Sozialstaat : "Das bedingungslose Grundeinkommen macht nicht faul"

Was, wenn der Staat jedem Bürger genügend Geld zum Leben zahlte? Die Gesellschaft würde davon profitieren, sagen ein Arbeitspsychologe und ein Soziologe im Interview.

ZEIT ONLINE: Herr Wehner, Herr Liebermann, die Piraten-Partei und Teile der Linkspartei werben für das Bedingungslose Grundeinkommen. Bürgerliche Parteien tun die Idee jedoch als Utopie ab.

Theo Wehner

Wehner, geboren 1947, ist Professor für Arbeitspsychologie an der ETH Zürich. Er befasst sich mit den Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Arbeit im organisationalen und gesellschaftlichen Kontext und ist Mitglied bei kontrapunkt, dem Schweizer Rat für Wirtschafts- und Sozialpolitik. Anfang 2012 erscheint von ihm Corporate Volunteering: Unternehmen im Spannungsfeld von Effizienz und Ethik.

Theo Wehner: Ich würde sagen, dass Vollbeschäftigung eine utopischere Vorstellung ist als die eines bedingungslosen Grundeinkommens. Die Gesellschaft wird nicht auf technische und soziale Innovationen verzichten, und sollte es auch nicht. Das bedeutet zwangsläufig auch Rationalisierung. Gleichzeitig gelingt es den entwickelten Arbeitsgesellschaften nicht, Rationalisierungsgewinne gerecht beziehungsweise zum Nutzen aller zu verteilen. Das Ergebnis sind Resttätigkeiten, Dequalifizierung und Arbeitslosigkeit für die Einen und Arbeitsverdichtung, Selbstausbeutung und Erschöpfung für die Anderen.

ZEIT ONLINE: Auch die FDP wirbt seit 2005 für ein "liberales Bürgergeld". Anders als bei den Piraten sieht dieses Konzept aber obligatorische Arbeit als Gegenleistung für das Grundeinkommen vor. Ist das nicht das bessere Konzept?

Wehner: Jedes Konzept passt grundsätzlich zum Menschenbild derer, die es entwerfen. Das "liberale Bürgergeld" ist ein Misstrauenskonzept. Es traut dem Bürger nicht zu, dass er zur Selbstrelativierung fähig ist, also zur sozialen Rücksichtnahme im Interesse der eigenen Selbstachtung.

Sascha Liebermann

Liebermann, geboren 1967, studierte Philosophie bei Jürgen Habermas und Soziologie bei Ulrich Oevermann. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr Universität Bochum und Mitbegründer der Initiative Freiheit statt Vollbeschäftigung, die sich für eine öffentliche Diskussion um ein Grundeinkommen einsetzt.

Sascha Liebermann: Bei der FDP ist von "Aktivierung" und "Anreiz", von "Findigen" und "Faulen" die Rede, als leide unser Sozialsystem am Missbrauch. Dabei ist der diagnostizierte Missbrauch Ausnahme und nicht Regel. Viel eher können wir im Alltag erkennen, wie groß die Bereitschaft zum Engagement ist. Von Trainern im Jugendsport über Aufsichtspersonal in Museen bis zur Freiwilligen Feuerwehr.

ZEIT ONLINE: Selbst die SPD, der soziale Gerechtigkeit ein Grundanliegen ist, spricht sich gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen aus.

Liebermann: Die SPD begreift sich – nicht überraschend – noch immer als Arbeiterpartei. Sie propagiert die Verwirklichung des Menschen durch Arbeit.

ZEIT ONLINE: Auch Ökonomen argumentieren, dass keiner mehr arbeiten würde, wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe. Viele Menschen würden dem intuitiv zustimmen...

Wehner: Ein Grundeinkommen macht genauso wenig faul, wie Erwerbsarbeit grundsätzlich fleißig macht. Der Mensch ist ein tätiges Wesen.

Liebermann: Ohne bürgerschaftlich Engagierte gäbe es ebenfalls viele Leistungen nicht. An vielen Stellen treffen wir auf das Phänomen, dass Menschen auf der Basis eines inneren Antriebs, der sich lebensgeschichtlich gebildet hat, tätig sind. Eines äußerlichen Stimulus, eines externen Anreizes, bedarf es nicht. Mit einer Einkommenssicherheit könnten sich die Menschen der Entfaltung dieses inneren Antriebs viel einfacher stellen. Es würde also eher wohlstandsfördernd wirken.

ZEIT ONLINE: Ist es nicht eher so, dass man versuchen würde einen Mitarbeiter, der über ein gesichertes Grundeinkommen verfügt, im Lohn zu drücken?

Liebermann: Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen setzt sich das Einkommen, über das eine Person verfügt, anders zusammen als heute. Während der Lohn gegenwärtig sowohl die Existenzsicherung leisten als auch den Mitarbeiter würdigen soll, würde das durch das Bedingungslose Grundeinkommen getrennt. Für die Existenzsicherung sorgt das Bedingungslose Grundeinkommen, der Lohn drückt dann nur noch aus, welchen Anteil am Unternehmenserfolg ein Mitarbeiter erhält. Selbst bei niedrigerem Lohn als zuvor könnte ein höheres Gesamteinkommen erzielt werden, weil das Bedingungslose Grundeinkommen ja immer da ist und nicht verrechnet werden soll.

Wie ist das alles finanzierbar?

ZEIT ONLINE: Ein niedriger Lohn bedeutet aber eine weitere Abwertung der Erwerbsarbeit.

Liebermann: Nur wenn Sie den Wert einer Tätigkeit am Lohn bemessen. Der sagt aber nichts darüber aus, welche Bedeutung diese Tätigkeit für die Person hat, die sie ausübt und für jene, die sie in Anspruch nehmen. Ist die Müllabfuhr weniger bedeutend als das Investmentbanking? Solange jemand seinen Beruf gerne ausübt, sich mit der Aufgabe identifiziert, ist er bereit, erhebliche Lohneinbußen in Kauf zu nehmen. Problematisch wird das erst, wenn die Löhne zu niedrig sind, um ein sicheres Auskommen zu haben. Man hadert dann ja nicht mit seinem Beruf, sondern mit der Einkommenssituation. Das bringt Leistungseinbußen mit sich. Die wiederum tauchen in keiner Statistik auf.

