Patrick Döring : Röslers letztes Aufgebot

Die FDP hat einen neuen Generalsekretär. Er steht für die Abteilung Attacke, nicht mehr für Säusel-Liberalismus. Er ist der Mann fürs Grobe.

Philipp Rösler ist die Anspannung noch anzumerken. Der FDP-Chef spricht knappe, vorformulierte Sätze. Sein Blick ist ernst und starr, das kurze Lächeln für die Fotografen wirkt künstlich. Nachfragen von Journalisten sind nicht erlaubt.

Es ist Röslers zweiter Medienauftritt an diesem Tag. Am Mittag hat er den Rücktritt seines Generalsekretärs Christian Lindner kommentieren müssen. Am Nachmittag hat er in den Parteigremien um Unterstützung für dessen Nachfolger geworben. Dem Vize-Kanzler ist es wichtig, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und den Blick nach vorn zu richten. Eine Debatte über die Ursachen des überraschenden Lindner-Rücktritts soll gar nicht erst aufkommen. Er habe das entstandene Vakuum zügig füllen wollen, betont auch Rösler selbst am frühen Abend vor der Presse.

Neben Rösler steht der Neue, die Arme hinterm Rücken verschränkt, aufmerksam zuhörend. Er fühle sich "sehr geehrt", sagt Patrick Döhring, der bisherige Schatzmeister der Partei, als ihm das Wort erteilt wird. Seiner neuen Aufgabe werde er sich "mit großem Ernst und großem Ehrgeiz" widmen. Er strahlt, die Wangen glänzen.

Rösler hat diese Personalentscheidung rasch und ohne Widerstand durchgesetzt. Aber begeistert sind bei weitem nicht alle Liberalen. Es fängt schon mit dem Alter an. Döring ist 38. Viele in der Partei misstrauen der jungen neuen Führungsriege, zu der auch Rösler, Lindner oder Gesundheitsminister Daniel Bahr zählen. "Noch so einen jungen Schnösel in der Parteispitze brauche ich wirklich nicht", sagt ein FDP-Spitzenpolitiker ZEIT ONLINE.

Döring steht nicht für sozialliberale Avantgarde

Tatsächlich aber ist jung nicht gleich jung, nicht mal bei der FDP. Döring hat ein deutlich anderes Profil als sein Vorgänger Lindner. Als Mitglied im konservativen Schaumburger Kreis steht er für klassischen Wirtschaftsliberalismus. Dieser Flügel hatte sich oft über Lindners so bezeichneten "Säusel-Liberalismus" mokiert, mit dem er versucht hatte, andere Wählerschichten anzusprechen und neue Themen zu besetzen.

Döring könnte einen "programmatischen Rollback" einläuten, unkt ein Liberaler. Er stehe nicht für sozialliberale Avantgarde, sondern eher für die Abteilung Attacke und Haudrauf-Liberalismus. Die "intellektuelle Kraft", die selbst Kritiker Lindner attestierten, wird Döring eher abgesprochen.

Oder freundlicher ausgedrückt, wie Rösler es am Abend tut: Döring könne "klar formulieren". Seine Aufgabe sei es, die Kampagnenfähigkeit der Parteizentrale "wieder herzustellen". Das darf man durchaus als Spitze gegen Lindner verstehen, dem viele in der FDP den kläglichen Auftritt der Partei in den vergangenen zwei Jahren ankreiden.

Döring kennt als früherer Spitzenfunktionär der Jungliberalen die Partei aus dem Effeff und weiß, so Röslers Hoffnung, wie die Funktionäre ticken. Am Mittwochabend spricht Döring von der "Fahne der stolzen liberalen Partei", die er künftig kräftiger zu schwenken gedenke. So ein Satz wäre Lindner, dem rhetorischen Schleifendreher, nie über die Lippen gekommen.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

50 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Unsere Fahne flattert uns voran....

Das kennen wir schon und wissen wie es ausgegangen ist !

Die Werte, die er so vehement verteidigt, haben die FDP dahin gebracht, wo sie jetzt steht ! Immerhin muss man der FDP zu Gute halten, dass sie auch Jüngeren eine Chance geben. Die alten Hasen kommen wahrscheinlich erst nach 2013 aus der Deckung !

Plutonomics & Plutocrats

Dass Desinformation, Prospektbetrug und multimediales Marketing- und Propagandastakkato zu den Pusher unserer heute real-existierenden Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft gehören scheint mir allgemein bekannt zu sein.

