Christian Wulff war einmal so etwas wie der nationale ideale Schwiegersohn: nett, anständig, langweilig. Ein politischer Karrierist, der es ohne größere Skandale, aber auch ohne sonderliche Leistung von der Jungen Union über das Ministerpräsidentenamt in Niedersachsen bis ins höchste Staatsamt geschafft hat.

Irgendwann hielt es Wulff nicht mehr in der Landespolitik und in seiner angestammten Rolle. Erst tauschte er seine nette Ehefrau nebst Tochter gegen eine neue, jüngere. Die an der Schulter tätowiert ist und schon ein Kind aus anderer Beziehung hatte. Das gab auch Wulff etwas leicht Verruchtes, weniger Glattes. Eine geschickte Image-Korrektur .

Denn Wulff wollte noch etwas werden. Den Weg ins Zentrum der Macht, ins Kanzleramt, traute er sich nicht zu. Dafür fehlte ihm, wie er selber einmal in einem Interview sagte, die nötige Härte. Als sich dann aber im Frühsommer 2010 die Gelegenheit ergab, Bundespräsident zu werden, als Nachfolger des glücklosen Horst Köhler, da griff er gerne zu. Angela Merkel, froh, einen weiteren potenziellen Widersacher loszuwerden, lobte ihn bereitwillig weg ins Schloss Bellevue.

Anderthalb Jahre später holen den so Beförderten nun alte Sünden ein. Als Landespolitiker und Ministerpräsident in einem strukturschwachen Bundesland, zu dessen vornehmsten Aufgaben die Sicherung des Wirtschaftsstandortes gehört, pflegte er einen engen Umgang mit Unternehmern. Offensichtlich auch privat. Soweit noch normal.

Aber dann konnte auch er offenbar der Versuchung nicht widerstehen, die Verbindungen aus seinem politischen Amt für eigene Zwecke zu nutzen: Als er nach der zweiten Heirat für seine neue Familie nach einem passenden Haus suchte, nahm er das Angebot der mit ihm seit langem befreundeten Unternehmerfamilie Egon und Edith Geerkens in Anspruch, ihm das Geld dafür privat zu leihen . Zu einem günstigeren Zinssatz als bei der Bank.

Menschlich ist das nachvollziehbar. Denn wie Egon Geerkens Spiegel online sagte: "Christian musste sein Leben neu ordnen, und jeder weiß, dass Scheidungen teuer sind". Auch ein Ministerpräsident verdient nicht unbegrenzt, ein Privatkredit kam dem Neuvermählten, der ja auch noch für die Ex-Frau und die gemeinsame Tochter zahlen musste, da vermutlich sehr zupass.

Doch Wulff muss schon damals klar gewesen sein, dass dieses Privatgeschäft ein "Geschmäckle" hatte und mit den Regeln politischen Anstands schwer vereinbar war. Warum sonst ließ er sich das Darlehen von Frau Geerkens und nicht von deren Mann oder einer von dessen Firmen geben? Denn so blieb die Finanzierungsquelle für den Hauskauf im Dunkeln, tauchte in keinen Büchern und auch nicht im Grundbuch auf.

Und warum sonst löste Wulff, als die Grünen Anfang 2010 im niedersächsischen Landtag nach geschäftlichen Verbindungen zu Geerkens fragten, den Kredit eilends ab und ersetzte ihn durch ein Darlehen der staatlichen BW-Bank (zu offenbar noch günstigeren Bedingungen)?

Erst recht anrüchig wird der Deal, wenn stimmt, was Geerkens Spiegel online sagte : Dass die 500.000 Euro zwar ursprünglich von einem Schweizer Konto seiner Frau kamen, dann jedoch auf eines seiner eigenen Konten in Deutschland flossen und er Wulff schließlich einen Scheck über die Summe ausstellte.

Denn dann hat der Bundespräsident nicht nur die Unwahrheit gesagt, als er noch am Dienstag bestreiten ließ, dass er das Geld vom Unternehmer Geerkens bekommen hat. Sondern die ganze Sache riecht auch nach möglicher Beihilfe zur Geldwäsche von in der Schweiz versteckten Geldern der Unternehmerfamilie. Oder wie Geerkens es unverblümt formulierte: "Uns war geholfen und ihm auch."

Ohnehin ist die bisherige Darstellung Wulffs wenig glaubhaft. Schließlich nutzte er noch im Winter 2009 eine Ferienresidenz Geerkens in Florida. Für den Flug verschaffte der Wulff ebenfalls freundschaftlich verbundene Air-Berlin-Chef Hunold der Familie einen kostenlosen Upgrade, wodurch die Geschichte mit der Geerkens-Ferienvilla erst bekannt wurde – was die Grünen zu ihrer Frage im Landtag veranlasste.