Krisenkommunikation Wulff bedauert Umgang mit Privatkredit
Der Bundespräsident hat beteuert, als Amtsträger niemandem Vorteile verschafft zu haben. Ein privates Baudarlehen lange verschwiegen zu haben, tue ihm leid, sagte er.
Nach tagelanger öffentlicher Debatte über einen Baukredit, Anzeigenfinanzierung und Urlaubsreisen hat sich Bundespräsident Christian Wulff erstmals persönlich geäußert: Es tue ihm leid, dass er ein von einem befreundeten Unternehmerpaar gewährtes zinsgünstiges Baudarlehen nicht früher angegeben habe, sagte er in einer etwa vier Minuten langen Erklärung im Schloss Bellevue. Die Finanzierung seines Privathauses nahe Hannover habe auf die Öffentlichkeit "irritierend" gewirkt. "Das hätte ich vermeiden können und müssen." Er versicherte, als Amtsträger niemals jemandem einen persönlichen Vorteil verschafft zu haben.
Zugleich gab Wulff Fehler zu: "Ich sehe ein: Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig", sagte er und versprach, er wolle sein Amt auch in Zukunft "gewissenhaft ausüben".
Der Bundespräsident steht unter politischem Druck, weil er 2008, als er noch Ministerpräsident in Niedersachsen war, von dem Unternehmerpaar Geerkens einen zinsgünstigen Kredit für den Bau seines Privathauses nahe Hannover angenommen hatte. Auch verbrachte er mehrere Urlaubsreisen in den Häusern von befreundeten Unternehmern. Kritiker beklagen, dass dadurch Wulffs Unabhängigkeit im Amt gefährdet war. Vor allem die Opposition hatte immer wieder eine persönliche Erklärung verlangt.
In den vergangenen Tagen hatte sich Wulff vorwiegend über seine Anwälte geäußert. In einer Berliner Kanzlei ließ er die Urlaubsaufenthalte offen legen. Vor wenigen Tagen hatte er in einer schriftlichen Erklärung den Fehler eingestanden, den Kredit bei einer Befragung im niedersächsischen Landtag verschwiegen zu haben. In der am Mittwoch aufgezeichneten Weihnachtsansprache kam die Diskussion über seine Person nicht vor.
Kurz bevor er 2008 den Baukredit erhielt, hatte Wulff als Ministerpräsident den Unternehmer Egon Geerkens auf eine seiner dienstlichen Reisen nach China mitgenommen. Der Kredit floss bisheriger Darstellung nach von einem Konto von Frau Geerkens, wurde aber auf ein gemeinsames Konto zurückgezahlt. Egon Geerkens hatte Wulff bei dem Immobiliengeschäft und dessen Finanzierung beraten. Letzteres gab er erst zu, nachdem es Medien berichtet hatten.
Anfang 2010 löste Wulff den Kredit bei den Geerkens mit einem anderen Kredit ab. SPIEGEL ONLINE berichtete am Donnerstag, Wulff habe dafür von der BW-Bank Geld zu besonders günstigen Konditionen erhalten. Der Kredit sei auch kein gewöhnliches Darlehen, sondern Teil eines komplizierten Finanzproduktes gewesen. Die Zinsen sollen um die Hälfte unter denen für gewöhnliche Kunden gelegen haben.
Zudem wurde vor wenigen Tagen bekannt, dass der mit Wulff ebenfalls befreundete Unternehmer Carsten Maschmeyer eine Anzeigenkampagne eines Buches von Wulff bezahlt hatte, mit dem der im Landtagswahlkampf von 2007 warb. Dies könnte ein Verstoß gegen das Gesetz zur Parteienfinanzierung sein.
Am Sonntag hatte Wulff die Liste der Urlaube veröffentlichen lassen. Danach verbrachte er als Regierungschef zwischen 2003 und 2010 insgesamt sechs Aufenthalte bei Freunden in Spanien, Italien, Florida und auf Norderney.
