Neue, erklärungsbedürftige Vorgänge aus seiner Amtszeit als Ministerpräsident belasten Bundespräsident Christian Wulff. So soll der niedersächsische Unternehmer Carsten Maschmeyer 2008 eine Anzeigen-Kampagne für ein Interview-Buch bezahlt haben, in dem Wulff sein privates und politisches Leben beschreibt. Titel: "Besser die Wahrheit".

Wie die Bild-Zeitung berichtet, hatte der Gründer des Finanzdienstleisters AWD für die Zeitungsanzeigen etwa 42.700 Euro aus seinem Privatvermögen ausgegeben. Mit den Annoncen bewarb der Verlag Hoffmann und Campe im Herbst 2007 während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs das Buch. Wulff präsentierte sich in diesen Wochen als Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat für eine weitere Amtszeit.

Die Anzeigen erschienen in mehreren Regionalzeitungen Niedersachsens. Maschmeyer zahlte die vom Verlag vorgeschossenen Beträge wenige Wochen nach der Wiederwahl Wulffs an Hoffmann & Campe. Er habe "die Anzeigen privat bezahlt", sie jedoch nicht steuerlich geltend gemacht, sagte Maschmeyer der Bild. Mit Wulff habe er darüber nicht gesprochen. Dessen Anwalt Gernot Lehr wird von der Zeitung zitiert, Wulff habe von den Zahlungen Maschmeyers nicht gewusst.

Das Interview-Buch sollte dem Bericht zufolge die Wahlchancen Wulffs steigern. Die Partei habe seinerzeit einige Tausend Exemplare gekauft und sie als Wahlwerbung für den damaligen Ministerpräsidenten verschenkt, berichtet die Zeitung.

Unternehmen spenden häufig für Wahlkämpfe der Parteien und ihrer Spitzenkandidaten. Die Summen müssen die Parteien in ihren Rechenschaftsberichten angeben. Die indirekte Zahlung Maschmeyers an den Verlag könnte gegen das Gesetz zur Parteienfinanzierung verstoßen haben.

Ein ähnliches Verfahren hatte Wulff laut der Zeitung 1998 noch selbst kritisiert: Damals bezahlte Maschmeyer anonym Anzeigen für den SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder. Landtags-Oppositionsführer Wulff soll damals einen Verstoß gegen das Gesetz zur Parteienfinanzierung gesehen haben.

Bisher hat der Bundespräsident allem Verdacht widerstanden, er habe sich in seiner Zeit als Ministerpräsident von anderen abhängig gemacht. Ausgangspunkt der Vorwürfe aus der Opposition war ein Kredit zum Bau seines Privathauses, den er über ein Konto der Frau des befreundeten Unternehmers Egon Geerkens erhielt. Hinzu kam der Verdacht, dass mehrere Urlaubsaufenthalte Wulffs bei befreundeten Unternehmern mit seinem Amt in Verbindung stehen könnten.

Wulff hatte sich im Sommer 2010 kurz nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt auch in einer Ferienanlage Maschmeyers auf Mallorca eingemietet. Am Sonntag hatte er eine Liste von Urlauben veröffentlichen lassen. Danach verbrachte er als Regierungschef zwischen 2003 und 2010 insgesamt sechs Aufenthalte bei Freunden in Spanien, Italien, Florida und auf Norderney.