ZEIT ONLINE: Verabschiedet sich eine Gesellschaft, die ein Bedingungsloses Grundeinkommen einführt, nicht vom alten Ideal "Recht auf Arbeit"?

"Wir können Lebenszeit zurückgewinnen"
Sascha Liebermann

Liebermann: Ein Recht auf einen Arbeitsplatz gibt es auch heute nicht, wie wir an der Entwicklung des Arbeitsmarkts sehen. Zum Glück gibt es dieses Recht nicht, denn Erwerbsarbeit ist ja nicht per se sinnvoll. Sie ist es nur, wenn sie zur Wertentstehung notwendig ist. Wo Maschinen sie ersetzen kann, können wir Lebenszeit zurückgewinnen. Durch ein Grundeinkommen wäre es möglich, sich Aufgaben zuzuwenden, die Maschinen nicht übernehmen können und die nicht zwangsläufig in Erwerbstätigkeit führen müssen.

ZEIT ONLINE: Schon in der Bibel heißt es "Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen". Ist es wirklich denkbar die Verbindung von Erwerbsarbeit und Entlohnung zu lösen?

Wehner: Das ist nicht ganz richtig. Bei Paulus heißt es, dass man im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen soll. Dass man es auch unter ausbeuterischen, womöglich inhumanen Bedingungen verdienen soll, davon ist nicht die Rede. Paulus droht nicht jenen, die nicht arbeiten wollen, sondern er warnt davor, den sogenannten Müßiggänger "als Feind zu halten", stattdessen sollte man ihn "als einen Bruder vermahnen". Was sagt mir das? Wir müssen mit jenen, die arbeitslos sind oder im Arbeitsleben eher Verweigerungsimpulse verspüren, im Dialog bleiben. Ob wir unter Bedingungen des Bedingungslosen Grundeinkommens mehr Müßiggänger haben würden, dazu sagt uns auch Paulus nichts. Man sollte darüber nicht populistisch spekulieren, stattdessen sollte mehr dazu geforscht werden.

ZEIT ONLINE: Wer soll das Grundeinkommen eigentlich bezahlen? Ist es überhaupt finanzierbar?

Liebermann: Die Frage klingt kompliziert, die Antwort ist einfach: nur das Gemeinwesen kann es "bezahlen". Das geht nur, wenn die Bürger das Grundeinkommen auch zu tragen bereit sind. Das gilt für alle öffentlichen Leistungen heute gleichermaßen. Finanziert werden sollte es mittels eines Steuerwesens, das Leistungserstellung fordert und nicht hemmt. Die Vorschläge zur Finanzierung über eine Konsumsteuer, wie sie etwa Götz W. Werner und Benediktus Hardorp vertreten, bei Wegfall aller Einkommensbesteuerung, scheint mir die Richtung zu weisen.

Die Fragen stellte: Max Neufeind. Er ist Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrumfür Organisations- und Arbeitswissenschaften an der ETH Zürich.

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Kommentare

1431 Kommentare Seite 1 von 120 Kommentieren

Glaube ich nicht

Ich glaube nicht, dass die Meisten dann nicht mehr arbeiten würden. Aber es würde den Arbeiter gegenüber seinem Chef stärken.Er würde sich nicht mehr alles bieten lassen und echte Knochenjobs müssten wohl auch anständig bezahlt werden,weil sich dafür sonst niemand mehr finden würde. Allein schon deshalb wird es niemals dazu kommen.

Wo kämen wir denn hin, wenn der Chef sich plötzlich Sorgen machen müsste, ob sich sein Angestellter im Job auch wohlfühlt?

Ich würde mich darüber freuen in der U-Bahne morgens nicht mehr in so viele mürrische Gesichter blicken zu müssen.

graphicdog

P.s. Ich arbeite übrigens sogar im Urlaub. Ich mag meinen Job und habe mich als Fotograf selbstständig gemacht. Sich morgens beim Aufwachen auf seine Arbeit zu freuen trâgt unglaublich zur Lebensqualität bei.

Arbeit ist mehr als nur ein bestimmtes Einkommen

Wir leben immer noch in einer Gesellschaft, wo das Individuum sich sehr stark über den eigenen Beruf definiert. Insofern bedeutet Arbeit nicht nur Sicherung der eigenen Existenz, sondern auch ganz direkt eine Form der gesellschaftlichen Teilhabe.
Insofern finde ich die Idee eines "entbürokratisierten" Existenzminimums sehr reizvoll, nur würde dieses keinesfalls Arbeit - und damit einen eigenen Beruf - als etwas ersetzen, was dem eigenen Leben so etwas wie einen Sinn und eine Richtung gibt.

Ich zum Beispiel

und wäre da ganz sicher nicht allein. Die Frage ist nicht, ob Menschen bereit wären zu arbeiten - alle, die wie ich erfüllende Tätigkeiten haben, würden damit ganz bestimmt nicht aufhören. die Frage wäre, was würde mit den Arbeiten passieren, für die jetzt schon nur wenige sich bereit erklären, z.B. die Migrantinnen, die in privaten Haushalten arbeiten oder Klos auf Autobahnraststätten putzen. Lohnverteilungen würden sich ganz anders gestalten. Müllabfuhr würde ebenso teurer werden wie Restaurantbesuche.
Auf der anderen Seite würde die Wissenschaft enorm davon profitieren, im kulturellen und kreativen Bereich würde das Angebot wesentlich steigen und vieles preiswerter. Wir bekämen eine veränderte Freizeitkultur, und ein verändertes Verständnis von Lebensqualität.

