Rechtsextremismus Bundesregierung will Neonazi-Daten zentral speichern

Mit einer zentralen Datensammlung will Innenminister Friedrich die Überwachung gefährlicher Rechtsextremisten verbessern. Der Verfassungsschutz soll so gestärkt werden.

Demonstration von Sympathisanten der NPD in Berlin

Demonstration von Sympathisanten der NPD in Berlin

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bereitet ein Gesetz vor, mit dem eine zentrale Datei über gewalttätige Rechtsextremisten ermöglicht werden soll. Dies geht aus einem Arbeitspapier von Beamten des Innen- und des Justizministeriums hervor, über das die Süddeutsche Zeitung berichtet. In der neuen Datei sollen die Bankkonten, Telefonverbindungen, Helfer und Kontaktleute von Neonazis erfasst werden.

Mit dem Gesetz würden die Kriminalämter von Bund und Ländern, die Bundespolizei, der Verfassungsschutz und der Militärische Abschirmdienst (MAD) verpflichtet, ihre bereits erhobenen Daten über deutsche Rechtsextreme in ein Verbundsystem einzugeben. Neben den Telekommunikationsdaten, Bankverbindungen, Fahrzeugen sowie Informationen über Fähigkeiten im Umgang mit Waffen könnten dort auch jene Orte gespeichert werden, an denen sich verdächtige Rechtsextreme mit Gleichgesinnten treffen.

Anzeige

Friedrich wolle diese Informationen den Verfassungsschutzämtern von Bund und Ländern sowie dem MAD zugänglich machen, berichtet die Süddeutsche unter Berufung auf das Arbeitspapier der interministeriellen Gruppe. Die neue Verbunddatei, die Friedrich nach dem Vorbild der Anti-Terror-Datei zu gewaltbereiten Islamisten aufbauen möchte, ist ein Projekt aus dem Zehn-Punkte-Programm, das er als Konsequenz aus der Mordserie der Zwickauer Terrorzelle vorlegte.

Geplant ist zudem ein Abwehrzentrum gegen Rechtsextremisten, bei dem Polizei und Verfassungsschützer des Bundes und der Länder kooperieren. Als Standort war bisher das rheinische Meckenheim (bei Bonn) im Gespräch. Dort hat das Bundeskriminalamt einen Zweitsitz. Der Süddeutschen zufolge gibt es dagegen aber Widerstand aus Sicherheitskreisen, die Berlin als Standort eines solchen Abwehrzentrums bevorzugten.

Friedrich und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) wollen am heutigen Dienstag über den Gesetzesentwurf und weitere Konsequenzen beraten. Dabei könnte auch die zwischen den Koalitionspartnern strittige Vorratsdatenspeicherung wieder thematisiert werden. Der Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Bundestag, Rainer Brüderle, wandte sich laut der Süddeutschen gegen "reflexhafte alte Maximalforderungen" der Union.

Verfassungsschutz soll Erkenntnisse zentral verwerten

Sicher ist, dass die Rolle des Bundesamts für Verfassungsschutz gestärkt werden soll. Es erhält die Befugnis zur zentralen Auswertung aller Erkenntnisse zum gewaltbereiten Rechtsextremismus, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministers. Die Landesämter legen dem Bundesamt ab sofort ihre Erkenntnisse vor; darauf hätten sich die Staatssekretäre von Bund und Ländern geeinigt.

Die Innenminister von Bund und Ländern wollen sich am 8. und 9. Dezember in Wiesbaden mit den Ermittlungspannen im Fall der Zwickauer Gruppe beschäftigen. Unklar ist derweil noch, wie die Vorgänge parlamentarisch aufgearbeitet werden sollen. Zur Debatte stehen ein Bundestags-Untersuchungsausschuss sowie die Einrichtung eines Sonderermittlers oder einer Bund-Länder-Kommission.
 

 
Leser-Kommentare
  1. und wenn man schon dabei ist: Gleich alles speichern. Von jedem.

    Denn wer nichts zu verbergen hat, der hat auch nichts zu befürchten.

