Christian Wulff © John Macdougall/AFP/Getty Images

Egon Geerkens war entgegen bisheriger Aussagen von Christian Wulff an den Verhandlungen über einen Privatkredit maßgeblich beteiligt. Das bestätigte Wulffs Anwalt Gernot Lehr in einem Schreiben an die Tageszeitung Die Welt. Zuvor hatte sich Wulff stets darauf berufen, dass Edith Geerkens die Kreditgeberin gewesen sei. Egon Geerkens hatte allerdings im Spiegel berichtet, er selbst habe die Verhandlungen geführt, auch wenn der Kredit in Höhe von 500.000 Euro über ein Konto seiner Frau abgewickelt wurde. Zu dieser Darstellung hatte der Bundespräsident bislang keinen Kommentar abgegeben.

Wulffs Anwalt Lehr gab der Welt nun folgende Auskunft: "Der Darlehensgewährung vorausgegangen war die Suche des Ehepaars Wulff nach einer geeigneten Immobilie. Hierin war Herr Egon Geerkens aufgrund seines besonderen Sachverstands und der freundschaftlichen Beziehungen eingebunden. In diesem Zusammenhang ging die Initiative für ein Privatdarlehen von Frau Edith Geerkens aus. Die Modalitäten wurden gemeinsam besprochen, das Darlehen von Frau Edith Geerkens gewährt."

Eine Anfrage des niedersächsischen Landtags Anfang 2010, ob es irgendwelche Geschäftsbeziehungen zwischen Wulff und dem Unternehmer bestanden, hatte der damalige Ministerpräsident verneint. Noch am 15.12. erklärte der Bundespräsident schriftlich: "Bei den zitierten parlamentarischen Anfragen aus dem Niedersächsischen Landtag ging es darum, ob geschäftliche Beziehungen zwischen mir oder dem Land Niedersachsen auf der einen Seite und Herrn Egon Geerkens, einem weiteren Unternehmer oder Firmen, an denen diese beteiligt waren, auf der anderen Seite bestanden. Das war nicht der Fall. Dementsprechend habe ich die gestellten Fragen beantwortet und keine Veranlassung gesehen, den privaten Darlehensvertrag mit Frau Geerkens zu erwähnen." Wulff erklärt dann, dass es besser gewesen wäre, den "privaten Vertrag mit Frau Geerkens" erwähnt zu haben, "denn in der Sache habe ich nichts zu verbergen".

Ein Versuch der Opposition, diese Fragen im Ältestenrat des Parlaments in Hannover zu behandeln, ist am Dienstag am Widerstand von CDU und FDP gescheitert. In dem Gremium sollte es um die Frage gehen, ob Wulff gegenüber dem Parlament die Unwahrheit gesagt habe. Außerdem wollen SPD, Grüne und Linke prüfen lassen, ob Wulff gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen habe.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sieht in der Finanzierung von Anzeigen für Wulffs Buch Besser die Wahrheit durch den Unternehmer Carsten Maschmeyer keinen Verstoß gegen das Parteiengesetz. Dies teilte ein Sprecher mit. Der grüne Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele sagte: "Wenn Wulff das gewusst hat, dann hätte das nach dem Parteiengesetz deklariert werden müssen. Denn das ist ja auch der Partei im Wahlkampf zugute gekommen." Wulffs Behauptung, wonach er von der Finanzierung durch Maschmeyer nichts gewusst habe, findet Ströbele unglaubhaft.

Der Autor des Interview-Buches, Hugo Müller-Vogg, hält die bezahlten Anzeigen für problematisch. Wäre er von seinem Verleger vorab informiert worden, hätte er zur Vorsicht geraten, sagte Müller-Vogg. "Ich kann nicht ausschließen, dass ein Verstoß gegen die Vorschriften zur Parteienfinanzierung vorliegt." Wulff habe zwar keinen finanziellen Vorteil von dem Interview-Band gehabt, "doch er profitierte selbstverständlich vom medialen Echo", so Müller-Vogg.