Eher wird man die Menschen vom Arbeiten abhalten müssen

Hier ein bereits existierendes Modell einer Gemeinschaft ohne Geld:

http://www.zeit.de/2011/0...

Zusammengefasst, die Menschen tendieren dazu, sich geradezu gegenseitig bei der Arbeitsbeteiligung zu übertreffen und es stellt sich leider ein Konkurrenzdruck ein.

Das wäre vermutlich das dringendste Problem, wenn Menschen durch 12h Arbeitstage sich von anderen abheben wollen, was natürlich unfair ist.

Was unbequeme Tätigkeiten und Arbeitsbedingungen angeht, ich denke die meisten Gegner der Idee neigen eher dazu, den Menschen bzw. den Erfindergeist zu unterschätzen. Oder es ist für sie schwer vorstellbar, was es letztendlich bedeutet finanziell unabhängig zu sein und wenn dies in Masse eintritt.

Bei solchen Tätigkeiten würden betroffene Mitarbeiter nicht zu Hause bleiben, sondern im Nu die qualitativen Defizite an ihrem Arbeitsplatz beseitigen. Sei es auch, daß sie sich mit Arbeitskollegen absprechen und im Gegenzug ihre eigene Firma gründen, weil sie von Wut angetrieben werden.

Ich vermute, es würde zudem als Nebeneffekt eine Optimierung von Arbeitsabläufen und eine Korrektur von Verschwendung geben, wie sie selbst in der heutigen Wirtschaft nicht möglich ist und dies einfach nur deshalb, weil die Menschen zum ersten Mal merken würden, daß ihre Kapazität als Masse ihre Grenzen hat. Dann stellt sich automatisch die Frage, welche Arbeiten sind wichtig, wo macht man Abstriche, wo automatisiert man.

Es müssen dann eben Anreize geschafft werden.

Das ist schon klar, wenn ich (wie die Piraten es langfristig wünschen) ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1500 € im Monat habe, dann werde ich nicht mehr für 400 € im Monat arbeiten. Aber jetzt muss man sich auch mal die Frage stellen, ob das dann Faulheit ist. 400 € pro Monat, sind bei 20 Arbeitstagen und 8 Stunden pro Tag gerade mal 2,50 €/h. Also, bevor ich da über Faulheit der Arbeitnehmer rede, denke ich erstmal an Ausnutzung der Arbeitgeber. Wenn diese angemessen bezahlen, dann werden sich die Menschen auch gerne noch etwas hinzu verdienen. Das Grundeinkommen soll ja nicht den Urlaub auf Hawaii absichern, sondern das essentiell Notwendige und vielleicht etwas mehr.
Natürlich werden sich Kik, Schlecker etc. dann schwer tun, weiter so billige Belegschaft zu finden. Aber wer Montag bis Samstag den Laden schmeißt, den kann man halt nicht mit einem Minilohn nachhause schicken. Weiter können sich diese Ketten dann auch nicht mehr darauf verlassen, dass Angestellte schweigen, wenn Überstunden unbezahlt bleiben oder diverse illegale Machenschaften Einzug erhalten. Denn wird man gekündigt, hat man noch das Grundeinkommen.

Ich weiß nicht, ob die Forderungen der Piraten realistisch sind, jedoch sollte man schon etwas um diesen Gedanken kämpfen. Er birgt aus meiner Sicht viele tolle Chancen. Natürlich macht all das nur Sinn, wenn man parallel dafür sorgt, dass andere Erpresser (Energie- u. Pharmakonzerne) diese Umverteilung nicht gleich wieder auf ihr eigenes Konto pumpen.

Ich bin fuer Arbeitspflicht

Die arbeitende und steuerzahlende Bevoelkerung akzeptiert
nicht, dass arbeitsfaehige Menschen ohne Gegenleistung
auf ihre Kosten versorgt werden. Der Autor haelt das fuer
einen Mangel an Vertrauen: Wenn wir Vertrauen haben, brauchen wir das Geld nicht mehr im Tresor zu bewahren,
koennen die Polizei abschaffen etc etc. Der Autor ist
schlicht wirklichkeitsfremd. Gluecklicherweise ist die
grosse Mehrheit der gewaehlten Politiker nicht auf seiner Seite.

mein lieber hajohans

Wie nennen sie denn Menschen die ihren Mitarbeitern für ihre Arbeit 5,00 € die Stunde anbieten für ihre Arbeit?

Wenn es ca 5-6 Mio Menschen gibt die arbeitslos sind, und es nicht mal annähernd so viele Stellen gibt, ganz zu schweigen davon, dass nicht jeder jeden Beruf gelernt, bzw, für jeden Beruf geeignet ist, was machen wir denn dann?

Wenn sich eben nicht jeder zum, wie sie so schön schreiben, Sklaven machen lassen will für Ausbeuter, was machen wir denn dann?

Wenn die Automatisierung fortschgreitet, und das wird sie, was machen wir denn dann?

Und wie nennen sie Menschen die ihre Vermögen für sich arbeiten lassen und die selbst in ihrem Leben noch nie gearbeitet haben und es auch nie tun werden?

Die Liste lässt sich noch endlos weiter fortsetzten, aber das reicht im Moment hoffentlich für sie zum mal nachdenken.

Lieber Denkmalmit - Sie sagen mir nichts Neues

aber wenn die Arbeitgeber keine so billigen Arbeitskraefte
bekommen, muessen Sie mehr zahlen. Ich bin durchaus fuer
Mindestlohn auch aus Gruenden des fairen Wettbewerbs. Die
Arbeitslosenzahl liegt unter 4 Mio und es gibt viele offene
Stellen. Ich bin nicht gegen Arbeitslosengeld und finde die
Zeit waehrend der man es bekommt, sollte an die Beitrags-
dauer gekoppelt werden. Die Automatisierung hat die Anzahl
der Stellen insgesamt nicht verringert. Wir haben heute
Millionen Frauen und Millionen Auslaender, die einen Job
bekamen, den es frueher nicht gab. Die Anzahl der Menschen,
die nicht arbeiten muessen, weil sie Millionen geerbt haben
ist begrenzt, aber viele Millionaere arbeiten obwohl sie
es nicht brauchen. "Nehmen anderen die Arbeit weg" sagen
auch manche. Aber das System wird in absehbarer Zeit bleiben.

