Sozialstaat"Das bedingungslose Grundeinkommen macht nicht faul"

Was, wenn der Staat jedem Bürger genügend Geld zum Leben zahlte? Die Gesellschaft würde davon profitieren, sagen ein Arbeitspsychologe und ein Soziologe im Interview. von Max Neufeind

ZEIT ONLINE: Herr Wehner, Herr Liebermann, die Piraten-Partei und Teile der Linkspartei werben für das Bedingungslose Grundeinkommen. Bürgerliche Parteien tun die Idee jedoch als Utopie ab.

Theo Wehner
Theo Wehner

Wehner, geboren 1947, ist Professor für Arbeitspsychologie an der ETH Zürich. Er befasst sich mit den Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Arbeit im organisationalen und gesellschaftlichen Kontext und ist Mitglied bei kontrapunkt, dem Schweizer Rat für Wirtschafts- und Sozialpolitik. Anfang 2012 erscheint von ihm Corporate Volunteering: Unternehmen im Spannungsfeld von Effizienz und Ethik.

Theo Wehner: Ich würde sagen, dass Vollbeschäftigung eine utopischere Vorstellung ist als die eines bedingungslosen Grundeinkommens. Die Gesellschaft wird nicht auf technische und soziale Innovationen verzichten, und sollte es auch nicht. Das bedeutet zwangsläufig auch Rationalisierung. Gleichzeitig gelingt es den entwickelten Arbeitsgesellschaften nicht, Rationalisierungsgewinne gerecht beziehungsweise zum Nutzen aller zu verteilen. Das Ergebnis sind Resttätigkeiten, Dequalifizierung und Arbeitslosigkeit für die Einen und Arbeitsverdichtung, Selbstausbeutung und Erschöpfung für die Anderen.

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ZEIT ONLINE: Auch die FDP wirbt seit 2005 für ein "liberales Bürgergeld". Anders als bei den Piraten sieht dieses Konzept aber obligatorische Arbeit als Gegenleistung für das Grundeinkommen vor. Ist das nicht das bessere Konzept?

Wehner: Jedes Konzept passt grundsätzlich zum Menschenbild derer, die es entwerfen. Das "liberale Bürgergeld" ist ein Misstrauenskonzept. Es traut dem Bürger nicht zu, dass er zur Selbstrelativierung fähig ist, also zur sozialen Rücksichtnahme im Interesse der eigenen Selbstachtung.

Sascha Liebermann
Sascha Liebermann

Liebermann, geboren 1967, studierte Philosophie bei Jürgen Habermas und Soziologie bei Ulrich Oevermann. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr Universität Bochum und Mitbegründer der Initiative Freiheit statt Vollbeschäftigung, die sich für eine öffentliche Diskussion um ein Grundeinkommen einsetzt.

Sascha Liebermann: Bei der FDP ist von "Aktivierung" und "Anreiz", von "Findigen" und "Faulen" die Rede, als leide unser Sozialsystem am Missbrauch. Dabei ist der diagnostizierte Missbrauch Ausnahme und nicht Regel. Viel eher können wir im Alltag erkennen, wie groß die Bereitschaft zum Engagement ist. Von Trainern im Jugendsport über Aufsichtspersonal in Museen bis zur Freiwilligen Feuerwehr.

ZEIT ONLINE: Selbst die SPD, der soziale Gerechtigkeit ein Grundanliegen ist, spricht sich gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen aus.

Liebermann: Die SPD begreift sich – nicht überraschend – noch immer als Arbeiterpartei. Sie propagiert die Verwirklichung des Menschen durch Arbeit.

ZEIT ONLINE: Auch Ökonomen argumentieren, dass keiner mehr arbeiten würde, wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe. Viele Menschen würden dem intuitiv zustimmen...

Wehner: Ein Grundeinkommen macht genauso wenig faul, wie Erwerbsarbeit grundsätzlich fleißig macht. Der Mensch ist ein tätiges Wesen.

Liebermann: Ohne bürgerschaftlich Engagierte gäbe es ebenfalls viele Leistungen nicht. An vielen Stellen treffen wir auf das Phänomen, dass Menschen auf der Basis eines inneren Antriebs, der sich lebensgeschichtlich gebildet hat, tätig sind. Eines äußerlichen Stimulus, eines externen Anreizes, bedarf es nicht. Mit einer Einkommenssicherheit könnten sich die Menschen der Entfaltung dieses inneren Antriebs viel einfacher stellen. Es würde also eher wohlstandsfördernd wirken.

ZEIT ONLINE: Ist es nicht eher so, dass man versuchen würde einen Mitarbeiter, der über ein gesichertes Grundeinkommen verfügt, im Lohn zu drücken?

Liebermann: Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen setzt sich das Einkommen, über das eine Person verfügt, anders zusammen als heute. Während der Lohn gegenwärtig sowohl die Existenzsicherung leisten als auch den Mitarbeiter würdigen soll, würde das durch das Bedingungslose Grundeinkommen getrennt. Für die Existenzsicherung sorgt das Bedingungslose Grundeinkommen, der Lohn drückt dann nur noch aus, welchen Anteil am Unternehmenserfolg ein Mitarbeiter erhält. Selbst bei niedrigerem Lohn als zuvor könnte ein höheres Gesamteinkommen erzielt werden, weil das Bedingungslose Grundeinkommen ja immer da ist und nicht verrechnet werden soll.

ZEIT ONLINE: Ein niedriger Lohn bedeutet aber eine weitere Abwertung der Erwerbsarbeit.