    Ab wann gilt man bei den hohen Herren eigentlich als Nazi? Reicht schon die dt. Staatsbürgerschaft aus?

    Wer überwacht eigentlich den Verfassungsschutz?

    Für mich hat das ganze einen bitteren Beigeschmack, wie immer.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wer überwacht eigentlich den Verfassungsschutz?

    Novalis sagt dazu:

    "Einem gelang es, - er hob den Schleier der Göttin zu Sais - Aber was sah er?
    Er sah - Wunder des Wunders - Sich selbst"

    Wer überwacht eigentlich den Verfassungsschutz?

    Novalis sagt dazu:

    "Einem gelang es, - er hob den Schleier der Göttin zu Sais - Aber was sah er?
    Er sah - Wunder des Wunders - Sich selbst"

  2. Hier haben eindeutig die Behörden versagt, es gibt schlicht keine Not neue Gesetze oder Speichervorschriften zu erlassen. Statt dessen sollte man mal die Personalakten gegenchecken und generell den Modus operandi des Verfassungsschutz in Frage stellen.

    Aber was ist Friedrichs Lösungsansatz?

    Vorratsdaten speichern.

    Damit wäre rein gar nichts verhindert oder besser gemacht worden. Ich hätte gerne einen Innenminister der diesen Namen auch verdient und nicht einen Datenspeicherfan mit Tunnelblick.

    • SuR_LK
    • 29.11.2011 um 9:08 Uhr

    zentrale Politiker-Datei mit Auflistung aller erhaltenen Spenden und Lobbyverknüpfungen, aber da würdens ja direkt rufen das man sie unter Genralsverdacht stelle, geht ja garnicht.
    Und wer nichts zu verbergen hat kann ja bitte eine Kopie jeder verschickten Email/SMS etc direkt in Verteiler an twitter schicken damit ich mal mitlesen kann.

  3. so langsam wird klar, was dieser ganze rechtsextremen tohuwabohu der letzten wochen sollte: weitere beschneidung unserer grundrechte, verstärkte zentralisierte überwachungsmöglichkeiten.

    läuft ja wie am schnürchen zur zeit!

    • CM
    • 29.11.2011 um 9:31 Uhr

    Immerhin, Herr Friedrich scheint wild entschlossen. Seine forsche Amtsführung funktioniert wie ein Berg: Der Berg kreißt und gebiert eine Liste. Ich bin beeindruckt, das wird den Nazis wirklich Angst machen - die Zwickauer Zelle hatte ja auch schon eine Liste von Zielen.

    Wie wäre es denn stattdessen mit intensiven, zahlreichen Razzien im rechten Milieu? Bei der Terrorismusbekämpfung gibt es auch den Grundsatz, Straftaten zu verhindern, und dafür muß man nicht nur nach Morden akribisch und gerichtssicher ermitteln, sondern auch einen hohen Verfolgungsdruck aufbauen und jedes erlaubte Mittel einsetzen, um potenziellen Tätern zu verstehen zu geben, daß ihre Chancen, mit einer Straftat davonzukommen, äußerst gering sind.

    Also, Herr Friedrich, wann wachen Sie denn nun auf? Wenn es für beschwichtigende Worte in Talkshows reicht sollte man doch auch bei Ihren eigentlichen Aufgaben etwas mehr Engagement erwarten.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Haben wir nicht eh noch den Bundestrojaner, der so schön wieder unter'm Teppich verschwunden ist? Den könnte man da doch einsetzen...

  5. ..."Rechtsextremist" nicht wüßte, wie man sich "geschickt" verhält!

    Daten speichern - DAS "Allheilmittel"!
    Hier macht sich der Staat nur lächerlich...

    P.S. "Fähigkeiten im Umgang mit Waffen" - das betrifft eine ganze Menge Personen im Land *lol*

  6. Wer überwacht eigentlich den Verfassungsschutz?

    Novalis sagt dazu:

    "Einem gelang es, - er hob den Schleier der Göttin zu Sais - Aber was sah er?
    Er sah - Wunder des Wunders - Sich selbst"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service