Und womit wollen Sie die Leute beschäftigen ?

Das hatten wir doch schon einmal, in Gestalt der sogenannten "Ein Euro Jobs". Viele Kommunen (auch solche deren Einnahmesituation sehr gut ist) haben damit dann Lücken in der eigenen Personaldecke zu äußerst geringen Kosten geschlossen. Das Nachsehen hatten dabei die betroffen Arbeitslosen, denn somit wurden sehr wohl reguläre Arbeitsplätze verdrängt und vor allen Dingen taugte das Ganze in der Praxis nur in (seltenen) Ausnahmefällen als Brücke in den "ersten" Arbeitsmarkt.
Derartige Beispiele für gescheiterte Ansätze, um dem Problem der Arbeitslosigkeit / Langzeitarbeitslosigkeit Herr zu werden, gibt es nicht eben wenige - das ist einer der Gründe, weswegen die Hartz - Reformen bislang nicht eben alle Probleme des Arbeitsmarktes auf wundersame Weise zum Verschwinden gebracht haben. Im Gegenteil, so wie in der ZEIT schon einmal beschrieben, wir steuern in der Bundesrepublik auf eine Situation am Arbeitsmarkt zu, die einerseits von einem Mangel an hochqualifizierten Fachkräften und andererseits von weiter anhaltend hoher Arbeitslosigkeit bei den Geringqualifizierten geprägt ist.
Es sieht eher so aus, als ob es da eine Art stillschweigenden Konsens zwischen der Bundesministerin für Arbeit und Soziales und der Wirtschaft gibt: beide Seiten haben kein allzu großes Interesse daran, Langzeitarbeitslose zu Fachkräften zu Qualifizieren. Potential ist schon vorhanden, nur scheint gerade auf Seiten der Wirtschaft der "Leidensdruck" nicht groß genug zu sein.

womit beschäftigen?

ja, gute Frage, womit sollen sich die Menschen dann noch beschäftigen.
Vielleicht mit Kinder zeugen?
Damit unser Volk nicht ausstirbt und ganz viel mehr noch in den Genuß des Staatsbürgergehaltes kommen, weil - hab ich aus der Schule vom Mathelehrer - die Masse es einfach dann schon bringt, denke ich mir so....allerdings hatte ich in Mathe sone ganz furchtbar ungerechte Note, erinnere ich mich empört...

Zwangsarbeit = Diktatur

Sie gibt es in dieser Form nur in Diktaturen, wobei Deutschland einen schleichenden Weg dahin geht. Denn die Bezahlung von Arbeit ist alles andere als leistungsgerecht.

Eine lebenslange Arbeit für das reine Existenzminimum wurde früher (in demokratischen Zeiten) als Strafe im Zuchthaus für Schwerkriminelle für angemessen gehalten.

Heute trifft das immer mehr Bürger aus der ehemaligen Mittelschicht, weil sie in der falschen Branche arbeiten, das "falsche" studiert oder gelernt haben, mit 40 zu alt sind für die verwöhnten deutschen Arbeitgeber.

Beispiel: Es wird immer behauptet, nur echte Fachkräfte würden eben angemessen bezahlt. Diese würden fehlen, z. B. bei den Altenpflegern. Doch diese bekommen nur 7,50 € Mindestlohn brutto! D. h. sie müssen sich trotz Arbeit von den ARGEN schikanieren, komplett durchleuchten lassen und dort betteln gehen.

Ist das für Sie in Ordnung in einem reichen Land? Wer bezahlt denn die ganzen Steuern für die Spekulationen und Schlösser und Bahnhöfe?

Die Zustimmung, die diese Forderung bekommen hat,

zeigt, wie tief verwurzelt noch autoritäre Strukturen in unserer Gesellschaft sind. Da fordert einer "Arbeitspflicht", schon für sich gesehen ein Schlag ins Gesicht einer jeden freiheitlichen Gesellschaft, und schon wird dumpf Jawoll skandiert. Rücksichtslos und/oder vom Neid gesteuert. Mal ganz davon abgesehen, dass Millionen Jobs fehlen würden, und wie würden Sie denn gerne mit Menschen verfahren, die es nicht nötig haben zu arbeiten? Kein Gedanke an Menschen, die aus den vielfältigsten Gründen gar nicht arbeitsfähig sind oder keinen Job finden, weil sie von ihrer Sozialisierung her gar nicht in Arbeitsabläufe integrierbar sind, oder weil sie nichts können (wofür man nicht unbedingt in jedem Fall dem Betroffenen die Schuld geben kann), es einfach keine Arbeit gibt, weil sie körperlich oder psychisch krank sind, eine -mal vorsuichtig formuliert- ungünstige Ausstrahlung haben, schwach sind, Alkoholiker sind, eine Behinderung haben, etc. etc.

So eine Forderung geht schon wirklich schwer in Richtung politisches Analphabetentum.

Wenn Muttersein nun schon als Beruf gelten soll, dann

müßten wir Menschen, die ihren Hund ausführen als private Dogsitter bezahlen, Menschen, die ihrer Schrebergärtnerei nachgehen als Gärtner und Menschen, die sich um ihre eigene Wohnung kümmern, essen für sich kochen als Hauswirtschafter.

Das ist Mist und das Private ist nicht wirklich politisch wirksam, würde ich sagen.

Und das sage ich als Mutter, die erwerbstätig ist und ihren Haushalt immer noch selbst von Dreck befreit, nachdem sie Essen kochte.

Dass die Mehrheit für das BGE ist, glaube ich nicht...

denn die Mehrheit ist bereits gegen eine Ehrhöhung der Hartz IV-Bezüge.

