Krise der FDP Liberale hadern mit ihrer Partei
Der neue Generalsekretär Döring sei Parteichef Röslers letzte Chance, warnen Gegner der "Boygroup". Bundesvize Zastrow findet die FDP der Lächerlichkeit preisgegeben.
Die Berufung von Patrick Döring zum Generalsekretär der FDP hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Parteivize Holger Zastrow bescheinigte Bundeschef Philipp Rösler, er habe "mit der schnellen Nominierung Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit bewiesen" und eine gute Wahl getroffen. "Die Abteilung Attacke der FDP hat mit einem Generalsekretär Patrick Döring ein neues, frisches Gesicht."
Im Deutschlandfunk kritisierte Zastrow den überraschenden Rücktritt von Generalsekretär Christian Lindner scharf. Dessen Verhalten sei unprofessionell und verantwortungslos, ein Generalsekretär könne nicht so einfach gehen. Auch das Spitzenpersonal einer Regierungspartei müsse berechenbar sein. Zastrow sagte, "der Grad der Lächerlichkeit" seiner Partei verschlage einem fast den Atem. In der FDP seien derzeit zuviele Politiker auf einem persönlichen Ego-Trip.
Lasse Becker, Vorsitzender der FDP-Nachwuchsorganisation Junge Liberale, forderte in der Rheinischen Post Geschlossenheit. Zu behaupten, die FDP sei am Ende, sei "völliger Blödsinn". Becker gab aber zu: "Wir haben viele Fehler gemacht." Den Bürgern hänge die Beschäftigung der FDP mit sich selbst zum Halse heraus. Wenn die Parteiführung es nicht schaffe, Inhalte statt Personalfragen wieder in den Mittelpunkt zu rücken, dann sei es egal, "ob da Rainer Brüderle, Günther Jauch, Thomas Gottschalk oder am Ende Bushido vorne steht". Es sei unerträglich, wenn einzelne Mitglieder des FDP-Präsidiums immer wieder so täten, als würden sie abseits stehen und gar nicht dazu gehören.
Letzte Chance für Rösler
Baden-Württembergs ehemaliger Justizminister Ulrich Goll (FDP) erklärte die "Boygroup" aus Rösler, dem ehemaligen Generalsekretär Lindner und dem ebenso jungen Gesundheitsminister Daniel Bahr für gescheitert. "Christian Lindner gibt letzten Endes auf, weil er sieht, dass er seine Ziele nicht erreicht hat. Das gilt nicht nur für ihn allein", sagte Goll der Stuttgarter Zeitung. Die "Boygroup" habe nicht Fuß gefasst. "Deswegen meine ich schon, dass man in Zukunft einen Mix suchen sollte zwischen jüngeren und erfahrenen Politikern." Nun biete sich die Chance, die Dinge nochmals zu ändern: "Es ist die letzte Chance für Philipp Rösler."
Gudrun Kopp (FDP), Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium, sagte der Neuen Westfälischen, es sei "alles andere als hilfreich" gewesen, dass Rösler den Mitgliederentscheid zum Euro-Rettungsschirm ESM vor Ablauf der Abstimmungsfrist für gescheitert erklärt habe. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses an diesem Freitag müsse es so sein, "dass wir alle gemeinsam für eine Position stehen".
Der FDP-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag, Gerhard Papke, forderte Rösler zu mehr Durchsetzungskraft in der Bundesregierung auf. "Wir brauchen klarere Kante gegenüber der Union. Und das ist vor allem Aufgabe des Parteichefs und Vizekanzlers", sagte Papke der Financial Times Deutschland.
Niebel: Parteiführung wurde von Lindner überrascht
Die Parteiführung laut Entwicklungsminister und FDP-Präsidiumsmitglied Dirk Niebel nicht über Lindners Rückzugspläne informiert. "Wir waren alle überrascht", sagte er in der ARD-Sendung Anne Will. Es habe in letzter Zeit mehr Kritik gegeben und es sei nicht alles so gelaufen, wie man es sich gewünscht hätte. "Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass Christian Lindner das Handtuch wirft, schon gar nicht zu diesem Zeitpunkt", sagte Niebel.
Die FDP dümpelt in Umfragen bei drei Prozent. Die Ursache für die anhaltende Misere liegt nach Einschätzung des Mainzer Parteienforschers Jürgen Falter in einem "fatalen Mix" aus falschen Themen und ungeeignetem Personal. "Das Problem der FDP besteht darin, dass sie auf die Finanzkrise und die dadurch in Verruf geratene Deregulierung der Wirtschaft nicht den Hauch einer Antwort hat", sagte Falter der Saarbrücker Zeitung. Ihre programmatische Verengung auf Steuersenkungen sei vor dem Hintergrund dieser Krise absurd. Auch hätten die jüngeren Nachfolger an der Parteispitze nicht das frühere Gewicht von Ex-Parteichef Guido Westerwelle in der Öffentlichkeit ersetzen können.