Liebermann: Nur wenn Sie den Wert einer Tätigkeit am Lohn bemessen. Der sagt aber nichts darüber aus, welche Bedeutung diese Tätigkeit für die Person hat, die sie ausübt und für jene, die sie in Anspruch nehmen. Ist die Müllabfuhr weniger bedeutend als das Investmentbanking? Solange jemand seinen Beruf gerne ausübt, sich mit der Aufgabe identifiziert, ist er bereit, erhebliche Lohneinbußen in Kauf zu nehmen. Problematisch wird das erst, wenn die Löhne zu niedrig sind, um ein sicheres Auskommen zu haben. Man hadert dann ja nicht mit seinem Beruf, sondern mit der Einkommenssituation. Das bringt Leistungseinbußen mit sich. Die wiederum tauchen in keiner Statistik auf.

ZEIT ONLINE: Verabschiedet sich eine Gesellschaft, die ein Bedingungsloses Grundeinkommen einführt, nicht vom alten Ideal "Recht auf Arbeit"?

"Wir können Lebenszeit zurückgewinnen"

Sascha Liebermann

Liebermann: Ein Recht auf einen Arbeitsplatz gibt es auch heute nicht, wie wir an der Entwicklung des Arbeitsmarkts sehen. Zum Glück gibt es dieses Recht nicht, denn Erwerbsarbeit ist ja nicht per se sinnvoll. Sie ist es nur, wenn sie zur Wertentstehung notwendig ist. Wo Maschinen sie ersetzen kann, können wir Lebenszeit zurückgewinnen. Durch ein Grundeinkommen wäre es möglich, sich Aufgaben zuzuwenden, die Maschinen nicht übernehmen können und die nicht zwangsläufig in Erwerbstätigkeit führen müssen.

ZEIT ONLINE: Schon in der Bibel heißt es "Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen". Ist es wirklich denkbar die Verbindung von Erwerbsarbeit und Entlohnung zu lösen?

Wehner: Das ist nicht ganz richtig. Bei Paulus heißt es, dass man im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen soll. Dass man es auch unter ausbeuterischen, womöglich inhumanen Bedingungen verdienen soll, davon ist nicht die Rede. Paulus droht nicht jenen, die nicht arbeiten wollen, sondern er warnt davor, den sogenannten Müßiggänger "als Feind zu halten", stattdessen sollte man ihn "als einen Bruder vermahnen". Was sagt mir das? Wir müssen mit jenen, die arbeitslos sind oder im Arbeitsleben eher Verweigerungsimpulse verspüren, im Dialog bleiben. Ob wir unter Bedingungen des Bedingungslosen Grundeinkommens mehr Müßiggänger haben würden, dazu sagt uns auch Paulus nichts. Man sollte darüber nicht populistisch spekulieren, stattdessen sollte mehr dazu geforscht werden.

ZEIT ONLINE: Wer soll das Grundeinkommen eigentlich bezahlen? Ist es überhaupt finanzierbar?

Liebermann: Die Frage klingt kompliziert, die Antwort ist einfach: nur das Gemeinwesen kann es "bezahlen". Das geht nur, wenn die Bürger das Grundeinkommen auch zu tragen bereit sind. Das gilt für alle öffentlichen Leistungen heute gleichermaßen. Finanziert werden sollte es mittels eines Steuerwesens, das Leistungserstellung fordert und nicht hemmt. Die Vorschläge zur Finanzierung über eine Konsumsteuer, wie sie etwa Götz W. Werner und Benediktus Hardorp vertreten, bei Wegfall aller Einkommensbesteuerung, scheint mir die Richtung zu weisen.

Die Fragen stellte: Max Neufeind. Er ist Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrumfür Organisations- und Arbeitswissenschaften an der ETH Zürich.

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Leserkommentare
  1. Wer hat da noch Lust zu Arbeiten vieleicht nur für
    ein wenig mehr Geld ?
    Die dann auch noch Miete u.Nebenkosten
    selber aufbringen sollen.
    Die wollen dann auch nicht mehr...

    17 Leserempfehlungen
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    Ich glaube nicht, dass die Meisten dann nicht mehr arbeiten würden. Aber es würde den Arbeiter gegenüber seinem Chef stärken.Er würde sich nicht mehr alles bieten lassen und echte Knochenjobs müssten wohl auch anständig bezahlt werden,weil sich dafür sonst niemand mehr finden würde. Allein schon deshalb wird es niemals dazu kommen.

    Wo kämen wir denn hin, wenn der Chef sich plötzlich Sorgen machen müsste, ob sich sein Angestellter im Job auch wohlfühlt?

    Ich würde mich darüber freuen in der U-Bahne morgens nicht mehr in so viele mürrische Gesichter blicken zu müssen.

    graphicdog

    P.s. Ich arbeite übrigens sogar im Urlaub. Ich mag meinen Job und habe mich als Fotograf selbstständig gemacht. Sich morgens beim Aufwachen auf seine Arbeit zu freuen trâgt unglaublich zur Lebensqualität bei.

    • Karl63
    • 29. Dezember 2011 19:47 Uhr

    Wir leben immer noch in einer Gesellschaft, wo das Individuum sich sehr stark über den eigenen Beruf definiert. Insofern bedeutet Arbeit nicht nur Sicherung der eigenen Existenz, sondern auch ganz direkt eine Form der gesellschaftlichen Teilhabe.
    Insofern finde ich die Idee eines "entbürokratisierten" Existenzminimums sehr reizvoll, nur würde dieses keinesfalls Arbeit - und damit einen eigenen Beruf - als etwas ersetzen, was dem eigenen Leben so etwas wie einen Sinn und eine Richtung gibt.