Nun davon auszugehen, dass die Mehrheit für eine bedingungslose Überlassung an Nichtarbeitende bei gleichzeitigem Verfall der über Jahre erarbeiteten Rentenpunkte (mal so als Beispiel) ist, halte ich für eine schräge Betrachtung, da nicht nachvollziehbar

Ich erlaube mir ...

... ebenfalls zu widersprechen.

Denn ich arbeite und zahle Steuern!

Sie - und Ihre Empfehler - haben, scheint's, dass Prinzip nicht verstanden!

SIE als arbeitender Mensch bekämen ja EBENFALLS das Grundeinkommen!

Sie würden also auch sich selbst versorgen.

Kein Grund also, sich aufzuregen.

Wenn Sie dann ZUSÄTZLICH weiterhin Ihre ARBEIT ausüben dürfen, hätten Sie dann also MEHR Einkommen!

Ob und wie das finanzbierbar ist, muss man dann sehen.

Aber allein durch den Bürokratieabbau kann man sicher eine Menge Geld sparen.

Bei ca. 6 Millionen Arbeitslosen und wer-weiss-wievielen unterbezahlt prekär Hochqualifizierten kann unser System, wie es jetzt ist, nicht mehr lange funktionieren.

Es sei denn, Sie wollen alle die überschüssigen Menschen WIRKLICH VERHUNGERN LASSEN?

Übrigens: Bevor es eine ARBEITSPFLICHT gibt, sollte es eine BEZAHLPFLICHT geben, damit wir Steuerzahler nicht irgendwelche Unternehmen finanzieren, die sich nur wegen Lohndumpings am Markt behaupten und so Konkurrenz für anständig zahlende Firmen machen können.

" Ich bin fuer Arbeitspflicht "

" Die arbeitende und steuerzahlende Bevoelkerung akzeptiert
nicht, dass arbeitsfaehige Menschen ohne Gegenleistung
auf ihre Kosten versorgt werden. Der Autor haelt das fuer
einen Mangel an Vertrauen: Wenn wir Vertrauen haben, brauchen wir das Geld nicht mehr im Tresor zu bewahren,
koennen die Polizei abschaffen etc etc. Der Autor ist
schlicht wirklichkeitsfremd. Gluecklicherweise ist die
grosse Mehrheit der gewaehlten Politiker nicht auf seiner Seite. "

Glückwunsch.
In Personen wie ihnen findet das reaktionäre Parteienestablishment dankbare Legitimatoren, wenn es darum gehen wird, die sozialen Errungenschaften die mit viel Blut mühsam erkämpft wurden, abzuwickeln.

Ein bisschen Zwangsarbeit hier, ein paar weitere Befügnisse für Polizisten da.
Wer nichts zu verbergen hat, braucht den Überwachungsstaat auch nicht zu fürchten...
Und aufmucken tun ja sovieso nur diese linken, emanzipatorischen Querulanten, Arbeitsscheuen und "Gutmenschen", denen es der starke Staat dann mal so richtig zeigen kann.

Es sind nicht so sehr korrupte Politiker die für Aufsichtsratsposten ihrer Wähler verkaufen oder egomanische Wirtschaftsbosse die über Leicheberge gehen, die mich zum Verzweiflen bringt.

Es sind völlig phantasielose Leute, wahrscheinlich der Mittelschicht, wie sie, die jene Soziopathen mit einem unreflektierten "Recht so!" bejubeln, brav alle paar Jahre via Wahlzettel in ihren Treiben legitimieren und sich beharrlich weigern, selbst zu denken oder etwas in Frage zu stellen.

selbst denken oder etwas in Frage stellen

Beginnen sie damit erst mal bei sich selbst :-)))

Stellen sie unser Geldsystem in Frage?
Wenn ja, benutzen sie einfach kein Geld mehr

Stellen sie unsere Konsumgesellschaft in Frage?
Wenn ja, dann verzichten sie einfach auf Konsum

Stellen sie unsere Arbeitswelt in Frage?
Wenn ja, dann hören sie einfach auf zu arbeiten

Stellen sie unsere Wohlsatndsgesellschaft in Frage?
Wenn ja, dann ziehen sie einfach in die Sahelzone

Aber bitte verlangen sie nicht, dass der Rest der Gesellschaft die Verantwortung für ihre persönlichen Entscheidungen trägt !!!!

SIE sind nicht "der Rest der Gesellschaft"

Wenn Sie keine Verantwortung für andere übernehmen wollen, ist das Ihre Sache. Sie sollten sich aber nicht anmassen, für den "Rest der Gesellschaft" zu sprechen.

>> Wenn ja, benutzen sie einfach kein Geld mehr. <<

>> Wenn ja, dann verzichten sie einfach auf Konsum. <<

>> Wenn ja, dann ziehen sie einfach in die Sahelzone. <<

Nun ja, wenn Sie etwas freundlicher darum bitten, ziehe ich es vielleicht in Erwägung.

>> Wenn ja, dann hören sie einfach auf zu arbeiten. <<

Kein Problem ;o))

" Beginnen sie damit erst mal bei sich selbst :-))) "

" selbst denken oder etwas in Frage stellen
Beginnen sie damit erst mal bei sich selbst :-)))

Stellen sie unser Geldsystem in Frage? "

Ja.
Und mir ist auch der Umstand geläufig, dass i.d.R. Geld = Kredit = Schuld ist.

" Wenn ja, benutzen sie einfach kein Geld mehr "

Ich arbeitete daran. Ist aber in einer hoch arbeitsteiligen Gesellschaft deren zentrales Kommunikationsmedium eben Geld ist und man sich selbst spezialisiert hat, nicht ganz einfach.

" Stellen sie unsere Konsumgesellschaft in Frage?
Wenn ja, dann verzichten sie einfach auf Konsum "

Falls sie mit "Konsum" die Anhäufung von statusgebenden Firlefanz meinen; ist eingestellt.

