Der Thüringer Verfassungsschutz hat nach Informationen der Bild am Sonntag erstmals eine direkte Geldzahlung an die Zwickauer Neonazi-Gruppe eingeräumt. Demnach ließ der Geheimdienst der Terrorzelle im Jahr 2000 über Mittelsmänner mehr als 2.000 Mark für gefälschte Pässe zukommen. Dies habe ein Verfassungsschutz-Mitarbeiter am 6. Dezember vor der geheim tagenden Kontrollkommission des Thüringer Landtages gesagt, heißt es in dem Bericht.

Den Angaben des Verfassungsschützers zufolge habe seine Behörde aus abgehörten Telefonaten gewusst, dass die Neonazi-Gruppe damals dringend Geld für neue Pässe brauchte. Man habe darauf gesetzt, mit Hilfe der Geldzahlung konkrete Hinweise auf den Aufenthaltsort sowie die Tarnnamen der Rechtsterroristen zu erhalten. Daher habe der Verfassungsschutz im Jahr 2000 dem NPD-Funktionär Tino Brandt 2.000 Mark übergeben, der unter dem Decknamen Otto als V-Mann für die Behörde gearbeitet habe. Brandt sollte das Geld dem Bericht zufolge an das seit 1998 gesuchte Neonazi-Trio weiterleiten. Er habe dafür einen weiteren Mittelsmann eingeschaltet.

Der Plan sei jedoch gescheitert. Zwar habe sich das Trio tatsächlich neue Pässe beschafft. Weil der Thüringer Verfassungsschutz die Meldeämter in Sachsen aber nicht eingeweiht hatte, konnte die rechte Terrorgruppe mit diesen jedoch unerkannt untertauchen. Im selben Jahr begann die Mordserie der Neonazis: Zwischen September 2000 und April 2007 erschossen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach bisherigen Erkenntnissen mindestens zehn Menschen.

Unterdessen gehen die Behörden bei ihren Ermittlungen im Umfeld der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) offenbar neuen Spuren nach, die in die militante Neonaziszene in Südwestdeutschland führen. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau ist der Ludwigshafener Neonazi Malte R. ins Visier der Ermittler gerückt. Der Zeitung lägen Dokumente vor, in denen Malte R. von den Behörden verdächtigt wird, den Brand in einem Ludwigshafener Wohnhaus gelegt zu haben, bei dem am 3. Februar 2008 neun türkischstämmige Bewohner ums Leben gekommen waren.

Das Feuer in dem ausschließlich von Migranten bewohnten Haus hatte internationales Aufsehen erregt, weil die Behörden eine Brandstiftung mit rassistischem Hintergrund relativ schnell ausgeschlossen hatten. Bis heute ist die Ursache des Feuers ungeklärt. Die Ermittler prüfen nun eine mögliche Verbindung zur Zwickauer Zelle, heißt es in dem Artikel. Gegenüber der ARD erklärte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft allerdings, es gebe bisher "keine zureichenden Anhaltspunkte für einen Zusammenhang" mit der Terrorgruppe NSU.