Deutlich mehr Beschäftigte in Deutschland gehen laut Statistik vorzeitig in den Ruhestand und nehmen dafür Einbußen bei ihren Altersbezügen in Kauf. 2010 war dies bereits fast jeder Zweite, wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf die Deutsche Rentenversicherung berichtet. Im Schnitt fiel bei diesen Frührentnern die Rente um monatlich 113 Euro geringer aus. Gewerkschaften und Sozialverbände befürchten, dass sich das Problem bei Einführung der Rente mit 67 von 2012 an vergrößern wird.

Im vergangenen Jahr bezogen dem Bericht zufolge knapp 674.000 Versicherte erstmals eine Altersrente. 47,5 Prozent von ihnen oder fast 320.000 hätten dabei Abschläge in Kauf nehmen müssen, weil sie nicht bis zum 65. Lebensjahr gearbeitet hätten. 2005 seien es noch 41,2 Prozent gewesen, 2000 nur 14,5 Prozent. Im Schnitt seien die Menschen drei Jahre und zwei Monate vor der offiziellen Altersgrenze in den Ruhestand gegangen.

Ulrike Mascher, die Vorsitzende des Sozialverbandes VdK Deutschland, fürchtet, dass sich mit der langsamen Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre die Situation noch verschärfen wird. "Die Gefahr von Altersarmut wird wachsen", sagte sie der Zeitung.

Das befürchtet auch Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). "Solange die Beschäftigten kaum eine Chance haben, bis 65 zu arbeiten, ist die Rente mit 67 ein reines Rentenkürzungsprogramm." VdK und DGB sprachen sich dafür aus, Abschläge für die erwerbsgeminderten Rentner wieder abzuschaffen.