" Stellen sie unsere Arbeitswelt in Frage?
Wenn ja, dann hören sie einfach auf zu arbeiten "

Sofern sich dies auf klassische, entfremdende Erwerbsarbeit im Angestelltenverhältnis bezieht; schon geschehen.

" Stellen sie unsere Wohlsatndsgesellschaft in Frage?
Wenn ja, dann ziehen sie einfach in die Sahelzone "

Um unsere Wohlstandsgesellschaftlich in Frage zu stellen, brauche ich nicht in die Sahelzone zu ziehen.
Ihre Folgerung atmet den Hauch eines konformistischen 70er Jahre "Geh doch nach drüben!" gegen Kritiker des Kapitalismus.

" Aber bitte verlangen sie nicht, dass der Rest der Gesellschaft die Verantwortung für ihre persönlichen Entscheidungen trägt !!!! "

Der Illusion gebe ich mich nicht hin.
Die Gesellschaft schafft es ja nichtmal Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Arbeitspflicht: Sanktionen treffen doch nur die Hilflosesten

Meine Vorredner haben es nicht auf den Punkt gebracht, weshalb die Arbeitspflicht in ihrer heutigen Umsetzung so unmenschlich ist. Deshalb schliesse ich mich deren Stimmen an mit der folgenden Anmerkung.

Die Sanktionen der Jobcenter, die ja eine Arbeitspflicht herbeiführen sollen, treffen ausschliesslich Menschen, die auch sonst hilflos sind. Dazu gehören geistig Kranke, Menschen, die nicht fähig sind, eine Eingliederungsvereinbarung zu lesen und die Maßnahmen zu verstehen, auf sonstige Weise kranke und Behinderte.

Eigentlich jeder, der gesund ist und mit einem Maß an Intelligenz auf die Welt gekommen ist, die für ihn keine Behinderung darstellt, unabhängig davon ob er gute oder böse Absichten hat und ob er nebenbei schwarzarbeitet, wird niemals in eine Sanktion hineingeraten. Er wird sich entsprechend der Weisungen verhalten.

Was ist eine Sanktion? Damit wird ein bestimmter Prozentsatz, z.B. 10 oder 20 Prozent, je nach Vergehen, vom Existenzminimum von etwa 350EUR über 3 Monate abgezogen. Was tut jemand, der sanktioniert wurde? Es gab schon Menschen, die daran gestorben sind. Im Prinzip wird ein hilfloser Mensch im Falle einer Sanktion zu Tode verängstigt sein und rein gar nichts dagegen unternehmen.

An #6 Ich schäme mich zuzugeben, das genau ist unser heutiges Verständnis von Ökonomie, Anreizwirkung, Psychologie und deren Anwendung. Obwohl John Nash längst seine Irrtümer zugab.

Wer "Arbeitspflicht" sagt, der kann unter solchen Umständen nur ein Ideologe sein.

blauäugig!

Der Inhalt Ihres Kommentars gibt auch nicht ansatzweise die Realität wider. Natürlich akzeptiert der "dumme Michel", dass viele Menschen in unserem Staat praktisch ohne Gegenleistung, den Tag einen guten Mann sein lassen. Nicht wenige leben dabei im wahrsten Wortsinn in "Saus und Braus".
Wenn es anders wäre, würden die Menschen doch bei auch bei uns auf die Straße gehen, Generalstreiks durchführen etc..

Komisch, dass die meisten Menschen die Augen vor der Realität verschließen.

Ich plädiere für ein bedingungsloses Grundeinkommen aller Bürger.

Bedingungsloses Grundeinkommen ein Muss

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Muss, denn wenn die Familien und Kinder genug Geld bekommen um vernünftig leben zu können werden Streitpunkte innerhalb der Familien entfernt und diese Familien zerbrechen dann nicht so schnell.Zusätzlich können dadurch noch die Konflikte zwischen armen (gibts ja dann nicht mehr wirklich) und reichen Kindern in der Schule vermindert werden.Die Kriminalitätsrate wird dann ebenfalls zurückgehen. Das sind einige Punkte von vielen die das bedingungslose Grundeinkommen mit sich bringen würde.

Dazu noch ein Recht auf Arbeit, sprich das wenn jemand in einem Unternehmen arbeiten will,dass er auch dort eingestellt wird.dann arbeiten halt nicht 1000 Menschen a 10h am Tag in dem Unternehmen sondern 2000 Menschen a 5h am Tag.dieses wäre durch das bedingungslose Grundeinkommen durchaus machbar.

von der Arbeitspflicht hingegen halte ich nichts.
Jedes Individuum ist nunmal anders und man sollte niemanden zu etwas zwingen was er nicht machen will.Hartz-4 mit seinen Sanktionen (kein Geld für Nahrung,Wohnung oder sozialer Ausgeschlossenheit, unter Umständen auch alles 3) ist einfach Folter.

Das bedingungslose Grundeinkommen würde den Arbeitnehmer auch auf Augenhöhe mit dem Arbeitgeber stellen, da man nicht mehr gezwungen ist zu schlechten Löhnen (ist relativ) einen Job zu machen mit Kollegen/einen Chef die/der einen Scheisse behandeln/t.Dadurch wäre der Arbeitnehmer in einer viel besseren Position als jetzt.

1418. Bedingungsloses Grundeinkommen ein Muss

Alukat,
ich stimme Ihnen in fast allem zu, aber nicht im folgenden :

"Dazu noch ein Recht auf Arbeit, sprich das wenn jemand in einem Unternehmen arbeiten will,dass er auch dort eingestellt wird.dann arbeiten halt nicht 1000 Menschen a 10h am Tag in dem Unternehmen sondern 2000 Menschen a 5h am Tag.dieses wäre durch das bedingungslose Grundeinkommen durchaus machbar."

Ich bin zwar dafür, die reguläre Arbeitszeit wieder auf 8 Stunden zu senken, aber ich bin gegen Ihren Vorschlag z.B. in der Entwicklung, und die ist nun einmal der Hauptaktivposten in unserer Wirtschaft.