Kurz vor der Erklärung im Schloss Bellevue hatte Wulff seinen langjährigen Vertrauten und Sprecher Olaf Glaeseker entlassen. Er wird bis auf Weiteres durch Vizesprecherin Petra Diroll vertreten, hieß es. Glaeseker habe selbst um seine Entlassung gebeten, verlautete aus dem Umfeld des Präsidialamtes.
- Datum 22.12.2011 - 16:12 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
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Was mich spontan mehr interessieren würde, ist, ob Wulff es bedauert, als niedersächsischer MP das Blindengeld abgeschafft zu haben um das Gesparte postwendend für die Subventionierung von großindustriellen Geflügelmastanlagen udg. zu benutzen.
Und noch viel interessanter, ob er es bedauert, Paul Heinz Wesjohann persönlich fürs Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen zu haben.
Wesjohann ist der "nette Onkel" von Wiesenhof:
http://www.youtube.com/wa...
... übernehemen Sie!
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Was mich spontan mehr interessieren würde, ist, ob Wulff es bedauert, als niedersächsischer MP das Blindengeld abgeschafft zu haben um das Gesparte postwendend für die Subventionierung von großindustriellen Geflügelmastanlagen udg. zu benutzen.
Und noch viel interessanter, ob er es bedauert, Paul Heinz Wesjohann persönlich fürs Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen zu haben.
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Offenbahr hatten Wulff und vor allem das Kanzleramt geglaubt, mit dem Rauswurf Glaesekers und einer "Entschuldigung" Wulffs sei jetzt alles getan. Tatsächlich werden die Fragezeichen immer größer. Eine gelungene Krisenpolitik und ein gelungener Befreiungsschlag sieht anders aus. Jetzt ist der Eindruck da, Wulff kralle sich krampfhaft an sein Amt fest - den Zorn derer fürchtend, die ihn dort hingebracht hat. Dem höchsten deutschen Staatsamt wurde - das ist meine Sicht der Dinge - gerade kein Respekt, sondern ein Bärendienst erwiesen.
Offenbahr hatten Wulff und vor allem das Kanzleramt geglaubt, mit dem Rauswurf Glaesekers und einer "Entschuldigung" Wulffs sei jetzt alles getan. Tatsächlich werden die Fragezeichen immer größer. Eine gelungene Krisenpolitik und ein gelungener Befreiungsschlag sieht anders aus. Jetzt ist der Eindruck da, Wulff kralle sich krampfhaft an sein Amt fest - den Zorn derer fürchtend, die ihn dort hingebracht hat. Dem höchsten deutschen Staatsamt wurde - das ist meine Sicht der Dinge - gerade kein Respekt, sondern ein Bärendienst erwiesen.
seine Anwälte als Sprecher anstellen. Jetzt kommts ja auch nicht mehr drauf an, ob er noch Privatleben mit Amt verbindet...
Der Staatssekretär hat den Sprecher nämlich von seinen Aufgaben entbunden.
Nicht der Sprecher hat den Landtag quasi-belogen und Kredite aufgenommen, die zwielichtig waren.
Dabei hätte man doch meinen können, aus dem Krisenmanagement Guttenbergs hätte man etwas lernen können. So scheint sich die Geschichte zu wiederholen.
Erst den Karren im Dreck versenken und dann den Fahrgast als Schuldigen bezeichnen?!
Ich verstehe nicht...
Früher gab es an den Höfen die sogenannten "Prügelknaben": wenn der Kronprinz großen Bockmist gebaut hat, wurden sie an seiner Statt verprügelt: http://de.wikipedia.org/w...
Was mich an dieser Affäre ganz gewaltig stört, ist die maßlose Arroganz, mit der hier agiert wird. Wenn das das "Neue", ja "Moderne" Politiverständnis ist - dann gute Nacht.
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