Lindner-RücktrittFür Rösler wird es eng

Der Rücktritt von Generalsekretär Lindner hat eine Dynamik ausgelöst, die Parteichef Rösler fürchten muss. Er hat wenig erreicht und wirkt überfordert. Von P. Dausend von 

FDP-Chef Philipp Rösler

FDP-Chef Philipp Rösler  |  © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Ein Generalsekretär, der als Hoffnungsträger gilt und die Brocken hinwirft . Eine Regierungspartei, von der man nicht weiß, ob sie überhaupt noch mitregiert. Ein Vizekanzler ohne Autorität. Ein Parteichef, der nicht vermittelt, wohin er führen will. 65.000 Mitglieder, die zu lustlos, zu ausgezehrt oder zu desillusioniert sind, um einem Mitgliederentscheid, bei dem die Zukunft ihrer Partei auf dem Spiel steht, das notwendige Quorum zu verschaffen: Ist das noch eine Krise oder löst sich die FDP bereits auf?

Die Liberalen gehen so in das Jahr 2012, wie sie auch schon in das Jahr 2011 gegangen sind – mit einer offenen Führungsfrage. Vor zwölf Monaten personifizierte Guido Westerwelle den spektakulären Machtverfall seiner Partei. In einer Mischung aus Selbstüberschätzung und Ignoranz hatte der FDP-Vorsitzende den historischen Wahlsieg der Liberalen vom Herbst 2009 in einen so rapiden Niedergang verwandelt, dass er den Chefsessel räumen musste. Sein Nachfolger hat die Krise geerbt und bis heute keinen Ansatz gefunden, sie zu beenden. Der überraschende Rücktritt von Christian Lindner rückt den Vorsitzenden nun ins Scheinwerferlicht. Nur ist nicht viel von ihm zu sehen. Sieben Monate nach seinem Amtsantritt ist Philipp Rösler im Chefsessel verschwunden.

Anzeige

Zu jung, zu unerfahren und von der Überforderung zerschlissen

Der Übergang von Westerwelle zu Rösler entpuppt sich als ein Wechsel vom Übermütigen ins Mutlose, vom Lauten ins Kleinlaute, vom Mann, der zu viel wollte, zu einem, von dem niemand weiß, was er will.

Einen entscheidenden Unterschied zwischen der Stimmung Ende 2010 und Ende 2011 gibt es aber: Vor einem Jahr konnte die FDP ein paar Hoffnungsträger aufweisen, die das Versprechen eines baldigen Aufbruchs verkörperten. Zwölf Monate danach sind die Erwartungen verflogen. Zu jung, zu unerfahren und zugleich schon von der Überforderung zerschlissen: Die Hoffnungsträger haben sich binnen Jahresfrist in Elendsverwalter verwandelt, Lindner hat sich sogar einstweilen verabschiedet. Woher also soll Rettung kommen?

Die Zweifel an Rösler wachsen, weil er immer neue Fehler begeht, sich und seine Partei ohne Not in Bedrängnis bringt. Den Mitgliederentscheid zum permanenten Rettungsfonds ESM erklärte der Vorsitzende vier Tage vor der Zeit per Zeitungsinterview für gescheitert, das notwendige Quorum werde nicht erreicht. Mit diesem ebenso ungeschickten wie undemokratischen Akt vertieft er den Graben zwischen ESM-Gegnern und -Befürwortern in der FDP. Ausgerechnet der Vorsitzende hat also die Geschlossenheit verhindert, die mit der Entscheidung, die an diesem Freitag offiziell verkündet wird, wiederhergestellt werden soll.

Ähnlich fragwürdig handelte Rösler in der Vorbereitung des Dreikönigstreffens, mit dem die FDP am 6. Januar traditionell das politische Jahr beginnt. In dem Maße, in dem die junge Führung hinter den Erwartungen zurückblieb, wuchs der 66-jährige Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle zum starken Mann heran. Bei der Dreikönigskundgebung im kommenden Jahr will sich die FDP nun aus der Krise katapultieren, wieder einmal. Brüderle soll dort aber nicht reden. Die FDP kämpft um ihr Überleben – und nicht ihr aktuell stärkster Mann kommt zum Einsatz, sondern das Quotenkiller-Duo Birgit Homburger/Dirk Niebel. Welcher Chef lässt so etwas zu? Nur einer, der Konkurrenz fürchtet.

Leserkommentare
    • eckbert
    • 14. Dezember 2011 17:25 Uhr
    1. schade

    gleich wirds mit dem hippen bashing der kapitalismuskritiker ( alle mit iphone versteht sich) lost gehen...davor sollte man doch noch auf die errungenschaften für die freiheit und gegen grün verbrämten etatismus verweisen. nicht jeder ist eben beamter oder im öffentlichen dienst und kann sich den totalitär lenkenden staatsapparat leisten
    danke christian lindner

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Seine Internet-Firma Moomax GmbH ging nach 17 Monaten mit dem Neuen Markt unter. Dabei verflüchtigten sich weit über eine Million Euro öffentlicher Fördergelder. Andere Lindner-Firmen, wie die Unternehmensberatung „die Königsmacher GmbH“, kamen erst gar nicht gut genug in Gang, um so viel Geld verbrennen zu können."

    Danke, Herr Lindner

    Auch ich bin zutiefst betrübt. Jetzt kann nur noch der Uebertritt von KT zur FDP helfen, von seiner Attitüde her passt er eh da viel besser hin.