    • MaxData
    • 29. Dezember 2011 19:58 Uhr

    "Man sollte darüber nicht populistisch spekulieren, stattdessen sollte mehr dazu geforscht werden." sagt Herr Prof.

    Ahhaaaaa!!! Er will also Geld ^^ wie gierig^^

    • Kriton
    • 29. Dezember 2011 20:10 Uhr

    und wäre da ganz sicher nicht allein. Die Frage ist nicht, ob Menschen bereit wären zu arbeiten - alle, die wie ich erfüllende Tätigkeiten haben, würden damit ganz bestimmt nicht aufhören. die Frage wäre, was würde mit den Arbeiten passieren, für die jetzt schon nur wenige sich bereit erklären, z.B. die Migrantinnen, die in privaten Haushalten arbeiten oder Klos auf Autobahnraststätten putzen. Lohnverteilungen würden sich ganz anders gestalten. Müllabfuhr würde ebenso teurer werden wie Restaurantbesuche.
    Auf der anderen Seite würde die Wissenschaft enorm davon profitieren, im kulturellen und kreativen Bereich würde das Angebot wesentlich steigen und vieles preiswerter. Wir bekämen eine veränderte Freizeitkultur, und ein verändertes Verständnis von Lebensqualität.

    Hier ein bereits existierendes Modell einer Gemeinschaft ohne Geld:

    http://www.zeit.de/2011/0...

    Zusammengefasst, die Menschen tendieren dazu, sich geradezu gegenseitig bei der Arbeitsbeteiligung zu übertreffen und es stellt sich leider ein Konkurrenzdruck ein.

    Das wäre vermutlich das dringendste Problem, wenn Menschen durch 12h Arbeitstage sich von anderen abheben wollen, was natürlich unfair ist.

    Was unbequeme Tätigkeiten und Arbeitsbedingungen angeht, ich denke die meisten Gegner der Idee neigen eher dazu, den Menschen bzw. den Erfindergeist zu unterschätzen. Oder es ist für sie schwer vorstellbar, was es letztendlich bedeutet finanziell unabhängig zu sein und wenn dies in Masse eintritt.

    Bei solchen Tätigkeiten würden betroffene Mitarbeiter nicht zu Hause bleiben, sondern im Nu die qualitativen Defizite an ihrem Arbeitsplatz beseitigen. Sei es auch, daß sie sich mit Arbeitskollegen absprechen und im Gegenzug ihre eigene Firma gründen, weil sie von Wut angetrieben werden.

    Ich vermute, es würde zudem als Nebeneffekt eine Optimierung von Arbeitsabläufen und eine Korrektur von Verschwendung geben, wie sie selbst in der heutigen Wirtschaft nicht möglich ist und dies einfach nur deshalb, weil die Menschen zum ersten Mal merken würden, daß ihre Kapazität als Masse ihre Grenzen hat. Dann stellt sich automatisch die Frage, welche Arbeiten sind wichtig, wo macht man Abstriche, wo automatisiert man.

    Das der erste kommentator den text nicht schnallt

    • Afa81
    • 30. Dezember 2011 18:44 Uhr

    Das ist schon klar, wenn ich (wie die Piraten es langfristig wünschen) ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1500 € im Monat habe, dann werde ich nicht mehr für 400 € im Monat arbeiten. Aber jetzt muss man sich auch mal die Frage stellen, ob das dann Faulheit ist. 400 € pro Monat, sind bei 20 Arbeitstagen und 8 Stunden pro Tag gerade mal 2,50 €/h. Also, bevor ich da über Faulheit der Arbeitnehmer rede, denke ich erstmal an Ausnutzung der Arbeitgeber. Wenn diese angemessen bezahlen, dann werden sich die Menschen auch gerne noch etwas hinzu verdienen. Das Grundeinkommen soll ja nicht den Urlaub auf Hawaii absichern, sondern das essentiell Notwendige und vielleicht etwas mehr.
    Natürlich werden sich Kik, Schlecker etc. dann schwer tun, weiter so billige Belegschaft zu finden. Aber wer Montag bis Samstag den Laden schmeißt, den kann man halt nicht mit einem Minilohn nachhause schicken. Weiter können sich diese Ketten dann auch nicht mehr darauf verlassen, dass Angestellte schweigen, wenn Überstunden unbezahlt bleiben oder diverse illegale Machenschaften Einzug erhalten. Denn wird man gekündigt, hat man noch das Grundeinkommen.

    Ich weiß nicht, ob die Forderungen der Piraten realistisch sind, jedoch sollte man schon etwas um diesen Gedanken kämpfen. Er birgt aus meiner Sicht viele tolle Chancen. Natürlich macht all das nur Sinn, wenn man parallel dafür sorgt, dass andere Erpresser (Energie- u. Pharmakonzerne) diese Umverteilung nicht gleich wieder auf ihr eigenes Konto pumpen.

  2. 2. [...]

    Entfernt da unsachlich. Die Redaktion/mak

    2 Leserempfehlungen
  3. Die arbeitende und steuerzahlende Bevoelkerung akzeptiert
    nicht, dass arbeitsfaehige Menschen ohne Gegenleistung
    auf ihre Kosten versorgt werden. Der Autor haelt das fuer
    einen Mangel an Vertrauen: Wenn wir Vertrauen haben, brauchen wir das Geld nicht mehr im Tresor zu bewahren,
    koennen die Polizei abschaffen etc etc. Der Autor ist
    schlicht wirklichkeitsfremd. Gluecklicherweise ist die
    grosse Mehrheit der gewaehlten Politiker nicht auf seiner Seite.

