Geheimdienst-Debatte "V-Leute sind unverzichtbar"
Der frühere Innenminister Gerhart Baum ist für Informanten aus der rechten Szene. Doch es gebe viele schwierige Grauzonen, sagt der FDP-Politiker im Interview.
ZEIT ONLINE: Herr Baum, über Jahre hinweg konnten Rechtsterroristen in Deutschland unbehelligt Morde begehen. Dabei spielte der Verfassungsschutz eine zweifelhafte Rolle. Bei einem Mord in Kassel soll ein Verfassungsschutz-Mann unmittelbar am Tatort gewesen sein. V-Leute in der rechten Szene in Thüringen prahlten damit, dass ihre Propagandatätigkeiten von den Sicherheitsbehörden finanziert würden. Das alles wirft Fragen zum Sinn und der Legitimation dieses Informantensystems auf. Wie stehen Sie dazu?
79, ist seit 1954 Mitglied der FDP. Von 1978 bis 1982 war er Bundesinnenminister in der sozialliberalen Bundesregierung von Helmut Schmidt (SPD).
Gerhart Baum: V-Leute sind unverzichtbar, wenn es darum geht, unsere verfassungsmäßige Ordnung zu schützen. Das System funktioniert seit Jahren und zwar möglichst unauffällig und das ist gut so. V-Leute geben den Sicherheitsbehörden wertvolle Informationen über Organisationen, die verfassungsfeindliche Ziele verfolgen. Dafür wird natürlich politisch in Kauf genommen, dass diese Menschen zur jeweiligen Szene gehören. Doch sobald ein V-Mann in die Nähe einer Straftat kommt, muss die Zusammenarbeit beendet werden.
ZEIT ONLINE: Was dürfen V-Männer denn konkret? Im Grunde müssen die Ermittler doch bei Sachbeschädigung oder Volksverhetzung ein Auge zudrücken, damit ihre V-Leute in der Szene glaubwürdig bleiben.
Baum: Das ist eine heikle Grenzzone. Tatsächlich ist es so, dass man zum Beispiel dem Chef des Thüringischen Heimatschutzes, der ja Informant des Verfassungsschutzes war, nicht verbieten kann, volksverhetzende Aktivitäten zu entfalten. Dann könnten wir ihn gleich abschreiben. Ja, das wird also in Kauf genommen und muss von Fall zu Fall entschieden werden. Doch Straftaten dürfen auf keinen Fall begangen werden. Es gab ja die Behauptung, der Verfassungsschutz habe der RAF-Terroristin Verena Becker die Freiheit gelassen, zu töten, weil sie Informationen gegeben haben soll. Das ist natürlich eine irrsinnige Annahme. Das ginge auf keinen Fall. Aber auch wenn ein V-Mann zum Beispiel kontinuierlich den Holocaust leugnet, was in Deutschland eine Straftat ist, dann muss man im Zweifel die Zusammenarbeit mit ihm beenden. Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Verfassungsschutzämter integre Persönlichkeiten haben, die die V-Leute verantwortungsvoll führen und im Einzelfall die richtigen Entscheidungen treffen.
ZEIT ONLINE: Die rechte Szene in Deutschland ist durchsetzt von V-Leuten. Dennoch gab es über Jahre hinweg offenbar keine Hinweise auf das rechtsextreme Mörder-Trio. Das stellt doch den Sinn des V-Mann-Systems mehr als infrage...
Baum: Ich würde diese Situation nicht zum Anlass nehmen, den Verfassungsschutz pauschal zu kritisieren. Ja, er agiert in einer Grauzone, aber das ist seine Aufgabe! Er tut dies in der Regel im Vorfeld von Straftaten. Gerade bei geplanten Neonazi-Aufmärschen erhält die Polizei hier immer viele wertvolle Informationen.
ZEIT ONLINE: Im konkreten Fall fehlten die wertvollen Informationen...