Worum es sich aber in der Wirklichkeit, also in der Praxis bei diesem "Marktliberalismus" handelt, muss man sich schon
erarbeiten. Eine der Basisinformationsquellen liegt wohl beim Wallstreet Journal http://blogs.wsj.com/weal...

Dass wir als Gesellschaft einer geistig-moralischen, einer sittlich-ethischen und einer professionell-intellektuellen Verwahrlosung anheim gefallen sind, die uns scheinbar in das dunkle Mittelalter zurück geworfen hat, kann man wohl auch nachverfolgen: http://www.theatlantic.co...

Das grauenvolle und das entsetzliche an dieser Lage ist, dass es sich offenbar um den Wiederaufstieg der Herrenmenschen und deren menschenverachtender Philosophie handelt, die uns in unserer Geschichte schon einmal fast das Genick gebrochen hat.

Und wieder, wenn man die Print- und TV-Medien liest, scheint dies niemanden zu interessieren oder aufzufallen.
Und dass die heutige FDP zu den Wegbereitern dieser neuen Variante des faschistoiden Nazitums gehört, ist in Anbetracht der Gründerväter dieser Partei nach 1945 eine Tragödie.

Viel zu viel Aufmerksamkeit

für diese neoliberale Chaostruppe.

Diese FDP hat doch schon lange nicht mehr die liberalen Werte, für die die Partei einmal stand. Heute geht es ihr vor allem darum, ihren Sponsoren zu gefallen. Daher die ewige Mantra "Steuersenkungen". Daß jetzt jemand fürs Grobe Generalsekretär wird, zeigt auch, daß die FDP keine wirklichen Lösungsansätze für die aktuellen politischen Probleme hat. Jetzt wird wieder ein Schuldiger gesucht und auf diesen eingeprügelt.
Insgesamt sollte die FDP doch die Aufmerksamkeit bekommen, die sie wirklich verdient - nämlich keine.

Programm umschalten

Im Grunde ist es völlig egal, wer in der FDP auf welchen Posten verschoben wird.

Der Partei fehlt es in hohem Maße an sozialer Kompetenz. Das gilt für ihre Politik, das gilt für ihre Führungsmannschaft, das gilt für den Umgang untereinander und für den Umgang mit den Wählern.

Die Probleme der FDP haben ihre Ursachen in Gier, Selbstbeschenkungsmentalität und Ausgrenzung. Die Geschehnisse um die Mitgliederbefragung sprechen Bände.

Die Partei wird von der Bildfläche verschwinden und nur dann wieder eine Chance auf politischen Einfluss bekommen, wenn sie ihr Programm grundlegend reformiert.

"Klientelpolitik"

Mit einem anderen Generalsekretär dieselbe Politik weiter zu machen wird der FDP nicht helfen. Aber von einem Döhring die Rettung zu erwarten, wäre auch zu viel verlangt: selbst ein echter Politikwechsel könnte die FDP jetzt nicht mehr vor dem Untergang bewahren. Viel zu lange und viel zu oft hat sie zugunsten persönlichen Machtgewinns genau diejenigen verraten, die angeblich ihr "Klientel" sind: den Mittelstand, die Selbständigen, das Handwerk. Dass der FDP von ihren Nichtwählern "Klientelpolitik" vorgeworfen wird, ist so falsch und so irrelevant wie schon immer. Dass sie diese Klientelpolitik - abgesehen von einer einzigen, grausam ungeschickten Ausnahme - in Wirklichkeit versäumt hat, ist ihr nun unlösbares Problem: sie hat dadurch bei ihren ehemaligen Stammwählern jegliches Vertrauen verspielt. Die Piraten stehen schon in den Startlöchern, für eine wirklich liberale Politik - anstatt des wachsweichen Opportunismus, mit dem die FDP (noch) an ihren Pöstchen klebt.

Sie unterschätzen Döring

der Mann hat die Fähigkeiten Leuten Sachen zu verkaufen, die sie eigentlich nicht brauchen, gelernt beim der Hannoveraner Versicherungsklüngel. Da wartet man ja schon förmlich auf das Fettnäpfchen Maschmeyer.
Und bei den vielen Vorstandsposten, wundert man sich das der Mann noch Zeit für die neue Position und sein Bundestagsmanadat hat. Also ein Überperfomer, für eine Partei die den Spruch pflegt, Leistung muss sich lohnen, das richtige Aushängeschild.