ZEIT ONLINE: Herr Schäffler, Ihre Parteispitze vergleicht Sie wegen Ihres Euro-skeptischen Kurses mit dem britischen Premierminister David Cameron. Schmeichelt Ihnen dieser Vergleich?

Frank Schäffler: Zumindest hat Camerons Partei bessere Umfragewerte als die FDP derzeit. Aber ich würde unserem Generalsekretär grundsätzlich raten, dieses Thema nicht zu einer Personalfrage zu machen, sondern als Sachfrage zu behandeln.

ZEIT ONLINE: Empfinden Sie den Ton als unangemessen? Parteifreunde sprechen bereits von Mobbing gegen Sie...

Schäffler: Ich habe heute im Bundesvorstand gesagt, dass ich daran interessiert bin, die ganze Sache nicht zu stark zu emotionalisieren, sondern eher runter zu fahren. Ich kann doch kein Interesse daran haben, dass unsere Partei sich zerlegt. Am Ende gibt es da keine Gewinner.

ZEIT ONLINE: Sie haben der Parteispitze vorgeworfen, bei der Mitgliederbefragung würde "keine Waffengleichheit" herrschen. Der Parteivorsitzende habe mit seiner Äußerung vom Sonntag, es werde nicht die nötige Anzahl an Stimmen geben, die Mitglieder demotiviert. Bleiben Sie dabei?

Schäffler: Ja, die Auseinandersetzung verlief nicht auf Augenhöhe. Als Parteichef sollte man die Bewertung des Mitgliederentscheids erst dann vornehmen, nachdem der Mitgliederentscheid vollständig durchgeführt worden ist.

ZEIT ONLINE: Will Rösler das Ergebnis kleinreden, für den Fall, dass Sie zwar das nötige Quorum verpassen, aber die Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf Ihrer Seite ist?

Schäffler: Ich will Röslers Aussage nicht analysieren. Jedenfalls war sie nicht sehr geschickt und kam auch nicht gut an in der FDP. Er hat all diejenigen vor den Kopf gestoßen, die in den vergangenen Wochen Veranstaltungen organisiert haben und Zeit und Geld in diese Auseinandersetzung investiert haben. Der Parteivorsitzende hat versucht, ein Ergebnis vorwegzunehmen, das noch gar nicht feststeht. Als guter Demokrat hätte er die Schließung der Wahllokale abwarten sollen.

ZEIT ONLINE: Unabhängig davon, ob das 30-Prozent-Quorum verfehlt wird, rechnen Sie mit einer Mehrheit für Ihre Position?

Schäffler: Ja, davon gehe ich fest aus. Das ist dann zwar nicht bindend für unsere Parteiführung. Aber der Parteichef muss dennoch schauen, wie er dann damit umgeht.

ZEIT ONLINE: Gesundheitsminister Daniel Bahr warf Ihnen vor, dass sich hinter Ihnen "libertäre und nationalistische Kräfte" versammeln würden, die der Europa-Partei FDP nachhaltig schaden.

Schäffler: Libertär und nationalistisch – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Aber unabhängig davon: Das ist bösartig. So beleidigt man auf einem Schlag die 3.517 Antragsteller des Mitgliederentscheids. Darunter waren Europaabgeordnete und Kreisvorsitzende. Die als Nationalisten zu bezeichnen, ist mindestens unfreundlich.