    29 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    denken nicht mit. Aus ihnen spricht der Sozialneid.
    Sie scheinen sich stark mit ihrem Einkommen aus tätiger Arbeit zu identifizieren und gehen einfach mal davon aus, das alle Menschen die nicht arbeiten auch nicht essen sollen.

    Wenn es nicht genug Arbeit gibt,was nachweislich so ist, wird auch nicht jeder Arbeit finden um davon leben zu können.

    Hoffen und beten sie mal, dass sie niemals den Job verlieren oder, falls sie selbstständig sind, das ihnen ihre Kunden nicht weglaufen.

    Von ALG II trennt sie, wenn sie Glück haben, nämlich nur ein Jahr.

    "Die arbeitende und steuerzahlende Bevoelkerung akzeptiert nicht, dass arbeitsfaehige Menschen ohne Gegenleistung auf ihre Kosten versorgt werden."

    Der Aussage ist zuzustimmen.

    Sie trifft allerdings nicht auf das bedingungslose Einkommen zu, denn die Sachlage in Deutschland ist die folgende: wir haben Massenarbeitslosigkeit, sprich zu wenig Arbeit für alle. Und wir sind ein reiches Land, bei dem Armut bedeutet, dass man dennoch überlebt, aber nicht am Konsum teilnimmt.

    Der Großteil der Bevölkerung allerdings will am Konsum teilnehmen. Er will ein Auto und ab und an einen Urlaub machen.

    Das BGE sorgt hoffentlich dafür, dass sich tatsächlich manche in die Arbeitslosigkeit verabschieden. Ihnen das zu neiden ist dumm, denn Abschied von der Erwerbsarbeit bedeutet, dass man sich in die Armut begibt. Und wir sollten den Leuten dankbar sein, die das freiwillig tun.

    Ich bin dazu nämlich nicht bereit. Ich will ein Auto und ein wenig Konsum. Und dafür bin ich willig, eine Erwerbsarbeit aufzunehmen. Das absurde ist doch, dass ich selbst mit Leuten konkurrieren muss, die gar nicht arbeiten wollen, aber dennoch vom Arbeitsamt dazu gezwungen werden mit mir - der arbeiten will - zu konkurrieren und somit im Zweifelsfall eine lose-lose-Situation schafft: nämlich dass ich die Stelle nicht bekomme obwohl ich will und der andere die Stelle antreten muss, obwohl er nicht will.

    Der Arbeitszwang treibt seltsame Blüten.

    • strlcp
    • 29. Dezember 2011 18:59 Uhr

    oder lieber gleich:
    "Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen?"

    um dann wenigstens klar und deutlich zu zeigen, wessen Geistes Kind sie sind?

    • Karl63
    • 29. Dezember 2011 19:41 Uhr

    Das hatten wir doch schon einmal, in Gestalt der sogenannten "Ein Euro Jobs". Viele Kommunen (auch solche deren Einnahmesituation sehr gut ist) haben damit dann Lücken in der eigenen Personaldecke zu äußerst geringen Kosten geschlossen. Das Nachsehen hatten dabei die betroffen Arbeitslosen, denn somit wurden sehr wohl reguläre Arbeitsplätze verdrängt und vor allen Dingen taugte das Ganze in der Praxis nur in (seltenen) Ausnahmefällen als Brücke in den "ersten" Arbeitsmarkt.
    Derartige Beispiele für gescheiterte Ansätze, um dem Problem der Arbeitslosigkeit / Langzeitarbeitslosigkeit Herr zu werden, gibt es nicht eben wenige - das ist einer der Gründe, weswegen die Hartz - Reformen bislang nicht eben alle Probleme des Arbeitsmarktes auf wundersame Weise zum Verschwinden gebracht haben. Im Gegenteil, so wie in der ZEIT schon einmal beschrieben, wir steuern in der Bundesrepublik auf eine Situation am Arbeitsmarkt zu, die einerseits von einem Mangel an hochqualifizierten Fachkräften und andererseits von weiter anhaltend hoher Arbeitslosigkeit bei den Geringqualifizierten geprägt ist.
    Es sieht eher so aus, als ob es da eine Art stillschweigenden Konsens zwischen der Bundesministerin für Arbeit und Soziales und der Wirtschaft gibt: beide Seiten haben kein allzu großes Interesse daran, Langzeitarbeitslose zu Fachkräften zu Qualifizieren. Potential ist schon vorhanden, nur scheint gerade auf Seiten der Wirtschaft der "Leidensdruck" nicht groß genug zu sein.

    • LaSilas
    • 29. Dezember 2011 19:50 Uhr

    Sie gibt es in dieser Form nur in Diktaturen, wobei Deutschland einen schleichenden Weg dahin geht. Denn die Bezahlung von Arbeit ist alles andere als leistungsgerecht.

    Eine lebenslange Arbeit für das reine Existenzminimum wurde früher (in demokratischen Zeiten) als Strafe im Zuchthaus für Schwerkriminelle für angemessen gehalten.

    Heute trifft das immer mehr Bürger aus der ehemaligen Mittelschicht, weil sie in der falschen Branche arbeiten, das "falsche" studiert oder gelernt haben, mit 40 zu alt sind für die verwöhnten deutschen Arbeitgeber.

