Bund, Länder und Gemeinden können bis 2015 mit deutlich mehr Steuern rechnen als noch im Mai angenommen. Die aktuelle Steuerschätzung kommt zu dem Ergebnis, dass der Staat mit Mehreinnahmen von 48,1 Milliarden Euro rechnen kann. Das größte Steuerplus gibt es mit 17,5 Milliarden Euro bereits im Jahr 2011, während in den Jahren danach die Mehreinnahmen deutlich geringer ausfallen. So ist für 2012 der neuen Prognose des Arbeitskreises Steuerschätzung zufolge noch mit Mehreinnahmen von insgesamt 9,4 Milliarden Euro zu rechnen, für 2013 von 6,2 Milliarden Euro.

Das tatsächliche Steuerplus im Vergleich zu den im Mai vorhergesagten Werten beträgt allerdings nur 39,5 Milliarden Euro. Das ergibt sich aus der Gegenrechnung von Mindereinnahmen aufgrund von Änderungen des Steuerrechts im Gesamtvolumen von 8,6 Milliarden Euro. Grund sind vor allem Steuerausfälle aufgrund des im Sommer beschlossenen Atomausstiegs und des Steuervereinfachungsgesetzes, die aber in der Haushaltsplanung des Bundes bereits weitgehend eingerechnet wurden.

Der Bund kann – mit Berücksichtigung der Rechtsänderungen sowie Änderungen bei der EU-Abführung – für das laufende Jahr mit Mehreinnahmen von 9,3 Milliarden Euro rechnen, 2012 von 2,7 Milliarden Euro und 2013 von 1,8 Milliarden Euro. Ein Steuerplus gibt es jeweils auch für die Länder, in geringerem Maße 2011 und 2012 auch für die Kommunen. Letzteren drohen aber 2013 bis 2015 sogar leichte Mindereinnahmen. In den Zahlen nicht berücksichtigt sind mögliche Ausfälle durch die ab 2013 von Union und FDP angestrebten Steuererleichterungen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dämpfte aber Erwartungen an zusätzliche Entlastungen. "Der Spielraum ist eher gering", sagte er am Rande des G20-Gipfels in Cannes. Von den für den Bund 2012 erwarteten Mehreinnahmen gegenüber der Mai-Steuerschätzung seien bereits zwei Milliarden Euro verplant und in den Etat eingestellt. Die jetzt vorgelegten Zahlen der Schätzer seien nicht so "furchtbar überraschend", sagte Schäuble.