Baum: In der Tat muss jetzt aufgeklärt werden, ob es eine Grauzone zwischen dem Verfassungsschutz und dem Mörder-Trio gab oder ob Informationen schlicht versandet sind. Es gibt leider immer Fehler. Ich habe in meiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit Innenpolitik eine Fülle von Pannen erlebt. Das ist mitunter gar nicht zu vermeiden. Wenn aber Teile des Verfassungsschutzes, ich meine hier nicht die V-Männer, sondern deren Auftraggeber, mit der rechten Szene sympathisiert haben sollten, dann wäre das ein Skandal. Dann wird es gefährlich, denn dann ist die Frage zu stellen, wer hier wen instrumentalisiert.
ZEIT ONLINE: Funktioniert die Unterwanderung mit V-Männern eigentlich immer gleich? Wie ist das bei der Bekämpfung von Linksextremismus, von Islamismus und der Hooligan-Szene?
Baum: Man nimmt in der Regel Leute aus der Szene, die bereit sind, Informationen zu geben. Es geht um Spitzel, um es deutlich zu sagen. Man muss deren Hinweise natürlich sorgfältig und kritisch bewerten. Allerdings ist die linke Szene deutlich schwerer mit V-Leuten zu durchdringen, als die rechte Szene.
ZEIT ONLINE: Warum?
Baum: Die linke Szene schottet sich nach außen ab. Im links-terroristischen Bereich, bei der Bekämpfung der RAF, hatten wir kaum Erfolge mit Anwerbungen. Daher wird die letzte Mordserie wohl auch für immer ungeklärt bleiben. Ich denke da an Detlev Karsten Rohwedder.
- Datum 16.11.2011 - 18:19 Uhr
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Der Verfassungschutz als Helfer und Financier terroristischer Aktivitäten vermittelt das Bild einer Behörde, die sich jeder staatlichen Kontrolle entzogen hat.Offensichtlich wird lediglich Geld in die Kassen rechter Organisationen gespült, mit dem Ergebnis, dass Menschen sterben.Der Hinweis auf "linksextreme Randale" in Berlin rechtfertigt den Einsatz von V-Leuten jedenfalls nicht. Vielleicht sollte Herr Baum sich auch Gedanken über sogenannte sting operations, bzw. staatliche Provokateure machen, die ebenfalls auf manchen staatlichen Gehaltslisten geführt werden.
Die Hauptfrage ist doch: Wer führt wen und wohin?
"...dass man zum Beispiel dem Chef des Thüringischen Heimatschutzes, der ja Informant des Verfassungsschutzes war, nicht verbieten kann, volksverhetzende Aktivitäten zu entfalten. Dann könnten wir ihn gleich abschreiben. Ja, das wird also in Kauf genommen und muss von Fall zu Fall entschieden werden. Doch Straftaten dürfen auf keinen Fall begangen werden."
Spinn ich jetzt oder der Baum? Man darf ih volksverhetzende Aktivitäten nicht verbieten, aber Straftaten dürfen auf keinen Fall begangen werden.
So weit mir als Laie bekannt ist, ist Volksverhetzung in Deutschland eine Straftat. Bei solchen Poltiker, die so etwas auch noch in einem öffentlichen Interview von sich geben, da wundert mich nicht mehr.
Da sieht man doch sofort, wes Geistes Kind die sind. Was ist schon ein bisschen Volksverhetzung?
"V-Leute sind unverzichtbar"
"Der frühere Innenminister Gerhart Baum ist für verdeckte Ermittler in der rechten Szene. Doch es gebe viele schwierige Grauzonen, sagt der FDP-Politiker im Interview."
Baum ist für V-Leute und nicht für verdeckte Ermittler.
Das ist ein Unterschied.