    Beispiel: Es wird immer behauptet, nur echte Fachkräfte würden eben angemessen bezahlt. Diese würden fehlen, z. B. bei den Altenpflegern. Doch diese bekommen nur 7,50 € Mindestlohn brutto! D. h. sie müssen sich trotz Arbeit von den ARGEN schikanieren, komplett durchleuchten lassen und dort betteln gehen.

    Ist das für Sie in Ordnung in einem reichen Land? Wer bezahlt denn die ganzen Steuern für die Spekulationen und Schlösser und Bahnhöfe?

    • xpeten
    • 29. Dezember 2011 22:57 Uhr

    zeigt, wie tief verwurzelt noch autoritäre Strukturen in unserer Gesellschaft sind. Da fordert einer "Arbeitspflicht", schon für sich gesehen ein Schlag ins Gesicht einer jeden freiheitlichen Gesellschaft, und schon wird dumpf Jawoll skandiert. Rücksichtslos und/oder vom Neid gesteuert. Mal ganz davon abgesehen, dass Millionen Jobs fehlen würden, und wie würden Sie denn gerne mit Menschen verfahren, die es nicht nötig haben zu arbeiten? Kein Gedanke an Menschen, die aus den vielfältigsten Gründen gar nicht arbeitsfähig sind oder keinen Job finden, weil sie von ihrer Sozialisierung her gar nicht in Arbeitsabläufe integrierbar sind, oder weil sie nichts können (wofür man nicht unbedingt in jedem Fall dem Betroffenen die Schuld geben kann), es einfach keine Arbeit gibt, weil sie körperlich oder psychisch krank sind, eine -mal vorsuichtig formuliert- ungünstige Ausstrahlung haben, schwach sind, Alkoholiker sind, eine Behinderung haben, etc. etc.

    So eine Forderung geht schon wirklich schwer in Richtung politisches Analphabetentum.

    • sxouk2
    • 30. Dezember 2011 10:48 Uhr

    "Die arbeitende und steuerzahlende Bevoelkerung akzeptiert
    nicht..."

    Das wissen Sie, weil Sie, falls die Frage gestattet ist, wer sind?

    Der gewählte Sprecher der steuerzahlenden Bevölkerung?

    Das Eine ist, eine Meinung zu vertreten, dass andere, der Meinung zu sein, man vertritt die Meinung einer größeren Gruppe - und seien Sie sich bei letzterem sicher, dass Sie dies nicht tun.

    "Die arbeitende und steuerzahlende Bevoelkerung akzeptiert
    nicht, dass arbeitsfaehige Menschen ohne Gegenleistung
    auf ihre Kosten versorgt werden."

    Wenn Sie damit Banker, Spekulanten etc. meinen, kann ich Ihnen nur zustimmen. Das meiste Geld wird NICHT mit Arbeit gemacht, sondern aus Geld - ohne irgendeine substantielle Gegenleistung!

    Wie kommen Sie dazu sich anzumaßen, für die gesamte arbeitende und steuerzahlende Bevölkerung zu sprechen, [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf die Anfeindung anderer User. Danke. Die Redaktion/ag

    • Klüger
    • 31. Dezember 2011 1:51 Uhr

    ... ebenfalls zu widersprechen.

    Denn ich arbeite und zahle Steuern!

    Sie - und Ihre Empfehler - haben, scheint's, dass Prinzip nicht verstanden!

    SIE als arbeitender Mensch bekämen ja EBENFALLS das Grundeinkommen!

    Sie würden also auch sich selbst versorgen.

    Kein Grund also, sich aufzuregen.

    Wenn Sie dann ZUSÄTZLICH weiterhin Ihre ARBEIT ausüben dürfen, hätten Sie dann also MEHR Einkommen!

    Ob und wie das finanzbierbar ist, muss man dann sehen.

    Aber allein durch den Bürokratieabbau kann man sicher eine Menge Geld sparen.

    Bei ca. 6 Millionen Arbeitslosen und wer-weiss-wievielen unterbezahlt prekär Hochqualifizierten kann unser System, wie es jetzt ist, nicht mehr lange funktionieren.

    Es sei denn, Sie wollen alle die überschüssigen Menschen WIRKLICH VERHUNGERN LASSEN?

    Übrigens: Bevor es eine ARBEITSPFLICHT gibt, sollte es eine BEZAHLPFLICHT geben, damit wir Steuerzahler nicht irgendwelche Unternehmen finanzieren, die sich nur wegen Lohndumpings am Markt behaupten und so Konkurrenz für anständig zahlende Firmen machen können.

    " Die arbeitende und steuerzahlende Bevoelkerung akzeptiert
    nicht, dass arbeitsfaehige Menschen ohne Gegenleistung
    auf ihre Kosten versorgt werden. Der Autor haelt das fuer
    einen Mangel an Vertrauen: Wenn wir Vertrauen haben, brauchen wir das Geld nicht mehr im Tresor zu bewahren,
    koennen die Polizei abschaffen etc etc. Der Autor ist
    schlicht wirklichkeitsfremd. Gluecklicherweise ist die
    grosse Mehrheit der gewaehlten Politiker nicht auf seiner Seite. "

    Glückwunsch.
    In Personen wie ihnen findet das reaktionäre Parteienestablishment dankbare Legitimatoren, wenn es darum gehen wird, die sozialen Errungenschaften die mit viel Blut mühsam erkämpft wurden, abzuwickeln.

