Bislang gibt es keine Anhaltspunkte für eine Zusammenarbeit des Verfassungsschutzes mit der rechtsextremen Zwickauer Zelle. Das teilte der neue Generalbundesanwalt Harald Range am Rande seiner Amtseinführung in Karlsruhe mit.

Range kündigte an, das Umfeld des rechtsextremen Neonazi-Trios weiter "intensiv" zu untersuchen und "jedem greifbaren Hinweis" auf Hintermänner und Helfershelfer nachzugehen. Insgesamt habe die Bundesanwaltschaft in seinen Augen angemessen auf den Rechtsterror reagiert, sagte Range. Sie habe "die Ermittlungen im Zusammenhang mit der rechtsterroristischen Mordserie, die die ganze Nation erschreckt und beschämt, unverzüglich aufgenommen, als die ganze Dimension des Falls erkennbar wurde".

Range zufolge will die Bundesanwaltschaft zudem im Kampf gegen den Rechtsterrorismus ihre Zusammenarbeit mit den Justizbehörden der Länder verbessern. Er bezeichnete dies als eine seiner "wichtigsten zukünftigen Aufgaben".

Ähnlich äußerte sich der bisherige kommissarische Behördenleiter Rainer Griesbaum. Der neue Rechtsterrorismus verlange von Bund und Ländern auch neue Formen der Zusammenarbeit. Unter anderem hatte Griesbaum mehr Kompetenzen für die Ermittler gefordert, vor allem bei der Telefonüberwachung. Griesbaum sprach mit Blick auf die Zwickauer Terrorzelle von "extrem aufwendigen und weitverzweigten Ermittlungen", die in der Bundesanwaltschaft ein umfangreiches Staatsanwaltsteam mit all ihrer Arbeitskraft binden werde.

Zuvor hatte der Verfassungsschutz Mängel bei der Bekämpfung des militanten Rechtsextremismus zugegeben und eine lückenlose Aufklärung der Neonazi-Mordserie angekündigt.

Die Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) steht im Verdacht, in den Jahren 2000 bis 2006 neun Migranten türkischer und griechischer Herkunft sowie 2007 eine Polizistin erschossen zu haben. Außerdem wird sie mit zwei Sprengstoffanschlägen in Köln in Verbindung gebracht, bei denen 2001 und 2004 insgesamt 23 Menschen verletzt wurden. Die Vorgänge um das 1998 untergetauchte Neonazi-Trio beschäftigen seit Monatsbeginn die Ermittler, nachdem in Eisenach zwei Mitglieder der Zelle, Uwe B. und Uwe M., tot aufgefunden wurden. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie Selbstmord begangen haben. Die dritte Terrorverdächtige, die 36-Jährige Beate Z., sitzt in U-Haft, als mutmaßlicher Helfer wurde zudem der 37-jährige Holger G. in Niedersachsen festgenommen.

Nach Angaben Ranges machte Beate Z. bislang noch keine weitergehende Aussage zu den Tatvorwürfen. Medien hatten zuvor berichtet, eine umfassende Aussage der Terrorverdächtigen stehe unmittelbar bevor. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte, die bei den Ermittlungen gegen die Gruppe entdeckten Listen mit Namen von Migrantenvertretern und Politikern böten keine Anhaltspunkte für konkrete Anschlagspläne. Bislang habe es in dem Fall auch keine weiteren Festnahmen gegeben.