Lieber John Lennon,
vielen Dank, dass Sie uns auf diese Ungenauigkeit hinweisen. Ich habe das geändert. Im Interview wird der Unterschied übrigens thematisiert. Herzlicher Gruß aus der Redaktion, Lisa Caspari
Lieber John Lennon,
vielen Dank, dass Sie uns auf diese Ungenauigkeit hinweisen. Ich habe das geändert. Im Interview wird der Unterschied übrigens thematisiert. Herzlicher Gruß aus der Redaktion, Lisa Caspari
der die Notstandsgesetze durchgedrückt hat, tut noch immer so als die nicht mehr existente RAF und ein fiktiver Linksterrorismus das Problem.
//. Nun der Mann
der die Notstandsgesetze durchgedrückt hat, tut noch immer so als die nicht mehr existente RAF und ein fiktiver Linksterrorismus das Problem.//
Entweder haben Sie Informationen, die mir nicht bekannt sind oder Sie verwechseln da etwas. Die Notstandsgesetze wurden von ersten Großen Koalition 1968 verabscheidet, ein FDP Mann dürfte diese kaum "durchgedrückt haben".
Leider haben sie recht. Es ist aber nun mal so, dass der normale Bürger nicht versteht wessen Interessen mit welcher politischen Einstellung in diesem Lande Prioritat haben noch, dass er das verstehen will, oder gar allzu viel dagegen einzuwenden hätte, wenn er es denn verstünde.
Es fand 1945 ein relativ nahtloser Übergang zum BND statt, natürlich mit Einverstädnnis der Besatzungsmächte.
Dieser, wie auch in den USA eigenständige, durchs Volk völlig unkontrollierbare Machtapparat im Staate Bundesreplubik Deutschland, denn um nichts anderes handelt es sich hier, ist unangreifbar.
oder Ihre Altersvergesslichkeit, wenn Sie Baum die Notstandsgesetze anhängen.
Die kamen nämich aus der großen Koalition 1966 bis 1969.
//. Nun der Mann
der die Notstandsgesetze durchgedrückt hat, tut noch immer so als die nicht mehr existente RAF und ein fiktiver Linksterrorismus das Problem.//
Entweder haben Sie Informationen, die mir nicht bekannt sind oder Sie verwechseln da etwas. Die Notstandsgesetze wurden von ersten Großen Koalition 1968 verabscheidet, ein FDP Mann dürfte diese kaum "durchgedrückt haben".
Leider haben sie recht. Es ist aber nun mal so, dass der normale Bürger nicht versteht wessen Interessen mit welcher politischen Einstellung in diesem Lande Prioritat haben noch, dass er das verstehen will, oder gar allzu viel dagegen einzuwenden hätte, wenn er es denn verstünde.
Es fand 1945 ein relativ nahtloser Übergang zum BND statt, natürlich mit Einverstädnnis der Besatzungsmächte.
Dieser, wie auch in den USA eigenständige, durchs Volk völlig unkontrollierbare Machtapparat im Staate Bundesreplubik Deutschland, denn um nichts anderes handelt es sich hier, ist unangreifbar.
oder Ihre Altersvergesslichkeit, wenn Sie Baum die Notstandsgesetze anhängen.
Die kamen nämich aus der großen Koalition 1966 bis 1969.
Baum hat damals als Innenminister die Wehrsportgruppe Hoffmann verboten. Karl-Heinz Hoffmann, der heute ein Rittergut in Thüringen besitzt, wird im Artikel nicht mal erwähnt. Viele Leute sind der Meinung, dass er ein Gladio-Mann war und ist. Muss man jetzt Informationen in der ZEIT dadurch herauslesen, dass man das "liest", was gerade nicht drinsteht?
wir brauchen die V-leute
denn Im Sumpf des Verbrechens ist jeder verdächtigt
Lieber John Lennon,
vielen Dank, dass Sie uns auf diese Ungenauigkeit hinweisen. Ich habe das geändert. Im Interview wird der Unterschied übrigens thematisiert. Herzlicher Gruß aus der Redaktion, Lisa Caspari
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