    Ein bisschen Zwangsarbeit hier, ein paar weitere Befügnisse für Polizisten da.
    Wer nichts zu verbergen hat, braucht den Überwachungsstaat auch nicht zu fürchten...
    Und aufmucken tun ja sovieso nur diese linken, emanzipatorischen Querulanten, Arbeitsscheuen und "Gutmenschen", denen es der starke Staat dann mal so richtig zeigen kann.

    Es sind nicht so sehr korrupte Politiker die für Aufsichtsratsposten ihrer Wähler verkaufen oder egomanische Wirtschaftsbosse die über Leicheberge gehen, die mich zum Verzweiflen bringt.

    Es sind völlig phantasielose Leute, wahrscheinlich der Mittelschicht, wie sie, die jene Soziopathen mit einem unreflektierten "Recht so!" bejubeln, brav alle paar Jahre via Wahlzettel in ihren Treiben legitimieren und sich beharrlich weigern, selbst zu denken oder etwas in Frage zu stellen.

    Meine Vorredner haben es nicht auf den Punkt gebracht, weshalb die Arbeitspflicht in ihrer heutigen Umsetzung so unmenschlich ist. Deshalb schliesse ich mich deren Stimmen an mit der folgenden Anmerkung.

    Die Sanktionen der Jobcenter, die ja eine Arbeitspflicht herbeiführen sollen, treffen ausschliesslich Menschen, die auch sonst hilflos sind. Dazu gehören geistig Kranke, Menschen, die nicht fähig sind, eine Eingliederungsvereinbarung zu lesen und die Maßnahmen zu verstehen, auf sonstige Weise kranke und Behinderte.

    Eigentlich jeder, der gesund ist und mit einem Maß an Intelligenz auf die Welt gekommen ist, die für ihn keine Behinderung darstellt, unabhängig davon ob er gute oder böse Absichten hat und ob er nebenbei schwarzarbeitet, wird niemals in eine Sanktion hineingeraten. Er wird sich entsprechend der Weisungen verhalten.

    Was ist eine Sanktion? Damit wird ein bestimmter Prozentsatz, z.B. 10 oder 20 Prozent, je nach Vergehen, vom Existenzminimum von etwa 350EUR über 3 Monate abgezogen. Was tut jemand, der sanktioniert wurde? Es gab schon Menschen, die daran gestorben sind. Im Prinzip wird ein hilfloser Mensch im Falle einer Sanktion zu Tode verängstigt sein und rein gar nichts dagegen unternehmen.

    An #6 Ich schäme mich zuzugeben, das genau ist unser heutiges Verständnis von Ökonomie, Anreizwirkung, Psychologie und deren Anwendung. Obwohl John Nash längst seine Irrtümer zugab.

    Wer "Arbeitspflicht" sagt, der kann unter solchen Umständen nur ein Ideologe sein.

    Der Inhalt Ihres Kommentars gibt auch nicht ansatzweise die Realität wider. Natürlich akzeptiert der "dumme Michel", dass viele Menschen in unserem Staat praktisch ohne Gegenleistung, den Tag einen guten Mann sein lassen. Nicht wenige leben dabei im wahrsten Wortsinn in "Saus und Braus".
    Wenn es anders wäre, würden die Menschen doch bei auch bei uns auf die Straße gehen, Generalstreiks durchführen etc..

    Komisch, dass die meisten Menschen die Augen vor der Realität verschließen.

    Ich plädiere für ein bedingungsloses Grundeinkommen aller Bürger.

    • Alukat
    • 09. Januar 2012 13:13 Uhr

    Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Muss, denn wenn die Familien und Kinder genug Geld bekommen um vernünftig leben zu können werden Streitpunkte innerhalb der Familien entfernt und diese Familien zerbrechen dann nicht so schnell.Zusätzlich können dadurch noch die Konflikte zwischen armen (gibts ja dann nicht mehr wirklich) und reichen Kindern in der Schule vermindert werden.Die Kriminalitätsrate wird dann ebenfalls zurückgehen. Das sind einige Punkte von vielen die das bedingungslose Grundeinkommen mit sich bringen würde.

    Dazu noch ein Recht auf Arbeit, sprich das wenn jemand in einem Unternehmen arbeiten will,dass er auch dort eingestellt wird.dann arbeiten halt nicht 1000 Menschen a 10h am Tag in dem Unternehmen sondern 2000 Menschen a 5h am Tag.dieses wäre durch das bedingungslose Grundeinkommen durchaus machbar.

    von der Arbeitspflicht hingegen halte ich nichts.
    Jedes Individuum ist nunmal anders und man sollte niemanden zu etwas zwingen was er nicht machen will.Hartz-4 mit seinen Sanktionen (kein Geld für Nahrung,Wohnung oder sozialer Ausgeschlossenheit, unter Umständen auch alles 3) ist einfach Folter.

    Das bedingungslose Grundeinkommen würde den Arbeitnehmer auch auf Augenhöhe mit dem Arbeitgeber stellen, da man nicht mehr gezwungen ist zu schlechten Löhnen (ist relativ) einen Job zu machen mit Kollegen/einen Chef die/der einen Scheisse behandeln/t.Dadurch wäre der Arbeitnehmer in einer viel besseren Position als jetzt.