Versuche, z.B. die Entwicklung in ein 3 Schichten Raster rund um die Uhr und die Welt zu teilen : Wenn der Kollege in Fernost seinen Griffel niederlegt, begint der deutsche mit der Weiterentwicklung und gibt nach 8 Std. an seinen Kollegen in USA weiter, funktioniert praktisch nicht. Denn jeder sucht dann z.B. in einer Software nicht mehr seine Fehler, sondern die eines Kollegen, wo er gar nicht wusste, was der gedacht hatte.

Die Rechnung, wozu einer 1000 Std. braucht, schaffen 1000 in einer Stunde, ist nicht real.

anders gestricktes Konzept

So logisch und vernünftig Ihre Idee auch klingt, das Konzept ist anders gestrickt: Die Idee - wenn ich sie richtig verstehe - ist, dass jeder das macht, was er/sie am Besten kann oder woran er/sie die größte Freude hat. Das kann dann Nachhilfe für Grundschüler sein (da lassen sich Schnittmengen mit Ihrer Idee finden), aber auch ein Dasein als Künstler auf niedrigem Niveau (den benötigt die Gesellschaft ja nicht unbedingt). Unangenehme und schwere Arbeiten (Kanalarbeiter, Altenpfleger usw.) müssten dann halt sehr gut bezahlt werden, damit das noch jemand macht, Universitätsprofessoren hingegen würden sehr preiswerte Konkurrenz erhalten (von Akademikern, die heute unterqualifiziert beschäftigt sind), gesellschaftliche Hierachien würden sich teilweise umkehren... Immerhin ein interessantes Gedankenexperiment, dass schnell zeigt, wen wir am Meisten brauchen (oft heute schlecht bezahlte Leute).

Wenn Müllabfuhr so verachtet ist warum reissen sich viele drum?

Wenn die Alternative ist ohne Arbeit ein BGE zu haben oder als Müllmann oder Altenpfleger das doppelte erhält - warum sollten sich die Menschen dann anders entscheiden als heute.

Um Müllmann werden zu dürfen, muss man Beziehungen haben. Oder kennen Sie offene Stellen im öffentlichen Dienst? Ich hätte Zeit und Lust - sogar ohne BGE (-.-)

So zum Beispiel:

Müllabfuhr: würde die denn wirklich soviel teurer werden? Im Idealfall produzieren wir langfristig hoffentlich eh weniger Sperrmüll und senken damit die Kosten. Wieviel Personal lässt sich durch verbesserte Technologie noch einsparen? Um wieviel wird der Wert von Receyclingprodukten steigen, bei zunehmender Rohstoffknappheit?

Altenpflege: Bei einem BGE von 1000 € für eine Person sollte bei der höchsten Pflegestufe doch mindestens 280 € drin sein. Alternativ könnte die Pflege auch von der eigenen Familie geleistet werden, was dank BGE nun eher eine finanzielle Option wäre.

So oder so ähnlich werden wohl die Lösungen langfristig aussehen.

Pflege

wenn Sie keinerlei Familie haben, kein Ersapartes (so wie z.B. ein HAus,das verkauft werden koennte oder in dem sie, wenn sie es nicht verkaufen wollen, Zimmer untervermieten koennen). Wenn Sie nicht in eine Alten-WG ziehen woillen, wo man sich viele Kosten privat teilen koennte, dann bleibt Ihnen immer noch die Moeglichkeit in ein Altenheim zu gehen. Wenn Sie dort betreut werden, erhaelt die Einrichtung Ihr bGE bis auf ein Taschengeld fuer Sie. Nicht ideal, aber immer noch leichter finanzierbar als heute mit ALG II. Alles was Versorgung und Behandlung von Krankheiten (!) betrifft, muss ohnehin aus der Krankenkversicherung gezahlt werden.

1193. Pflege

wenn Sie keinerlei Familie haben, kein Ersapartes (so wie z.B. ein HAus,das verkauft werden koennte oder in dem sie, wenn sie es nicht verkaufen wollen, Zimmer untervermieten koennen). Wenn Sie nicht in eine Alten-WG ziehen woillen, wo man sich viele Kosten privat teilen koennte, dann bleibt Ihnen immer noch die Moeglichkeit in ein Altenheim zu gehen. Wenn Sie dort betreut werden, erhaelt die Einrichtung Ihr bGE bis auf ein Taschengeld fuer Sie. Nicht ideal, aber immer noch leichter finanzierbar als heute mit ALG II. Alles was Versorgung und Behandlung von Krankheiten (!) betrifft, muss ohnehin aus der Krankenkversicherung gezahlt werden."

Tina,
die KV/PV ist aber eine Versicherung, die aus dem bGE bezahlt wird.
Ein Potential des bGE ist aber, dass durchaus einer der Verdiener in der Familie sich entscheidet, seine Kinder oder seine Eltern bzw. Schwiegereltern zu Hause zu betreuen.

Heute braucht eine 4köpfige Familie 2 Durchschnittslöhne, um ihr Existenzminimum zu erarbeiten, bei bGE könnte sie entscheiden, ob sie nun zusätzlich einen oder nur einen halben Durchschnittslohn für Wohlstand erwirbt, sich aber um Kinder oder Eltern kümmert.

Die KV PV

wird dann zwar aus dem bGE bezahlt, sie deckt aber damit ja noch nicht zwingend alle Kosten ab. Auch heute müssen private Mittel zugezahlt werden (und zwar bis hin zu den Geschwistern und Enkelkindern der versicherten Person!) und erst wenn diese ausgeschöpft sind, springt der Sozialstaat ein. Das sähe beim bGE erst einmal nicht anders aus, es sei denn man erhöht den antiel der Pflegeversicherung. Die Möglichkeiten, sein Leben in dieser Situation zu gestalten (durch WG, Verringerung der Erwerbsarbeit der Angehörigen) steigen aber durch ein BgE. Bei 1000 Euro pro Monat hätte jemand, der seine Arbeit aufgibt, um einen Elternteil zu sich nach hause zu nehmen und dort zu pflegen ja nicht nur das eigene BGE, sondern könnte auch eine Aufwandsentschädigung sowie gemeinsame Haushaltkosten aus dem BGE der zu pflegenden Person begleichen.

