingen beschäftigen.

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    diejenigen, die Löhne und Gehälter zahlen, ebenfalls, das Problem ist nur, dass eben dieser "Personenkreis" nicht das geringste Interesse daran hat, Arbeitsbienchen, die dem Markt im Rahmen von ALG II als billige Arbeitskräfte für jeden Scheissdreck zur Verfügung stehen, zu verlieren. Denn jeder AN, der diese 500 Euro über ALG II verdient, ist finanziell und sozial autonom ... und genau dass soll verhindert werden ...

    diejenigen, die Löhne und Gehälter zahlen, ebenfalls, das Problem ist nur, dass eben dieser "Personenkreis" nicht das geringste Interesse daran hat, Arbeitsbienchen, die dem Markt im Rahmen von ALG II als billige Arbeitskräfte für jeden Scheissdreck zur Verfügung stehen, zu verlieren. Denn jeder AN, der diese 500 Euro über ALG II verdient, ist finanziell und sozial autonom ... und genau dass soll verhindert werden ...

  2. Soso, wenn es schon keinen Weg am Mindestlohn vorbei gibt soll es wenigstens regionale Differenzierungen geben, zumindest zwischen Ost und West. Jawohl, das sind die richtigen Worte zum 09.November. Schlieslich haben wir Ossis nichts anderes verdient, wir sind eh alle ungläubige Spitzel, die unproduktiv sind und deshalb länger arbeiten und z.B. auch mehr Wassergeld bezahlen müssen. Die Produktivität konnte u.a.wegen fehlendem Eigenkapital noch nicht die Westwerte erreichen, wo ein Teil des Gewinns einfach nur mit Geldtransfers gemacht wird. Bloß dumm, dass sich bei weiterer Aufrechterhaltung des Status Quo die Ostländer weiter entleeren, auch zum Schaden der regionalen Wirtschaft und zum Schaden aller Steuerzahler.

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    doch bitte an die amtierende Sekretärin der Freien Deutschen Jugend für Agitation und politische Arbeit:Angela Merkel mit einer "Eingabe".Immerhin ist es der Ausdruck marktkonformer Demokratie(Originalton der FDJ-Sekretärin)-das ist jetzt die neue Regierungsform.Diese wird bald in ganz Europa eingeführt.

    • kael
    • 11.11.2011 um 11:23 Uhr

    Die Lebensleistung der "Ossis" ist genau so hoch einzuschätzen wie die der "Wessis" - vielleicht sogar noch höher wegen der ungleichen Startbedingungen.

    Gruß von einem "Wessi"

    doch bitte an die amtierende Sekretärin der Freien Deutschen Jugend für Agitation und politische Arbeit:Angela Merkel mit einer "Eingabe".Immerhin ist es der Ausdruck marktkonformer Demokratie(Originalton der FDJ-Sekretärin)-das ist jetzt die neue Regierungsform.Diese wird bald in ganz Europa eingeführt.

    • kael
    • 11.11.2011 um 11:23 Uhr

    Die Lebensleistung der "Ossis" ist genau so hoch einzuschätzen wie die der "Wessis" - vielleicht sogar noch höher wegen der ungleichen Startbedingungen.

    Gruß von einem "Wessi"

  3. Wo mit Deutschland jetzt das letzte grosse Land in der EU dem Mindestlohn beitreten wird, koennte man die Gelegenheit auch nutzen, grenzueberscheitende Mindestloehne einzufuehren, um in Europa moeglichst grosse Bereiche mit gleicher Lohnuntergrenze zu besitzen. Sueddeutschland wuerde sich dann vielleicht auch Mindeslohnbereiche mit der Schweiz und Ostfrankreich unterhalten.

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    • SuR_LK
    • 10.11.2011 um 19:06 Uhr

    Affentheater, das gibt nun monatelanges Gezerre um Mindestlohn, ob wie wann und Höhe, bis zur Wahl... und dann wird er alternativlos fallen gelassen. War immerhin nen schönes Thema zum Ablenken und um blöde Wählerstimmen zu fangen.

    3 Leserempfehlungen
  4. doch bitte an die amtierende Sekretärin der Freien Deutschen Jugend für Agitation und politische Arbeit:Angela Merkel mit einer "Eingabe".Immerhin ist es der Ausdruck marktkonformer Demokratie(Originalton der FDJ-Sekretärin)-das ist jetzt die neue Regierungsform.Diese wird bald in ganz Europa eingeführt.

  5. Ursula von der Leyen setzt sich für einen allgemein-verbindlichen Mindestlohn ein. Bravo
    Frau Ursula von der Leyen.

  6. Frau van der Leyen profiliert sich seit langen immer wieder als die bessere Merkel. Während Angela Europa rettet, versucht Ursula zu verhindern, dass der CDU die niederen Wähler abhanden kommen. Richtig ist, dass ein Mindestlohn dass mindeste ist, was man den seit Jahren gerupften Minijobbern anbieten muss, um ihren Absturz ins soziale Elend zu verhindern. Wer kein Geld hat, kann auch nichts ausgeben, um die Konjunktur anzukurbeln. Die Erkenntnis kommt nur ein bisschen sehr spät.

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  7. widerspricht doch warum ?

    Sind die Löhne bei ALDI, zu hoch ?

    Ein allgemeiner verbindlicher Mindestlohn, kann auch die

    vereinbarten Tariflöhne herabsetzen !

    Da jubeln nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die, die

    einen Lohn erhalten, welcher bei 5 bis 6 €uro liegt .

    Sie hat an alle gedacht, vor allem auch an sich selbst !

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