- Datum 15.12.2011 - 09:31 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
- Kommentare 10
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Der Grad der Lächerlichkeit verschlägt uns keinesfalls den Atem - schließlich waren wir von Guido Westerwelle ja einiges gewohnt. Dass aber Lindner in dieser Lage sich in die Büsche schlägt, lässt tief blicken. Ich schätze, da kommt noch was nach - etwa ein Skandal, in den Lindner sich nicht reinziehen lassen wollte.
Ganz gleich welche Zeitung man ankllickt - überall knallen einem die FDP-Schlagzeilen ins Auge.
Sicher muß man darüber schreiben, wenn der Generalsekretär einer Regierungspartei zurücktritt. Aber meines Erachtens reicht es jetzt auch. Die FDP ist nicht mehr relevant und ob sie sich nun spaltet oder nicht, bei der nächsten Wahl ist sie endgültig Geschichte - wahrscheinlich schon vor 2013. was bei denen passiert kann man auch in kleinen Meldungen kurz abhandeln.
Es gibt genug andere und wichtigere Themen in der Welt, über die ich gerne mehr lesen möchte.
... hat aber schon einen neuen Job in Aussicht. Er soll sich bei der EU um die Belange des Hotel- und Gaststättenverbandes kümmern ;)
Da hatte wohl jemand Angst das ihn seine Partei mit in den Abgrund reisst.
Immerhin handelt es sich um ein Mitglied einer Partei, die sich unreglementiertes Karrierestreben ohne Rücksicht auf Mitmenschen oder Ethiken jeglicher Art auf die Fahnen geschrieben hat.
Und vor dem Hintergrund dieser Grundeinstellung hat der Lindner doch das einzig richtige getan und das sinkende Schiff schnellstmöglich verlassen.
Da sollten die anderen FDPler Herrn Lindner doch eher dankbar sein, daß er so lange geblieben ist und so lange (neben Brüderle) der einzige seiner Partei gewesen ist, der halbwegs präsentabel und nicht völlig lächerlich wirkte.
Westerwelle und seine, mindestens ebenso pathetisch auftretende, Boygroup waren einfach nur lächerlich.
Brüderle hingegen lustig.
Und Frau Leuthäuser-Schnarrenberger ist die Einzige, der noch Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit attestiert werden kann. Ich fürchte aber, dass die jetzt mindestens 2 Jahre zu spät kommt.
der FPD zu allem was Merkel u.Co beschlossen.
Dagegen die Interessen der eigenen Wähler ignorierten
um CSU-CDU Intressen zu vertreten
Jetzt wo die "freien Märkte" uns um die Ohren fliegen, kriegt die FDP endlich die Quittung für ihre menschenverachtende Politik. Ich freue mich, den Niedergang dieser hohlen egoistischen Schwätzer miterleben zu dürfen und hoffe, dass sie für immer in der Versenkung verschwinden.
Einfach Klasse sind diese Jungen Liberalen.
Ihr Vorsitzender weiß sogar, wie die FDP aus der Krise kommen kann - und nun lässt er seine profunden Erkenntnisse, die die Frucht langen Nachdenkens sind, sogar über die Medien verbreiten: Wenn die Parteiführung es nicht schaffe, Inhalte statt Personalfragen wieder in den Mittelpunkt zu rücken, dann sei es egal, wer vorne stehe.
Cool. Der traut sich was.
Inhalte statt Personalfragen!
Einfach mal die Inhalte in den Mittelpunkt rücken!
Ein kurzer Lösungsweg, für den es nur zwei Schritte braucht:
Zuerst muss man die Personalfragen von der Mitte an den Rand rücken, und dann muss man nur noch die Inhalte vom Rande in die Mitte rücken.
Alles muss verrückt werden - dann klappt's auch wieder bei den Wählern.
Kleine Zwischenfrage von einem, der am Rande steht:
"Hallo, Ihr da in der Mitte der Partei:
Könnt Ihr mich hören? -
Also, dann hört mal bitte ganz kurz zu.
Ich hab mich hier am Rande schon mal umgeschaut.
Hier liegt ja wirklich viel herum.
Alte Schuhe mit einer "18" auf den Sohlen,
neun Jahre alte gelbstichige antisemitische Flyer, zerbrochene Weinkrüge aus den Zeiten spätrömischer Dekadenz.
Nur eines kann ich hier nicht sehen: die Inhalte.
Wie wollt' Ihr denn die Inhalte verrücken, wenn es hier keine gibt?
Hallo, Lasse Becker, kannst Du mich hören?
Lasse, Lasse, ich rufe Dich -
Lasse, bitte, so antworte doch!"
Stille.
Nichts als Stille.
Es ist zum verrückt werden...
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