1201. Die KV PV

wird dann zwar aus dem bGE bezahlt, sie deckt aber damit ja noch nicht zwingend alle Kosten ab. Auch heute müssen private Mittel zugezahlt werden (und zwar bis hin zu den Geschwistern und Enkelkindern der versicherten Person!) und erst wenn diese ausgeschöpft sind, springt der Sozialstaat ein. Das sähe beim bGE erst einmal nicht anders aus, es sei denn man erhöht den antiel der Pflegeversicherung."

Richtig Tina,
aber woher soll der Staat das finanzieren, sein Staatshaushalt beträgt 50 % des Volkseinkommens für bGE und Subventionen, 10 % des Volkseinkommens für ÖD und Infrastruktur.
bGE ist aber ein Potential, dass ein Elternteil Kinder betreuen können oder z.B. pflegebedürftige Eltern.
Da ich zum Glück schon Rentner war, konnte ich meiner demenzkranken Mutter das Heim ersparen.

Das Problem der KV/PV ist mit bGE nicht gelöst, nur die Finanzierung der KV/PV-Kopfpauschale. Es ist Aufgabe der KV, sowohl die Gesundheitskosten als auch die Pflegekosten durch Marktmacht so zu deckeln, dass sie bezahlbar bleiben. Da haben sich die KVn ein Beispiel an Aldi, Lidl, Edeka und Rewe zu nehmen. Die senken durch Marktmacht ihre Einkaufspreise.
Der einzelne Kranke kann nicht feilschen im Freien Markt, 4 große KVn können dies schon.

1204. 1201. Die KV PV

Tina,
hinzu kommt, das die EU die Liberalisierung des Gesundheits- und Pflegemarktes fordert.
Deshalb ja die KV-Kopfpauschale. Der Familien- und Sozialausgleich dafür ist über bGE als Steuerfinanzierung sicherzustellen, aber den Versicherten ist die KV-Wahl freigestellt, den Versicherungen die Wahl des Leistungsträgers, salopp gesagt : Rumänische Zähne für deutsche Rentner durch eine spanische Versicherung.

Im Pflegefall könnte das auch Altenheime in Rumänien bedeuten.

Das klingt hart, lieber wäre mir Pflege durch Angehörige in D über ihre Kindern dank bGE plus PV-Zulage.

Aber in Japan, wo Rentner ihre Rente als Barwertabfindung erhalten, ist es schon usus, dass die Japaner ihren Ruhestand in Spanien verbringen, der Barwert hält dann länger durch die niedrigeren Lebenshaltungskosten.

Deshalb bin ich ja dafür, dass Rentner auch ihre Rente in D versteuern und mit ihrem bGE zusammen dann in warmen Gegenden verbringen können.

Wir müssen unseren Exportüberschuss in der EU dadurch abbauen, dass wir über Rentner, Pensionäre und Touristen in den PIIGS-Staaten die Wirtschaft ankurbeln.

Deshalb bin ich auch dafür, die Hilfen für die PIIGS-Staaten über Bürgerurlaube für Deutsche zu finanzieren. Es kostet höchstens dasselbe, aber die Deutschen hätten auch etwas davon.-)))

1208. naja...

einerseits kurbeln deutsche Touristen und Rentner die Wirtschaft in ärmeren Ländern an - andererseits verderben sie dadurch die Preise fuer die einheimische Bevölkerung. Ein Grossteil der Immobilienblase in Spanien ist dadurch zu erklären."
na ja, Tina,
Rentner kaufen in Spanien kaum Immobilien, dafür reicht die Rente kaum. Das haben sie meistens schon vorher getan, als ihr Gehalt das noch zuließ.-))
Aber mit bGE hätte sich das Lohndumping nicht so verheerend auf die PIIGS-Staaten ausgewirkt, mehr Touristen hätten mehr Arbeit dort geschaffen. Was wir damals nicht dort ausgegeben haben, müssen wir heute als Hilfen zahlen. Und dann wäre es immer noch günstiger, die Hilfe über Touristen dahin zu tragen und Arbeit zu schaffen als an Banken zu überweisen.-))

Das problem verschärft sich noch...

Die Verwandtschaft wird in der nächsten Generation deutlich kleiner ausfallen. Onkel und Tanten zu haben wird exotisch sein und wir können uns darauf einrichten, dass ein bGE Empfänger als Einzelkind für zwei Elternteile aufkommen muss oder die pflege übernehmen muss.
Und das Geld für die bGE wird in anderen Sozialbereichen logischerweise fehlen.

1269. Das problem verschärft sich noch...

"Die Verwandtschaft wird in der nächsten Generation deutlich kleiner ausfallen. Onkel und Tanten zu haben wird exotisch sein und wir können uns darauf einrichten, dass ein bGE Empfänger als Einzelkind für zwei Elternteile aufkommen muss oder die pflege übernehmen muss.
Und das Geld für die bGE wird in anderen Sozialbereichen logischerweise fehlen."

Falsch, Klaus,
1. Wir haben heute nur 60 % Bürger im erwerbsfähigen Alter.
2. 40 % sind also unter 20 oder über 65.
3. Nach der Demografie-Studie von destatis werden die 40 % konstant bleiben, auch wenn sich die unter 20 verringern, nehmen die über 65 nur in diesem Rahmen zu, die Gesamtbevölkerung wird sogar leicht schrumpfen.

Die Umstellung des Sozialstaates von Arbeitnehmerbeiträgen auf Wertschöpfung aber stabilisiert das bGE-Volumen auf Einwohnerzahl mal bGE, unabhängig von Lohnquote und Alter.