    Das wird die Zustimmung zur FDP auf 0,18% anheben.

    • snilax
    • 14. Dezember 2011 18:12 Uhr

    Es könnte ja auch sein, dass sich für die FDP eine kreative Pause anbahnt.

    • snilax
    • 14. Dezember 2011 18:14 Uhr

    @eckbertchen: Man muss auch mal verlieren können. Sonst macht das Leben keinen Spass mehr. Geht auch ohne Eifon.

    Kleingeist, kleiner eckbert! Was wollten Sie nochmal kritisch bemerken? Es langweilt ohne Ende...viel Erfolg für Wahrhaftigkeit im eignen Spiegelbild!

  1. 1,8% Partei ebenso.

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • SarahA
    • 14. Dezember 2011 17:47 Uhr

    Diese Partei wurde so oft schon totgeredet... und sie ist immernoch da ;)

  2. eigentlich sind wir doch nur zusammengekommen, um etwas zu betrauern..,
    die FdP ist von uns gegangen..oder?

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    nicht die Chance das Redetalent Koch-Mehrin in die boy-group
    zu waehlen, da muesste Sie ab und zu mal anwesend sein, oder ?
    ich schaetz einfach ihr Redetalent zu begeistern,voila !

  3. So kann man die wenigen Worte von Lindner natürlich auch verstehen. Machen dann allerdings aus dem respektablen Schritt Lindners den vorsätzlichen Königsmörder Lindner.

    Ob dies, das Überleben der FDP mit einer neuen alten Vergangheit nach dem Drei-Königstreffen verbessert sei in den Raum gestellt.

    Sicher erscheint - die FDP steht nach einem Jahr schlechter dar. Es fehlt jede Option für Aufbruchstimmung und mit einer Mit-Regierungspartei sieht es in schwierigen Zeiten schlecht für Deutschland aus.

    Eine Leserempfehlung
    • -myway-
    • 14. Dezember 2011 17:31 Uhr

    Brüderle bringt die Teaparty-Rhetoriknach Deutschland. Wer seine Reden im Bundestag anschaut wird merken, dass er sehr tief von einer Intellektuellenfeindlichkeit geprägt ist. Er ist die Personifikation einer schmutzigen rechtsliberalen Partei. Als die FDP dieses Jahr gegen die lang geforderte doppelte Staatsbürgerschaft stimmte, war wahrscheinlich schon die rechte Wende eingeleitet worden.

    7 Leserempfehlungen
  4. "Seine Internet-Firma Moomax GmbH ging nach 17 Monaten mit dem Neuen Markt unter. Dabei verflüchtigten sich weit über eine Million Euro öffentlicher Fördergelder. Andere Lindner-Firmen, wie die Unternehmensberatung „die Königsmacher GmbH“, kamen erst gar nicht gut genug in Gang, um so viel Geld verbrennen zu können."

    Danke, Herr Lindner

    19 Leserempfehlungen
    Antwort auf "schade"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    vorgeworfen wird, ist das was Sie schreiben, die Arroganz des (einfältigen) Wählers. Ohne Leute, die auch mal etwas wagen (z.B. eine Firma gründen) und riskieren (und sei es die Pleite)funktioniert unsere Gesellschaft nicht.
    Es kann nicht jeder Beamter oder Empfänger von Transferzahlungen sein.
    Eben weil es immer mehr solche Meinungen wie die Ihrige gibt (sich lustig machen über Leute, die etwas bewegen wollen und im Nachhinein immer alles besser wissend), genau deshalb brauchen wir eine Partei, die sich Selbstständigen verpflichtet fühlt.

    Entfernt. Bitte beachten Sie Ihren Ton. Danke, die Redaktion/mo.

    • hardius
    • 14. Dezember 2011 17:39 Uhr

    Das hohe Wahlergebnis der letzten Bundestagswahl und die anschließende Ernüchterung der Wähler wird der FDP zum Verhängnis. Wer nach der Wahl so offensichtlich bestimmte Klientel bedient mit einer entsprechenden Rethorik, kann einfach nur scheitern. Hinzu kommt, daß es hier an glaubhaften Persönlichkeiten fehlt. Dieses Gemenge ist ein Selbsläufer zum Untergang dieser Partei.

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Das hohe Wahlergebnis der letzten Bundestagswahl und die anschließende Ernüchterung der Wähler wird der FDP zum Verhängnis. Wer nach der Wahl so offensichtlich bestimmte Klientel bedient mit einer entsprechenden Rethorik, kann einfach nur scheitern. Hinzu kommt, daß es hier an glaubhaften Persönlichkeiten fehlt. Dieses Gemenge ist ein Selbsläufer zum Untergang dieser Partei."

    Das alles wusste derjenige welcher Sinn und Verstand hat bereits vor der Wahl...

  5. Lindner hatte deutliche Hinweise darauf, dass auf dem kommenden Dreikönigstreffen gegen Rösler geputscht werden soll. Er war klug genug, sich nicht mit in den Abgrund reißen zu lassen und hat die persönliche Notbremse gezogen, mit der Hoffnung ohne nachhaltige Beschädigung später ein Comeback haben zu können. Röslers Tage sind freilich gezählt, er ist in der FDP quasi zum Abschuss freigegeben. So schnell kann's gehen!

    12 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service