Ein Haus, ein Buch, etliche Urlaubsreisen: Während Christian Wulff sich am Donnerstag erstmals in einer öffentlichen Erklärung zu den Vorwürfen äußerte , die gegen ihn erhoben werden, werden neue Merkwürdigkeiten bekannt.

Nach Information von ZEIT ONLINE soll es auch zu Christian Wulffs Interviewbuch Besser die Wahrheit neue Wahrheiten geben. Einen Teil der Auflage des 2007 erschienenen Buches soll damals das Unternehmen Georgsmarienhütte aus Niedersachsen aufgekauft haben. Dessen Alleingesellschafter ist der Stahlindustrielle und Wulff-Bekannte Jürgen Großmann, der seit Oktober 2007 auch Vorstandschef des Energiekonzerns RWE ist. Wulff war zu diesem Zeitpunkt noch Ministerpräsident von Niedersachsen.

Das Autorenhonorar für das im Verlag Hoffmann und Campe erschienene Interviewbuch soll zwar ausschließlich an Wulffs Co-Autor Hugo Müller-Vogg gegangen sein. Wulff, der für dieses Buch von Müller-Vogg interviewt wurde, erhielt nach Angaben des Verlages Hoffmann und Campe kein Honorar.

Von den diversen Aufkaufaktionen aber profitierte Wulff – wenn nicht finanziell, so doch dadurch, dass diese Bücher später größtenteils weiterverschenkt wurden. Sie waren damit kostenlose Werbung für Wulff, der 2008 als Ministerpräsident wiedergewählt werden wollte. Tatsächlich sollen die 2500 Exemplare, die die Georgsmarienhütte aufgekauft hatte, dem Vernehmen nach an Mitarbeiter des Unternehmens verschenkt worden sein. Weitere 5.000 Exemplare nahm offenbar die CDU ab . Die Hälfte der Gesamtauflage von 15.000 ging demnach gar nicht in den regulären Handel.

Der Verlag Hoffmann und Campe bestätigte auf Anfrage von ZEIT ONLINE den Aufkauf von rund 2500 Büchern durch die Georgsmarienhütte Holding GmbH. Die wiederum sprach nur von 100 Exemplaren, die 2007 gekauft und an die Geschäftsführer der Holding verteilt worden seien. Das Stahlwerk Georgsmarienhütte, bekanntester Teil der Unternehmensgruppe, hat seinen Sitz in der gleichnamigen Gemeinde südlich von Osnabrück, der Heimatstadt von Christian Wulff.

Jürgen Großmann, der Alleingesellschafter des Unternehmens und ein enger Freund des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder, hatte im Oktober 2007 die Vorstellung des Buches im Haus der Norddeutschen Landesbank in Hannover übernommen. So ist der Gesprächsband vor allem ein interessanter Beleg dafür, wie das System Wulff funktioniert: Durch die Umarmung von politischen Gegnern und Freunden.