  4. und teile die Idee eines garantierten Grundeinkommens für alle. Schwierigkeiten macht mir das Wort "bedingungslos". Besser würde mir gefallen, dafür (auf Basis eines vernünftigen Stundenmindestlohnes) Mitarbeit an regionaler Infrastruktur (Straßenkehren, Büchereidienst, Schülerlotse etc.) einzufordern - der Staat ist UNSER Staat und kann nur durch uns alle gemeinsam getragen werden. Außerdem kommen durch sowas die Menschen zusammen, auch den Millionär, den Spitzenmanager, der Starschauspielerin oder dem Bundespräaidenten schändet es nicht, im Rahmen ihrer physischen und zeitlichen Möglichkeiten sich zumindest etwas an gemeinsamer Arbeit VON ALLEN FÜR ALLE zu beteiligen (das ließe sich sogar noch nutzen für Werbung in eigener Sache einerseits, mehr "Wissen" über das Leben der Basis andererseits).

    DESHALB: Ich bin für das Recht, dass sich jeder durch gemeinnützige Arbeit ein Grundeinkommen verdienen kann, mit dem die existenziellen Lebenshaltungskosten gedeckt sind.

    DANEBEN muss es natürlich Hilfe für physisch dazu nicht Befähigte, Kranke etc. geben. Und natürlich handelt es sich hier um ein RECHT, nicht um eine PFLICHT - aber es würde nichts schaden, wenn es zum guten Ton gehören würde, zumindest ein paar Stunden im Monat auch dann damit zu
    verbringen, wen man es finanziell nicht braucht.

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    So logisch und vernünftig Ihre Idee auch klingt, das Konzept ist anders gestrickt: Die Idee - wenn ich sie richtig verstehe - ist, dass jeder das macht, was er/sie am Besten kann oder woran er/sie die größte Freude hat. Das kann dann Nachhilfe für Grundschüler sein (da lassen sich Schnittmengen mit Ihrer Idee finden), aber auch ein Dasein als Künstler auf niedrigem Niveau (den benötigt die Gesellschaft ja nicht unbedingt). Unangenehme und schwere Arbeiten (Kanalarbeiter, Altenpfleger usw.) müssten dann halt sehr gut bezahlt werden, damit das noch jemand macht, Universitätsprofessoren hingegen würden sehr preiswerte Konkurrenz erhalten (von Akademikern, die heute unterqualifiziert beschäftigt sind), gesellschaftliche Hierachien würden sich teilweise umkehren... Immerhin ein interessantes Gedankenexperiment, dass schnell zeigt, wen wir am Meisten brauchen (oft heute schlecht bezahlte Leute).

    • fanta4
    • 29. Dezember 2011 17:55 Uhr

    Für die Banken und die "Märkte"!

    Die bekommen so viel Geld, wie sie wollen.

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    ...ich wollte etwas über radikale Marktwirtschaft und rücksichtsloses Finanzmanagement schreiben, aber das hat sich durch Ihren Beitrag von selbst erledigt. Danke.

    • klaro
    • 30. Dezember 2011 11:35 Uhr

    mentarier, Bundespräsidenten und Beamte, deren Einkommen weder an Leistung noch an Anwesenheit gebunden ist und natürlich auch für dramatische Fehlentscheidung nie tatsächlich existentiell haftbar gemacht werden kann. An dieser wohlalimentierten Klientel, zu der sicher auch der Autor zählt, ist das Paradoxe von dessen Aussage deutlich erkennbar. Alimentatation ohne Gegenleistung ist absurd und geht von einem idealisierten Menschenbild aus. Kühe gehen auch nicht freiwillig auf die Weide, wenn sie nicht müssen.

  5. schießen sich die Piraten auf selten dumme Art und Weise in das eigene Knie.

    Das Eintreten für Bürgerrechte und Internetfreiheit kommt beim Großteil der Bürger, insbesondere der gebildeten Schicht gut an.
    Wer aber etwas Ahnung von Ökonomie, Anreizwirkung, Psychologie etc. hat, der schüttelt spätestens seit der Forderung nach einem Bedingungslosen Grundeinkommen nur noch den Kopf und winkt ab.

    Wirklich schade, dass sich eine, vom Ansatz her interessante Partei, so schnell selbst zu Grabe trägt.

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    Sie sagen "Wer Ahnung von Ökonomie, Anreizwirkung, Psychologie etc. hat, der schüttelt spätestens seit der Forderung nach einem Bedingungslosen Grundeinkommen den Kopf".

    Im oben veröffentlichten Interview haben zwei Experten mit "Ahnung" Stellung zum Thema Grundeinkommen genommen.

    Könnten Sie Ihre, gerne widersprechende, Meinung zur "Anreizwirkung" und "Psychologie" etwas ausführen?

    • 1_2_3
    • 29. Dezember 2011 18:31 Uhr

    ich kenne keinen der einfach so seinen Job hinschmeissen würde, nur weil es ein BGE gibt.

    Ich gönne es aber jeden, der einen unwürdigen und völlig überflüssigen Job (Callcenter-Agent die via Telefon Zwangsweise Müll verkaufen) seinem Chef einen bestimmten Finger zeigen und nach Hause gehen kann.

    Wer glaubt, dass die Mehrheit der Bevölkerung dann nur noch faul zu Hause herumsitzt, der hat den Mensch nicht verstanden.

    Welche experten und oekonomen meinen sie? Die die den markt zu dem machten was er jetzt ist marode? Solche selbsternannte oekonomen sind unglaubwuerdig und nur das.

    Wieviel zahlt der deutsche Staat monatlich an Sozialleistungen inkl. der Gehälter für die Sachbearbeiter in den Argen, für die Fahnder, die Hartz-IV-Betrügern nachjagen, für die Chefs unserer Behörden?

