FDP-Mitgliederentscheid Die Schicksalswoche der Liberalen

Wie hält‘s die FDP mit der Euro-Rettung? Kommende Woche steht das Ergebnis des Mitgliederentscheids. Nur wenige machen bisher mit, die Parteiführung ist trotzdem nervös.

FDP-Chef Philipp Rösler

FDP-Chef Philipp Rösler

"Um Gottes Willen, keine Dramatik", sagt Christian Lindner. Eine italienische Journalistin hat ihn gerade gefragt, ob denn bald die schwarz-gelbe Koalition zerbricht. "Dramatik ist nicht angesagt", betont der FDP-Generalsekretär dann noch ein zweites Mal. Die FDP ist in diesen Tagen noch ein bisschen aufgeregter als sowieso schon, der 16. Dezember wird für sie ein Schicksalsdatum sein.

Derzeit entscheiden die FDP-Mitglieder, ob sie den geplanten permanenten Euro-Rettungsschirm ESM mittragen wollen – oder ihn ablehnen, wie es sich der Initiator des Mitgliederentscheides, Frank Schäffler, wünscht. Der ESM, schreibt Schäffler in seinem Antrag, reiße "die Dämme marktwirtschaftlicher Vernunft endgültig" ein.  Unermüdlich hat der Bundestagsabgeordnete und ehemalige finanzpolitische Sprecher der FDP im Sommer Unterschriften in der eigenen Partei gesammelt und schließlich den Mitgliederentscheid gegen den Willen der Spitze um Philipp Rösler durchgesetzt.

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"Wir werden gewinnen"

Rund 65.000 Liberale sind deshalb zur Abstimmung per Briefwahl aufgerufen: Sie können ihr Kreuzchen für Schäfflers Position oder einen Gegenantrag der Parteiführung machen. Letzterer trägt den staatstragenden Titel "Europa auf dem Weg zur Stabilitätsunion": Philipp Rösler und sein Team bitten darin, "nicht nur Nein zu sagen, sondern den Weg für ein stabiles Europa mit Leidenschaft" mitzugestalten. Am 16. Dezember soll das Ergebnis bekannt gegeben werden.

In der FDP-Führung fürchtet man diesen Tag. Wie soll es weitergehen mit der Partei und mit der Koalition, wenn die FDP-Basis verlangt, Euro-Rettungsschirme in Zukunft zu boykottieren? "Wir werden gewinnen", sagt Parteichef Rösler zwar, doch tatsächlich ist völlig offen, wie die Abstimmung ausgehen wird.

Beim Mitgliederentscheid gehe es um mehr als nur den Rettungsschirm, sagt Rösler. "Die europäische Grundachse der Partei darf nicht verschoben werden", fordert er. Doch die Stimmung an der Basis spiegelt das nur teilweise wieder. Auf den rund 200 Diskussionsveranstaltungen, die die FDP eigens wegen des Mitgliederentscheids veranstaltete, bekam Frank Schäffler oft viel Applaus, wenn er vor "immer neuen Schuldenbergen" bei der Euro-Rettung warnte.

Ein liberales Vorstandsmitglied sagt ZEIT ONLINE daher: "Es wird super eng. 45:55. Die Frage ist nur, welche Seite die Mehrheit bekommt." Auch der Chef der Jungliberalen, Lasse Becker, glaubt, dass es ein knappes Ergebnis wird. Generalsekretär Lindner formuliert es so: "Es gibt keine Umfragen, also müssen wir uns überraschen lassen."

Überraschend ist bislang auch die äußerst schwache Beteiligung: Nur rund 14.000 FDPler haben bis zum vergangenen Wochenende ihre Briefwahl-Unterlagen zurückgesandt. Das ist nicht viel, etwa 7.000 Stimmen fehlen noch, um überhaupt das notwendige Quorum zu erreichen. Selbst dann hätte sich nur jedes dritte Parteimitglied beteiligt. Und das trotz der vielen Aufregung und des großen Medienrummels um den Mitgliederentscheid.

Leser-Kommentare
    • joG
    • 06.12.2011 um 12:23 Uhr

    ....um effektive Maßnahmen zur "Euro Rettung". Es geht um Details. Die wirklich wichtigen Fragen sind um die Verfassungserneuerung, die zur Rettung Eurolands nötig sind und um den Weg, den man einschlagen würde, um diese Neue Verteilung von Souveränität zu entwerfen und zu legitimieren.

    • kinnas
    • 06.12.2011 um 12:30 Uhr

    Die FDP wird bei sämtlichen folgenden Wahlen Schicksalswochen erleben.

  1. Warum Herr Rösler Herr Lindner ?
    So wird die FDP nicht was Sie mal war:
    Das gewollte Fischen in anderen Teichen muß mangels Köder
    endlich eingestellt werden.
    Die FDP unterschied sich viele Jahre von der Einheitsbreipolitik anderer Parteien nun nicht mehr!
    Wenn sich die Herren Politiker endlich einmal auf Ihre
    alten Wähler besinnen würden und vor allem sich auch
    dafür einsetzen , hätten andere die diese Einheitsbreipolitik nicht wollen eine Alternative !
    Aber SO...

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Es ist auch schwierig über etwas abzustimmen, das nur aus Spekulation besteht.

    Wir wissen nicht, wie die Euroländer ihre Haushalte führen werden und wir wissen nicht, was Investoren über diese Maßnahmen denken, also ist man bei der "Eurorettung" ziemlich in der Schwebe.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. gute PR-Arbeit als 2Prozent Partei immer in den Medien

  4. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie durchgestylt die FDP ist. Da wird nichts passieren, die Aktion ist auch eher dahingehend pölitisch, sich den Anschein zu geben, da liefen mehrere Ideen in der Partei zusammen. Also Gemach, wenn er gefährlich werden könnte, wäre er schon längst verschwunden.

  5. wenn sie wirklich einen großen Wurf wagen müßte..,
    könnte das bedeuten, das Sie überhaupt das jetzige unsoziale Wirtschaftssystem auf den Prüfstand stellen muß.

    Die Konzentration von Geld auf wenige...hat auch in Griechenland zum Kollaps geführt. Kurz zuvor sind ja angeblich rund 300 Mrd. Euro aus dem Land gefloßen.

    Ob das das Geld von 5 Euro Jobbern war?
    Alles "hart" und "ehrlich" durch "Leistung" erarbeitet.

    ...Es war einmal vor langer, langer Zeit eine Partei, die sehr gerne Märchen erzählte.
    Das Märchen vom Euroland könnte mit dieser Truppe bald ausgeträumt sein.

    • kinnas
    • 06.12.2011 um 13:56 Uhr

    "Die Konzentration von Geld auf wenige...hat auch in Griechenland zum Kollaps geführt. Kurz zuvor sind ja angeblich rund 300 Mrd. Euro aus dem Land gefloßen."

    Das größte Problem ist aber, daß die Wenigen zur Zeit einfach so davonkommen. Leiden tun nur, die die letzten Jahre nicht profitiert haben.

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