    Und wieviel würde ein solches Bürgergeld, ausgezahlt an alle Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft über 18 Jahren im Monat kosten? Denn dann wären ARGEN und Fahnder mit einem Schlag überflüssig ebenso wie ALGI/II, Hartz IV etc.

    So weit können diese Zahlen nicht auseinander liegen, denn das Sozialsystem ist der mit Abstand größte Posten im Haushalt!

    Bevor Sie also Ihre große Erfahrung im Bereich Ökonomie anpreisen, bedenken Sie die Einspareffekte durch überlagernde Leistungen und Kosten, die wegfallen würden!

    Außerdem könnten dann die ganzen wahren asozialen Partikel unserer Gesellschaft aufhören, sich über faule Hartz-IV-Bezieher zu beschweren, die nur besoffen herumlungern und arbeitsscheu sind. Die CDU/FDP hat in den letzten Jahren erfolgreich das gesamte Milieu der Hilfsbedürftigen als kriminellen Haufen diffamiert. Wer keine Solidarität den Ärmeren/Schwächeren gegenüber empfindet soll sich doch nach Amerika verpfeifen, in deren Turbokapitalismus ist Gefühlskälte eine positive Eigenschaft.

    Ich kenne einige zum Glück nur kurzzeitige Bezieher von Stützen und KEIN EINZIGER hat sich das freiwillig ausgesucht.

    • pritzi
    • 30. Dezember 2011 13:31 Uhr

    ..wer aber etwas Ahnung von Ökonomie, Anreizwirkung, Psychologie etc. hat..
    Also haben Sie sich mit diesen Themen intensiv auseindergesetzt?! Haben Sie sich in gleichem Maß auch mit dem Konzept 'Bedinungsloses Grundeinkommen' auseinandergesetzt?

  6. Jedem seine eigene Wohnung.
    Wohneigentum zu erschwinglichen Preisen.
    Ende der Mietspekulation.

    Das würde die Sozialkassen massiv entlasten.

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    • xy1
    • 29. Dezember 2011 20:38 Uhr

    Wer entscheidet, dass ich im Berliner Westen oder in Marzahn wohnen soll?

    sich eine billige Wohnung zu kaufen.
    Warum tun Sie es also nicht?
    Weil Sie meinen, einen Anspruch von billig und gut (Ausstattung und Lage) auf Kosten der Allgemeinheit realisieren zu müssen.

  7. Ich sehe durchaus die möglichen Probleme des bedingungslosen Grundeinkommens. Aber die zunehmende Automatisierung hat bereits viele traditionelle Stellen vernichtet, und macht auch inzwischen vor traditionellen "Mittelschichts"-Jobs nicht mehr halt. Mit dem rapiden Wachstum der Robotik (laut P.W. Singer verdoppelt sich alle 9 Monate die Anzahl der Roboter in der Welt) und dem Ausbreiten künstlichen Intelligenz werden sich diese Trends nur verschärfen, und immer mehr hoch gebildete Bürger werden sich um immer weniger Stellen streiten müssen.

    Wenn es kein bedingungsloses Grundeinkommen gibt, wie soll dann in Zukunft die Existenzsicherung ausfallen, wenn man das Abgleiten breiter Bevölkerungsschichten ins Hartz4-Niveau verhindern? Ich sehe da langsam keine andere Möglichkeit mehr...

    76 Leserempfehlungen
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    gestiegen und wird auch weiter steigen. Im Pflegebereich
    fehlen zigtausend Leute. Es gibt Arbeit fuer die Arbeits-
    willigen. Wer nicht arbeiten WILL, soll auch nicht essen
    schrieb der Hl. Paulus.

    • Psy03
    • 30. Dezember 2011 9:23 Uhr

    Darum gehts ja gerade. Im Pflegebereich gibt es zigstausend Stellen, aber die Einrichtungen können sich keine weiteren Angestellten leisten. Ich hatte selbst mal ein Praktikum in einem Altenpflegeheim und meine Tante ist Chefkrankenschwester beim ASB, ich weiß wie das läuft.

    Gerade durch dieses Grundeinkommen könnten die jetzt Arbeitslosen Pfleger ihren Job ausüben, jene sind nicht zu Faul, sondern können wie gesagt nicht bezahlt werden.

    Und soll man laut ihrer Meinung nach all die Millionen Menschen verhungern lassen, die durch Maschinen ersetzt wurden/werden?
    Als gäbe es für jeden eine Stelle, die aber nur durch Faulheit nicht besetzt ist...
    Statistisch gesehen braucht man bis 2030 nur noch 20% der arbeitsfähigen Bevölkerung, geht die technische Entwicklung so weiter.

    • Wombel
    • 30. Dezember 2011 18:50 Uhr

    haben Teure Anschaffungspreise und sind nicht so flexibel rauszuschmeißen, da sind Menschen sind schon jetzt billiger zu haben.

    Die Senkung der Lebensarbeitszeit wäre eine Möglichkeit zur Umverteilung - dummer weise ist dies wohl auch zu teuer.

    ...dass dieses Thema so ausführlich diskutiert wird.
    Dass zeigt zum einen die Brisanz des BGE, bzw. die Idee des BGE, zum anderen, dass rege Beteiligung an politische Debatte auch mit politischen Inhalte stattfindet.
    Und nicht vorrangig mit politischen Personen, insbesondere in der Form von vergleichsweise unbedeutetenden Verfehlungen des politisch impotenten Grüßaugust.

    Ein sehr netter Artikel zum Thema BGE ist auch dieser hier:
    http://www.brandeins.de/a...

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